Warcraft: Roman zum Film
- Автор: Голдэн Кристи
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Panini Verlag
- ISBN: 978-3-8332-3267-1
- Переводчик: Andreas Kasprzak
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Warcraft: Roman zum Film». Краткое содержание книги:
Ein dritter Feind stürzte sich auf ihn. Lothar lief ihm entgegen, ohne langsamer zu werden, als sich ein Berittener zwischen sie schob. Stattdessen ließ er sich in vollem Lauf zu Boden fallen und schlitterte unter dem Leib des Pferdes hindurch, um mit dem Schwert im Anschlag auf der anderen Seite wieder hochzukommen; er rammte die Klinge nach oben und schlitzte den verblüfften Orc auf.
„Llane!“, rief er dann über den Lärm des Kampfgetümmels hinweg. „Tot nützt Ihr uns nichts! Verschwindet von hier! Ich kümmere mich um die anderen!“
Auch der König stand seinen Mann, während er zurückrief: „Wir alle verschwinden von hier! Medivh wird unseren Rückzug decken!“
Lothar hatte in seinen Angriffen nicht nachgelassen. Die Männer kamen jetzt auf ihn zu, als wäre er ein fleischgewordenes Banner, als zögen sie Stärke aus seinem scheinbar grenzenlosen Vorrat an Kraft.
Medivh.
Der Name des Wächters rüttelte Garona aus ihrer andächtigen Faszination für Lothars erstaunlichen Kampfgeist auf. Als sie sich dem Treffpunkt näherten, hatte Medivh ihnen erklärt, dass er sie besser beschützen könne, wenn er sie alle im Blick habe. Also war er mit seinem Pferd den Berg hinaufgeritten, um sie von oben zu beobachten. Jetzt riss Garona ihren Blick von Lothar los, um ihn emporschweifen zu lassen, in dem Versuch, Medivh irgendwo auszumachen. Wo steckte der Zauberer? Warum unternahm er nichts?
Garona entdeckte ihn nirgends. Doch dafür sah sie jemand anders.
Schwarzfaust, auf einem Wolf sitzend, blickte auf den Hinterhalt herab.
Und neben Gul’dans Kriegshäuptling stand Orgrim Schicksalshammer.
14
Weißglühender, gleißender Zorn durchströmte Garona. Gegen jede Vernunft marschierte sie auf den Felshang zu. Da sie ihren Blick unbeirrt auf Orgrim gerichtet hielt, bemerkte sie den Orc, der von der Seite her auf sie zustürmte, erst, als er zu schreien begann. Sie wirbelte knurrend herum, bloß um zu sehen, wie sich der Orc vor Schmerzen wand, als er von winzigen Tropfen flüssigen orangenen Feuers getroffen wurde. Garona zischte, als sie sein kochendes Fleisch roch. Er starb schnell, wenn auch unter offenkundigen Qualen.
Khadgar ragte über seinem gefällten Leib auf. „Geht es dir gut?“, fragte er.
Sie war von einem Jungen gerettet worden. Von einem Jungen, der imstande war, Magie zu wirken wie ein Schamane oder ein Hexenmeister, der Lava heraufbeschwören und dirigieren konnte – aber nichtsdestoweniger von einem Jungen. Sie nickte ihm dankbar zu, ehe sie sich umdrehte, bereit, mit der Sturmwind-Pike ihren eigenen Kampf zu kämpfen. Ein grünhäutiger Orc stürmte auf sie zu, der den bedauernswerten Fehler machte, sie zu unterschätzen. Kreischend rammte sie ihm die Waffe in den Hals. Als Garona die Klinge wieder herausriss, sah sie, dass vor ihr der König verzweifelt kämpfte. Und er ahnte nichts von dem Orc, der sich ihm von hinten näherte, die riesige geschwungene Klinge seiner Streitaxt erhoben, um ihm einen tödlichen Hieb zu versetzen.
Garona würde nicht zulassen, dass dieser Mensch, der ihr vertraut hatte, dessen Gefährtin ihr sogar ihren eigenen Dolch überlassen hatte, einem verräterischen Orc zum Opfer fiel. Garona öffnete den Mund zu einem Schlachtruf und stürzte sich mit aller Kraft und Geschwindigkeit auf den Angreifer. Als sie scheinbar direkt auf ihn zusprang, riss Llane die Augen weit auf und tauchte beiseite. Garona indes spießte den großen grünen Orc auf, als wäre er eine Schweinekeule.
Das hätte ihn töten sollen, schien ihn aber bloß wütend zu machen. Der Orc, dessen Körper fast so hellgrün war wie der ihres einstigen Meisters, spie ihr eine Beleidigung entgegen. Sie wollte nicht warten, bis er an seiner Verletzung starb, darum zog sie Tarias Messer und schlitzte ihm die Kehle auf. Grünes Blut schoss in hohem Bogen aus der durchtrennten Arterie, um sowohl sie als auch den erschrockenen Llane zu besudeln. Sie riss die Pike wieder heraus, und der Orc stürzte schwer in den Staub.
