Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]
- Автор: Скальци Джон
- Серия: Krieg der Klone #1
- Год: 2007
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 978-3-641-02950-0
- Переводчик: Bernhard Kempen
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]». Краткое содержание книги:
Ausgezeichnet mit dem JOHN W. CAMPBELL AWARD als bester Roman des Jahres◦– mit »Krieg der Klone«, ein furioses Science-Fiction-Abenteuer in der Tradition Robert A. Heinleins, hat John Scalzi Leser und Kritiker gleichermaßen begeistert.
Zwei Rekruten traten vor. »Ihr Scheißer seid die allerschlimmsten!«, brüllte Ruiz ihnen ins Gesicht. »Ihr selbstgefälligen Saftsäcke habt mehr KVA-Soldaten getötet als jede Alien-Spezies◦– weil ihr eure Aktionen nach beschissener Marines-Manier durchgezogen habt, statt es so zu machen, wie man es machen sollte. Wahrscheinlich hattet ihr auf euren alten Körpern irgendwo ein ›Semper Fi‹ tätowiert. Richtig? Richtig?«
»Ja, Master Sergeant!«, antworteten die beiden.
»Ihr habt verdammtes Glück, dass ihr eure Greisenkörper nicht mehr habt, weil ich euch sonst gepackt und es euch eigenhändig rausgeschnitten hätte. Und ich hoffe, ihr glaubt mir, dass ich so etwas tun würde. Ich kann euch versichern, dass es hier anders als bei den Marines oder sonstigen militärischen Einrichtungen läuft. Der Unterschied ist der, dass der Ausbilder hier wirklich und wahrhaftig Gott ist! Ich könnte Blutwurst aus euren Scheißeingeweiden machen, und ich würde nur dann Ärger von oben bekommen, wenn ich nicht dafür sorgte, dass einer von euch anschließend die Sauerei beseitigt.« Ruiz trat zurück und sah die übrigen Veteranen mit finsterem Blick an. »Dies hier ist das wahre Militär, meine Damen und Herren. Ihr seid nicht beim Heer, in der Marine oder der Luftwaffe. Ihr gehört zu uns. Und jedes Mal, wenn ihr das vergesst, werde ich zur Stelle sein und euch dafür fertigmachen. Rennt los!«
Sie rannten.
»Wer von Ihnen ist homosexuell?«, wollte Ruiz wissen.
Vier Rekruten traten vor, einschließlich Alan, der neben mir stand. Ich sah, wie er die Stirn runzelte, als er vortrat.
»Einige der besten Soldaten der Menschheitsgeschichte waren homosexuell«, sagte Ruiz. »Alexander der Große, Richard Löwenherz. Die Spartaner hatten eine eigene Truppe aus Pärchen vom anderen Ufer, weil sie dachten, ein Mann würde härter um das Leben seines Geliebten kämpfen als um das irgendeines anderen Soldaten. Einige der besten Kämpfer, die ich persönlich kennen gelernt habe, waren so schwul wie eine Drei-Dollar-Note. Alles wunderbare Soldaten.
Aber es gibt etwas, das mich an ihnen tierisch nervt: Sie suchen sich immer den unpassendsten Moment aus, um ihre Gefühle zu offenbaren. Es ist mir schon dreimal passiert, dass ich an der Seite eines Schwulen gekämpft habe und er mir ausgerechnet in dem Moment, als es wirklich brenzlig wurde, erklären musste, dass er sich in mich verliebt hatte. Das ist einfach verdammt unpassend. Irgendein Alien will mir das Gehirn aus dem Schädel schlürfen, und mein Kamerad will mit mir unsere Beziehung diskutieren! Als hätte ich im Moment nicht ganz andere Sorgen. Tut euren Kameraden einen verdammten Gefallen. Wenn ihr euch verknallt, setzt euch in eurer Freizeit damit auseinander und nicht, wenn irgendeine Bestie euch zerfleischen will. Rennt los!«
Weg waren sie.
»Wer gehört einer ethnischen Minderheit an?«
Zehn Rekruten traten vor.
»Blödmänner! Schaut euch um, ihr Arschlöcher. Hier sind alle grün. Hier gibt es keine Minderheiten. Wollt ihr einer ethnischen Minderheit angehören? Gut. Im Universum leben zwanzig Milliarden Menschen. Es gibt vier Billionen von andereren intelligenten Spezies, und sie alle würden euch gerne zum Frühstück verspeisen. Und das sind nur die, von denen wir wissen! Der erste von euch, der zickig wird, weil er einer Minderheit angehört, bekommt von meinem grünen Latinofuß einen Tritt in die Weicheier! Bewegt euch!«
Sie rannten über die Ebene davon.
Und so ging es weiter. Ruiz hatte gegen jeden etwas Bestimmtes vorzubringen, gegen Christen, Juden, Moslems und Atheisten, gegen Beamte, Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Haustierbesitzer, Waffenbesitzer, Kampfsportler, Ringer und seltsamerweise (sowohl hinsichtlich seiner Abneigung wie auch der Tatsache, dass es tatsächlich jemanden in der Truppe gab, der in diese Kategorie fiel) gegen Holzschuhtänzer. Einzeln oder in Gruppen wurden immer neue Rekruten herausgepickt und gezwungen, über die Ebene zu rennen.
