Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
1 ... 336 337 338 339 340 341 342 343 344 ... 458
Перейти на страницу:

Als er am Tag nach seiner Rückkehr und dem Besuch beim Grafen Rastoptschin frühmorgens aufwachte, konnte er sich lange nicht darüber klarwerden, wo er sich befand und was man von ihm verlangte. Als man ihm dann meldete, daß sich unter den Personen, die im Vorzimmer auf ihn warteten, auch der Franzose befinde, der den Brief der Gräfin Helena Wassiljewna gebracht habe, überkam ihn plötzlich jenes Gefühl der Verwirrung und Hoffnungslosigkeit, dem er sich so oft und leicht hinzugeben pflegte. Es kam ihm auf einmal vor, als sei nun alles zu Ende, alles durcheinander geworfen und zerstört, als habe niemand recht, niemand unrecht, als liege vor ihm eine endlose Wüste, und als gebe es aus dieser Lage keinen Ausweg mehr.

Bald setzte er sich mit gezwungenem Lächeln und etwas vor sich hinmurmelnd in hilfloser Haltung auf den Diwan, bald stand er wieder auf und ging auf die Tür zu, um durch eine Spalte ins Vorzimmer hineinzuspähen, dann wieder machte er eine abwehrende Handbewegung, drehte sich um und nahm ein Buch zur Hand.

Zum zweitenmal erschien der Haushofmeister und meldete ihm, daß ihn der Franzose, der den Brief der Gräfin überbracht habe, dringend zu sprechen wünsche, und wäre es nur für einen Augenblick, und daß die Witwe Osip Alexejewitsch Basdjejews bitten lasse, die Bücher in Verwahrung zu nehmen, da sie selber aufs Land abgereist sei.

»Ach ja, gleich, warte … oder nein! Nein, nein, geh und sage, ich würde sogleich kommen«, gab Pierre dem Haushofmeister zur Antwort.

Doch kaum war dieser zur Tür hinaus, so nahm Pierre seinen Hut, der auf dem Tisch lag, und verließ sein Zimmer durch die Hintertür. Auf dem Korridor war niemand. Pierre ging den ganzen Korridor entlang bis zur Treppe und stieg, sich mit beiden Händen die Falten aus der Stirn reibend, bis zum ersten Treppenabsatz hinunter. Der Portier stand unten am Herrschaftseingang. Von diesem Treppenabsatz, bis zu dem Pierre hinuntergestiegen war, führte eine andere Treppe zum Hinterausgang hinab. Pierre stieg sie hinunter und kam auf den Hof.

Niemand sah ihn. Doch sobald er durch das Tor auf die Straße hinaustrat, bemerkten ihn die Kutscher und der Hausknecht, die dort neben den Wagen standen, und zogen ihre Mützen vor ihm ab. Als er ihre Blicke auf sich gerichtet fühlte, machte es Pierre wie der Vogel Strauß, der den Kopf versteckt, um nicht gesehen zu werden: er ließ den Kopf hängen und ging beschleunigten Schrittes die Straße entlang.

Von all den Geschäften, die Pierre an diesem Morgen erwarteten, erschien ihm das Ordnen der Bücher und Papiere Osip Alexejewitschs als das wichtigste.

Er nahm den ersten besten Wagen, den er traf, und befahl dem Kutscher, nach den Patriarchenteichen zu fahren, wo das Haus der Witwe Basdjejews lag.

Während er sich immer wieder nach den von allen Seiten herbeirollenden Fuhren der Flüchtlinge umsah und seinen schweren Körper zurechtrückte, um nicht aus der alten, klapprigen Droschke herauszufallen, empfand er ein ähnliches Glücksgefühl wie ein Junge, der aus der Schule davongelaufen ist.

Er knüpfte mit dem Kutscher ein Gespräch an, und dieser erzählte ihm, daß heute im Kreml Waffen verteilt und morgen alle Leute aus dem Dreibergentor hinausgetrieben würden, weil dort die große Schlacht stattfinden solle.

Als sie an den Patriarchenteichen angekommen waren, suchte Pierre Basdjejews Haus, in dem er so lange nicht gewesen war. Er trat an das Gitterpförtchen. Gerassim, derselbe bartlose gelbe Alte, den Pierre schon vor fünf Jahren mit Osip Alexejewitsch in Torschok gesehen hatte, kam auf sein Klopfen heraus.

»Ist Frau Basdjejewa zu Hause?« fragte Pierre.

»Sofja Danilowna ist mit den Kindern wegen der Zustände hier auf ihr Gut bei Torschok gereist, Euer Erlaucht.«

»Ich möchte trotzdem eintreten, ich muß Bücher auswählen«, erwiderte Pierre.

»Bitte, haben Sie die Güte; der Bruder des verstorbenen Herrn – Gott habe ihn selig –, Makar Alexejewitsch, ist hier geblieben, er ist, wie Sie ja wissen, etwas geistesschwach«, fügte der alte Diener hinzu.

