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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Woher willst du das wissen?«, fuhr sie ihn an. »Ich bin hier der Arzt.«

Er versuchte nicht länger, sein Lächeln zu verbergen.

»Wenn sie gebrochen wäre«, sagte er, »wärst du bleich und würdest dich übergeben. Du bist aber rot und schimpfst wie ein Rohrspatz.«

»Rohrspatz, haha!« Sie zog ihre Hand fort und funkelte ihn an, während sie sie an ihre Brust drückte. Eigentlich war sie nur schwach errötet, und mit ihrem Haar, das sich als wilde Masse um ihren Kopf ringelte, sah sie sehr attraktiv aus. Einer von Browns Männern hatte nach der Attacke ihre Haube vom Boden aufgelesen und sie ihr zaghaft hingehalten. Sie hatte sie ihm aufgebracht entrissen und sie brutal in eine Satteltasche gestopft.

»Hast du Hunger, Claire?«

»Ja«, gab sie widerstrebend zu, denn sie wusste genauso gut wie er, dass Menschen mit Knochenbrüchen im Allgemeinen zunächst keinen großen Appetit hatten, obwohl sie Erstaunliches vertilgten, sobald der Schmerz ein wenig nachgelassen hatte.

Er kramte in der Satteltasche herum und segnete im Geiste Mrs. Bug, während er eine Handvoll getrockneter Aprikosen und ein großes Stück eingewickelten Ziegenkäse zum Vorschein brachte. Browns Männer kochten irgendetwas über ihrem Feuer, doch er und Claire hatten seit dem ersten Abend nur noch ihr eigenes Essen angerührt.

Wie viel länger mochte diese Farce noch andauern?, fragte er sich, während er ein Stück Käse abbrach und es seiner Frau reichte. Wenn sie gut aufpassten, hatten sie vielleicht noch Lebensmittel für eine Woche. Lange genug, um eventuell die Küste zu erreichen, wenn das Wetter gut blieb. Und was dann?

Ihm war von Anfang an klar gewesen, dass Brown keinen Plan hatte und jetzt versuchte, mit einer Situation fertigzuwerden, die vom ersten Moment an unkontrollierbar gewesen war. Brown war ehrgeizig, habgierig und rachsüchtig, doch er war so gut wie überhaupt nicht in der Lage, vorausschauend zu denken, so viel stand fest.

Hier stand er nun und hatte sie beide am Hals, gezwungen, ebenfalls weiterzureisen und die unerwünschte Verantwortung hinter sich herzuschleifen wie einen zerschlissenen Schuh, der an einem Hundeschwanz baumelte. Und Brown war der Hund, der sich knurrend um sich selbst drehte und versuchte, nach dem störenden Gegenstand zu schnappen, so dass er sich selbst in den Schwanz biss. Die Hälfte seiner Männer war von fliegenden Steinen verletzt worden. Jamie berührte nachdenklich eine große, schmerzhafte Prellung an der Spitze seines Ellbogens.

Er selbst hatte keine Wahl gehabt; jetzt hatte Brown ebenfalls keine mehr. Seine Männer wurden allmählich unruhig; sie mussten sich um ihre Ernte kümmern und waren nicht auf etwas gefasst gewesen, was ihnen inzwischen wie Narretei erscheinen musste.

Es wäre einfach für ihn gewesen, allein zu flüchten. Doch was dann? Er konnte Claire nicht in Browns Händen zurücklassen, und selbst wenn es ihm gelungen wäre, sie in Sicherheit zu bringen, konnten sie so, wie die Dinge standen, nicht nach Fraser’s Ridge zurückkehren; dies zu tun würde bedeuten, sofort wieder in derselben Patsche zu sitzen.

Er seufzte, dann stockte ihm der Atem, und er atmete vorsichtig aus. Er glaubte zwar nicht, dass seine Rippen gebrochen waren, doch sie schmerzten.

»Du hast doch sicher etwas Salbe, oder?«, sagte er und wies kopfnickend auf die Tasche mit ihren Arzneien.

»Ja, natürlich.« Sie schluckte ihren Käsebissen herunter und streckte die Hand nach der Tasche aus. »Ich reibe dir etwas auf die Schürfwunde an deinem Kopf.«

Er ließ sie das tun, bestand dann aber darauf, ihr seinerseits die Hand einzureiben. Sie protestierte und beharrte darauf, dass ihr nichts fehlte, dass sie nichts dergleichen brauchte und sie die Salbe lieber für spätere Notfälle aufsparen sollten – und doch ließ sie es geschehen, dass er ihre Hand nahm und ihr die süßlich duftende Creme in die Knöchel einrieb, die kleinen, zarten Knochen ihrer Hand hart unter seinen Fingern.

