Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ach ja?«, sagte ich. »Nun, kommt mit in die Kombüse; ich braue Euch etwas, das Euch bestimmt helfen wird.«
»Wusstet Ihr, dass er Euch für eine Urkundenfälscherin hält?« MacDonald, der die Hände um einen Becher Tee gelegt hatte, wies mit einem Ruck seines Kopfes in die Richtung der Hauptkajüte. Der Gouverneur war nirgendwo in Sicht, und die Kajütentür war geschlossen.
»Ja, das wusste ich. Weiß er es jetzt besser?«, fragte ich mit einem Anflug von Resignation.
»Nun, aye.« MacDonald setzte eine entschuldigende Miene auf. »Ich vermute aber, dass er es schon wusste, sonst hätte ich nichts gesagt. Die Geschichte ist inzwischen bis Edenton bekannt, und die Flugblätter …«
Ich tat das Thema mit einer Handbewegung ab.
»Habt Ihr Jamie gesehen?«
»Nein.« Er betrachtete mich mit einem Blick, in dem Neugier und Argwohn miteinander rangen. »Ich habe gehört … aye, nun ja, ich habe eine Menge Dinge gehört, und sie sind alle verschieden. Doch der Kern der Geschichte ist, dass man Euch beide verhaftet hat, aye? Wegen Mordes an Mrs. Christie.«
Ich nickte kurz. Ich fragte mich, ob ich mich wohl eines Tages an dieses Wort gewöhnen würde. Noch war sein Klang wie ein Boxhieb in die Magengrube, abrupt und brutal.
»Muss ich Euch sagen, dass nichts Wahres daran ist?«, sagte ich unverblümt.
»Absolut nicht, Ma’am«, versicherte er mir und gab sich alle Mühe, Vertrauen vorzutäuschen. Doch ich spürte, wie er zögerte, und sah den Seitenblick, neugierig und irgendwie eifernd. Eventuell würde ich mich eines Tages auch daran gewöhnen.
Meine Hände waren kalt; ich legte sie ebenfalls um meinen Becher, um mich an seiner Wärme zu trösten, so gut es ging.
»Ich muss meinem Mann eine Nachricht zukommen lassen«, sagte ich. »Wisst Ihr, wo er ist?«
MacDonalds blassblaue Augen waren auf mein Gesicht gerichtet, und in seiner Miene lag jetzt nur noch höfliche Aufmerksamkeit.
»Nein, Ma’am. Aber Ihr wisst es anscheinend?«
Ich sah ihn scharf an.
»Spielt nicht den Schüchternen«, wies ich ihn knapp an. »Ihr wisst genauso gut wie ich, was an Land vor sich geht – wahrscheinlich viel besser.«
»Schüchtern.« Er spitzte belustigt die schmalen Lippen. »Ich glaube nicht, dass ich schon einmal so bezeichnet worden bin. Aye, ich weiß es. Und?«
»Ich glaube, dass er möglicherweise in Wilmington ist. Ich habe versucht, John Ashe eine Nachricht zukommen zu lassen, und ihn gebeten, meinen Mann, wenn möglich, aus dem Gefängnis von Wilmington zu holen – wenn er überhaupt dort ist – und ihm zu sagen, wo ich bin. Aber ich weiß nicht –« Ich wies mit einer frustrierten Handbewegung auf das Ufer.
Er nickte, und seine angeborene Vorsicht kämpfte mit seinem sichtbaren Wunsch, mich nach den blutigen Einzelheiten von Malvas Tod zu fragen.
»Ich komme auf dem Rückweg durch Wilmington. Ich werde mich nach Möglichkeit erkundigen. Wenn ich Mr. Fraser finde – soll ich ihm irgendetwas mitteilen, über Euer gegenwärtiges Befinden hinaus?«
Ich zögerte und überlegte. Ich hatte ein konstantes Zwiegespräch mit Jamie geführt, seit sie ihn von meiner Seite gerissen hatten. Doch nichts von dem, was ich in der Weite der schwarzen Nächte oder in der einsamen Dämmerung zu ihm gesagt hatte, schien geeignet, es MacDonald anzuvertrauen. Und doch … ich konnte auf diese Gelegenheit nicht verzichten; weiß Gott, wann ich eine andere bekommen würde.
»Sagt ihm, dass ich ihn liebe«, sagte ich leise, den Blick auf die Tischplatte gerichtet. »Immer.«
MacDonald stieß ein leises Geräusch aus, das mich zu ihm aufblicken ließ.
»Obwohl er –«, begann er, dann verstummte er.
»Er hat sie nicht umgebracht«, sagte ich scharf. »Und ich auch nicht. Das habe ich Euch doch schon gesagt.«
»Natürlich nicht«, sagte er hastig. »Es konnte sich doch niemand vorstellen … Ich meinte doch nur … Aber ein Mann ist natürlich nur ein Mann, und … mmpfm.« Er brach ab und blickte mit hochrotem Gesicht zur Seite.