Makar Alexejewitsch war, wie Pierre wußte, der halbverrückte, trunksüchtige Bruder Osip Alexejewitschs.

»Ja, ja, ich weiß. Gehen wir hinein, gehen wir …« sagte Pierre und trat ins Haus.

Ein großer alter Mann mit einer Glatze und einer roten Nase stand im Schlafrock und mit Oberschuhen an den bloßen Füßen im Vorzimmer. Als er Pierre erblickte, murmelte er ärgerlich etwas vor sich hin und ging in den Korridor hinaus.

»Ein so kluger Mann ist er gewesen, und jetzt ist er, wie Sie sehen, ganz schwachsinnig geworden«, erzählte Gerassim. »Wünschen Sie ins Arbeitszimmer zu gehen?« Pierre nickte. »Das Arbeitszimmer ist versiegelt worden und ganz so geblieben. Aber Sofja Danilowna hat befohlen, wenn jemand von Ihnen kommen würde, die Bücher herauszugeben.«

Pierre trat ein. Es war dasselbe düstere Kabinett, das er bei Lebzeiten seines Wohltäters immer mit solchem Herzklopfen betreten hatte. Dieses Zimmer, das seit dem Tod Osip Alexejewitschs unberührt geblieben und nun ganz mit Staub bedeckt war, kam ihm jetzt noch düsterer vor.

Gerassim schlug einen Fensterladen zurück und schlich auf den Zehen hinaus. Pierre ging durch das Zimmer, trat an den Schrank, in dem die Handschriften lagen, und zog eines der wichtigsten Heiligtümer des Freimaurerordens heraus. Es waren die schottischen Originalakten[192] mit den Zusätzen und Erläuterungen des Wohltäters.

Pierre setzte sich an den verstaubten Schreibtisch, legte das Manuskript vor sich hin, schlug es auf, klappte es wieder zu und schob es endlich beiseite. Dann stützte er den Kopf auf die Hand und versank in Grübeleien.

Gerassim blickte ein paarmal vorsichtig durch die Tür und sah, daß Pierre immer noch in derselben Stellung dasaß. Es waren schon über zwei Stunden vergangen. Da erlaubte er sich, etwas Geräusch an der Tür zu machen, um Pierres Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Pierre hörte ihn nicht.

»Befehlen Euer Erlaucht, daß ich den Wagen wegschicke?«

»Ach ja, ja«, erwiderte Pierre, zu sich kommend, und stand hastig auf. »Höre«, fuhr er dann fort, indem er Gerassim am Rockknopf festhielt und den Alten von Kopf bis Fuß mit feuchten, leuchtenden, begeisterten Augen ansah, »höre, weißt du, daß morgen eine Schlacht stattfindet?«

»Man sagt es«, erwiderte Gerassim.

»Ich bitte dich, niemandem zu verraten, wer ich bin, und das zu tun, was ich dir sage …«

»Zu Befehl«, erwiderte Gerassim. »Wünschen Sie, hier zu speisen?«

»Nein, ich brauche etwas anderes. Ich brauche einen Bauernrock und eine Pistole«, fuhr Pierre fort und wurde unvermutet rot dabei.

»Zu Befehl«, antwortete Gerassim und überlegte.

Den ganzen übrigen Tag verbrachte Pierre allein im Arbeitszimmer seines Wohltäters, in dem er, wie Gerassim hörte, ruhelos von einer Ecke in die andere ging, wobei er immer etwas vor sich hinsprach. Ebenda übernachtete er auch in einem für ihn dort aufgeschlagenen Bett.

Als langjähriger Diener, der schon viele Absonderlichkeiten in seinem Leben gesehen hatte, nahm Gerassim Pierres Übersiedelung ohne Verwunderung hin und schien sogar ganz zufrieden zu sein, daß er jemanden zu bedienen hatte. Noch am selben Abend verschaffte er Pierre, ohne auch nur sich selber zu fragen, wozu dies nötig sei, einen Kaftan und eine Mütze, und versprach, am nächsten Tag die gewünschte Pistole aufzutreiben.

An diesem Abend kam Makar Alexejewitsch, mit seinen Überschuhen schlürfend, zweimal bis an die Tür des Arbeitszimmers, blieb dort stehen und starrte Pierre an. Doch sobald sich Pierre nur nach ihm umwandte, schlug er ärgerlich und beschämt seinen Schlafrock zusammen und entfernte sich hastig.

Als Pierre dann in diesem Kutscherkaftan, den Gerassim für ihn beschafft und in Dampf gereinigt hatte, mit dem alten Diener zusammen ausgegangen war, um sich am Sucharewturm eine Pistole zu kaufen, hatte er die Rostows getroffen.

19

вернуться

192

die schottischen Originalakten: die alten Werkmaurerlogen Schottlands, die sich 1736 zur schottischen Freimaurer-Großloge (Andreasloge) zusammengeschlossen hatten, verfügten über besonders alte, ins 15. Jahrhundert zurückreichende Protokolle.

1 ... 336 337 338 339 340 341 342 343 344 ... 458
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)