Über den Leichnam hinweg sahen Garona und der König einander in die Augen. Keuchend nickte Llane ihr zu; er wusste, dass sie ihm gerade das Leben gerettet hatte.
„Wo bleibt der verfluchte Wächter?“, murmelte Lothar. Er watete knietief in Gegnern, um in einem fort auszuweichen und sich zu ducken und sein Schwert zu schwingen. Seine Klinge fand eine Öffnung für den Angriff, als ein Orc seine Axt hob, und sofort nutzte Lothar die Chance und sprang vor. Vage ging ihm durch den Kopf, dass der Körperbau der Orcs dem des Menschen für seine Zwecke ähnlich genug war, als er die Kreatur fast augenblicklich zu Fall brachte.
Er riskierte einen raschen Blick, um zu sehen, ob er Medivh irgendwo erspähen konnte, und entdeckte stattdessen seinen Sohn im Kampfgetümmel. Callan stand seinen Mann; er riss einem der Orcs just einen Speer aus seinen riesigen Pranken, während er sich gerade noch rechtzeitig duckte, um dem Hieb eines anderen Monsters zu entgehen, das eine gewaltige Kriegsklaue schwang.
Hinter dem Jungen drängte sich eine Gruppe von Soldaten, die kläglich winzig wirkten, als sie gegen die riesigen Monster kämpften. Lothar warf einen gequälten Blick zu Llane hinüber. Sollte er den König beschützen – oder doch lieber seine Soldaten, die zahlenmäßig unterlegen waren und gnadenlos niedergemacht wurden?
„Ich helfe ihnen!“
Die Stimme war jugendlich, aber entschlossen. Sie gehörte Callan. Zuerst war Lothar überrascht und dann unheimlich stolz. Sein Sohn hatte die Zwickmühle, in der sein Vater steckte, sofort erkannt. Der Junge hatte den Orc erledigt, gegen den er gekämpft hatte, und setzte sich jetzt zielstrebig in Bewegung, um seinen Gefährten zur Seite zu stehen.
Vater … Ich bin Soldat.
Lothar zögerte einen Moment, als sein Sohn auf seine Waffenbrüder zulief und dabei brüllte: „Schildformation!“ Die Soldaten rückten sogleich noch näher zusammen und hoben ihre Schilde vor und über sich. Lothar runzelte die Stirn. Warum hatte Callan …?
Und dann erkannte Lothar den Grund dafür. Ein wahres Ungetüm von einem Orc, das auf einem dieser übergroßen Wölfe saß, preschte auf sie zu, um dann – unfassbar – über die Schichten der Sturmwind-Schilde nach oben zu klettern. Zwischen den Schilden ragten Schwerter, Speere und Piken hervor, und der Wolf heulte kläglich, als sein rotes Blut die Schilde besudelte. Einen Moment später war er zwar tot, doch die Soldaten brachen dennoch unter dem Gewicht von Wolf und Reiter zusammen.
Das alles geschah innerhalb weniger Sekunden, aber dieser flüchtige Blick genügte Lothar, um den Orc wiederzuerkennen. Als Lothar die Bestie das letzte Mal gesehen hatte, hatte der Orc gerade den Rückzug befohlen; da brannte seine rechte, blutige Hand, und dank Magnis Donnerstock hatte er ein paar Finger weniger. Gleichwohl, jetzt hatte er eine neue, grauenvollere Gliedmaße: eine Klaue, riesig, monströs und schimmernd, mit fünf Klingen, die seine fünf Finger ersetzten.
Lothar schaute angespannt zu dem Plateau empor. „Medivh!“, brüllte er. Er wandte sich wieder den Soldaten zu, die dem Zusammenbruch der Schildbarriere entkommen waren und verzweifelt um ihr Leben kämpften.
Und dann blickte er in die gnadenlosen Augen des Orcs mit der Klauenhand.
Jetzt verstand er, was an diesen Kreaturen so furchteinflößend war. Sie waren riesig, und manche von ihnen hatten grüne Haut. Einige trugen Ketten mit Totenschädeln als Schmuck um den Hals, und ihre Waffen waren fast so groß wie die Menschen, die sie damit erschlugen. Sie waren hässlich, mit Stoßzähnen und mächtigen Hauern in ihren Mündern. Doch was sie wirklich grauenerregend machte, hatte nichts mit alldem zu tun, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass sie nicht bloß „Kreaturen“ waren. Die Orcs waren keine wilden Tiere. Denn in diesen winzigen, dunklen Augen entdeckte Anduin Lothar nicht bloß Blutgier und Hass – sondern ebenso eine grimmige Intelligenz.
Und in diesem Moment sah Lothar Wiedererkennen in diesen Augen.