Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
»Klingt wie das Leben, das wir in letzter Zeit geführt haben«, murmelte Mebbekew.
Volemak hielt inne, sah Meb aber nicht an, sondern wartete, bis die anderen ihn mit Blicken zum Schweigen gebracht hatten. Dann fuhr er fort. »Als mir der Gedanke kam, es könne vielleicht Wirklichkeit sein, bat ich die Überseele, oder wer auch immer über diesen Ort herrschte, Gnade zu zeigen und mir etwas zu erklären oder mich etwas sehen zu lassen, damit ich verstehen konnte, was hier passierte. Erst da, nachdem ich um Erleichterung gebeten hatte, wurde es hell — nicht wie ein Sonnenaufgang oder als trete man zu einem Lagerfeuer, nein, ich konnte keine Lichtquelle sehen, ich konnte einfach sehen wie am hellichten Tag, und ich trat aus dem steinernen Ort auf eine riesige Wiese mit hohem Gras und Blumen, die sich leicht im Wind neigten. Es war so eine Erleichterung — Leben zu sehen —, daß ich es euch gar nicht beschreiben kann. Und in einiger Entfernung — vielleicht dreihundert Meter oder so — stand ein Baum. Selbst auf diese Entfernung konnte ich sehen, daß sich zwischen dem hellen Grün der Blätter weiße Flecke befanden — Früchte, wie ich sofort wußte. Und plötzlich konnte ich die Früchte riechen, und ich wußte, was auch immer für Früchte es waren, sie waren köstlich, die perfekteste Nahrung, die es jemals gegeben hatte, und wenn ich nur von diesen Früchten probieren könnte, würde ich nie wieder hungrig sein.«
Er hielt einen Augenblick lang inne und wartete auf Mebbekews obligatorische, klugscheißerische Bemerkung, wie hungrig sie im Augenblick darauf waren, daß dieser Traum ein Ende nahm. Aber Meb war anscheinend zur Vernunft gebracht worden, denn er schwieg.
»Ich ging — ich lief— zu dem Baum, und die Früchte waren klein und süß. Ja, ich probierte von ihnen, und ich kann euch sagen, daß keine Nahrung, die ich je gegessen habe, so gut war.«
»Ja, wie Sex in Träumen«, sagte Obring, der anscheinend glaubte, für Meb einspringen zu müssen. Volemak neigte kurz den Kopf. Er hörte eine Bewegung — ja, Elemak war aufgesprungen. Volemak wußte, was geschah, ohne hinsehen zu müssen, denn Elemak hatte die Technik von ihm gelernt. Elemak stand da, sah Obring an und sagte nichts, bis Obring vor ihm verdorrte. Ja, und da kam sie, Obrings gemurmelte Entschuldigung: »Es tut mir leid, fahre fort, fahre fort.« Volemak wartete noch einen Augenblick, und dann kam das Geräusch, mit dem Elemak sich setzte. Nun konnte er fortfahren, vielleicht ohne weitere Unterbrechungen.
Aber der Augenblick war verdorben worden. Er hatte geglaubt, er wäre dabei, genau die richtigen Worte zu finden, mit denen er erklären konnte, wie der Geschmack der Frucht in seinem Mund gewesen war, wie er bewirkt hatte, daß er sich zum erstenmal lebendig fühlte. »Diese Furcht war das Leben«, sagte er, doch nun klangen seine Worte leer und unzureichend, und er wußte, daß der Augenblick der Klarheit verstrichen war und sie es nie verstehen würden. »Die Freude, die ich empfand, als ich sie schmeckte … sie war so perfekt … ich wollte, daß meine Familie sie auch kannte. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, daß ich diese perfekte Frucht, diesen Geschmack des Lebens in meinem Mund hatte und meine Familie nichts davon wußte, ihn nicht mit mir teilte. Also begann ich, nach euch zu suchen, hielt nach euch Ausschau. Ihr wart nicht in der Richtung, aus der ich gekommen war, und als ich mich umdrehte, sah ich, daß ein Fluß an dem Baum vorbei führte, und als ich flußaufwärts sah, sah ich Rasa und unsere beiden Söhne Issib und Nafai, und sie schauten sich um, als wüßten sie nicht, wohin sie gehen sollten. Also rief ich nach ihnen und winkte, und schließlich sahen sie mich und kamen zu mir, und ich gab ihnen die Frucht, und sie aßen sie und fühlten, was ich gefühlt hatte, und ich sah, daß es bei ihnen genauso war. Daß es, als sie die Frucht aßen, für sie war, als sei zum erstenmal das Leben in sie gekommen. Sie hatten natürlich die ganze Zeit über gelebt, aber nun wußten sie, warum sie lebten, und sie waren froh, am Leben zu sein.«
Volemak konnte nicht verhindern, daß Tränen seine Wangen hinabrannen. Die Erinnerung an den Traum war in ihm so frisch und stark, daß er ihn erneut erlebte, als er ihn erzählte, und die Freude, die er verspürte, konnte nicht im Zaum gehalten werden, nicht einmal jetzt, nach einem Tag der Gartenarbeit, nicht einmal, obwohl noch der Schweiß und der Staub der Wüste auf ihm klebten. Er schmeckte noch immer die Frucht in seinem Mund, sah noch immer den Ausdruck auf ihren Gesichtern. Spürte noch immer die Sehnsucht, die er in diesem Augenblick spürte, daß auch Elemak und Mebbekew davon probierten.
