Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]
- Автор: Скальци Джон
- Серия: Krieg der Klone #1
- Год: 2007
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 978-3-641-02950-0
- Переводчик: Bernhard Kempen
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]». Краткое содержание книги:
Ausgezeichnet mit dem JOHN W. CAMPBELL AWARD als bester Roman des Jahres◦– mit »Krieg der Klone«, ein furioses Science-Fiction-Abenteuer in der Tradition Robert A. Heinleins, hat John Scalzi Leser und Kritiker gleichermaßen begeistert.
In dieser Hinsicht befindet sich die KVA im Nachteil. Nehmen wir zum Beispiel die Schlacht gegen die Efg, die noch nicht lange zurückliegt.« Oglethorpe tippte auf einen Bildschirm, der daraufhin ein walähnliches Wesen zeigte, das mit kräftigen Tentakeln ausgestattet war, die sich zu einfachen Händen verzweigten. »Diese Burschen werden bis zu vierzig Meter lang und verfügen über die technische Möglichkeit, Wasser zu polymerisieren. Wir würden unsere schwimmfähigen Schiffe verlieren, wenn sich das Wasser plötzlich in eine treibsandartige Masse verwandelt, die sie und die Besatzungen in die Tiefe zieht. Wie lässt sich die Erfahrung aus dem Kampf gegen diese Spezies umsetzen, wenn man es anschließend beispielsweise mit den Finwe zu tun hat?« Der zweite Bildschirm erhellte sich wieder und zeigte ein süßes reptilisches Wesen. »Die Finwe sind sehr kleine Wüstenbewohner, die hauptsächlich biologische Waffen mit großer Reichweite einsetzen.
Die Antwort lautet natürlich, dass das nicht geht. Trotzdem werden die KVA-Soldaten von einem Kampfeinsatz in den nächsten geschickt. Das ist einer der Gründe, warum die Sterblichkeitsrate in der KVA so hoch ist. Jeder Kampf und jeder Einsatz stellt eine völlig neue Situation dar und ist zumindest aus der Perspektive des einzelnen Soldaten eine einzigartige Erfahrung. Wenn Sie eine Erkenntnis aus diesem kleinen Vortrag ziehen wollen, dann könnte es folgende sein: Falls Sie irgendwelche Vorstellungen haben, wie ein Krieg geführt werden sollte, wäre es besser, wenn Sie sie ganz schnell vergessen. Während Ihrer Ausbildung hier werden Sie auf einiges vorbereitet, was Sie da draußen erwartet, aber denken Sie immer daran, dass Sie als Infanterie häufig als Erste in Kontakt mit einer feindseligen Spezies kommen, deren Methoden und Motive uns völlig unbekannt und in manchen Fällen für uns überhaupt nicht nachvollziehbar sind. Sie werden sehr schnell denken und entscheiden müssen, und dabei dürfen Sie nicht von Ihren bisherigen Erfahrungen ausgehen. Wenn Sie glauben, dass dasselbe funktioniert, was schon einmal funktioniert hat, werden Sie sehr schnell Ihr Leben verlieren.«
Einmal wollte eine Rekrutin von Oglethorpe wissen, warum den KVA-Soldaten überhaupt etwas an den Kolonisten oder den Kolonien liegen sollte. »Wir bekommen ständig eingetrichtert, dass wir gar keine richtigen Menschen mehr sind«, sagte sie. »Wenn das der Fall ist, warum sollen wir uns dann noch für die Kolonisten einsetzen? Sie sind doch nur normale Menschen. Warum züchten wir keine neuen KVA-Soldaten und übernehmen im nächsten Evolutionsschritt einfach selbst den Laden?«
»Glauben Sie nicht, dass diese Frage noch nie zuvor gestellt wurde«, sagte Oglethorpe, was allgemeine Heiterkeit auslöste. »Die kurze Antwort lautet: Weil wir es nicht können. Durch all die genetischen und mechanischen Manipulationen an den Körpern von KVA-Soldaten werden sie unfruchtbar. Weil für jeden von Ihnen zu viel normales genetisches Material benutzt wurde, haben sich jede Menge rezessive Erbanlagen angesammelt, die eine lebensfähige Befruchtung verhindern würden. Und es ist zu viel nichtmenschliches Material im Spiel, um eine erfolgreiche Kreuzung mit normalen Menschen zu ermöglichen. KVA-Soldaten sind ein hochwertiges technisches Produkt, aber in evolutionärer Hinsicht stellen sie eine Sackgasse dar. Das ist ein Grund, warum keiner von Ihnen allzu selbstgefällig werden sollte. Sie können eine Meile in drei Minuten rennen, aber sie können kein Kind zeugen.
