Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Den Reiter auf dem grauen Pferd hatte dies alles offenbar kaum angestrengt; er atmete nicht einmal schneller. Einen Augenblick blickte er hinter dem Fliehenden her. Blut tropfte von der gesenkten Klinge seines Schwertes. Dann wandte er sich um, schaute besorgt auf Ista und drängte sein Pferd in ihre Richtung.
»Ist Euch etwas geschehen, verehrte Dame?«
»Ich bin … nicht verletzt«, erwiderte sie keuchend. Die geisterhaften Visionen schwanden allmählich, wie die geblendete Benommenheit, die blieb, wenn man zu lange in die Sonne geschaut hatte.
»Gut!« Wieder blitzte sein Lächeln auf, begeistert — trunken vom Kampf? Er war gewiss kein Mann, der sein Urteilsvermögen von Furcht trüben ließ. Genauso wenig allerdings von gesundem Menschenverstand: Vernünftige Menschen wandten sich nicht alleine gegen sechs verzweifelte Gegner.
»Wir sahen, wie man Euch verschleppt hat«, fuhr er fort, »und haben uns aufgeteilt, um die Wälder nach Euch abzusuchen. Ich dachte mir, Ihr müsstet irgendwann hier herauskommen.« Er ließ den Blick über den Rand der Klamm schweifen, suchte nach weiteren Anzeichen von Bewegung und Bedrohung. Zufrieden kniff er die Augen zusammen, als er nichts bemerkte. Er wischte sein Schwert am besudelten Wappenrock sauber, erhob es dann zu einem kurzen Gruß in Istas Richtung und schob es zurück in die Scheide.
»Dürfte ich erfahren, mit welcher Dame ich die Ehre und das Vergnügen habe?«, erkundigte er sich.
»Ich …« Ista zögerte. »Ich bin Serady Ajelo, eine Verwandte des Herzogs von Baocia.«
»Ah.« Seine Brauen sanken herab. »Mein Name ist Porifors.« Er schaute zum lichten Ausgang der Klamm. »Ich muss meine Leute wieder finden.«
Ista bog prüfend ihre Finger. Sie wagte es kaum, ihre dunkel angelaufenen, aufgerissenen Handgelenke zu berühren — verkrustet, blutend, abgeschürft wie sie waren. »Und ich such die Meinen, war aber seit der letzten Mitternacht an das Pferd gefesselt. Ohne Rast, ohne Essen und Trinken und ohne Möglichkeit … nun, wenn Ihr Eure Heldenhaftigkeit abrunden wollt, dann seid so freundlich und wacht über mein Reittier und meine Sittsamkeit, während ich mir einen Busch suche.« Zweifelnd blickte sie den Einschnitt entlang. »Oder einen Felsbrocken, oder was auch immer. Obwohl ich bezweifle, dass mein Pferd mehr Lust verspürt als ich, auch nur einen weiteren Schritt zu tun.«
Erheitert nahm er ihre Worte zur Kenntnis. »Aber gewiss, Sera.«
Behände schwang er sich von seinem Streitross und griff nach den Zügeln ihres Pferdes. Als er ihre Handgelenke erblickte, verblasste sein Lächeln. Ista stieg schwerfällig ab, und er fing sie mit starken Armen auf. Seine Hände hinterließen rote, verschmierte Abdrücke auf ihrem Gewand. Er hielt sie einen Augenblick fest, bis er sicher war, dass sie fest auf den Füßen stand.
Er musterte sie von oben bis unten, und sein Lächeln verschwand gänzlich. »Ihr habt viel Blut auf Euren Kleidern.«
Sie folgte seinem Blick. Die Falten ihres Reitrockes waren auf Höhe der Knie mit Blutflecken gesprenkelt, teils eingetrocknet, teils frisch, denn der letzte Galopp hatte ihre wunde Haut in Fetzen abgeschält. »Ach, das sind bloß Kratzer, auch wenn sie mir ein wenig zu schaffen machen.«
Er runzelte die Stirn: »Und was würdet Ihr dann als ernst bezeichnen?«
Sie humpelte davon, vorbei an dem enthaupteten Anführer der Roknari. »Das da.«
Er senkte den Kopf und gestand ihr diesen Punkt zu.
Stolpernd umrundete Ista die toten Körper und ging ein paar Schritte talauf, auf der Suche nach einem Fels mitsamt Büschen. Als sie zurückkam, kniete er neben dem Bachlauf. Er lächelte und bot ihr etwas an, das auf einem Blatt lag. Nach einem Augenblicke der Verwirrung sah sie, dass es ein Stück Seife war.