Sie hasste es wie die Pest, auch nur irgendwie hilflos zu sein – doch ihre Rüstung aus rechtschaffener Wut wurde langsam dünn. Sie trug zwar vor Brown und dem Rest eine tapfere Miene zur Schau, doch er wusste, dass sie Angst hatte. Und das nicht ohne Grund.

Brown war rastlos und kam nicht zur Ruhe. Er bewegte sich hin und her, redete wahllos mit dem einen oder anderen Mann, prüfte unnötigerweise die angebundenen Pferde, goss sich einen Becher Zichorienkaffee ein und hielt ihn fest, ohne ihn zu trinken, bis er kalt wurde, um ihn dann ins Gras zu schütten. Und die ganze Zeit wanderte sein unruhiger Blick immer wieder zu ihnen zurück.

Browns Verhalten war voreilig, ungestüm und unausgegoren. Doch ein Dummkopf war er nicht, dachte Jamie. Er hatte eindeutig begriffen, dass seine Strategie, skandalöse Gerüchte über seine Gefangenen zu verbreiten, um sie zu gefährden, ernstliche Schwachpunkte hatte, solange er selbst gezwungen war, sich in der unmittelbaren Nähe besagter Gefangener aufzuhalten.

Nachdem sie ihre einfache Mahlzeit beendet hatten, legte er sich vorsichtig hin, und Claire schmiegte sich Trost suchend mit dem Rücken an ihn.

Faustkämpfe waren kräftezehrend, und das Gleiche galt für die Angst; Claire war innerhalb von Sekunden eingeschlafen. Jamie spürte den Sog des Schlafes, wollte sich ihm aber noch nicht ergeben. Stattdessen beschäftigte er sich damit, einige der Gedichte zu rezitieren, die er von Brianna kannte – er hatte eine Vorliebe für die Ballade über den Silberschmied in Boston, der nach Lexington geritten war, um die Leute zu warnen; das war ein gelungenes Gedicht.

Die Weggemeinschaft begann, sich für die Nacht niederzulassen. Brown, der nach wie vor zappelig war, saß da und starrte finster zu Boden, dann sprang er auf, um hin und her zu laufen. Christie dagegen hatte sich kaum geregt, auch wenn er keine Anstalten machte, zu Bett zu gehen. Er saß auf einem Felsbrocken und hatte sein Abendessen kaum angerührt.

Neben Christies Schuh bewegte sich etwas; eine winzige Maus, die Scheinangriffe auf den vernachlässigten, mit Beute gefüllten Teller auf dem Boden unternahm.

Auf jene vage Weise, auf die man etwas bewusst merkt, was man eigentlich schon seit einiger Zeit weiß, hatte Jamie vor ein paar Tagen begriffen, dass Tom Christie seine Frau liebte.

»Armer Teufel«, dachte er. Christie konnte doch gewiss nicht glauben, dass Claire etwas mit dem Tod seiner Tochter zu tun gehabt hatte; sonst wäre er ja wohl kaum hier. Doch glaubte er, dass Jamie …?

Er lag im Schutz der Dunkelheit und sah zu, wie das Feuer über Christies eingefallene Gesichtszüge hinwegspielte. Christies Augen waren halb geschlossen und verrieten nicht das Geringste über seine Gedanken. Es gab Menschen, die man wie Bücher lesen konnte; Tom Christie gehörte nicht zu ihnen. Doch wenn er je einen Mann gesehen hatte, der sich vor seinen Augen verzehrte …

War es nur das Schicksal seiner Tochter – oder auch die verzweifelte Sehnsucht nach einer Frau? Er hatte diese Not schon öfter beobachtet, die an den Seelen nagte, und er selbst kannte sie zur Genüge. Oder glaubte Christie doch, dass Claire Malva umgebracht oder irgendwie die Hand im Spiel gehabt hatte? Das würde den aufrechtesten Mann in eine Zwickmühle bringen.

Die Sehnsucht nach einer Frau … dieser Gedanke holte ihn in die Gegenwart zurück, und damit zu dem Bewusstsein, dass die Geräusche, nach denen er im Wald gehorcht hatte, jetzt zu hören waren. Er wusste schon seit zwei Tagen, dass ihnen jemand folgte, doch gestern Abend hatten sie auf freiem Feld kampiert, wo es keinerlei Deckung gab.

Langsam, jedoch nicht um Verstohlenheit bemüht, erhob er sich, deckte Claire mit seinem Umhang zu und trat in den Wald, als folgte er dem Ruf der Natur.

Der Mond war fahl und bucklig, und unter den Bäumen gab es nur wenig Licht. Er schloss die Augen, um die Reflexionen des Feuers auszublenden, dann öffnete er sie wieder für die dunkle Welt, jenen Ort der Schatten, die keine Dimension hatten, wo die Luft voller Geister war.

Doch es war kein Geist, der hinter dem verschwommenen Stamm einer Kiefer hervortrat.

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