Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Der Kopf des Mannes fuhr mit weit aufgerissenen Augen herum.
»Soll er doch verrotten«, wiederholte ich und starrte ihn an. Ich hatte die Fieberröte in seinem Gesicht gesehen und einen schwach süßlichen Eitergeruch wahrgenommen.
Ezras Miene war fassungslos. Er hastete an das prasselnde Feuer zurück und weigerte sich, noch einmal in meine Richtung zu blicken.
Ich hatte die Schale, die er mir gegeben hatte, noch in der Hand und erschrak, als sie mir plötzlich abgenommen wurde. Tom Christie schüttete ihren Inhalt in einen Busch und reichte mir seine eigene Schale, dann wandte er sich wortlos ab.
»Aber –« Ich setzte mich in Bewegung, um sie ihm zurückzugeben. Dank Mrs. Bugs »Bissen«, der eine ganze Satteltasche füllte, würden wir nicht verhungern. Doch Jamies Hand auf meinem Arm hielt mich zurück.
»Iss es, Sassenach«, sagte er leise. »Es ist gut gemeint.«
Mehr als nur gut gemeint, dachte ich. Es war mir bewusst, dass die Blicke der Männer am Feuer feindselig auf mich gerichtet waren. Meine Kehle war zugeschnürt, und ich hatte keinen Appetit, doch ich zog meinen Löffel aus der Tasche und aß.
Unter einer Hemlocktanne in unserer Nähe hatte sich Tom Christie in eine Decke gehüllt, den Hut in sein Gesicht gezogen und sich niedergelegt, allein.
Es regnete den ganzen Weg bis Salisbury. Dort fanden wir Unterschlupf in einem Wirtshaus, und mir war selten ein Feuer so willkommen erschienen. Jamie hatte unsere gesamte Barschaft mitgebracht, und demzufolge konnten wir uns ein eigenes Zimmer leisten. Brown postierte eine Wache auf der Treppe, doch das war nur Angeberei; wohin sollten wir schließlich gehen?
Ich stand im Hemd vor dem Feuer und hatte meinen nassen Umhang und meine Röcke zum Trocknen über eine Bank gebreitet.
»Weißt du«, überlegte ich laut, »Richard Brown hat diese ganze Sache überhaupt nicht zu Ende gedacht.« Was nicht überraschend war, da er ja eigentlich gar nicht vorgehabt hatte, uns vor Gericht zu bringen. »An wen will er uns denn eigentlich übergeben?«
»An den Sheriff des Distrikts«, erwiderte Jamie, während er sich das Haar losband und es über dem Kaminfeuer ausschüttelte, so dass Wassertropfen zischend und knisternd im Feuer landeten. »Oder, wenn das nicht geht, vielleicht einem Friedensrichter.«
»Ja, aber was dann? Er hat keine Beweismittel – keine Zeugen? Wie kann es da etwas geben, das einem Prozess ähnelt?«
Jamie warf mir einen merkwürdigen Blick zu.
»Du hast noch nie vor Gericht gestanden, oder, Sassenach?«
»Das weißt du doch.«
Er nickte.
»Ich schon. Wegen Hochverrats.«
»Ach? Und was ist passiert?«
Er fuhr sich mit der Hand durch die nassen Haare und schnaubte.
»Ich musste aufstehen und wurde nach meinem Namen gefragt. Ich habe ihn gesagt, der Richter hat eine Weile mit seinem Freund getuschelt, und dann hat er gesagt: ›Schuldig. Lebenslänglich. Legt ihn in Eisen.‹ Und sie haben mich hinaus in den Hof geführt und einen Schmied angewiesen, mir Eisen an die Handgelenke zu hämmern. Am nächsten Tag haben wir mit dem Marsch nach Ardsmuir begonnen.«
»Sie haben euch zu Fuß gehen lassen? Von Inverness aus?«
»Ich hatte es nicht besonders eilig, Sassenach.«
Ich holte tief Luft, um das dumpfe Gefühl in meiner Magengrube zu unterdrücken.
»Ich verstehe. Nun ja … aber – wäre ein M-Mord –«, fast konnte ich es sagen, ohne zu stottern, aber noch nicht ganz, »– keine Angelegenheit für einen Geschworenenprozess?«
»Wahrscheinlich, und ich werde mit Sicherheit darauf bestehen – wenn es so weit kommt. Mr. Brown zumindest scheint davon überzeugt zu sein; er erzählt die Geschichte im ganzen Schankraum und lässt uns dabei wie verruchte Ungeheuer aussehen. Was auch keine große Kunst ist«, fügte er hinzu, »wenn man die Umstände bedenkt.«
Ich presste die Lippen fest zusammen, um keine vorschnelle Antwort zu geben. Ich wusste, dass er wusste, dass ich keine andere Wahl gehabt hatte; er wusste, dass ich wusste, dass er nicht das Geringste mit Malva zu tun gehabt hatte – doch ich konnte nicht verhindern, in beiderlei Hinsicht gewisse Schuldgefühle zu empfinden. Für das, was hinterher geschehen war, und genauso für Malvas Tod – obwohl ich weiß Gott alles gegeben hätte, um sie lebend zurückzuhaben.
