Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Oh, es geht mir schon viel besser«, versicherte ihm der Major und legte eine Hand an die Weste seiner Uniform. Er rülpste zur Demonstration. »Mrs. Fraser hat großes Geschick mit solchen Dingen. Großes Geschick!«
»Oh, gut«, sagte Martin. Er machte jetzt einen etwas weniger gehetzten Eindruck als vorhin. »Dann wollt Ihr sicher zurück.« Er gab dem Soldaten am Fuß der Treppe ein Signal, und dieser tippte sich zur Bestätigung mit den Knöcheln an die Stirn und verschwand nach oben.
»Das Boot ist in ein paar Minuten für Euch bereit.« Der Gouverneur wies kopfnickend auf MacDonalds halb ausgetrunkenen Tee und verbeugte sich förmlich vor mir, dann wandte er sich ab und ging in die Kajüte des Schiffsarztes, wo ich ihn am Tisch stehen und einen stirnrunzelnden Blick auf den Haufen zerknitterter Papiere werfen sehen konnte.
MacDonald schluckte hastig seinen restlichen Tee und zog die Augenbrauen hoch, um mich einzuladen, ihn zum Oberdeck zu begleiten. Wir standen an Deck und warteten, während ein hiesiges Fischerboot vom Ufer zur Cruizer fuhr, als er mir plötzlich die Hand auf den Arm legte.
Das verblüffte mich; MacDonald war kein großer Freund beiläufiger Berührungen.
»Ich werde mein Äußerstes geben, um den Aufenthaltsort Eures Gatten herauszubekommen, Ma’am«, sagte er. »Allerdings kommt mir der Gedanke –« Er zögerte und musterte mich aufmerksam.
»Was?«, hakte ich vorsichtig nach.
»Ich sagte doch, dass ich eine Unmenge an Spekulationen gehört habe?«, sagte er vorsichtig. »Bezüglich des … ähm … des unglücklichen Ablebens von Miss Christie. Wäre es nicht … wünschenswert …, dass ich die Wahrheit erfahre, so dass ich böse Gerüchte mit Nachdruck zum Schweigen bringen kann, wenn sie mir begegnen?«
Ich war hin- und hergerissen zwischen Wut und Gelächter. Ich hätte wissen müssen, dass er die Neugier nicht zügeln konnte. Doch er hatte recht; angesichts der Gerüchte, die mir zu Ohren gekommen waren – und ich wusste, dass dies nur ein Bruchteil des Geredes war, das sich im Umlauf befand –, war die Wahrheit sicherlich erstrebenswerter. Andererseits war ich mir absolut sicher, dass die Verbreitung der Wahrheit nichts dazu beitragen würde, die Gerüchte zum Schweigen zu bringen.
Und dennoch. Das Bedürfnis nach Gerechtigkeit war stark; ich verstand die armen Teufel, die noch am Galgen ihre Unschuld beteuerten – und ich hoffte sehr, dass ich nicht zu ihnen zählen würde.
»Schön«, sagte ich kühl. Der Erste Maat stand wieder an der Reling, um das Fort im Auge zu behalten, und er war in Hörweite, doch es spielte wohl keine Rolle, ob er es mitbekam.
»Die Wahrheit lautet folgendermaßen: Malva Christie war von irgendjemandem schwanger, doch anstatt den Namen des tatsächlichen Vaters preiszugeben, hat sie behauptet, es sei mein Mann gewesen. Ich weiß, dass dies nicht stimmt«, fügte ich hinzu und fixierte ihn mit bohrendem Blick. Er nickte mit leicht geöffnetem Mund.
»Ein paar Tage später bin ich in meinen Garten gegangen und habe die kleine – Miss Christie mit frisch durchgeschnittener Kehle in meinem Salatbeet gefunden. Ich dachte … es bestünde vielleicht eine Chance, ihr ungeborenes Kind zu retten …« Trotz meiner vorgetäuschten Tapferkeit zitterte meine Stimme ein wenig. Ich hielt inne und räusperte mich. »Es ist mir nicht gelungen. Das Kind kam tot zur Welt.«
Besser, nicht zu sagen, wie es zur Welt gekommen war; dieses aufwühlende Bild der zertrennten Bauchdecke und des schmutzigen Messers wollte ich dem Major nicht gern in den Kopf setzen, wenn es sich verhindern ließ. Ich hatte niemandem – nicht einmal Jamie – von dem schwachen Lebensfunken erzählt, jenem Kribbeln, das ich immer noch verborgen in den Händen hielt. Wenn ich sagte, dass das Kind lebend geboren worden war, erregte ich damit den Verdacht, es umgebracht zu haben, das wusste ich. Manche würden das sowieso denken, so wie es Mrs. Martin ja eindeutig getan hatte.
