Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]
- Автор: Скальци Джон
- Серия: Krieg der Klone #1
- Год: 2007
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 978-3-641-02950-0
- Переводчик: Bernhard Kempen
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]». Краткое содержание книги:
Ausgezeichnet mit dem JOHN W. CAMPBELL AWARD als bester Roman des Jahres◦– mit »Krieg der Klone«, ein furioses Science-Fiction-Abenteuer in der Tradition Robert A. Heinleins, hat John Scalzi Leser und Kritiker gleichermaßen begeistert.
Ein Rekrut hob die Hand.
»Ja, Thompson?«, sagte Ruiz. Entweder hatte er sich die Namen sämtlicher Rekruten eingeprägt, oder sein BrainPal stellte ihm diese Information zur Verfügung. Ich wollte mir kein Urteil anmaßen, welche Mutmaßung zutreffend war.
»Master Sergeant, wir mussten die Strecke rennen, weil jeder von uns Ihnen einen Grund zur Verachtung gibt!«
»Ausgezeichnete Antwort, Thompson. Aber sie ist nur zum Teil richtig. Ihr musstet zwanzig Kilometer in einer Stunde laufen, weil ihr es könnt. Selbst die Langsamsten von euch haben die vorgegebene Zeit um nur zwei Minuten unterboten. Das bedeutet, dass jeder Einzelne von euch Scheißern ohne Training, ohne die geringste echte Anstrengung dasselbe leistet wie olympische Goldmedaillengewinner auf der Erde.
Und wisst ihr auch, warum das so ist? Ist es euch klar? Es ist so, weil keiner von euch mehr menschlich ist! Ihr seid viel besser! Ihr wisst es nur noch nicht. Scheiße, ihr habt eine Woche damit verplempert, zwischen den Wänden eines Raumschiffs herumzuhüpfen, und ihr habt wahrscheinlich immer noch nicht kapiert, aus welchem Holz ihr geschnitzt seid. Nun, meine Damen und Herren, das wird sich jetzt ändern. In der ersten Woche eurer Ausbildung geht es nur darum, zu glauben, wozu ihr in der Lage seid. Und ihr werdet glauben! Euch bleibt gar keine andere Wahl!«
Dann rannten wir 25 Kilometer in Unterwäsche.
Fünfundzwanzig Kilometer laufen. Hundert Meter in sieben Sekunden rennen. Aus dem Stand zwei Meter senkrecht in die Luft springen. Einen Satz über zehn Meter breite Gräben machen. Zweihundert Kilo schwere Gewichte stemmen. Aberhundert Kniebeugen, Liegestütze und Klimmzüge. Wie Ruiz gesagt hatte, war es gar nicht so schwer, all diese Leistungen zu vollbringen, sondern zu glauben, dass wir sie schaffen konnten. Immer wieder versagten Rekruten, weil sie irgendwann die Nerven verloren. Dann machten sich Ruiz und seine Assistenten über diese Leute her und schüchterten sie so lange ein, bis sie es schafften (und ließen mich dann Liegestütze machen, weil ich oder meine Truppführer unsere Leute nicht hinreichend eingeschüchtert hatten).
Jeder Rekrut◦– jeder◦– hatte seinen oder ihren Moment des Zweifels. Meiner kam am vierten Tag, als sich die 63. Kompanie rund um den Swimmingpool der Basis versammelt hatte, jeder mit einem fünfundzwanzig Kilo schweren Sandsack im Arm.
»Was ist der größte Schwachpunkt des menschlichen Körpers?«, fragte Ruiz, während er langsam um die Kompanie herumging. »Es ist nicht das Herz oder das Gehirn oder die Füße oder irgendetwas anderes, was ihr jetzt denkt. Ich sage euch, was es ist. Es ist das Blut, und das ist eine schlechte Neuigkeit, weil sich das Blut überall im Körper befindet. Es transportiert Sauerstoff, aber es transportiert auch Krankheiten. Wenn ihr verwundet seid, gerinnt das Blut, aber häufig nicht schnell genug, um euch vor dem Tod durch Verbluten zu bewahren. Obwohl man in diesem Fall in Wirklichkeit an Sauerstoffmangel stirbt. Weil nicht mehr genug Blut im Körper ist. Stattdessen fließt es aus euch heraus und versickert im Boden, wo es euch nichts mehr nützt.
