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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Browns Männer waren alles andere als erbaut; sie waren davon ausgegangen, uns einfach zu lynchen, unser Haus in Brand zu stecken und vielleicht noch ein bisschen zu plündern – diesen ausgedehnten, mühseligen Marsch von Ort zu Ort hatten sie nicht erwartet. Ihre Stimmung sank noch mehr, als Ezra, der sich, vom Fieber benommen, an sein Pferd geklammert hatte, plötzlich auf die Straße stürzte und tot aufgelesen wurde.

Ich fragte nicht, ob ich die Leiche untersuchen durfte – sie hätten es mir sowieso nicht erlaubt –, doch seinem schlaffen Aussehen nach vermutete ich, dass er einfach das Bewusstsein verloren hatte, vom Pferd gekippt war und sich den Hals gebrochen hatte.

Doch nicht wenige der anderen warfen mir nach diesem Ereignis Blicke voll unverhohlener Angst zu, und ihre Begeisterung für das Unterfangen schwand sichtlich.

Doch Richard Brown war nicht davon abzubringen; ich war mir sicher, dass er uns schon längst ohne Gnade erschossen hätte, wenn Tom Christie nicht gewesen wäre, schweigsam und grau wie der Morgennebel auf den Straßen. Er sagte wenig und nur dann, wenn es notwendig war. Ich hätte geglaubt, dass er sich mechanisch bewegte, im tauben Nebel der Trauer – hätte ich mich nicht eines Abends, als wir am Straßenrand kampierten, umgedreht und seine Augen mit einem Ausdruck solch nackter Seelenpein auf mich gerichtet gesehen, dass ich den Blick hastig abwandte – und feststellte, dass Jamie, der an meiner Seite saß, Tom Christie mit ausgesprochen nachdenklicher Miene betrachtete.

Meistens jedoch hielt er sein Gesicht – oder das, was im Schutz seines Lederschlapphuts davon zu sehen war – von jedem Ausdruck frei. Und Richard Brown, der durch Christies Gegenwart daran gehindert wurde, uns eigenhändig etwas anzutun, nutzte jede Gelegenheit, um seine Version der Mär von Malvas Tod zu verbreiten – möglicherweise ja genauso, um Tom Christie damit zu plagen, dass er sie wieder und wieder anhören musste, wie um ihrer Wirkung auf unseren Ruf willen.

Jedenfalls hätte es mich nicht überraschen dürfen, als sie uns in einem kleinen, namenlosen Weiler südlich von Hillsboro steinigten – doch das tat es. Ein kleiner Junge hatte uns auf der Straße gesehen und uns im Vorüberreiten angestarrt – und war dann wie ein Fuchs verschwunden und mit der Neuigkeit eine Böschung hinuntergerannt. Und zehn Minuten später ritten wir um eine Straßenbiegung in eine Salve von Steinen und Schreien hinein.

Einer traf meine Stute an der Schulter, und sie scheute heftig. Ich blieb zwar mit Mühe und Not im Sattel, verlor aber das Gleichgewicht; ein anderer traf mich mitten vor die Brust, so dass ich keine Luft mehr bekam, und als ein dritter schmerzhaft von meinem Kopf abprallte, konnte ich die Zügel nicht mehr halten, und mein Pferd schlug nach hinten aus und drehte sich in Panik auf der Stelle. Ich flog herunter und landete mit einem markerschütternden Knall auf der Straße.

Ich hätte Todesangst haben müssen; in Wirklichkeit war ich außer mir vor Wut. Der Stein, der mich am Kopf getroffen hatte, war – dank meiner dichten Haare und der Haube, die ich trug – abgeprallt, jedoch mit dem ärgerlichen Brennen einer Ohrfeige, nicht dem Schmerz eines echten Treffers. Ich war im Nu wieder auf den Beinen und stolperte, entdeckte aber über mir auf der Böschung einen Jungen, der triumphierend johlte und tanzte. Ich tat einen Satz, bekam ihn am Fuß zu fassen und zog.

Er schrie auf, rutschte aus und fiel auf mich. Wir landeten zusammen auf dem Boden und wälzten uns in einem Gewirr aus Röcken und Umhangstoff. Ich war älter, schwerer und außer mir vor Raserei. Die ganze Angst, das Elend und die Unsicherheit der letzten Wochen kochten in mir hoch, und ich boxte ihm zweimal mit aller Kraft in sein grinsendes Gesicht. Ich spürte, wie in meiner Hand etwas knackte, und ein Schmerz durchfuhr meinen Arm.