Im größeren Zusammenhang jedoch besteht dazu gar keine Notwendigkeit. Der nächste Schritt der menschlichen Evolution findet bereits statt. Die meisten Kolonien sind nicht nur von der Erde, sondern auch untereinander isoliert. Fast alle Menschen, die auf einer Kolonialwelt geboren wurden, verbringen dort ihr ganzes Leben. Außerdem passen sich die Menschen ihrer neuen Heimat an. Einige der ältesten Kolonialwelten haben sich kulturell und linguistisch schon ein gutes Stück von ihren Ursprungskulturen auf der Erde entfernt. In zehntausend Jahren wird sich auch die genetische Drift bemerkbar gemacht haben. Nach entsprechend langer Zeit wird es so viele unterschiedliche Menschenspezies geben, wie es Kolonialplaneten gibt. Die Variationsbreite ist der Schlüssel zum Überleben.
Metaphysisch gesehen sollten Sie sich den Kolonien verbunden fühlen, weil Sie selbst sich bereits verändert haben und demzufolge das menschliche Potenzial ermessen können, zu etwas zu werden, das im Universum überleben kann. In direkterer Hinsicht sollten Ihnen die Kolonien nicht egal sein, weil sie die Zukunft der Menschheit repräsentieren und weil Sie selbst den Menschen immer noch näher stehen als jeder anderen intelligenten Spezies.
Doch in letzter Hinsicht sollte es Ihnen nicht gleichgültig sein, weil Sie alt genug sind, um es erkannt zu haben. Das ist einer der Gründe, warum die KVA alte Menschen rekrutiert◦– nicht nur, weil Sie im Ruhestand sind und eine Belastung für die Wirtschaft darstellen. Der Hauptgrund ist die Tatsache, dass Sie lange genug gelebt haben, um zu wissen, dass es im Leben um mehr als nur das eigene Leben geht. Die meisten von Ihnen hatten Familie und haben Kinder oder Enkel großgezogen, und Sie kennen den Wert einer Tat, die über eigennützige Ziele hinausgeht. Selbst wenn Sie selber nie zu Kolonisten werden, ist Ihnen klar, dass es gut für die Menschheit ist, Kolonien zu gründen, und dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Es ist schwierig, dem Gehirn eines Neunzehnjährigen solche Ideen einzutrichtern. Sie jedoch wissen es bereits aus Erfahrung. Und in diesem Universum ist Erfahrung von entscheidender Bedeutung.«
Wir wurden gedrillt. Wir lernten schießen. Wir machten weiter. Wir schliefen nicht viel.
In der sechsten Woche ersetzte ich Sarah O’Connell als Truppführerin. Bei unseren Übungen schnitt E ständig am schlechtesten ab, und bei Wettbewerben zwischen den Kompanien wirkte sich diese Schwäche nachteilig auf die ganze 63. Kompanie aus. Jedes Mal, wenn eine andere Kompanie eine Trophäe gewonnen hatte, knirschte Ruiz mit den Zähnen und machte mich dafür verantwortlich. Sarah nahm es mit Gelassenheit. »Leider ist es nicht ganz dasselbe wie die Betreuung eines Kindergartens«, lautete ihr Kommentar. Alan übernahm ihren Posten und brachte den Trupp auf Vordermann. Bei einem Schießwettbewerb in der siebten Woche konnte die 63. der 56. den Pokal vor der Nase wegschnappen. Ironischerweise war es Sarah, die sich als beste Schützin erwies und die entscheidenden Punkte für uns machte.
In der achten Woche hörte ich auf, mit meinem BrainPal zu sprechen. Arschloch hatte mich lange genug studiert, um meine Denkmuster zu verstehen, sodass er nun scheinbar im Voraus wusste, was ich wollte. Zuerst fiel es mir während einer simulierten Feuerübung auf, als meine VZ-35 von Gewehrkugeln auf Lenkraketen umschaltete, zwei weiter entfernte Ziele unter Beschuss nahm und dann in den Flammenwerfermodus ging, um ein böses zwei Meter großes Insekt zu braten, das ganz in der Nähe aus einer Felsgruppe hervorsprang. Als mir klar wurde, dass ich keinen einzigen Befehl vokalisiert hatte, spürte ich einen unheimlichen Schauder. Ein paar Tage später ärgerte ich mich zum ersten Mal, als ich Arschloch ausdrücklich zu etwas auffordern musste. Erstaunlich, wie schnell eine unheimliche Fähigkeit zur Gewohnheit werden kann.
In der neunten Woche mussten Alan, Martin Garabedian und ich ein internes Disziplinarverfahren durchführen, weil einer von Martins Rekruten es auf Martins Posten als Truppführer abgesehen hatte und sich nicht zu schade gewesen war, zu diesem Zweck ein wenig Sabotage einzusetzen. Der Rekrut hatte sein vergangenes Leben als mittelmäßig berühmter Popstar verbracht und war es gewohnt, seine Ziele mit allen verfügbaren Mitteln zu verfolgen. Es war ihm gelungen, einige Truppkameraden für die Verschwörung zu gewinnen, aber leider hatte er nicht daran gedacht, dass Martin als sein Truppführer Zugriff auf die Nachrichten hatte, die er an sie verschickte. Martin wandte sich an mich, und ich hielt es für angebracht, weder Ruiz noch einen der anderen Ausbilder mit einem Problem zu belästigen, das wir mühelos selber lösen konnten.