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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Einige Wachen schrien bestürzt auf, anderen liefen Tränen der Hilflosigkeit und Scham über die geröteten Gesichter. Doch sie gehorchten. Sie kannten die Regeln des Spiels so gut wie Ista. Und genauso gut wussten sie, wie oft diese Regeln gebrochen wurden.

Die Jokoner kamen heran — die Schwerter gezogen, die Armbrüste und Speere bereit —, formierten zu beiden Seiten von Istas Trupp und näherten sich langsam.

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Ista stand in den Steigbügeln und bemühte ihr eingerostetes Roknari. Ihre Zunge war wie gelähmt, und es fiel ihr schwer, verständliche Worte zu formen: »Ich biete Lösegeld!« Und auf Ibranisch: »Ich bin Serady Ajelo, und der Herzog von Baocia ist mein Schutzherr! Ich verspreche Lösegeld für mich selbst und jeden meiner Männer!« Um sicher zu gehen, fügte sie auf Roknari hinzu: »Lösegeld für alle!«

Einer der Anführer löste sich aus der Reihe seiner Leute. Er trug ein Kettenhemd von besserer Qualität; das Leder seines Zaumzeugs, des Sattels und der Schwertscheide zeigte einen schmuckvollen Besatz aus Blattgold, und auf seinem Wappenrock aus grüner Seide waren die fliegenden Pelikane von Jokona mit goldenem und weißem Garn aufgestickt. Sein krauses Haar zeigte den typischen, bronze-blonden Farbton der Roknari; es war kunstvoll zu dünnen Zöpfen geflochten, die nach hinten gebunden waren und in einem dicken Zopf ausliefen. Mit einem Blick erfasste er die Zahl der Gefangenen aus Chalion. War da ein kurzes Aufblitzen von Respekt in seinen Augen gewesen, als er die Kleidung und Abzeichen des Ritterordens der Tochter erkannte? In all den Wochen ihrer Pilgerfahrt hatte Ista wie alle anderen die Lippen bei den Gebeten bewegt. Doch in Gedanken hatte sie jedes der gesprochenen Worte zurückgewiesen. Nun aber betete sie voller Inbrunst: 0 Herrin, in dieser Zeit Deiner Herrschaft, halte Deinen schützenden Mantel über diese Deine treuen Diener.

In passablem Ibranisch rief der Offizier: »Legt die Waffen nieder!«

Ein letztes, trotziges Zögern; dann löste Ferda seinen Mantel und zog sich das Wehrgehänge über den Kopf. Mit einem Scheppern fielen Schwert und Scheide in den Schmutz; dann gesellte sich sein Messer dazu. Die Männer folgten seinem Beispiel, ebenso widerwillig. Dann wurden ein halbes Dutzend Armbrüste sowie die zwei Speere jedes Reiters behutsamer auf den wachsenden Berg nutzloser Waffen gelegt. Die schaumbedeckten, schnaufenden Pferde standen still, als Ferda und seine Männer zum Absteigen gezwungen und ein Stück weggeführt wurden. Dann mussten sie sich niedersetzen. Die Jokoner umringten sie mit gezogenen Schwertern und gespannten Armbrüsten.

Einer der Krieger griff nach dem Zaumzeug von Istas Pferd und bedeutete ihr, abzusteigen. Als ihre Stiefel den Boden berührten, wären ihr beinahe die Beine unter dem Körper eingeknickt, so weich waren ihre Knie. Sie zuckte vor der erhobenen Hand des Mannes zurück, obwohl sie fast augenblicklich erkannte, dass er sie nur am Ellbogen hatte festhalten wollen, damit sie nicht zu Boden stürzte. Der Offizier kam näher und bedachte sie mit einem angedeuteten Gruß, der sie vielleicht beruhigen sollte.

»Edelfrau aus Chalion.« Es war zur Hälfte als Frage gemeint, denn ihre schlichten Gewänder bezeugten nicht den hohen Rang. Der Blick des Mannes glitt über ihren Körper hinweg auf der Suche nach Schmuck, Ringen, Broschen, doch er fand nichts dergleichen.

»Was tust du hier?«

»Ich habe jedes Recht, mich hier aufzuhalten.« Ista hob das Kinn. »Ihr habt meine Pilgerreise unterbrochen.«

»Quintarische Teufelsanbeter!« Er spuckte aus. »Für was betest du, Frau?«

Ista hob eine Augenbraue. »Um Frieden. Und Ihr werdet mich als Sera ansprechen.«

Er schnaubte, doch sie schien ihn überzeugt zu haben; zumindest hatte sie seine Neugier ein wenig befriedigt. Ein halbes Dutzend Männer stöberten in ihren Satteltaschen. Der Offizier schritt zwischen sie und scheuchte sie mit einem Wortschwall auf Roknari davon, der zu schnell war, als dass Ista folgen konnte.

