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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Aus Unsicherheit starrte er so angestrengt in die Dunkelheit, daß ihm die Augen brannten, und er lauschte, wie er noch nie gelauscht hatte. Jedes Schaben eines Zweiges gegen einen anderen, jedes Rascheln ließen ihn innehalten. Die Ohren schmerzten ihm beinahe vor Anstrengung, und er traute sich kaum zu atmen, aus Angst, einen warnenden Laut zu überhören — und aus Angst, einen solchen zu hören. Erst wenn er sicher war, daß es nur der Wind war, ging er weiter.

Langsam kroch ihm die Erschöpfung durch Arme und Beine, unterstützt vom Nachtwind, der durch Umhang und Mantel drang, als sei kaum ein Schutz vorhanden. Das Gewicht der Bahre, das am Anfang so gering schien, drohte ihn jetzt zu Boden zu ziehen. Er stolperte nun nicht nur des unebenen Bodens wegen. Der ständige Kampf gegen das Fallen erforderte genausoviel Energie wie das Ziehen der Bahre. Er war vor dem Morgengrauen aufgestanden, um die notwendigen Arbeiten auf dem Hof zu erledigen, und zusammen mit der Fahrt nach Emondsfeld ergab das nun beinahe einen vollen Tag mit Arbeit rund um die Uhr. An einem normalen Abend säße er jetzt vor dem Kamin, um ein Buch aus Tams kleiner Sammlung zu lesen, bevor er ins Bett ging. Die beißende Kälte drang ihm bis auf die Knochen, und der Magen erinnerte ihn daran, daß er seit den Honigkuchen von Frau al'Vere nichts mehr gegessen hatte.

Er fluchte ärgerlich in sich hinein. Warum hatte er vom Hof nicht Eßbares mitgenommen? Ein paar Minuten mehr hätten auch nichts ausgemacht. Die Trollocs wären doch wohl nicht innerhalb einer solch kurzen Zeitspanne zurückgekommen! Wenigstens das Brot! Natürlich würde Frau al'Vere darauf bestehen, ihm ein heißes Abendessen einzutrichtern, wenn sie die Schenke erreichten. Vielleicht eine dampfende Platte ihrer dicken Lammkoteletts. Und etwas von dem Brot, das sie gebacken hatte. Und eine Menge heißen Tee.

»Sie kamen wie eine Flutwelle über den Drachenwall«, sagte Tam plötzlich mit kräftiger, wütender Stimme, »und haben das Land mit Blut überschwemmt. Wie viele mußten sterben für Lamans Sünde?«

Rand stürzte beinahe, so überrascht war er. Müde legte er die Bahre nieder und befreite sich von dem Deckenstreifen. Er hatte bereits einen brennenden Striemen quer über die Schultern hinterlassen. Er rollte die Schultern ein wenig, um die verknoteten Muskeln zu entspannen. Dann kniete er neben Tam nieder. Er griff nach dem Wassersack und spähte dabei zwischen den Bäumen hindurch. Vergebens bemühte er sich, die Straße hinauf und hinunter klar auszumachen. Das Mondlicht war zu trüb, auch wenn die Straße nur etwa zwanzig Schritt entfernt war. Nichts außer den Schatten bewegte sich dort. Nichts außer Schatten.

»Es gibt keine Flut von Trollocs, Vater. Jedenfalls heute nicht. Wir sind bald in Emondsfeld in Sicherheit. Trink ein bißchen Wasser!«

Tam schob den Wassersack mit einem Arm zur Seite, der anscheinend seine ganze Kraft zurückgewonnen hatte. Er packte Rand beim Kragen und zog ihn so nahe zu sich heran, daß Rand die Hitze des Fiebers auf der eigenen Wange spürte. »Sie haben sie als Wilde bezeichnet«, sagte Tam eindringlich. »Die Narren sagten, man könne sie wie Abfall aus dem Weg räumen. Wie viele Schlachten mußten verlorengehen, wie viele Städte brennen, bis sie endlich der Wahrheit ins Auge sahen? Bis die Nationen endlich gemeinsam gegen sie kämpften?« Er lockerte den Griff an Rands Kragen, und Trauer klang in seiner Stimme auf. »Das Feld von Marath mit einem Teppich von Leichen bedeckt und kein Laut außer dem Krächzen der Raben und dem Summen der Fliegen. Die abgedeckten Türme von Cairhien brannten wie Fackeln in der Nacht. Den ganzen Weg bis zu den Leuchtenden Wällen brannten und mordeten sie, bevor sie zurückgeschlagen wurden. Den ganzen Weg nach... «

Rand legte die Hand auf des Vaters Mund. Ein Laut wiederholte sich, ein rhythmisches Trampeln, dessen Richtung man zwischen den Bäumen nicht bestimmen konnte, erst leiser und dann, als der Wind sich drehte, wieder lauter. Er runzelte die Stirn und drehte den Kopf langsam hin und her, um festzustellen, woher der Laut kam. Aus dem Augenwinkel nahm er eine leichte Bewegung wahr, und einen Moment später beugte er sich tief über Tam. Er war überrascht, den Griff des Schwertes fest in seiner Hand zu fühlen, aber der größere Teil seines Verstands konzentrierte sich auf die Haldenstraße, als sei die Straße der einzig wirkliche Teil dieser ganzen Welt.