Ich begriff, dass er recht hatte, was Brown betraf. Ich war so durchfroren und durchnässt gewesen, dass ich kaum auf die Geräusche im Schankraum geachtet hatte, doch ich konnte nun Browns Stimme durch den Schornstein steigen hören. Und aus den vereinzelten Worten, die ich verstehen konnte, wurde deutlich, dass er genau das tat, was Jamie gesagt hatte – er schwärzte uns an und stellte klar, dass er und sein Komitee für die Sicherheit die unwürdige, aber notwendige Aufgabe auf sich genommen hatten, uns festzunehmen und der Justiz auszuliefern. Und brachte damit rein zufällig jeden potenziellen Geschworenen gründlich gegen uns auf, indem er dafür sorgte, dass sich die Geschichte in all ihren skandalösen Einzelheiten herumsprach.
»Gibt es irgendetwas, das wir tun können?«, fragte ich, nachdem ich mir so viel von diesem Unsinn angehört hatte, wie ich ertragen konnte.
Er nickte und zog ein sauberes Hemd aus seiner Satteltasche.
»Zum Abendessen nach unten gehen und dabei so wenig wie möglich wie ruchlose Mörder aussehen, a nighean.«
»Also schön«, sagte ich und zog mit einem Seufzer die mit Bändern verzierte Haube hervor, die ich eingepackt hatte.
Es hätte mich nicht überraschen dürfen. Ich war alt genug, um ein einigermaßen zynisches Bild von der menschlichen Natur zu haben – und ich lebte schon lange genug in dieser Zeit, um zu wissen, wie unverblümt sich die öffentliche Meinung Ausdruck verschaffte. Und dennoch war ich schockiert, als mich der erste Stein am Oberschenkel traf.
Wir befanden uns ein Stück südlich von Hillsboro. Das Wetter blieb feucht, die Straßen waren schlammig und das Vorankommen schwierig. Ich glaube, dass Richard Brown sehr glücklich gewesen wäre, uns dem Sheriff von Rowan County zu übergeben – wäre eine solche Person greifbar gewesen. Das Amt, so informierte man ihn, war derzeit nicht besetzt, da der letzte Inhaber eines Nachts überstürzt seine Zelte abgebrochen hatte und sich noch niemand gefunden hatte, der bereit war, an seine Stelle zu treten.
Politische Gründe, so verstand ich es, da der letzte Sheriff die Unabhängigkeit befürwortet hatte, während die Mehrheit der Einwohner des Distrikts es immer noch mit der Loyalität hielt. Ich erfuhr zwar nichts Genaues über das Ereignis, das die hastige Abreise des letzten Sheriffs ausgelöst hatte, doch es verwandelte die Wirtshäuser und Kneipen rings um Hillsboro in summende Hornissennester.
Das Berufungsgericht, so unterrichtete man Brown, hatte seine Zusammenkünfte vor einigen Monaten eingestellt, da die Richter, die ihm angehörten, es für zu gefährlich hielten, in der gegenwärtigen unruhigen Lage in Erscheinung zu treten. Der einzige Friedensrichter, den er auftreiben konnte, empfand ähnlich und lehnte es geradeheraus ab, uns in Gewahrsam zu nehmen. Er teilte Brown mit, sein Leben sei ihm zu kostbar, als dass er sich im Moment in irgendetwas verwickeln ließe, das auch nur entfernt kontrovers war.
»Aber es hat doch gar nichts mit Politik zu tun!«, hatte Brown ihm frustriert zugerufen. »Es ist Mord, zum Kuckuck – hinterlistiger Mord!«
»In diesen Tagen ist alles und jedes politisch, Sir«, hatte der Friedensrichter, ein gewisser Harvey Mickelgrass, ihn unter traurigem Kopfschütteln unterrichtet. »Ich würde mich ja nicht einmal so weit aus dem Fenster lehnen, einen Fall von Trunkenheit und Pöbelei zu verhandeln, weil ich Angst haben müsste, dass mir das Haus über dem Kopf abgerissen wird und man meine Frau zur Witwe macht. Der Sheriff hat versucht, sein Amt zu verkaufen, konnte aber niemanden finden, der bereit war, es zu erwerben. Nein, Sir – Ihr werdet anderswo hingehen müssen.«
Brown wollte uns auf keinen Fall nach Cross Creek oder Campbelton bringen, wo Jocasta Cameron großen Einfluss hatte und der örtliche Friedensrichter ihr guter Freund Farquard Campbell war. Und so zogen wir nach Süden, Richtung Wilmington.