Als der Rest des Heerzuges zu ihnen aufschloss, verstand sie allerdings die Zusammenhänge: Hastig ritten einige Männer mit grünen Beuteln herbei, die sie als Gehilfen der fürstlichen Schatzkammer auswiesen. Hinter ihnen kamen weitere Reiter heran, bei denen es sich offenbar um die befehlshabenden Offiziere handelte. Nun wurden die Satteltaschen abgenommen und noch einmal systematisch ausgeplündert, wobei eine ausführliche Bestandsliste aufgestellt wurde. Die Schreiber der Schatzkammer waren zugegen, um das Fünftel des Fürsten von Jokona zu sichern und dafür Sorge zu tragen, dass nichts unterschlagen wurde. Einer von ihnen lief ständig umher, und seine Feder huschte nur so über die Schreibtafel, während er die Pferde und Ausrüstung verzeichnete. Damit stand fest, dass dies ein organisierter Feldzug war, kein spontaner Raubzug.

Der Offizier erstattete seinen Vorgesetzten Bericht; zweimal hörte Ista das Wort Baocia heraus. Einer der Männer, der die Satteltaschen durchstöberte, ließ einen freudigen Ausruf hören. Ista nahm an, er hätte eine Geldbörse gefunden, stattdessen schwenkte er Ferdas Landkarten. Er eilte zu seinen Offizieren und rief auf Roknari: »Schaut her, edle Herren, schaut! Pläne von Chalion! Bald wissen wir wieder, wo wir sind!«

Ista blinzelte und schaute sich ein wenig genauer um.

Die Reittiere der Männer, die sie überholt hatten, waren mindestens so erschöpft wie ihre eigenen. Ista erinnerte sich an Liss’ Bemerkung über die Pferde, die spät im Rennen die Geschwindigkeit nicht hatten halten können. Vielleicht hätte ihre Schar die Verfolger letztlich doch noch abgeschüttelt, hätte die Vorhut ihnen nicht den Weg verlegt. Die Männer waren erhitzt, erschöpft, schmutzig, unrasiert. Ihre kunstvollen roknarischen Flechtfrisuren waren zerzaust, als hätten sie sich das Haar seit Tagen oder gar Wochen nicht mehr gerichtet. Am schlimmsten aber sahen die Männer aus, die als Letzte herankamen: Viele von ihnen trugen Verbände, hatten Schnittwunden oder verkrustete Verletzungen, und die meisten führten Pferde mit leerem Sattel hinter sich her, manche drei oder vier hintereinander. Es wart keine Beute zu sehen, denn die meisten Tiere waren im Roknari-Stil aufgezäumt. Einige dienten vielleicht als Ersatzpferde, aber nicht alle. Und der Tross, der ganz zum Schluss erschien, war viel zu klein für einen Trupp dieser Größe.

Wenn dieser Tross das Ende des Zuges war, und weder Foix noch dy Cabon waren unter den Gefangenen zu sehen … Ista erlaubte sich ein kurzes Aufkeimen von Erleichterung. Selbst wenn die Schreiber die Gefangenen genauso abzählten wie die Pferde, und falls ihnen auffiel, dass zwei Sättel leer blieben, wäre Foix gewiss schon mitsamt dem Geistlichen in ein besseres Versteck geflohen, ehe sie umkehren und eine Suche aufnehmen konnten. Wenn Foix seine Füße so geschickt zu gebrauchen verstand wie seine Zunge … Wenn der Bärendämon seinen Geist nicht allzu sehr verwirrt hatte … Wenn die Jokoner sie nicht kurzerhand erschlagen und ihre Körper achtlos am Straßenrand zurückgelassen hatten …

Eines war allerdings sicher: Das waren keine Krieger auf dem Weg zu irgendeinem heimtückischen Angriff. Alles deutete darauf hin, dass sie nach einer Niederlage die Flucht ergriffen hatten, oder nach einem teuer erkauften Sieg. Sie flohen nordwärts, in die Heimat. Ista war um Chalions willen erleichtert, doch umso größer waren ihre Sorgen um sich selbst und um Ferda und seine Leute. Angespannte, erschöpfte, überanstrengte Männer, die sich an der Grenze des Durchhaltevermögens bewegten, waren unberechenbare Entführer.

Der Offizier trat wieder an Ista heran und führte sie von der Straße fort an eine Stelle, wo sie im Schatten eines kleinen, verkrümmten Bäumchens sitzen konnte — eine merkwürdige Baumart aus dem Norden, mit breiten, gefächerten Blättern. Aus Foix’ Taschen hatten sie eine Börse mit Gold zu Tage befördert, die die fürstlichen Schreiber in Hochstimmung versetzte, und die Offiziere musterten sie mit Blicken, die deutlich mehr Respekt verrieten — zumindest mehr Berechnung. Die Gepäckstücke auf den wieder eingefangenen Maultieren wurden ebenfalls einer eingehenden Durchsuchung unterzogen. Ista wandte den Kopf ab, als die Soldaten johlend mit ihren Kleidungsstücken spielten. Der Offizier wollte genauer wissen, in welcher verwandtschaftlichen Beziehung sie zum Herzog von Baocia stand, und Ista erklärte ihm Sera dy Ajelos vorgeblichen Stammbaum. Besonders wichtig war ihm offenbar die Frage, ob der wohlhabende Herzog tatsächlich ein Lösegeld für sie stellen würde.

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