Schwankende Schatten im Osten formten sich langsam zur Gestalt eines Reiters auf einem Pferd, der gefolgt wurde von großen massigen Figuren, die rennen mußten, um mit dem Pferd mitzuhalten. Das blasse Mondlicht spiegelte sich in glitzernden Speerspitzen und Axtschneiden. Rand glaubte von vornherein nicht daran, es könnten Dorfbewohner sein, die ihnen zu Hilfe kamen. Er wußte, wer sie waren. Er fühlte es, als würden seine Knochen mit Sand abgeschliffen, noch bevor sie ganz nahe waren. Dann enthüllte ihm das Mondlicht den Kapuzenmantel des Reiters, einen Mantel, der vom Wind unberührt herunterhing. Alle Gestalten erschienen in dieser Nacht schwarz, und die Hufe des Pferdes verursachten die gleichen Geräusche wie die jedes anderen Pferdes, doch Rand erkannte dieses Pferd ganz eindeutig.

Hinter dem dunklen Reiter kamen Alptraumgestalten mit Hörnern und Schnauzen und Schnäbeln, eine Doppelreihe von Trollocs, alle im Gleichschritt. Die Stiefel und Hufe schlugen im gleichen Moment auf dem Boden auf, als würden sie von einem einzigen Verstand gesteuert. Rand zählte zwanzig, die da an ihnen vorbeieilten. Er fragte sich, welche Art von Mensch es wagte, so vielen Trollocs den Rücken zuzuwenden. Oder überhaupt einem Trolloc.

Die rennende Truppe verschwand in westlicher Richtung. Das Stampfen der Füße und Hufe verklang in der Dunkelheit, aber Rand blieb, wo er war, und bewegte keinen Muskel. Etwas in ihm sagte ihm, er müsse erst sicher, absolut sicher sein, daß sie fort waren, bevor er sich wieder in Bewegung setzen durfte. Nach einer ganzen Weile atmete er wieder tief ein und wollte sich gerade aufrichten.

Diesmal gab das Pferd überhaupt keinen Laut von sich. In unheimlicher Stille kehrte der Reiter zurück. Sein schattenhaftes Reittier blieb alle paar Schritte in seinem langsamen Schreiten die Straße hinunter stehen. Windböen erhoben sich und heulten durch den Wald. Der Mantel des Reiters hing unbeweglich wie der Tod herunter. Wo immer das Pferd stehenblieb, bewegte sich der kapuzenbedeckte Kopf hin und her, als der Reiter den Wald beobachtete, suchte. Genau gegenüber von Rand blieb das Pferd wieder stehen. Die düstere Öffnung der Kapuze zeigte in die Richtung, wo Rand über seinem Vater kauerte.

Rands Hand verkrampfte sich um den Schwertgriff. Er fühlte den Blick genau wie am Morgen und erzitterte wieder vor dem Haß, obwohl er ihn nicht sehen konnte. Dieser verhüllte Mann haßte jeden und alles, alles, was lebte. Trotz des kalten Windes rann Schweiß über Rands Gesicht. Dann bewegte sich das Pferd weiter, ein paar lautlose Schritte, und blieb erneut stehen. Schließlich konnte Rand nur noch einen kaum wahrnehmbaren Schatten in der Nacht erkennen, weit entfernt die Straße hinunter. Er hatte ihn keinen Augenblick aus den Augen verloren. Wenn er ihn aus dem Blickfeld verlor, würde er ihn das nächste Mal vielleicht erst sehen, wenn dieses lautlose Pferd ihn schon erreicht hatte.

Mit einem Mal huschte der Schatten zurück und flog in unhörbarem Galopp vorbei. Der Reiter blickte vorwärts, als er in westlicher Richtung durch die Nacht raste, in Richtung Verschleierte Berge. Auf den Bauernhof zu.

Rand sackte in sich zusammen, rang nach Luft und wischte sich den kalten Schweiß mit einem Ärmel von der Stirn. Es interessierte ihn nicht mehr, warum die Trollocs gekommen waren. Falls er das niemals herausfand, war es auch recht, wenn es nur zu Ende war.

Mit einem kurzen Schütteln riß er sich wieder zusammen und sah erst einmal nach seinem Vater. Tam murmelte immer noch vor sich hin, aber so leise, daß Rand die Worte nicht verstand. Er versuchte, ihm etwas zu Trinken beizubringen, aber das Wasser floß über das Kinn des Vaters. Tam hustete und erstickte fast an dem Rinnsal, das tatsächlich den Weg in seinen Mund fand, und dann schwatzte er leise weiter, als hätte es gar keine Unterbrechung gegeben.

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