Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Heiliger Michael, hilf«, sagte er leise.
»Mögen die Heerscharen der Engel und Erzengel mit dir sein, Onkel Jamie«, sagte Ian genauso leise. »Obwohl ich den Eindruck habe, dass du die Macht und die Herrlichkeit ebenfalls gut brauchen könntest.«
»Nun, ich hätte nichts dagegen, wenn sich die göttliche Fügung zum Eingreifen entschließen würde«, sagte Jamie, der sich durch die Anwesenheit seines Neffen erstaunlich ermutigt fühlte. »Ich habe jedenfalls keine Ahnung, wie wir dieser törichten Verwicklung sonst entkommen sollen.«
Ian grunzte; er sah, wie sein Neffe den Kopf wandte, um einen prüfenden Blick in Richtung des schwach leuchtenden Lagers zu werfen. Ohne es abzusprechen, bewegten sie sich tiefer in den Wald hinein.
»Ich kann mich nicht lange vom Lager entfernen, ohne dass sie mir nachsetzen«, sagte er. »Erst einmal – wie stehen die Dinge in Fraser’s Ridge?«
Ian zog eine Schulter hoch.
»Es gibt Gerede«, sagte er, und sein Tonfall deutete darauf hin, dass »Gerede« alles umfasste – von Altweibermärchen bis hin zu jener Art von Beleidigungen, für die es nur mit Gewalt Genugtuung geben konnte. »Aber es hat noch keine Toten gegeben. Was soll ich tun, Onkel Jamie?«
»Richard Brown. Er hat angefangen nachzudenken, und nur Gott weiß, wohin das führt.«
»Er denkt zu viel; solch Mann wird zur Gefahr«, sagte Ian und lachte. Jamie, der noch nie mitbekommen hatte, dass sein Neffe freiwillig ein Buch las, warf ihm einen ungläubigen Blick zu, verkniff sich aber in Anbetracht der drängenden Situation jede Frage.
»Aye, so ist es«, sagte er trocken. »Er hat die Geschichte unterwegs in Kneipen und Wirtshäusern herumerzählt – wohl um die öffentliche Entrüstung so weit zu treiben, dass sich irgendein törichter Constabler dazu bewegen lässt, uns ihm abzunehmen; oder besser noch, dass sich ein Pöbel zusammenrottet, um uns zu ergreifen, und uns auf der Stelle hängt, womit sein Problem gelöst wäre.«
»Oh, aye? Nun, wenn er das vorhat, Onkel Jamie, dann hat er Erfolg. Du würdest nicht glauben, was ich für Dinge gehört habe, als ich euch gefolgt bin.«
»Ich weiß.« Jamie reckte sich vorsichtig, um seinen schmerzenden Rippen Erleichterung zu verschaffen. Es war nur der Gnade Gottes zu verdanken, dass es nicht schlimmer gekommen war – und Claires Wutausbruch, der den Angriff unterbrochen hatte, weil alles innegehalten hatte, um sich das faszinierende Spektakel anzusehen, wie sie den Angreifer wie ein Bündel Flachs weich prügelte.
»Doch er hat begriffen, dass man beiseitetreten sollte, nachdem man jemandem eine Zielscheibe angeheftet hat. Wie gesagt, er denkt nach. Sollte er sich also entfernen oder jemand anderen schicken …«
»Dann folge ich ihm, aye, und finde heraus, was zu tun ist.«
Er spürte Ians Kopfnicken mehr, als dass er es sah; sie standen mitten im Schatten, und der schwache Schimmer des Mondlichts lag wie Nebel in den Zwischenräumen der Bäume. Dann bewegte sich Ian, als wollte er aufbrechen, zögerte jedoch.
»Bist du sicher, Onkel Jamie, dass es nicht besser wäre, noch etwas zu warten und euch dann davonzuschleichen? Es gibt hier zwar keinen Farn, aber die Hügel bieten reichlich Deckung; bis zur Dämmerung könnten wir sicher versteckt sein.«
Die Versuchung war groß. Er spürte den Sog des dunklen, wilden Waldes über allem anderen, den Ruf der Freiheit. Wenn er doch einfach nur in die Bäume spazieren und dort bleiben könnte … Doch er schüttelte den Kopf.
»Es würde nichts nützen, Ian«, sagte er mit unverhohlenem Bedauern in der Stimme. »Dann wären wir Flüchtlinge – und es würde mit Sicherheit eine Belohnung auf uns ausgesetzt. Und das, wo die ganze Gegend ohnehin gegen uns aufgebracht ist – durch Hassreden und Flugblätter? Die Öffentlichkeit würde Brown seine Arbeit sofort abnehmen. Außerdem würde es wie ein Schuldgeständnis aussehen, wenn wir davonliefen.«
Ian seufzte, nickte aber zustimmend.
»Nun denn«, sagte er. Er trat vor, um Jamie zu umarmen, drückte ihn einen Moment ganz fest, und dann war er fort.
