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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Ich sah, wie er zu demselben Schluss kam und sich sein Mund anspannte. Ich hatte keine Ahnung, was er zu tun im Begriff war, doch es kam ihm etwas zuvor. Am Rand der Menge kam Unruhe auf; die Leute wandten neugierig die Köpfe, dann erstarrten sie, und es verschlug ihnen die Sprache.

Thomas Christie kam durch die Menge; trotz der Dunkelheit und des flackernden Fackelscheins wusste ich sofort, dass er es war. Er ging wie ein alter Mann, vornübergebeugt und stockend, ohne irgendjemanden anzusehen. Die Menge wich schlagartig vor ihm zurück, von tiefem Respekt vor seinem Schmerz erfüllt.

Dieser Schmerz war seinem Gesicht deutlich anzusehen. Er hatte sich Bart und Haare weder geschnitten noch gekämmt noch gewaschen. Seine Augen waren blutunterlaufen, und er hatte Tränensäcke; die Falten von der Nase zum Mund gruben schwarze Furchen in seinen Bart. Doch seine Augen leuchteten lebendig, hellwach und klug. Er schritt durch die Menge und an seinem Sohn vorbei, als sei er allein, und kam die Stufen zur Veranda herauf.

»Ich gehe mit ihnen nach Hillsboro«, sagte er leise zu Hiram Crombie. »Nehmt sie beide fest, wenn Ihr wollt – aber ich werde mit ihnen reisen, als Garantie, dass es nicht zu weiteren Freveltaten kommt. Die Gerechtigkeit ist doch wohl mein, wenn sie überhaupt jemandem zusteht.«

Brown zog ein verblüfftes Gesicht; dies war eindeutig überhaupt nicht das, was er im Sinn gehabt hatte. Doch die Menge war sofort dafür und äußerte Beifallsgemurmel über die vorgeschlagene Lösung. Nach dem Mord an seiner Tochter empfand jedermann den größten Respekt und das größte Mitgefühl mit Tom Christie. Und es schien die allgemeine Meinung zu herrschen, dass seine Geste von enormer Großherzigkeit war.

Was auch stimmte, da er uns mit größter Wahrscheinlichkeit gerade das Leben gerettet hatte – zumindest vorerst. Seiner Miene nach hätte Jamie es lieber darauf ankommen lassen und Richard Brown umgebracht, doch er begriff, dass Bettler nicht wählerisch sein konnten, und fügte sich so gutwillig wie möglich mit einem Kopfnicken.

Christie ließ seinen Blick einen Moment auf mir ruhen, dann wandte er sich an Jamie.

»Wenn es Euch recht ist, Mr. Fraser, brechen wir vielleicht morgen früh auf? Es gibt keinen Grund, warum Ihr und Eure Frau nicht in Eurem eigenen Bett schlafen solltet.«

Jamie verneigte sich vor ihm.

»Ich danke Euch, Sir«, sagte er förmlich. Christie nickte zurück, machte kehrt und stieg die Stufen wieder hinunter, ohne Richard Brown, der zugleich verärgert und überrumpelt dreinschaute, eines Blickes zu würdigen.

Ich sah, wie Kenny Lindsay die Augen schloss und erleichtert die Schultern sinken ließ. Dann schob mir Jamie die Hand unter den Ellbogen, und wir drehten uns um und betraten unser Haus, um vielleicht zum letzten Mal eine Nacht unter seinem Dach zu verbringen.

Kapitel 88

Im Sog des Skandals

Der Regen, der in der Luft gelegen hatte, kam in der Nacht, und der Tag dämmerte grau, trostlos und nass – passend zu Mrs. Bugs Verfassung. Sie schluchzte ohne Unterlass in ihre Schürze und wiederholte: »Oh, wenn Arch nur hier gewesen wäre! Aber der Einzige, den ich finden konnte, war Kenny Lindsay, und bis er MacNeill und Abernathy geholt hatte –«

»Quält Euch deswegen nicht, a leannan«, sagte Jamie und küsste sie liebevoll auf die Stirn. »Womöglich ist es ja besser so. Es ist niemand zu Schaden gekommen, das Haus steht noch« – er warf einen sehnsüchtigen Blick auf die Dachbalken, die er Stück für Stück selbst gezimmert hatte –, »und so Gott will, klärt sich dieser Schlamassel ja vielleicht bald auf.«

»So Gott will«, wiederholte sie inbrünstig und bekreuzigte sich. Sie zog die Nase hoch und rieb sich die Augen. »Und ich habe Euch einen Bissen zu essen eingepackt, damit Ihr unterwegs keinen Hunger leidet, Sir.«

Richard Brown und seine Männer hatten, so gut es ging, unter den Bäumen Zuflucht gesucht; ihnen hatte niemand Gastfreundschaft angeboten – einen vernichtenderen Beweis für ihre Unbeliebtheit konnte man sich kaum vorstellen, wenn man bedachte, wie es die Highlander in diesen Dingen hielten. Und ein genauso vernichtender Beweis für unsere eigene Unbeliebtheit, dass sie es Brown gestatteten, uns in Gewahrsam zu nehmen.

