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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Moscou déserte! Quel évènement invraisemblable! sagte er zu sich selbst.

Er fuhr nicht bis in die Stadt hinein, sondern machte bei einem Gasthaus in der Dorogomilowvorstadt halt.

Le coup de théâtre avait raté.

21

Die russischen Truppen waren von zwei Uhr nachts bis zwei Uhr mittags durch Moskau gezogen und hatten die letzten abreisenden Einwohner und Verwundeten mit fortgerissen. Das größte Gedränge während dieser Truppenbewegung war bei der Kamenny –, der Moskwa- und der Jausabrücke[193] entstanden.

Während sich die Truppenmassen, die sich beim Kreml geteilt hatten, nun an der Moskwa- und Kamennybrücke stauten, benutzte eine große Anzahl Soldaten diesen Aufenthalt und die Finsternis, um still und verstohlen von den Brücken zurückzukehren und an der Wassilij-Blaschenny-Kirche[194] und durch das Borowizkijtor[195] auf den Berg und auf den Roten Platz zurückzuschleichen, wo man sich, wie ihnen ein gewisser Instinkt eingab, fremdes Gut mühelos aneignen konnte. Eine ebenso gewaltige Menschenmasse, wie sie sich stets da zu versammeln pflegt, wo etwas billig zu haben ist, füllte die Kreuzund Quergänge des Basars[196]. Aber es fehlten die freundlich verstellten, lockenden Stimmen der Verkäufer, es fehlten die Hausierer und die bunten Scharen einkaufender Frauen – man sah nur Soldaten in Uniformen und Mänteln und ohne Flinten, die stumm mit Lasten herauskamen oder leer in die Ladenreihen hineingingen. Kaufleute und Butiker[197] – von denen nur wenige da waren – irrten wie verloren unter den Soldaten umher, öffneten und schlossen ihre Läden oder schleppten selber mit den Gehilfen ihre Waren irgendwohin fort.

Auf dem Platz vor dem Basar standen Trommler und schlugen Appell. Doch der Klang der Trommel veranlaßte die plündernden Soldaten nicht wie früher ihrem Ruf zu folgen, sondern brachte sie im Gegenteil dazu, noch weiter von der Trommel fortzulaufen. In den Läden und Gängen sah man zwischen den Soldaten Leute in grauen Kaftanen und mit geschorenen Köpfen.

An der Ecke der Iljinka standen zwei Offiziere und unterhielten sich, der eine mit einer Schärpe über der Uniform auf einem mageren Grauschimmel, der andere im Mantel und zu Fuß. Da sprengte ein dritter Offizier zu ihnen heran.

»Der General hat befohlen, sofort alle von hier fortzujagen, koste es, was es wolle. Das ist ja aber auch unerhört. Die Hälfte der Mannschaft ist fortgelaufen.«

»Wo willst du hin? Wohin, ihr da? …« schrie er drei Infanteristen an, die ohne Gewehre, die Mantelzipfel zusammengenommen, an ihm vorbei in die Läden schlüpfen wollten. »Halt, ihr Canaillen!«

»Ja, haben Sie mal die Güte, die zusammenzubekommen«, erwiderte der andere Offizier. »Die kriegt man nie. Wir müssen schneller marschieren, damit die letzten nicht entwischen können, das ist alles.«

»Schneller marschieren? Wie ist denn das möglich? Dort steht ja alles, versperrt die Brücke und rührt sich nicht. Soll man vielleicht eine Postenkette aufstellen, damit die letzten nicht auf und davon gehen?«

»So gehen Sie doch nur hinein! Jagen Sie sie hinaus!« schrie der ältere Vorgesetzte.

Der Offizier mit der Schärpe stieg vom Pferd, schrie dem Trommler etwas zu und ging mit ihm zusammen unter die Arkaden. Ein Trupp Soldaten suchte eilig das Weite. Ein Kaufmann mit roten Pickeln auf den Backen neben der Nase trat mit einem Ausdruck ruhiger, unerschütterlicher Berechnung auf dem feisten Gesicht hastig und geckenhaft auf den Offizier zu und fuchtelte mit den Händen.

»Euer Wohlgeboren«, sagte er, »haben Sie die Güte und beschützen Sie uns! Auf kleine Posten soll es uns nicht ankommen … mit dem größten Vergnügen … bitte sehr … gleich werde ich Ihnen Tuch bringen … für einen vornehmen Herrn auch zwei Stücke Tuch … mit dem größten Vergnügen. Wir haben doch auch ein Herz im Leib. Aber was soll das hier noch werden? Das ist ja der reine Raub! Ich bitte Sie! Eine Wache sollten Sie aufstellen, damit wir wenigstens die Läden zumachen könnten …«

Noch andere Kaufleute drängten sich um den Offizier.

»Ach was, unnützes Gekläff!« sagte einer von ihnen, ein hagerer Mann mit strengem Gesicht. »Wenn einem der Kopf abgeschlagen wird, weint man nicht um das Haar. Nehmt nur, was euch gefällt!« Und er machte eine energische Geste mit der Hand und wandte sich von dem Offizier ab.