Jamie atmete tief, aber zögernd aus, weil seine verletzten Rippen schmerzten.
»Gott mit dir, Ian«, sagte er in die Dunkelheit und wandte sich zurück.
Als er sich wieder neben seine Frau legte, war das Lager still. Die Männer lagen da wie tot, in ihre Decken gewickelt. Doch zwei Gestalten wachten noch an der Glut des erlöschenden Feuers; Richard Brown und Thomas Christie, ein jeder auf einem Felsen, allein mit seinen Gedanken.
Ob er Claire wecken und es ihr sagen sollte? Er überlegte einen Moment und drückte seine Wange an ihr weiches, warmes Haar, dann entschied er sich widerstrebend dagegen. Möglich, dass es ihr ein wenig Mut machen würde, wenn sie wusste, dass Ian da war – doch er durfte es nicht riskieren, Browns Argwohn zu erregen; und sollte Brown irgendwie an Claires Stimmung ablesen, dass etwas geschehen war … nein, besser nicht. Zumindest noch nicht.
Er ließ den Blick über den Boden zu Christies Füßen schweifen und sah ganz schwach etwas Graues in der Dunkelheit umherhuschen; die Maus hatte ihre Freunde gerufen, um sich das Festmahl zu teilen.
Kapitel 90
Sechsundvierzig Bohnen für mich
Im Morgengrauen war Richard Brown verschwunden. Der Rest der Männer machte einen grimmigen, aber schicksalsergebenen Eindruck, und unter dem Kommando eines untersetzten, mürrischen Kerls namens Oakes setzten wir unseren Weg nach Süden fort.
Irgendetwas hatte sich in der Nacht verändert; etwas von der Anspannung, die Jamie seit unserem Aufbruch aus Fraser’s Ridge im Griff gehabt hatte, war von ihm abgefallen. In meiner steifen, wunden und mutlosen Verfassung fand ich diese Veränderung tröstlich, obwohl ich mich fragte, was sie herbeigeführt hatte. War es derselbe Grund, der Richard Brown bewogen hatte, sich auf seinen mysteriösen Ausflug zu begeben?
Doch Jamie sagte nichts, abgesehen davon, dass er sich nach meiner Hand erkundigte – die sehr empfindlich war und so steif, dass ich meine Finger nicht auf Anhieb krümmen konnte. Er beobachtete unsere Begleiter nach wie vor mit wachsamem Blick, doch das Nachlassen der Anspannung war auch an ihnen nicht spurlos vorübergegangen; ich begann, meine Angst zu verlieren, dass ihnen plötzlich die Geduld ausgehen könnte und sie uns aufknüpfen könnten, ohne sich von Tom Christies mürrischer Anwesenheit stören zu lassen.
Wie in Absprache mit dieser entspannteren Atmosphäre klarte sich das Wetter plötzlich auf, was die allgemeine Laune weiter verbesserte. Es wäre übertrieben zu sagen, dass es zu etwas wie einer Annäherung kam, doch ohne Richard Browns ständige Böswilligkeiten verhielten sich die anderen Männer zumindest gelegentlich höflich. Und wie üblich nagten die Langeweile und die Anstrengungen der Reise an allen, so dass wir wie Murmeln über die gefurchten Straßen rollten, hin und wieder aneinanderprallten, staubig, schweigsam und am Ende des Tages immerhin in der Erschöpfung vereint.
Diese neutrale Lage änderte sich abrupt, als wir in Brunswick eintrafen. Es war deutlich, dass Oakes seit ein oder zwei Tagen auf etwas wartete, und als wir die ersten Häuser erreichten, konnte ich sehen, wie er vor Erleichterung tief durchzuatmen begann.
Daher war es keine große Überraschung, als wir bei einem Wirtshaus am Rand der winzigen, halb verlassenen Siedlung anhielten, um uns zu erfrischen, und uns Richard Brown dort erwartete. Es war eine Überraschung, als Oakes und zwei andere Männer ohne Vorwarnung Jamie packten, ihm den Becher mit Wasser aus der Hand schlugen und ihn gegen die Hauswand rammten.
Ich ließ meinen Becher fallen und stürzte auf sie zu, doch Richard Brown packte mich wie ein Schraubstock am Arm und zerrte mich auf die Pferde zu.
»Loslassen! Was macht Ihr denn? Loslassen, sage ich!« Ich trat nach ihm und gab mir alle Mühe, ihm die Augen auszukratzen, doch er bekam meine Handgelenke zu fassen und rief einen der anderen Männer zu Hilfe. Gemeinsam bugsierten sie mich – die ich mir immer noch die Kehle aus dem Hals schrie – vor einem anderen von Browns Männern auf ein Pferd. Aus Jamies Richtung waren lautes Gebrüll und allgemeiner Aufruhr zu hören, weil jetzt ein paar Gaffer aus dem Wirtshaus kamen. Doch keiner von ihnen schien Lust zu haben, sich mit einer großen Gruppe Bewaffneter anzulegen.