Er wand sich brüllend, um mir zu entkommen – er war kleiner als ich, aber die Panik verlieh ihm Kraft. Ich hielt ihn verzweifelt fest, bekam seine Haare zu fassen – er hieb rudernd nach mir, schlug mir die Haube vom Kopf, schob eine Hand in mein Haar und zerrte fest daran.

Der Schmerz verlieh meiner Wut neuen Zündstoff, und ich rammte ihn mit meinem Knie, ganz gleich, an welcher Stelle, noch einmal, und noch einmal zielte ich blind nach seinen Weichteilen. Sein Mund öffnete sich zu einem tonlosen »O«, und seine Augen traten vor; seine Finger entspannten sich und ließen meine Haare los, und ich stellte mich über ihn und schlug auf ihn ein, so fest ich konnte.

Ein großer Stein traf mich so fest an der Schulter, dass sie taub wurde, und der Aufprall warf mich zur Seite. Ich versuchte, ihn noch einmal zu schlagen, konnte aber meinen Arm nicht mehr heben. Er wand sich keuchend und schluchzend aus meinem Umhang und kroch mit blutender Nase auf allen vieren davon. Ich fuhr auf den Knien herum, um ihm nachzusehen, und blickte direkt in die Augen eines jungen Mannes, dessen konzentriertes Gesicht vor Aufregung glühte und der seinen Stein schon bereithielt.

Er traf mich am Wangenknochen; ich schwankte, und alles verschwamm mir vor den Augen. Dann traf mich etwas sehr Großes von hinten, und ich fand mich flach mit dem Gesicht auf dem Boden wieder, auf dem mich das Gewicht eines Körpers festhielt. Es war Jamie; das erkannte ich an seinem atemlosen »Mutter Gottes«. Sein Körper zuckte, als ihn die Steine trafen; ich konnte das entsetzliche Geräusch hören, mit dem sie auf seine Haut klatschten.

Alles brüllte. Ich hörte Tom Christies heisere Stimme, dann wurde ein einzelner Schuss abgefeuert. Noch mehr Gebrüll, aber in einem anderen Ton. Ein oder zwei leise Geräusche, als ringsum Steine auf den Boden fielen, ein letztes Grunzen von Jamie, als ihn einer davon traf.

Wir blieben noch eine Minute flach gedrückt liegen, und ich wurde mir der unangenehm stacheligen Pflanze bewusst, die ich unter meiner Wange zerdrückte und deren Duft mir scharf und bitter in die Nase stieg.

Dann setzte sich Jamie langsam auf und holte stockend Luft. Auch ich erhob mich, auf meinen wackeligen Arm gestützt, so dass ich fast wieder hingefallen wäre. Meine Wange war geschwollen, und meine Hand und meine Schulter pochten, doch darum konnte ich mich jetzt nicht kümmern.

»Bist du verletzt?« Jamie hatte sich halb erhoben und sich dann plötzlich wieder hingesetzt. Er war kreidebleich, und aus einer Wunde in seiner Kopfhaut lief ihm Blut über die Wange, doch er nickte, eine Hand an seine Seite gepresst.

»Nein, mir fehlt nichts«, sagte er, aber ich schloss aus seiner Atemlosigkeit, dass er sich wahrscheinlich mehrere Rippen angeknackst hatte. »Dir, Sassenach?«

»Alles gut.« Es gelang mir, mich zitternd aufzurappeln. Browns Männer hatten sich zerstreut, einige jagten den Pferden nach, die in dem Durcheinander die Flucht ergriffen hatten, andere sammelten fluchend ihre Habseligkeiten von der Straße auf. Tom Christie übergab sich am Straßenrand ins Gebüsch. Richard Brown stand unter einem Baum und betrachtete die Szene mit weißem Gesicht. Er sah mich scharf an, dann wandte er den Kopf ab.

Wir machten unterwegs in keinem Wirtshaus mehr halt.

Kapitel 89

Der Mond ist aufgegangen

Wenn du auf jemanden einschlägst, Sassenach, nimm besser die Weichteile. Gesichter haben zu viele Knochen, die Zähne nicht zu vergessen.«

Jamie spreizte ihre Finger mit sanftem Druck auf die aufgeschürften, geschwollenen Knöchel, und die Luft zischte durch ihre Zähne.

»Danke für den guten Rat. Wie oft hast du dir schon die Hand gebrochen, während du irgendwelche Leute verprügelt hast?«

Er hätte am liebsten gelacht; dieses Bild von Claire, die außer sich vor Rage auf diesen kleinen Jungen einhieb, mit wehendem Haar und Blutdurst im Blick, würde er bewahren wie einen Schatz. Doch er lachte nicht.

»Deine Hand ist nicht gebrochen, a nighean.« Er krümmte ihr die Finger und nahm ihre lose Faust in beide Hände.

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