MacDonalds Hand lag noch auf meinem Arm; sein Blick hing an meinem Gesicht. Ausnahmsweise war ich froh über meine transparenten Gesichtszüge; niemand, der mein Gesicht beobachtete, zweifelte je an meinen Worten.
»Ich verstehe«, sagte er leise und drückte mir sacht den Arm.
Ich holte tief Luft und erzählte ihm den Rest – unwesentliche Details würden womöglich den einen oder anderen Zuhörer überzeugen.
»Ihr wisst doch, dass ich Bienenstöcke am Rand meines Gartens hatte? Der Mörder hat beim Weglaufen zwei davon umgestoßen; er muss mehrmals gestochen worden sein – so wie ich, als ich in den Garten gekommen bin. Jamie – Jamie hatte keine Bienenstiche. Er war es nicht.« Und unter den damaligen Umständen hatte ich nicht herausfinden können, welcher Mann – oder welche Frau? Zum ersten Mal kam ich auf den Gedanken, dass es eine Frau gewesen sein könnte – gestochen worden war.
Bei diesen Worten brummte er interessiert. Einen Moment stand er nachdenklich da, dann schüttelte er den Kopf, als erwachte er aus einem Traum, und ließ meinen Arm los.
»Ich danke Euch, Ma’am, dass Ihr es mir erzählt habt«, sagte er förmlich und verbeugte sich vor mir. »Seid gewiss, dass ich bei jeder sich ergebenden Gelegenheit für Euch sprechen werde.«
»Das weiß ich zu schätzen, Major.« Meine Stimme war heiser, und ich schluckte. Mir war nicht klar gewesen, wie sehr es schmerzen würde, davon zu sprechen.
Ringsum regte sich der Wind, und über uns raschelten die gerefften Segel. Ein Ruf von unten verkündete die Ankunft des Bootes, das MacDonald zum Ufer zurückbringen würde.
Er beugte sich dicht über meine Hand, und sein Atem hauchte warm über meine Fingerknöchel. Eine Sekunde lang drückten meine Finger fest auf die seinen; es widerstrebte mir überraschend, ihn gehen zu lassen. Doch das tat ich und sah ihm bis zum Ufer nach; eine verschwindende Silhouette vor dem glitzernden Wasser, aufrecht und entschlossen. Er blickte nicht zurück.
Der Maat regte sich seufzend an der Reling, und ich blinzelte zuerst ihn an, dann das Fort.
»Was tun sie da?«, fragte ich. Einige der Ameisengestalten schienen ihren Kameraden am Boden von den Wällen Stricke zuzuwerfen; ich sah die Seile, die aus dieser Entfernung zart wie Spinnweben aussahen.
»Ich glaube, der Kommandeur des Forts bereitet die Entfernung der Kanonen vor, Madam«, sagte er und schob sein Messingteleskop mit einem Klicken zusammen. »Wenn Ihr mich entschuldigt, ich muss den Kapitän davon in Kenntnis setzen.«
Kapitel 96
Pulver, Verrat und Intrige
Ich bekam keine Gelegenheit herauszufinden, ob die Neuigkeit, dass ich doch keine Urkundenfälscherin, sondern vielmehr eine berüchtigte – wenn auch nicht verurteilte – Mörderin war, die Haltung des Gouverneurs mir gegenüber änderte. Genau wie der Rest der Offiziere und die Hälfte der Männer an Bord rannte auch er an die Reling, und der Rest des Tages verstrich in einem Durcheinander aus Beobachtungen, Spekulationen und höchst fruchtloser Aktivität.
Der Mann im Ausguck rief uns hin und wieder seine Beobachtungen zu – Männer verließen das Fort, beladen mit Gegenständen – dem Aussehen nach die Bewaffnung des Forts.
»Sind es Collets Männer?«, brüllte der Gouverneur und hielt sich die Hand über die Augen, als er nach oben spähte.
»Kann ich nicht sagen, Sir«, kam die wenig hilfreiche Antwort aus der luftigen Höhe.
Schließlich wurden die beiden Barkassen der Cruizer mit dem Auftrag an Land geschickt, so viel Neuigkeiten zu sammeln, wie sie konnten. Einige Stunden später kehrten sie mit der Nachricht zurück, dass Collet den Drohungen nachgegeben und das Fort verlassen, aber Wert darauf gelegt hatte, die Kanonen und das Pulver mitzunehmen, damit es nicht in die Hände der Rebellen fiel.
Nein, Sir, sie hatten nicht mit Hauptmann Collet gesprochen, der – dem Gerücht nach – mit seiner Miliz flussaufwärts unterwegs war. Sie hatten zwei Männer über die Straße nach Wilmington geschickt; es stimmte, dass sich eine große Truppe unter den Obersten Robert Howe und John Ashe auf den Feldern vor der Stadt sammelte, doch kein Wort von dem, was sie planten.