Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Историческая проза » Der Medicus von Saragossa
Der Medicus von Saragossa - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Medicus von Saragossa

Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: The Last Jew
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
1 ... 30 31 32 33 34 35 36 37 38 ... 118
Перейти на страницу:

Als Jona zu Ende gespielt hatte, berührte Mana sanft seinen Arm, während die übrigen sich verstreuten und in ihren Höhlen verschwanden. Er sah, daß Mingo ihn mit seinen weisen, ernsten Augen musterte.

»Ich glaube, das waren hebräische Melodien. Traurig gespielt.«

»Ja.« Ohne zu verraten, daß er nicht konvertiert war, erzählte Jona ihm von seiner Familie und dem schrecklichen Ende, das sein Vater Helkias und sein Bruder Meir gefunden hatten.

Mingo war erschüttert. »Das Leben ist wunderbar, aber es ist auch unweigerlich grausam.«

Jona nickte. »Es wäre mein größter Wunsch, das Reliquiar meines Vaters von den Dieben zurückzuholen.«

»Das dürfte ziemlich aussichtslos sein, mein Freund. Deiner Beschreibung nach zu urteilen, ist das ein einzigartiges Stück. Ein Kunstwerk höchsten Ranges. In Kastilien konnten sie es wohl kaum verkaufen, da jedermann über den Diebstahl Bescheid wußte. Wenn es überhaupt wiederverkauft wurde, dann ist es jetzt bestimmt nicht mehr in Spanien.«

»Wer würde denn mit solchen Dingen handeln?«

»Das ist eine besondere Form des Diebstahls. Im Lauf der Jahre habe ich von zwei Gruppen gehört, die gestohlene Reliquien und dergleichen kaufen und verkaufen. Eine ist oben im Norden tätig, und dort kenne ich niemanden mit Namen. Die andere sitzt hier unten im Süden und wird angeführt von einem Mann namens Anselmo Lavera.«

»Wo könnte ich diesen Lavera finden?«

Mingo schüttelte ernst den Kopf. »Ich habe nicht die gering-ste Ahnung. Und auch wenn ich es wüßte, würde ich es dir nur ungern sagen, denn das ist ein sehr böser Mann.«

Er beugte sich vor und sah Jona in die Augen. »Du mußt dankbar sein, daß du nicht bei der Geburt erdrosselt wurdest. Du mußt die bittere Vergangenheit vergessen und dir die Zukunft versüßen. Ich wünsche dir eine geruhsame Nacht, mein Freund.«

Mingo nahm an, daß Jona ein Konvertit sei. »Auch die Roma gehören einer vorchristlichen Religion an«, gestand er ihm, »einem Glauben, welcher die Boten des Lichts verehrt, die gegen die Boten der Finsternis kämpfen. Aber wir finden es einfacher, den Gott des Landes anzubeten, in dem wir uns aufhalten, weshalb wir zum Christentum übergetreten sind, als wir nach Europa kamen. Und, um die Wahrheit zu sagen, wurden die meisten von uns auch Moslems, als wir ins Herrschaftsgebiet der Mauren zogen.«

Mingo befürchtete, Jona könne sich nicht ausreichend verteidigen, falls er angegriffen wurde. »Deine kaputte Hacke ist... eben nur eine kaputte Hacke. Du mußt lernen, mit der Waffe eines Mannes zu kämpfen. Ich will dir beibringen, wie man mit einem Messer umgeht.«

So begann der Unterricht. Für den schlechten Dolch, den Jona von Fernando Ruiz erhalten hatte, als er Schäfer wurde, hatte Mingo nur Spott übrig. »Nimm das«, sagte er und gab ihm ein Messer aus maurischem Stahl.

Er zeigte Jona, wie er das Messer mit der Handfläche anstelle des Handrückens nach oben halten mußte, damit er mit steigendem, reißendem Hieb zustechen konnte. Und er schärfte ihm ein, schnell zuzustechen, bevor der Gegner erraten konnte, aus welcher Richtung der Hieb kam.

Er schärfte Jona ein, stets Augen und Körper des Gegners zu beobachten, damit er jede Bewegung vorausahnen konnte, bevor sie ausgeführt wurde, und lehrte ihn, geschmeidig zu werden wie eine Wildkatze, die dem Gegner wenig Angriffsfläche und keine Ausweichmöglichkeiten bot. Die Beharrlichkeit und Eindringlichkeit, mit der Mingo ihn unterwies, erinnerte ihn an einen Rabbi, der ein ilui, ein biblisches Wunderkind, die Schrift lehrt. So lernte er schnell und gut zu Füßen eines kleinen, merkwürdig gestalteten Meisters, und schon bald dachte und handelte er wie ein Messerkämpfer.