»Oh«, sagte sie leise. Mehr brachte sie nicht hervor, ohne in Tränen auszubrechen. Sie ließ sich auf die Knie fallen und wusch sich die Hände in der eisigen Strömung, die munter über die Steine plätscherte. Dann wandte sie sich mit größerer Sorgfalt ihren geschundenen Handgelenken zu, um schließlich aus den hohlen Händen das kühle, klare Wasser zu trinken.
Er legte ein kleines, in Leintücher eingewickeltes Bündel auf einen flachen Stein und schlug es auf. Saubere Stofffetzen kamen zum Vorschein, die zu Verbänden zurechtgeschnitten waren. Vermutlich hatte er das Bündel aus seiner Satteltasche geholt: Was die Jokoner an solchem Material mitgeführt hatten, hatten sie bestimmt längst selbst aufgebraucht. »Ich fürchte, Sera, ich muss Euch bitten, noch ein Stück weiter zu reiten. Vielleicht solltet Ihr zuvor Eure Knie säubern und verbinden?«
»Oh. Ja. Ich danke Euch, mein Herr.« Sie setzte sich auf einen Stein und zog ihre Stiefel aus, zum ersten Mal seit längerer Zeit. Sorgfältig rollte sie den Hosenrock über die Beine empor und zog den Stoff an jenen Stellen ab, an denen er mit dem verkrusteten Blut verklebt war, das ihre Schürfwunden bedeckte. Ihr Retter stand bereit, ihr zu helfen, doch als Ista mit stoischer Ruhe fortfuhr, ließ er die frisch gewaschenen Hände sinken. Als Nächstes benutzte sie die Seife, was zwar schmerzte, zugleich aber befreite. Eiter nässte die scharlachroten Abschürfungen.
»Es wird eine Woche dauern, bis das geheilt ist«, sagte er.
»Vermutlich.«
Als berittener Krieger hatte er ohne Zweifel schon häufiger offene Stellen vom Reiten behandelt und besaß daher wohl einige Sachkenntnis. Er schaute ihr noch eine Weile zu, als wollte er sich davon überzeugen, dass sie zurechtkam. Dann strich er sich übers Gesicht und wandte sich den Leichen zu.
Er ging methodisch vor, und er war nicht auf Plünderung aus, denn er hatte kaum einen Blick für die Ringe, Anstecknadeln und Geldkatzen der Toten übrig. Allerdings studierte er sämtliche Papiere, die er fand, und er verstaute sie dann sorgfältig unter seinem Gewand. Dieser Porifors — oder dy Porifors, denn er hatte nichts darüber gesagt, ob es sein Vorname war oder der Name seiner Familie — war zweifellos ein Offizier und militärischer Gefolgsmann des Herzogs von Caribastos. Wie es schien, war Foix’ Brief entweder beim verlassenen Haupttrupp zurückgeblieben oder bei einem der Flüchtigen.
»Könnt Ihr mir sagen, Sera, wer die übrigen Gefangenen im Tross der Jokoner waren?«
»Es gab nur wenige, den Göttern sei Dank. Sechs Frauen aus Ibra und sieben Männer, die von den Jokonern offenbar als wertvoll genug erachtet wurden, um sie über die Berge mitzuschleifen. Außerdem zwölf … nein, elf Ritter aus dem Orden der Tochter, die mir auf meiner Pilgerfahrt Schutz geboten haben und mit mir gefangen genommen wurden, vor … zwei Tagen.« Nur zwei Tage? »Eine der Wachen und mehrere andere meiner Gefährten konnten noch in Tolnoxo entkommen, als wir zum ersten Mal auf den Heerzug der Roknari trafen.«
»Und Ihr wart die einzige Dame aus Chalion unter den Gefangenen?«, fragte er und legte die Stirn in Falten.
Sie nickte knapp und überlegte, welche weiteren nützlichen Hinweise sie diesem aufmerksamen Offizier noch geben konnte. »Die Plünderer handelten auf direkten Befehl des Fürsten Sordso, denn es waren Aufsichtsbeamte seiner Schatzkammer dabei, die über den Anteil des Fürsten Buch geführt haben. Sie kamen über Ibra heran, wo sie die Stadt Rauma geplündert haben; dann sind sie über die Gebirgspässe geflohen, als ihnen der Graf von Rauma entschlossen nachsetzte. Der Mann dort drüben …«, sie nickte in Richtung des kopflosen Leichnams, »war der Anführer, obwohl ich glaube, dass er nicht von Anfang an der Befehlshaber des Zuges war. Gestern konnte ich zweiundneunzig Krieger zählen, aber einige von ihnen sind vielleicht noch desertiert … während der Nacht, bevor sie in Euren Hinterhalt gerieten.«