Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Über eine Meile folgten sie dem immer tieferen Felseinschnitt. Die Böschung wurde zunehmend steiler und war dicht mit Bäumen und Pflanzen bewachsen, doch in der Ferne bemerkte Ista einen dunstigen, hellen Fleck. Sie umrundeten eine weitere Biegung und stellten fest, dass die Schlucht unvermittelt in ein flaches, klares Flüsschen mündete.
Und zwischen beiden Wänden der Kamm stand ein einsamer Reiter und verstellte ihnen den Weg hinaus. Ista stockte der Atem, und ein eisiger Schauer überlief sie. Oder war es ein Gefühl der Erregung?
Die holzkohlengrauen Flanken des Pferdes, auf dem der Fremde saß, waren nass von flockigem Schweiß; die Nüstern des Tieres waren weit aufgerissen und gerötet, und die Hufe scharrten über den Boden. Unruhig bewegte sich das Pferd auf der Stelle. Die Muskeln waren angespannt, sprungbereit.
Der Reiter schien kein bisschen erschöpft zu sein.
Sein Haar war dunkelrot und nicht geflochten, sondern kurz geschnitten, wie es in Chalion üblich war. In wilden Strähnen kräuselte es sich um seine Ohren. Ein gepflegter Bart bedeckte sein Kinn. Er trug ein Kettenhemd, Armschienen aus schwerem Leder und einen grauen, mit Goldbesatz verzierten Wappenrock. Das Kleidungsstück war blutbespritzt. Die Blicke des Mannes schweiften hin und her, als er seine Chancen abwog. Dann wurden seine Augen schmal, und er hob sein Schwert wie zum Gruß. Die Hand, die sich fester um den Griff spannte, war schmutzig und von Blut verkrustet. Und dann, nur einen Lidschlag lang, blitzte ein Lächeln auf seinem Gesicht auf, heller als der Stahl seiner Klinge — das sonderbarste Lächeln, das Ista je auf dem Gesicht eines Mannes gesehen hatte.
Er stieß seinem Pferd die Fersen in die Flanken und preschte vor.
8
Angesichts dieser neuen Herausforderung zögerten die erschöpften Jokoner einen Augenblick zu lange. Der heranstürmende Reiter hatte die vorderen Roknari erreicht, ehe diese die eigenen Klingen auch nur halb gezogen hatten. Mit blutigen Wunden taumelten sie zurück, und schon fiel der Angreifer über Istas Aufpasser her. Der Mann schrie auf und duckte sich, tastete ungeschickt nach seiner Waffe. Zischend durchtrennte die schwere Klinge des Angreifers die straff gespannte Leine zwischen Ista und dem Offizier. Das plötzlich befreite Pferd scheute zurück.
Das graue Reittier des Fremden bäumte sich neben ihr auf. Die Klinge schwang empor, wechselte unvermittelt in die Linke des Reiters, die nicht weniger behände war als die Rechte. Er ließ die Schneide herumwirbeln, die scharfe Seite nach oben, und stieß den Stahl zwischen Istas Hände und den Sattel, an den sie gefesselt waren. Gerade eben noch konnte sie ihre Finger krümmen und aus dem Weg bringen, als die scharf geschliffene Klinge schon wieder emporzuckte, die Schnüre zerteilte und an Istas Gesicht vorbeizischte. Der Reiter warf ihr einen Blick über die Schulter zu, zeigte ein Lächeln, so breit wie seine Klinge, und gab seinem Pferd brüllend die Sporen.
Laut aufatmend befreite Ista die Handgelenke von den verhassten Fesseln; dann beugte sie sich vor und griff nach den Zügeln. Ihr Aufpasser riss sein Pferd herum, rammte das ihre, stieß sie beinahe aus dem Sattel und kam ihr zuvor: Er hielt ihre Zügel und zog sie über den Kopf des Pferdes.
»Verschwinde, verschwinde!«, kreischte Ista und schlug auf seinen Arm ein. Der Mann konnte selbst kaum das Gleichgewicht halten, da er die eigenen Zügel und sein Schwert ungeschickt in der anderen Hand hielt und sich gleichzeitig weit nach vorn beugte. In einer plötzlichen, von Furcht diktierten Eingebung packte Ista überraschend seinen Ärmel, stützte sich auf die Steigbügel und zerrte so heftig sie konnte. Der überraschte jokonische Offizier wurde aus dem Sattel gerissen, stürzte und schlug auf den Steinen im Flussbett auf.
Ista Pferd tänzelte zur Seite. Sie hoffte, dass es dabei auf ihren Bewacher getreten war, wusste es aber nicht genau. Die glatten, feuchten Kiesel waren mit einer Schicht grüner Algen überzogen und sehr glitschig, sodass Istas Reittier schwankte und ins Stolpern geriet. Die Zügel hingen nun lose herab und drohten, sich unter den Vorderhufen des Pferdes zu verfangen. Ista lehnte sich über den Sattelknauf und griff nach den Zügel, verfehlte sie, versuchte es erneut, erwischte sie endlich und ließ das schmutzige Leder durch ihre schmutzigen Finger gleiten. Als sie sich schließlich aufrichtete, war sie zum ersten Mal seit Tagen wieder Herrin ihrer eigenen Bewegungen.
