Warcraft: Roman zum Film
- Автор: Голдэн Кристи
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Panini Verlag
- ISBN: 978-3-8332-3267-1
- Переводчик: Andreas Kasprzak
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Warcraft: Roman zum Film». Краткое содержание книги:
Khadgar streckte die Hand aus. „Nein – Ihr müsst es so halten.“ Jetzt war das Blatt höher als breit. „Seht“, sagte er und fuhr mit dem Finger eine Kurve entlang, die präzise den wogenden Verlauf eines Hügels wiedergab. Unter seiner Berührung leuchtete Helligkeit auf, um die Einzelheiten des Bildes noch weiter zu betonen. „Seht Ihr?“
Die feinen Härchen in Lothars Nacken richteten sich auf. Hielt man die Zeichnung so, wie er es jetzt tat, wurde aus dem, was zuvor wie eine Landschaft gewirkt hatte, unverkennbar eine Gestalt: mit Kapuze, das Gesicht verborgen, genau wie bei den steinernen Figuren, die die Öffnung des Portals flankierten. Die Gestalt beugte sich über ein Tor, das sich jetzt unter ihren Füßen befand, und ragte über der Horde von Orcs auf, die aus dem klaffenden Loch in der Erde nach oben drängten. Die Kapuzengestalt hatte einen Arm erhoben, als würde sie die Monster zu sich winken.
Lothar bemühte sich, seine Stimme ruhig zu halten. „Was denkst du, hat dieses Bild zu bedeuten?“
„Dass die Orcs herbeigerufen wurden … von dieser Seite des Portals.“ In seinen Augen brannten Gewissheit – und Furcht. „Sie wurden eingeladen!“
Lothar blickte sich um, um zu sehen, ob irgendjemand die beunruhigende Unterhaltung mitgehört hatte; doch da war niemand. „Und der Wächter hat die Ergebnisse deiner Nachforschungen verbrannt“, sagte er langsam mit matter Stimme. Aber warum? Was hatte den Wächter von Azeroth so erzürnt, dass er die Notizen des Jungen vernichtet hatte? War er derart neidisch auf den Novizen? Auch wenn es Lothar schmerzte, das zuzugeben, hatte Khadgar gute Arbeit geleistet. Trotzdem ergab dies alles nicht den geringsten Sinn. Je mehr sie über die Orcs und das Portal erfuhren, desto verworrener wurden die Dinge. Medivh, alter Freund, was geht hier vor?
Lothar wusste nicht recht, was er erwidern sollte. „Vermutlich hat der Wächter nur versucht, dich zu beschützen“, sagte er schließlich.
Khadgar sah ihn fragend an; seine sorgenvoll zusammengezogenen Brauen, dunkel und geschwungen wie Rabenschwingen, entspannten sich bei Lothars beschwichtigenden Worten nicht gänzlich.
„Jetzt“, sagte Lothar liebenswürdig, „mach dich vom Acker.“
Khadgar nickte und gehorchte; mittlerweile hatte er sich an Lothars derbe Neckereien gewöhnt. Gleichwohl, das Lächeln schwand von Lothars Gesicht, als er zusah, wie sich der Magier entfernte.
13
Sie hatten den Vormittag mit Vorbereitungen verbracht. Durotan war mehr, als er zu sagen vermochte, erfreut darüber, dass Orgrim seinem Plan seine volle Unterstützung zugesichert hatte. Sein zweiter Mann hatte darauf bestanden, mit ein paar Spähern zum vereinbarten Treffpunkt vorauszureiten. Dort konnten sie dann alles vorbereiten, hatte Orgrim seinem Häuptling erklärt, bis Durotan und die anderen zu ihnen stießen. Unterdessen hatte der Frostwolf-Häuptling seinen Clan in aller Verschwiegenheit über seine Absichten informiert; er hatte mit seinen Leuten gesprochen und ihre Bedenken ausgeräumt. Jetzt standen mehrere Krieger zu Füßen des schwarzen Felsens. Sie verbrannten immergrünes Geäst, um ein duftendes Rauchsignal gen Himmel zu schicken, von dem Durotan hoffte, dass es die Menschen zu dieser speziellen Stelle führen würde.