In der Folge waren Browns Männer völlig durchnässt, hungrig, schlaflos und gereizt. Ich hatte zwar auch nicht geschlafen, aber ich hatte mich zumindest satt gefrühstückt, mir war warm, und ich war – noch – trocken, so dass es mir ein wenig besserging, auch wenn sich mein Herz hohl anfühlte und meine Knochen wie mit Blei gefüllt waren, als wir die Wegmündung erreichten und ich über die Lichtung einen Blick zum Haus zurückwarf, auf dessen Veranda Mrs. Bug stand und winkte. Ich winkte zurück, und dann trabte mein Pferd in die Dunkelheit der tropfenden Bäume.

Es wurde eine grimmige Reise, die wir zum Großteil schweigend zurücklegten. Jamie und ich ritten dicht beieinander, konnten uns aber in Hörweite von Browns Männern nicht über irgendetwas Wichtiges unterhalten. Und was Richard Brown anging, so war er ernstlich aus der Fassung geraten.

Es war hinreichend klar, dass er niemals die Absicht gehabt hatte, mich irgendwo vor Gericht zu bringen, sondern dass er dies nur als Vorwand benutzt hatte, um sich an Jamie für Lionels Tod zu rächen. Und weiß Gott, was er getan hätte, dachte ich, hätte er erfahren, was wirklich mit seinem Bruder geschehen war, als Mrs. Bug noch greifbar in seiner Nähe war. Doch da Tom Christie uns begleitete, waren ihm die Hände gebunden; es blieb ihm nichts anderes übrig, als uns nach Hillsboro zu bringen, und das tat er denkbar widerwillig.

Tom Christie ritt wie im Traum – einem Alptraum. Seine Miene war verschlossen und nach innen gekehrt, und er sprach mit niemandem.

Der Mann, den Jamie mit dem Messer verletzt hatte, war nicht dabei; vermutlich war er nach Brownsville heimgekehrt. Doch der Mann, den ich angeschossen hatte, begleitete uns.

Ich konnte weder sagen, wie ernst seine Verletzung war, noch, ob die Kugel in seinen Körper eingedrungen war oder ihn nur seitlich gestreift hatte. Er war zwar nicht bewegungsunfähig, doch seiner schiefen Haltung und der Art, wie er dann und wann das Gesicht verzog, war deutlich anzusehen, dass er Schmerzen hatte.

Ich zögerte eine Weile. Ich hatte nicht nur Satteltaschen und eine zusammengerollte Decke dabei, sondern auch eine kleine Arzttasche. Unter den gegebenen Umständen hatte ich zwar nur relativ wenig Mitleid mit dem Mann. Andererseits war mein Instinkt stark – und wie ich Jamie leise erklärte, als wir anhielten, um unser Nachtlager aufzuschlagen, würde es nicht helfen, wenn er an einer Infektion starb.

Ich nahm mir vor, seine Wunde zu untersuchen und zu versorgen, sobald sich die Gelegenheit ergab. Der Mann – sein Name schien Ezra zu sein, auch wenn wir einander natürlich nicht vorgestellt worden waren – war dafür verantwortlich, die Schalen mit dem Essen auszuteilen, und ich wartete unter der Kiefer, unter der Jamie und ich Schutz gesucht hatten, um ihn freundlich anzusprechen, wenn er unser Essen brachte.

Er kam zu uns herüber, in jeder Hand eine Schale, die Schultern zum Schutz vor dem Regen in seinem Ledermantel vornübergebeugt. Doch bevor ich etwas sagen konnte, grinste er böse, spuckte kräftig in eine der Schüsseln und reichte sie mir. Die andere ließ er Jamie vor die Füße fallen, so dass ihm der Eintopf mit getrocknetem Hirschfleisch an den Beinen hinaufspritzte.

»Hoppla«, sagte er nur und machte auf dem Absatz kehrt.

Jamie spannte sich an wie eine große Schlange, die sich zusammenrollt, doch ich bekam seinen Arm zu fassen, bevor er zuschlagen konnte.

»Das macht nichts«, sagte ich und erhob meine Stimme ein klein wenig, um hinzuzufügen: »Soll er doch verrotten.«

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