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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Einige Meilen weiter die Straße entlang trafen sie auf jene Männer, die Liss hinterhergeschickt worden waren. Beide ritten auf einem vor Schwäche taumelnden Pferd und zogen das zweite, lahmende Tier hinter sich her. Ihr erboster Vorgesetzter empfing sie mit Schlägen und wilden roknarischen Flüchen. Die beiden zu Schanden gerittenen Tiere wurden losgebunden und durch zwei der zahlreichen Ersatzpferde ersetzt. Ista unterdrückte ein grimmiges Lächeln. Ferdas Karten wurden ein weiteres Mal ausführlich zurate gezogen, und weitere Kundschafter wurden ausgesandt. Dann setzte die Kolonne sich wieder schwerfällig in Bewegung.

Eine Stunde später erreichten sie den Weiler, wo Istas Schar ursprünglich ostwärts auf die Straße nach Maradi hatte abschwenken wollen. Er war vollständig geräumt worden. Kein Mensch war zu sehen, nicht einmal ein Tier, abgesehen von ein Paar vereinzelten Hühnern, Katzen und Kaninchen. Es scheint, als hätte Liss es bis hierher geschafft, dachte Ista zufrieden. Eiligst durchstöberten die Jokoner den Ort und nahmen alles an Vorräten mit, was sie finden konnten. Sie stritten darüber, ob sie die Siedlung in Brand setzen sollten, diskutierten ein weiteres Mal über den Karten und folgten schließlich so schnell sie konnten der schmäleren Fortsetzung der bisherigen Straße weiter nach Norden. Noch behielten Disziplin und Besonnenheit die Oberhand, drohten aber jederzeit zu kippen.

Der Weiler blieb hinter ihnen zurück, ohne dass sich Rauchsäulen von den Häusern erhoben, die über Meilen hinweg sichtbar und eine Wegmarke für jeden gewesen wären, der Ausschau nach ihnen hielt. Die Sonne versank hinter den Bergen.

Allmählich senkte sich die Abenddämmerung herab, und die Kolonne verließ die leichter zu begehende, zugleich aber ungeschützte und damit gefährliche Straße. Sie kämpfte sich einen Abhang empor, der zu jeder anderen Jahreszeit ein trockenes Geröllfeld gewesen wäre; nun allerdings plätscherte ein Flüsschen in der Mitte herab. Nach einigen weiteren Meilen bogen sie wieder nach Norden ab und bahnten sich einen Weg durch Gestrüpp, bis sie zu einem Platz gelangten, der dichter mit Bäumen bestanden war und mehr Deckung bot. Offenbar ging es den Roknari um Verstohlenheit, doch Ista fragte sich, was ihnen das Versteck nutzen sollte: Sie ließen so viele Hufabdrücke, Pferdeäpfel und geschundene Vegetation hinter sich zurück, dass ein Blinder der Fährte hätte folgen können.

Die Reiter aus Jokona schlugen ihr Lager in einem düsteren, bewaldeten Tal auf. Sie entzündeten nur wenige Feuer, und auch nur lange genug, um die gestohlenen Hühner zu braten. Doch die Pferde brauchten Zeit, um das ebenfalls entwendete Heu und Korn zu fressen und wieder zu Kräften zu kommen. Das halbe Dutzend weiblicher Gefangener wurde zu einer Gruppe zusammengetrieben; dann erhielten sie Decken, die nicht schlechter waren als die ihrer Entführer — wahrscheinlich waren es dieselben. Auch ihr Essen war nicht schlechter als das der Jokoner. Jedenfalls waren es nicht die gegrillten Katzen. Ista fragte sich, ob sie auf dem Lager eines Toten schlief, und was für Träume es ihr bringen mochte.

Sie wälzte sich hin und her und schlief unruhig; jedes ungewöhnliche Geräusch ließ sie erschrocken hochfahren, etwa, als eine andere Frau unter ihren Decken zu schluchzen begann. Doch Ista blieb von prophetischen Träumen verschont — und weitgehend auch von gewöhnlichen.

Einer der verwundeten jokonischen Krieger starb in der Nacht, anscheinend an einem Fieber, das auf seine Verletzungen zurückzuführen war. Am Morgen wurde er rasch und ohne größeres Zeremoniell beigesetzt. Doch der Bruder in seiner Gnade nahm sich dennoch der Seele an, befand Ista; zumindest spürte sie nichts von der Präsenz eines verzweifelten Geistes, als sie an dem tristen, flachen, aufgewühlten Flecken Erde vorüberkam. Traurige Erinnerungen wurden wach; auch ihr Sohn Teidez war an einer entzündeten Wunde gestorben. Ista wartete ab, bis keiner der Jokoner in ihre Richtung blickte, dann machte sie verstohlen ein Segenszeichen über dem Grab des toten Jünglings, der einsam in einem fremden Land ruhte.

Der Zug kehrte nicht wieder zur Straße zurück, sondern schlug sich weiter nordwärts durch die hügelige Wildnis. Daher kamen sie langsamer voran, und Ista konnte spüren, wie ihre Entführer mit jeder Stunde angespannter wurden.