Irgendwann wurde mir bewusst, dass Ruiz mich anstarrte. Ich wahrte die Haltung.
»Verdammt, ich fasse es nicht«, sagte Ruiz. »Einer von euch Scheißern ist übrig!«
»Ja, Master Sergeant!«, brüllte ich, so laut ich konnte.
»Es ist für mich nur schwer zu glauben, dass du in keine der Kategorien fällst, die mir gegen den Strich gehen!«, sagte Ruiz. »Wahrscheinlich versuchst du nur, dich vor einer erquickenden Joggingrunde am Morgen zu drücken!«
»Nein, Master Sergeant!«, bellte ich.
»Es kann einfach nicht sein, dass du keine Eigenschaft besitzt, die ich verachte. Woher kommst du?«
»Aus Ohio, Master Sergeant!«
Ruiz verzog das Gesicht. Nichts zu machen. Endlich einmal hatte sich die absolute Charakterlosigkeit von Ohio zu meinem Vorteil ausgewirkt. »Als was hast du gearbeitet, Rekrut?«
»Ich war selbstständig, Master Sergeant!«
»In welchem Bereich?«
»Ich war Schriftsteller, Master Sergeant!«
Ruiz zeigte wieder sein teuflisches Grinsen. Offenbar hatte er auch etwas gegen Leute, die mit Worten ihren Lebensunterhalt verdienten. »Mit Literaten habe ich ein besonders fettes Hühnchen zu rupfen!«, rief er. »Du hast also Romane geschrieben!«
»Nein, Master Sergeant!«
»Verdammt! Dann sag mir, was du geschrieben hast!«
»Werbetexte, Master Sergeant!«
»Werbung! Für welche nutzlosen und bescheuerten Dinge hast du Reklame gemacht?«
»Bei meinem erfolgreichsten Auftrag ging es um Rolli Roller, Master Sergeant!« Rolli Roller war das Maskottchen von Nirvana Tires, die Reifen für Spezialfahrzeuge herstellten. Ich hatte die Grundidee und Rollis Motto geliefert, aus der die Zeichner der Firma die Figur entwickelt hatten. Rolli Rollers Auftritt fiel zeitlich mit dem Revival der Motorräder zusammen. Die Mode hielt mehrere Jahre lang an, und Rolli brachte Nirvana eine Menge Geld ein, nicht nur als Figur für Werbespots, sondern auch im Lizenzgeschäft als Vorlage für Stoffpuppen, T-Shirts, Schnapsgläser und so weiter. Es war sogar eine Zeichentrickserie für Kinder geplant, aus der jedoch nichts wurde. Im Grunde war es eine ziemlich alberne Geschichte, aber Rollis Erfolg sorgte dafür, dass mir nie die Kunden ausgingen. Für mich hatte es sich gelohnt. Allerdings nur bis zu diesem Moment, wie es schien.
Ruiz machte unvermittelt einen Satz nach vorn und brüllte mir direkt ins Gesicht. »Du bist für die Rolli-Roller-Kampagne verantwortlich, Rekrut?«
»Ja, Master Sergeant!« Es bereite mir ein perverses Vergnügen, jemanden anzuschreien, dessen Visage nur wenige Millimeter von meinem eigenen entfernt war.
Ruiz hing noch ein paar Sekunden lang vor meinem Gesicht, musterte mich ganz genau und wartete, dass ich zusammenzuckte. Dann knurrte er sogar. Schließlich trat er zurück und knöpfte langsam sein Hemd auf. Ich wahrte die Haltung, aber plötzlich bekam ich große Angst. Er zog sich das Hemd über die rechte Schulter, drehte sie in meine Richtung und trat wieder vor. »Rekrut, sage mir, was du dort auf meiner Schulter siehst!«
Ich schaute hin und dachte: Ich glaub’s einfach nicht! »Da ist ein Tattoo von Rolli Roller, Master Sergeant!«
»Völlig richtig«, bellte Ruiz zurück. »Ich werde dir eine Geschichte erzählen, Rekrut. Auf der Erde war ich mit einer sehr bösartigen Frau verheiratet. Sie war eine wahrhaftige Giftschlange. Obwohl ich mich während der Ehe gefühlt habe, als würde ich langsam an vielen kleinen Schnittwunden verbluten, hatte sie mich so fest im Griff, dass ich an Selbstmord dachte, als sie sich von mir scheiden lassen wollte. Am tiefsten Punkt meines Lebens stand ich an einer Bushaltestelle und überlegte, ob ich mich vor den nächsten Bus werfen sollte, der vorbeikam. Dann schaute ich auf und sah ein Werbeplakat mit Rolli Roller. Und weißt du, welcher Spruch dort stand, Rekrut?«