Ihre Zuneigung wuchs und gedieh, bis sie war wie eine Freundschaft vieler Jahre und nicht nur einiger kurzer Monate.

Eines Tages erhielt Mingo die Nachricht, er solle in die Al-hambra kommen, weil der neue christliche Haushofmeister, ein Mann namens Don Ramon Rodriguez, sich mit ihm zu besprechen wünsche.

»Würde es dich freuen, die Alhambra aus der Nähe zu sehen?« fragte er Jona.

»Natürlich würde es das, mein Freund!«

So ritten sie am nächsten Morgen miteinander den Sacromonte hinunter, der große und muskulöse junge Mann, dessen abgespreizte Beine zu lang waren und dessen Gewicht viel zu schwer für seinen armen kleinen Esel, und das winzige Männchen, das auf einem prächtigen grauen Hengst saß wie ein Frosch auf einem Hund.

Unterwegs erzählte Mingo Jona die Geschichte der Alhambra. »Mohammed I., den man wegen seines roten Haares Ibn al-Ahmar nannte, erbaute im dreizehnten Jahrhundert hier den ersten befestigten Palast. Ein Jahrhundert später wurde für Jusuf I. der Myrtenhof gebaut. Nachfolgende Kalifen erweiterten Zitadelle und Palast. Der Löwenhof wurde von Mohammed V. errichtet, und der Turm der Infantinnen wurde von Mohammed VII. hinzugefügt.«

Als sie die hohe, rosenfarbene Mauer erreichten, hielt Mingo ihre Reittiere an. »Dreizehn Türme erheben sich aus der Mauer.

Das ist das Tor der Gerechtigkeit«, sagte er und deutete auf die Darstellung einer Hand und eines Schlüssels, die in die Doppelbögen des Tors eingemeißelt waren. »Die fünf Finger stellen die Verpflichtung dar, fünfmal täglich zu Allah zu beten - bei Tagesanbruch, zur Mittagszeit, am Nachmittag, am Abend und in der Nacht.«

»Du weißt eine Menge über den moslemischen Glauben«, bemerkte Jona, und Mingo lächelte, erwiderte aber nichts.

Als sie durch das Tor ritten, erkannte jemand Mingo und grüßte ihn, ansonsten aber beachtete man sie nicht. Die Festung war der reinste Bienenstock, denn mehrere tausend Menschen waren eifrig damit beschäftigt, die Schönheit und Wehrhaftigkeit ihrer vierzehn Hektar zu erhalten. Die beiden stellten Pferd und Esel in den Stallungen unter, und Mingo führte Jona zu Fuß auf einem langen, mit Glyzinien überwachsenen Wandelgang durch die riesige königliche Anlage.

Jona war von Ehrfurcht und Staunen erfüllt. Von innen betrachtet war die Alhambra noch viel überwältigender als aus der Ferne, ein scheinbar endloses Traumgebilde aus Türmen, Bögen und Kuppeln, voller leuchtender Farben und verziert mit spitzenfeinem Stuck, Gittergewölben, leuchtenden Mosaiken und zarten Arabesken. In den inneren Höfen und Sälen bedeckte aus Gips geformtes Laubwerk in zartem Rot, Blau und Gold Decken und Wände. Die Böden waren aus Marmor, die Sockel mit grünen und gelben Fliesen getäfelt. In den Patios und inneren Gärten prangten Blumen und plätscherten Springbrunnen, und in den Bäumen sangen Nachtigallen.

Mingo zeigte ihm, daß einige Fenster eine gute Aussicht auf den Sacromonte und die Höhlen der Roma boten, während man von anderen auf die bewaldete, wasserdurchtoste Schlucht hinuntersah. »Die Mauren verstehen sich aufs Wasser«, sagte Mingo. »Fünf Meilen entfernt in den Hügeln haben sie den Fluß Darro angezapft und ihn mit Hilfe eines wundersam erdachten Wasserwerks in diesen Palast umgeleitet, wo er Becken und Brunnen füllt und jedes Schlafzimmer mit fließendem Wasser versorgt.« Er übersetzte eine arabische Inschrift an einer Wand: »Wer durstgepeinigt zu mir kommt, wird Wasser finden rein und frisch, süß und unvermischt.«

1 ... 30 31 32 33 34 35 36 37 38 ... 118
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)