Die Berge zu ihrer Linken wichen zurück. Irgendwann in den späten Nachmittagsstunden überquerten sie die nicht gekennzeichnete Grenze zum Herzogtum Caribastos, und bald war die Kolonne immer wieder zu Umwegen gezwungen, die weiträumig um befestigte Städte und Dörfer führten. Die Wasserläufe wurden spärlicher. An einem dieser Bäche schlugen die Jokoner früh am Abend ein Lager auf und gönnten ihren Pferden eine Rast. Caribastos war ein Grenzgebiet Chalions und befand sich in der Nachbarschaft der fünf Fürstentümer. Dementsprechend war es gut bewaffnet, die Festungen besser in Stand gehalten und die Menschen aufmerksamer und stets auf örtliche Scharmützel vorbereitet. Der jokonische Trupp würde vermutlich versuchen, sich im Schutz der Dunkelheit durchzuschlagen. Noch drei weitere Tagesmärsche, schätzte Ista.

Die kostbaren weiblichen Gefangenen wurden wieder ein Stück beiseite und unter die Bäume geführt. Man brachte ihnen zu essen und ließ sie dann in Frieden. Schließlich, im letzten Schein der tief stehenden Sonne, kam der ibranisch sprechende Offizier zu ihnen, begleitet von zweien seiner Vorgesetzten. Er hielt irgendwelche Papiere in der Hand, und seine Miene wirkte aufmerksam und verwirrt zugleich. Er blieb vor Ista stehen, die auf einem Holzklotz saß, mit dem Rücken gegen einen Stamm gelehnt.

»Ich grüße Euch, Sera«, sagte er und betonte den Titel auf seltsame Weise. Ohne ein weiteres Wort reichte er Ista die Papiere.

Es handelte sich um einen halb fertigen Brief, zerknittert von der langen Reise in einer Satteltasche. Ista fühlte Verzweiflung in sich aufsteigen: Der Brief war an Kanzler dy Cazaril in Cardegoss gerichtet. Nach einer respektvollen Auflistung sämtlicher Ämter und Würden des mächtigen Hofbeamten hieß es:

Mein hoch verehrter Herr, ich werde meinen Bericht fortführen, soweit die Umstände es erlauben. Wir haben Casilchas verlassen und sind nun in Vinyasca. Hier wird morgen ein Fest gegeben. Ich war froh, als wir Casilchas hinter uns ließen. Hochwürden dy Cabon hat keinen Sinn für die erforderliche Geheimhaltung, nicht einmal für ein Mindestmaß an Diskretion. Als er fertig war, wusste die halbe Stadt, dass Sera dy Ajelo in Wirklichkeit die Königinwitwe Ista ist. Die Leute versuchten, sich einzuschmeicheln, und ich glaube, sie war nicht allzu glücklich darüber.

Auf Grund meiner weiteren Beobachtung kann ich mich nun Eurem Urteil anschließen: Königin Ista ist nicht verrückt im üblichen Sinne, obwohl es Augenblicke gibt, da ich mich in ihrer Gegenwart dumm und unbehaglich fühle. Es ist, als würde sie Dinge sehen oder spüren, die mir verborgen bleiben. Immer noch verbringt sie mitunter lange Zeit in tiefem Schweigen, verloren in irgendwelchen traurigen Gedanken. Ich weiß nicht, wie ich jemals zu der Annahme kam, dass Frauen zur Schwatzhaftigkeit neigen. Im Gegenteil wäre mir wohler, wenn sie ein wenig mehr reden würde. Ich kann immer noch nicht sagen, ob ihre Pilgerfahrt tatsächlich auf eine von den Göttern geschickte Eingebung zurückzuführen ist, wie ihr nach Euren ausführlichen Gebeten in Cardegoss befürchtet habt. Andererseits bin ich wochenlang an Eurer Seite geritten, umgeben von Wundern, ohne etwas davon zu bemerken. Also beweist das gar nichts.

Die Feierlichkeiten zu Ehren der Tochter sollten mir eine willkommene Ablenkung von meinen Sorgen bieten. Ich werde morgen fortfahren.

Es folgte das Datum des nächsten Tages; dann stand dort in sauberer Handschrift:

Die Feierlichkeiten verliefen sehr angenehm … Es folgten zwei Absätze mit launigen Beschreibungen. Dy Cabon hat sich arg betrunken. Er will damit üble Träume auslöschen, sagt er, obwohl ich glaube, dass er sie auf diese Weise eher herbeiruft. Ferda ist nicht sehr angetan von seinem Verhalten, aber der Geistliche hatte schließlich mehr mit Königin Ista zu tun als wir anderen, und so braucht er diese Ablenkung vielleicht. Anfangs hielt ich ihn für einen fetten, ängstlichen Dummkopf — ich habe es Euch ja geschrieben. Inzwischen frage ich mich jedoch, ob nicht ich selbst der Dummkopf war.

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