Schwerter schlugen klingend aneinander, Metall scharrte über Metall. Sie sah sich hastig um.
Einer der hinteren Krieger versuchte, den Angreifer zu den anderen zu drängen, während ein zweiter Reiter sich bemühte, in eine günstige Position für einen Attacke auf die ungeschützte Seite zu gelangen. Der Befehlshaber zwang sein Pferd näher an das Handgemenge heran, doch seine Linke hielt gleichzeitig ungeschickt das Schwert wie den rechten Arm. Blut strömte zwischen seinen Fingern hindurch, rann den Ärmel herunter und macht die Zügel in seinem Griff schlüpfrig. Ein weiterer jokonischer Soldat war ein Stück abseits neben den beiden vorderen Reitern gewesen und so dem ersten Ansturm entkommen. Inzwischen war es ihm gelungen, seine Armbrust vom Sattel zu lösen. Hastig drehte er an der Winde, während sein Pferd zur Seite tänzelte und schnaubte. Der Mann hielt einen Bolzen zwischen den Zähnen bereit; nun spuckte er das tödliche Geschoss in seine Hand und legte es auf die Schiene, hob die Waffe und legte an. Zwar bewegte sich sein Ziel, doch die Entfernung war gering.
Die unbewaffnete Ista trat ihrem Pferd die sporenlosen Fersen in die Seite und zwang es zu einem unwilligen Trab quer über den Bach. Sie riss den Kopf des Pferdes zur Seite und trieb es gegen das Tier des Armbrustschützen. Dieser fluchte. Die Sehne sirrte und schickte das Geschoss ins Leere. Der Mann schwang die schwere Armbrust gegen Istas Kopf, doch sie duckte sich, und der Hieb des Mannes ging fehl.
Sein Befehlshaber rief ihm über die Schulter hinweg zu: »Bring die Frau zu diesem Fürsten!«
Der Mann auf dem grauen Pferd ließ die beiden hinteren Wachen blutend am Boden zurück. Er galoppierte voran, wobei er sein Pferd mit den Knien lenkte, stellte sich in den Steigbügeln auf und hob sein Schwert zu einem wuchtigen, beidhändigen Hieb. Der letzte Befehl des unglückseligen Kommandanten wurde mitsamt dessen Kopf abrupt abgeschnitten. Für Ista vermischte sich die Fülle der Eindrücke — der stürzende Körper, das aufspritzende Blut, das scheuende Pferd und das feurige Strahlen einer gequälten Seele, die aus ihrem Halt gerissen wurde.
Glaubst du nun an meine Prophezeiungen?, dachte sie verwirrt.
Und noch verwirrter: Ich etwa?
Das funkelnde Schwert und das graue Pferd fuhren beide herum und näherten sich nun dem Armbrustschützen, der fieberhaft seine Waffe spannte. Wieder wechselte die Klinge von der Rechten in die Linke. Die Spitze senkte sich wie eine Lanze. Die Wucht des Angriffes von Pferd und Reiter war gewaltig und perfekt ausgerichtet. Die Schwertspitze drang in die Brust des Schützen und durchbohrte sein Kettenhemd, riss ihn aus dem Sattel, trug ihn über den Rücken des Pferdes hinweg und nagelte seinen Körper an den Baum hinter ihm. Sein Pferd ging zu Boden und kämpfte sich wieder auf die Hufe. Mit bebenden Flanken suchte es das Weite. Für einen Augenblick entglitt das Schwert der Hand seines todbringenden Meisters; der aber ließ das Pferd auf der Stelle herumwirbeln, griff nach dem Heft des Schwerts und riss die Klinge heraus. Der tote Jokoner stürzte zu Boden, und sein Blut tränkte die Wurzeln des Baumes.
Ista wurde beinahe ohnmächtig unter dem Ansturm der kreischenden, verzweifelten Seelen, die um sie her wirbelten. Sie umklammerte den Sattelknopf und hielt sich mit Mühe aufrecht, wobei sie die Augen weit aufriss und auf diese Weise versuchte, sich dem zweiten Gesicht zu entziehen. Der Anblick des blutigen Schlachtfelds, das sich nun vor ihr ausbreitete, war leichter zu ertragen als diese unwillkommenen Visionen. Wie viele waren gestorben …? Der Anführer, der Armbrustschütze … und auch von den beiden hinteren Wachen würde keine sich jemals wieder rühren. Ein Reiter mitsamt seinem Pferd war verschwunden, und eine Blutspur verriet, auf welchem Weg sie entkommen waren. An der Einmündung des Tales kämpfte sich der Dolmetscher auf ein umherstreunendes Reittier; sein Schwert ließ er achtlos im rotgrünen Schlamm zurück. Er galoppierte flussab, ohne sich noch einmal umzuwenden.