»Dann dachte ich an Elemak und Mebbekew, meine ersten beiden Söhne, und ich suchte nach ihnen, wollte, daß sie kamen und ebenfalls von der Frucht probierten. Und auch sie waren dort an der Quelle des Flusses, an der Rasa und Issib und Nafai gewesen waren. Und erneut rief ich sie und winkte, doch sie wollten nicht kommen. Ich versuchte, ihnen von der Frucht zu erzählen, brüllte geradezu, doch sie taten so, als könnten sie mich nicht hören, wenngleich ich in diesem Augenblick dachte, daß sie es wirklich nicht konnten. Schließlich wandten sie sich von mir ab und taten nicht einmal mehr so, als wollten sie zuhören. Da stand ich mit dieser perfekten Frucht in meiner Hand, diesem Geschmack in meinem Mund, diesem Duft in meiner Nase, und wußte, daß sie genauso voller Freude sein würden, wie ich es war, wenn sie kommen und probieren würden, doch ich war nicht imstande, sie zu holen.«
Zuvor waren seine Tränen solche der Freude gewesen; nun flössen sie wegen Elemak und Mebbekew, und sie schmeckten bitter. Aber über ihre Weigerung gab es nichts mehr zu sagen — er fuhr mit seinem Traum fort.
»Erst dann, nachdem meine beiden ältesten Söhne sich geweigert hatten, zu dem Baum zu kommen, bemerkte ich, daß wir nicht die einzigen Menschen auf dieser großen Wiese waren. Ihr wißt, wie es in Träumen ist — im einen Augenblick sind gar keine Menschen da, und im nächsten tausende. Aber da waren nicht nur Menschen, sondern auch andere — einige flogen, einige huschten auf dem Boden —, aber ich wußte, daß auch sie Menschen waren, wenn ihr wißt, was ich meine. Viele von ihnen hatten den Baum gesehen. Ich dachte, vielleicht haben sie gehört, was ich Elja und Meb zugerufen habe, wie die Früchte waren, wie sie schmecken und so weiter, und nun wollen alle zum Baum gelangen. Aber sie waren jetzt viel weiter entfernt als zuvor, und ich hatte den Eindruck, als könnten sie den Baum selbst nicht sehen, sondern wüßten nur ungefähr, wo er steht. Ich dachte, wie wollen sie ihn finden, wenn sie ihn nicht sehen können?
Da sah ich, daß eine Art Geländer am Flußufer verlief und ein schmaler, kleiner Pfad direkt neben dem Geländer, und ich sah, daß dies der einzige Weg war, dem sie folgen konnten, wenn sie zu dem Baum gelangen wollten. Und die Leute, die versuchten, den Baum zu finden, erblickten das eiserne Geländer und folgten dem Pfad und hielten sich an dem Geländer fest, wann immer der Boden schlüpfrig war, damit sie nicht ins Wasser fielen. Sie drängten vorwärts, doch dann kamen sie in einen Nebel, einen dichten und schweren Nebel, der vom Fluß hochtrieb, und jene, die sich nicht an dem Geländer festhielten, verirrten sich, und einige fielen in den Fluß und ertranken, und andere wanderten in den Nebel und verirrten sich auf der Wiese und fanden den Baum nie.
Aber diejenigen, die sich an dem Geländer festhielten, schafften es, sich den Weg durch den Nebel zu bahnen, und schließlich traten sie ins Licht und waren dem Baum nun so nah, daß sie ihn mit eigenen Augen sehen konnten. Da kamen sie herbeigestürmt und scharten sich um mich und Rasa und Issib und Nafai, und sie griffen hinauf und nahmen die Früchte, und für jene, die nicht hoch genug greifen konnten, pflückten wir die Früchte und gaben sie ihnen, und als es nicht mehr genug gab, die man vom Boden aus erreichen konnte, kletterten Nafai und Issib den Baum hinauf …«