Die Koloniale Verteidigungsarmee hat in ihrer göttlichen Weisheit entschieden, völlig auf normales menschliches Blut zu verzichten. Es wurde durch SmartBlood ersetzt. SmartBlood besteht aus Milliarden Robotern in Nanometergröße, die all das machen, was Blut macht, nur viel besser. Es ist nicht organisch, also ist es keinen biologischen Risiken ausgesetzt. Es kommuniziert mit eurem BrainPal, sodass es innerhalb von Millisekunden gerinnen kann. Ihr könntet ein komplettes Bein verlieren, ohne dass ihr daran verbluten würdet. Viel wichtiger ist für euch im Moment die Tatsache, dass jede ›Zelle‹ SmartBlood viermal so viel Sauerstoff aufnehmen kann wie natürlich rote Blutkörperchen.«
Ruiz blieb stehen. »Das ist für euch deshalb so wichtig, weil ihr alle gleich mit dem Sandsack in den Pool springen werdet. Ihr werdet zu Boden sinken. Und dort werdet ihr mindestens sechs Minuten lang bleiben. Sechs Minuten unter Wasser reichen aus, um einen durchschnittlichen Menschen zu töten, aber jeder von euch kann es mindestens so lange aushalten, ohne eine einzige Gehirnzelle zu verlieren. Um euch einen Anreiz zu geben, lange genug unten zu bleiben, wird der erste von euch, der auftaucht, eine Woche lang zum Latrinendienst verdonnert. Und wenn dieser Rekrut vor Ablauf der sechs Minuten auftaucht, dann sagen wir einfach, dass jeder von euch intensive persönliche Bekanntschaft mit einem Scheißloch irgendwo auf dieser Basis machen wird. Kapiert? Also rein mit euch!«
Wir sprangen, und wie versprochen sanken wir direkt zum Grund des Beckens in drei Metern Tiefe. Fast unmittelbar darauf flippte ich aus. Als Kind war ich einmal in einen abgedeckten Pool gefallen. Dabei hatte ich die Abdeckplane aufgerissen, worauf ich mehrere panische und orientierungslose Minuten damit verbrachte, den Weg zurück an die Oberfläche zu finden. Diese Minuten reichten nicht aus, um zu ertrinken, aber sie hatten genügt, um eine lebenslange Aversion zu entwickeln, mit dem Kopf vollständig unterzutauchen. Nach etwa dreißig Sekunden hatte ich das unwiderstehliche Bedürfnis nach einem tiefen Atemzug an der frischen Luft. Ich würde auf gar keinen Fall eine ganze Minute durchhalten, geschweige denn sechs.
Ich spürte im Rücken eine Berührung. Ich drehte mich erschrocken um und sah, dass Alan, der neben mir untergetaucht war, zu mir herübergekommen war. Durch das trübe Wasser konnte ich erkennen, wie er sich gegen den Kopf tippte und dann auf meinen zeigte. In diesem Moment teilte Arschloch mir mit, dass Alan Kontakt mit mir aufnehmen wollte. Ich dachte ein Einverstanden. Dann hörte ich eine emotionslose Wiedergabe von Alans Stimme in meinem Kopf.
Stimmt was nicht?, fragte Alan.
Phobie, antwortete ich.
Nicht in Panik geraten, gab Alan zurück. Vergiss, dass du unter Wasser bist.
Witzbold!
Dann lenk dich ab. Frag deine Truppführer, ob irgendjemand Probleme hat, und hilf ihnen …
Die unheimliche Ruhe von Alans simulierter Stimme half mir. Ich öffnete einen Kanal zu meinen Truppführern, um mich nach ihrem Befinden zu erkundigen und sie anzuweisen, dasselbe mit ihren Leuten zu machen. Jeder von ihnen hatte ein oder zwei Rekruten, die kurz davor standen, in Panik zu geraten. Sie redeten mit ihnen, um sie zu beruhigen. Neben mir konnte ich erkennen, wie sich Alan um unseren Trupp kümmerte.
Drei Minuten, dann vier Minuten. In Martins Gruppe schlug ein Rekrut wild um sich und zuckte heftig, wobei sein Sandsack als Anker fungierte. Martin ließ seinen eigenen Sack fallen und schwamm zu ihm hinüber. Er packte ihn an den Schultern und brachte ihn dazu, ihm ins Gesicht zu sehen. Ich zapfte Martins BrainPal an und hörte, wie er zum Rekruten sagte: Konzentrier dich auf mich, auf meine Augen. Es schien zu helfen. Der Rekrut hörte auf, um sich zu schlagen und entspannte sich.
Fünf Minuten. Trotz unserer verbesserten Leistungsfähigkeit spürten jetzt alle die ersten Auswirkungen des Sauerstoffmangels. Die Leute traten von einem Fuß auf den anderen oder hüpften auf der Stelle. In einer Ecke sah ich eine Rekrutin, die ihren Sandsack gegen den Kopf presste. Ich hätte fast darüber gelacht, aber gleichzeitig überlegte ich, ob ich nicht dasselbe tun sollte.
Fünf Minuten und dreiundvierzig Sekunden. Einer der Rekruten aus Marks Trupp ließ den Sandsack fallen und schwamm zur Oberfläche hinauf. Mark setzte ihm lautlos nach, packte den Mann am Knöchel und zog ihn mit seinem Gewicht wieder nach unten. Ich dachte daran, dass Marks stellvertretender Truppführer ihm dabei hätte helfen können, doch als ich meinen BrainPal konsultierte, wurde mir klar, dass der Rekrut mit den Schwierigkeiten sein Stellvertreter war.
Sechs Minuten. Vierzig Rekruten warfen die Sandsäcke weg und kämpften sich nach oben. Mark ließ den Fuß seines Stellvertreters los und gab ihm von unten einen Schubs, damit er als Erster die Oberfläche erreichte und den Latrinendienst übernahm, zu dem er sich bereits freiwillig gemeldet hatte. Ich machte mich ebenfalls bereit für den Aufstieg, als ich sah, wie Alan den Kopf schüttelte.