»Das hat er auch nicht getan«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen.
Es folgte geladenes Schweigen, währenddessen wir es vermieden, einander anzusehen.
»Ist General MacDonald ein Verwandter von Euch?«, fragte ich abrupt, denn ich musste entweder das Thema wechseln oder gehen.
Der Major blickte auf, überrascht – und erleichtert.
»Aye, ein entfernter Vetter. Hat der Gouverneur ihn erwähnt?«
»Ja«, sagte ich. Es war schließlich die Wahrheit; nur, dass Martin den General nicht mir gegenüber erwähnt hatte. »Ihr, äh, unterstützt ihn, nicht wahr? Es klang so, als wärt Ihr ganz erfolgreich.«
Erleichtert, der peinlichen Situation entkommen zu sein, sich mit der Frage befassen zu müssen, ob ich eine Mörderin war und Jamie nur ein Ehebrecher, oder ob er ein Mörder war und ich die betrogene und getäuschte Dumme, war MacDonald nur zu gern bereit, sich auf den Köder zu stürzen, den ich ihm anbot.
»Sehr erfolgreich sogar«, sagte er glücklich. »Ich habe Zusagen von vielen der prominentesten Männer der Kolonie gesammelt; sie stehen bereit, dem Gouverneur beim geringsten Wort jede Bitte zu erfüllen.«
Jno. McManus, Boone, 3. Prominente Männer. Zufällig kannte ich Jonathan McManus, dem ich letzten Winter die gangränösen Zehen amputiert hatte. Er war wahrscheinlich der prominenteste Mann in Boone, wenn MacDonald damit meinte, dass die anderen zwanzig Einwohner ihn alle als Trunkenbold und Dieb kannten. Wahrscheinlich stimmte es ebenso, dass er drei Männer hatte, die mit ihm in den Kampf ziehen würden, wenn er sie rief: seinen einbeinigen Bruder und seine beiden schwachsinnigen Söhne. Ich trank einen Schluck Tee, um meinen Gesichtsausdruck zu verstecken. Dennoch, MacDonald hatte Farquard Campbell auf seiner Liste; hatte sich Farquard tatsächlich offiziell verpflichtet?
»Ich nehme aber an, dass sich der General im Moment nicht in der Nähe von Brunswick aufhält«, sagte ich, »angesichts der, äh, gegenwärtigen Umstände?« Wenn es so wäre, wäre der Gouverneur um einiges weniger nervös gewesen, als es der Fall war.
MacDonald schüttelte den Kopf.
»Nein. Aber er ist noch nicht bereit, seine Truppen aufzustellen; er und McLeod sind nur unterwegs, um die Bereitschaft der Highlander auszuloten, sich zu erheben. Sie werden erst zur Musterung rufen, wenn die Schiffe kommen.«
»Schiffe?«, platzte ich heraus. »Was für Schiffe?«
Er wusste, dass er besser nicht weitersprach, konnte aber nicht widerstehen. Ich sah es seinen Augen an; welche Gefahr konnte es schließlich mit sich bringen, wenn er es mir erzählte?
»Der Gouverneur hat die Krone um Hilfe bei der Unterwerfung des Parteigeistes und der Unruhe in der Kolonie gebeten. Und man hat ihm versichert, dass er sie erhalten wird – falls es ihm gelingt, vor Ort genug Unterstützung zu mobilisieren, um die Regierungstruppen zu verstärken, die per Schiff eintreffen werden. Das ist der Plan, versteht Ihr«, fuhr er mit zunehmender Begeisterung fort. »Uns wurde mitgeteilt« – Oh, »uns« also, dachte ich –, »dass Lord Cornwallis begonnen hat, in Irland Truppen zu sammeln, die in Kürze an Bord gehen werden. Sie sollten im Frühherbst eintreffen und sich mit der Miliz des Generals zusammenschließen. Cornwallis an der Küste und der General, der aus den Bergen kommt –« Er ballte Daumen und Finger zur Faust. »Sie werden die verfluchten Whigs zerquetschen wie eine Läuseplage!«
»Ach ja?«, sagte ich, um einen beeindruckten Tonfall bemüht. Vielleicht würde es ja so sein; ich hatte keine Ahnung, und es interessierte mich auch nicht besonders, da ich nicht in der Lage war, weit über die Gegenwart hinauszusehen. Wenn es mir je gelang, dieses verflixte Schiff und die drohende Henkersschlinge hinter mir zu lassen, dann würde ich mich darum sorgen.
Das Geräusch, mit dem sich die Tür der Hauptkajüte öffnete, ließ mich aufblicken. Der Gouverneur schloss sie hinter sich. Als er sich umdrehte, sah er uns und kam herbei, um sich nach MacDonalds vorgeblicher Unpässlichkeit zu erkundigen.