Das Gelände war felsig und kahl. Der schwarze Berg und seine Ausläufer ragten über dem einsamen, schmalen Serpentinenpfad auf, der der einzige Weg zum Treffpunkt war. Orgrim war neben ihm. Durotan hatte seine Augen auf den Pfad gerichtet und hielt nach irgendwelchen Anzeichen von Bewegung Ausschau. Er hatte Garona aufgetragen, hier zu sein, wenn die Sonne am höchsten stand, und dieser Moment war bereits vorüber. Die Menschen waren spät dran. Würden sie überhaupt kommen?, fragte er sich verdrossen. Hatte Garona …
Auf dem Weg schimmerte etwas. Durotan kniff die Augen zu Schlitzen zusammen, um mehr zu erkennen. Wieder blitzte etwas in der Sonne auf, und da wurde ihm klar, dass er eine lange Reihe von Menschen in Rüstungen vor sich sah, die auf ihren behuften Reittieren dahintrabten.
„Waffen!“, rief Durotan. Schlagartig hörten seine Krieger auf, neue Äste ins Feuer zu werfen, und bewaffneten sich. Sie waren nervös, genau wie Orgrim. Durotan hatte seinen Freund noch nie zuvor so beunruhigt erlebt, doch er konnte ihn gut verstehen. Auch ihm war vor einer Verhandlung oder einem Gefecht noch niemals so unbehaglich zumute gewesen. Gleichwohl, dies waren sonderbare Zeiten, und er war von der Richtigkeit seiner Entscheidung überzeugt.
„Eine gute Stelle für einen Hinterhalt“, kommentierte Orgrim mit einem Blick auf die Berggipfel, die rings um sie herum aufragten.
„Wir haben unsere Posten klug platziert.“
Orgrim grunzte. „Ich überprüfe das lieber noch mal“, sagte er und ging davon. Durotan nickte gedankenverloren; seine ganze Aufmerksamkeit galt der Schlange von Soldaten, die sich ihren Weg in seine Richtung bahnten. Alles in allem vierzig, vielleicht fünfzig Mann. Neben ihm stieß die Kriegerin Zarka ein Schnauben aus. „Sie bringen viele Kämpfer mit“, sagte sie. „Sie müssen voller Furcht sein.“
„Sie hätten noch viel mehr mitbringen können, Zarka“, sagte Durotan.
„Vielleicht haben sie das.“
„Falls ja, wird Orgrim es herausfinden.“
„Häuptling …“ Zarka sah Durotan an. „Ich folge dir, ganz gleich, was geschieht, aber das hier gefällt mir nicht.“
„Es gefiel uns auch nicht, dass wir gezwungen waren, unser Zuhause zu verlassen, doch wir hatten keine andere Wahl. Und ich glaube nicht, dass wir jetzt eine haben.“
Zarka schaute ihren Häuptling prüfend an, ehe sie sich zum Salut über ihrem Herzen mit der Faust auf die Brust schlug. Durotan blickte auf und hielt nach Orgrim Ausschau. Sein zweiter Mann stand auf einem Kamm über ihm. Er wandte sich Durotan zu und gab ihm mit winkenden Armen ein Zeichen: Alles in Ordnung.
Sie waren jetzt näher; auf dem Boden des Tals erstreckte sich ein Strom aus Menschen und Bestien. Schließlich, als er noch etwa zwanzig Meter entfernt war, hob der Mensch an der Spitze des Zuges die Hand, und die Soldaten kamen zum Stillstand. Der Mann trug eine Rüstung, die Durotan grazil und wie Zierrat erschien. Sein Kopf war kahl, ebenso wie der des Mannes, der neben ihm herritt, der Blick seiner blauen Augen scharf wie ein Schwert. Die beiden Männer glitten von ihren Pferden, und Garona tat es ihnen gleich.
Töte sie!, schrie etwas in ihm. Sie sind keine Orcs. Töte sie!
Nein. Die Leben meines Volkes sind wichtiger als Blutgier.
Er krampfte seine Hände zusammen, nicht, um sie zu Fäusten zu ballen, sondern um zu verhindern, dass sie weiter von dem Verlangen zitterten, sich um die schlanken Hälse der Menschen zu schließen, die mehrere Schritte auf ihn zukamen, ehe sie stehen blieben und darauf warteten, dass auch er die Entfernung überbrückte.
Das tat Durotan; mit großen Schritten marschierte er ihnen entgegen, um nur wenige Meter vor ihnen zu verharren. Wie klein sie sind, dachte er. Wie zerbrechlich. Mehr wie Garona als wie wir. Aber ungemein mutig.
„Du hast darum gebeten, mit dem Menschenkönig sprechen zu können“, sagte Garona zu ihm. Sie wies auf den dunkelhaarigen Menschenmann mit den dunklen Augen. „Hier steht er.“
Durotan brachte kein einziges Wort heraus. Zu sehr war er damit beschäftigt, seine Instinkte unter Kontrolle zu behalten. Die Menschen tauschten einen Blick aus, und dann brach der König in seiner sonderbaren, abgehackten Sprache das angespannte Schweigen.