»Du hast gut reden, Iwan Sidorytsch«, fing der erste Kaufmann grimmig wieder an. »Wir bitten sehr darum, Euer Wohlgeboren!«

»Wieso gut reden?« rief der Hagere zurück. »Ich habe drei Läden hier und für über hunderttausend Rubel Waren. Wie soll man die schützen, wenn die Truppen abziehen? Ach, diese Menschen! Gottes Allmacht werdet ihr doch nicht mit den Händen aufhalten!«

»Haben Sie die Güte, Euer Wohlgeboren«, sagte der erste Kaufmann wieder und verbeugte sich.

Der Offizier stand unschlüssig da, und auf seinem Gesicht malten sich Zweifel und Bedenken.

»Was geht mich das an!« rief er plötzlich und ging mit schnellen Schritten die Budenreihen entlang.

Aus einem geöffneten Laden hörte man Schlägerei und Schimpfen, und in dem Augenblick, als der Offizier dort vorbeiging, wurde gerade ein Mann mit grauer Jacke und geschorenem Kopf zur Tür hinausgeworfen.

Dieser Mensch krümmte sich zusammen und schlüpfte an dem Offizier und den Kaufleuten vorüber. Der Offizier schrie die Soldaten an, die sich im Laden befanden. Aber in diesem Augenblick hörte man von der Moskwabrücke her das furchtbare Geschrei einer großen Menschenmenge, und der Offizier lief auf den Platz zurück.

»Was gibt’s? Was ist los?« fragte er, aber sein Kamerad sprengte bereits an der Wassilij-Blaschenny-Kirche vorbei in der Richtung des Geschreis davon.

Der Offizier schwang sich aufs Pferd und ritt ihm nach. Als er sich der Brücke näherte, sah er zwei abgeprotzte Kanonen, Infanterie, die über die Brücke zog, ein paar umgeworfene Bauernwagen, erschrockene Zivilisten und lachende Soldatengesichter. Neben den Kanonen stand eine mit zwei Pferden bespannte Fuhre. Um die Hinterräder dieses Wagens drängten sich vier Windhunde mit Halsbändern zusammen. Die Fuhre war mit einem ganzen Berg von Hausrat beladen; obenauf saß neben einem umgekehrten Kinderstühlchen, das die Beine gen Himmel reckte, eine Frau, die durchdringend und verzweifelt schrie.

Die Kameraden erzählten dem Offizier, daß das Schreien der Menge und das Geheul des Weibes daher komme, weil General Jermolow, der herangeritten sei und erfahren habe, daß Scharen von Einwohnern die Brücke versperrten und die Soldaten inzwischen in die Läden liefen, ein paar Kanonen abzuprotzen befohlen habe, als solle die Brücke beschossen werden. Die Menge habe sich halbtot gedrückt, die Wagen umgeworfen, ein verzweifeltes Geschrei erhoben und endlich die Brücke freigemacht, so daß die Truppen nun vorwärts kommen konnten.

22

Unterdessen war es in der Stadt ganz leer geworden. Auf den Straßen war fast niemand mehr. Alle Torwege und Läden waren geschlossen. Hie und da hörte man in der Nähe der Schenken vereinzelte Rufe oder trunkenes Singen. Niemand fuhr auf den Straßen, und nur selten hallten noch die Schritte von Fußgängern.

Auch auf der Powarskaja war es ganz still. Auf dem großen Hof des Rostowschen Hauses lagen von den abgefahrenen Fuhrwerken Heureste und Pferdemist herum. Kein Mensch war zu sehen. Im Haus, wo fast das ganze Hab und Gut der Rostows zurückgeblieben war, befanden sich nur zwei Menschen im großen Salon. Dies waren der Hausknecht Ignaz und der Bursche Mischka, ein Enkel Wassiljewitschs, der bei seinem Großvater in Moskau geblieben war. Mischka hatte das Klavier geöffnet und klimperte mit einem Finger darauf herum. Der Hausknecht hielt die Arme in die Seiten gestemmt und stand vergnügt grinsend vor dem großen Spiegel.

»Das ist aber fein! Nicht, Onkel Ignaz?« rief der Bursche und trommelte plötzlich mit beiden Fäusten auf den Tasten herum.

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193

der Kamenny-, der Moskwa- und der Jausabrücke: die Kamenny-und die Moskwabrücke begrenzen die der Moskwa zugewandte Seite des Kreml, die Jausabrücke führt über den etwas weiter östlich in die Moskwa mündenden Nebenfluß Jausa. Wassilij-Blaschenny- Kirche: die Basilikuskathedrale auf dem Roten Platz. — Borowizkij- tor: der südwestliche Eingang zum Kreml

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194

Wassilij-Blaschenny-Kirche: die Basilikuskathedrale auf dem Roten Platz.

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Borowizkijtor: der südwestliche Eingang zum Kreml.

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Basar: die alten Handelsreihen am Roten Platz, an deren Stelle heute das Kaufhaus GUM steht.

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Butiker: Handlungsdiener, Commis.

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