Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Andererseits … war es möglich, dass Liss immer noch Istas Inkognito gewahrt hatte? Dass sie den Verantwortlichen nur gemeldet hatte, die unwillkommenen Durchreisenden hätten irgendeine weniger bedeutende Edelfrau auf Pilgerfahrt aufgegriffen und mitgenommen? Ista konnte sich gut vorstellen, wie der Herzog von Tolnoxo gerade lange genug zögerte, um die fliehenden Jokoner zu einem Problem des Herzogs von Caribastos werden zu lassen. Dy Cabon und Foix hätten ein derart nachlässiges Vorgehen niemals zugelassen. Aber waren sie überhaupt in Sicherheit? Vielleicht irrten sie immer noch durchs Hügelland. War Foix’ ungeschliffener Dämon womöglich abrupt stärker geworden, verschlagener, indem er sich am scharfen Verstand seines Wirtes gütlich tat? Hatte er die beiden Menschen überwältigt oder in die Irre geführt?
Geleitet von Berichten ihrer Späher kamen die Jokoner aus den spärlichen Wäldern hervor und folgten einer Straße durch die Dunkelheit. Dort konnten sie mehrere Meilen in raschem Trab zurücklegen. Kurz vor der Morgendämmerung bogen sie in einen Flusslauf ab, der Niedrigwasser führte. Die Hufe ihrer Pferde knirschten laut auf Kies und Sand. Wenn die Männer etwas zu bereden hatten, ritten sie nahe zusammen und beugten sich einander zu.
Ista befeuchtete sich die trockenen Lippen und streckte den schmerzenden Rücken, so gut es die vor ihr gefesselten Hände erlaubten. Zwischen ihren zusammengebundenen Handgelenken und dem Ring, an dem das Seil befestigt war, blieb ein kurzes Stück Seil lose; wenn Ista die Hände hob und sich vorbeugte, konnte sie sich gerade eben an der Nase kratzen. Es war schon zu lange her, dass man ihr etwas zu trinken gegeben hatte, oder zu essen, und dass sie Gelegenheit gehabt hatte, sich zu erleichtern. Die Innenseiten ihrer Knie waren wund gescheuert.
Und was geschah, wenn der Zug jedem Hinterhalt auswich und schließlich doch über die Grenze nach Jokona entkam? Ohne Zweifel würde man sie Fürst Sordso übergeben, in seinen Palast führen und dort wie eine Königin unterbringen, mit Bediensteten und allem Luxus. Hatte sie die eine Burg verlassen, nur um als Gefangene in einer anderen zu enden? Und schlimmer noch, um zum politischen Druckmittel gegen die wenigen Menschen zu werden, die ihr etwas bedeuteten …?
Die Schwärze wich einem blassgrauen Zwielicht. Aus Schatten wurden Umrisse und schließlich Formen und Farben, während der sternklare Himmel allmählich zur Morgendämmerung hin ausbleichte. Tief hängender Dunst schwebte über dem Wasser und wogte das flache Ufer empor. Mit jedem Schritt rührten die Pferdebeine durch den Nebel wie durch Milch. Zu ihrer Linken erhob sich ein kleiner Steilhang, den das Flüsschen im Laufe der Zeit ausgehöhlt hatte. Die rötlichen Schichten im Stein erglühten eben erst im aufkommenden Tageslicht.
Ein Stein klatschte in das trübe Wasser, das den Fuß des Abhangs umspülte. Die Wache an Istas Seite fuhr herum und wandte den Kopf in Richtung des unvermittelten Geräusches.
Ein dumpfer Laut — und plötzlich steckte ein Armbrustbolzen in der Brust des Mannes. Mit einem erstickten Schrei stürzte er in den Kies. Im nächsten Augenblick spürte Ista die Erschütterung, die sein Tod verursachte. Es war wie Blitzschlag, der all ihre Sinne überreizte und sie benommen machte. Ein Zerren an der Führungsleine ließ ihr Pferd unvermittelt in Trab fallen, dann in leichten Galopp. Überall um sie herum schrien Männer, riefen Befehle, brüllten Flüche. Von oben antworteten andere Schreie, und Pfeile regneten herab.
O ihr fünf Götter, verleiht dem Angriff Schnelligkeit.
Ferda und seine Männer waren in größter unmittelbarer Gefahr, denn die Jokoner mochten in die Versuchung geraten, ihre gefährlichsten Gefangenen sogleich zu erschlagen, ehe sie sich den neuen Feinden zuwandten. Ein weiterer Tod brandete gegen Istas innere Sinne an, und noch einer, wie eine weiß glühende Feuerwand, obwohl ihre äußeren Sinne im wirbelnden Durcheinander der Bewegungen kaum noch etwas unterscheiden konnten. In wachsender Verzweiflung ruckte sie ihre aufgerissenen Handgelenke vor und zurück, um die Fesseln zu lösen, doch die Knoten waren fest geschnürt, und Ista hatte es nicht einmal auf ihrem langen Nachtritt geschafft, sie zu lockern. Vielleicht konnte sie die Füße aus den Steigbügeln nehmen und versuchen, sich vom Pferd zu schwingen … nein, dieser Versuch wäre aberwitzig, denn sie würde sich dabei eher die Handgelenke brechen als die Fesseln sprengen, und dann wie ein Sack neben ihrem Reittier hergeschleift.
Nun wurden auch von der Spitze der Kolonne donnernder Hufschlag, Rufe und Schreie laut. Ein mit wildem Gebrüll geführter Kavallerieangriff prallte mit metallischem Klirren auf die vorderen Reihen der Jokoner. Pferde wieherten schrill, schnaubten und stürzten zu Boden. Weitere Schreie erklangen von hinten. Der Offizier, der Ista im Schlepp hatte, zerrte so heftig an den Zügeln, dass sein Pferd sich aufbäumte. In panischer Angst blickte er sich um.
Der Befehlshaber löste sich aus dem Gefecht und galoppierte mit gezogenem Schwert auf den Offizier zu. Er rief etwas auf Roknari und bedeutete einigen anderen Männern, ihm zu folgen. Sie rissen Ista und ihren Wächter mit sich, brachen zur Seite aus und kämpften sich dort die niedrige Böschung empor. Der Schwertkämpfer an der Spitze bahnte ihnen den Weg durch eine Reihe von Armbrustschützen in grauen Wappenröcken, die auf das Kampfgetümmel zuhielten. Ista und das halbe Dutzend Jokoner jagten an weiteren Reitern vorbei und ins Buschland hinein, das an die Bäume am Fluss grenzte.
Ista dröhnte der Kopf, und ihr Blick wurde verschwommen. Ihr wurde schwarz vor Augen; dann wieder wurde sie geblendet von weißem Feuer, das mit dem Sterben um sie her aufloderte. Die Wucht eines jedes Todes traf sie mit fürchterlicher Wucht und ließ sie schwanken. So viele Seelen, die zur selben Zeit und am selben Ort gewaltsam aus ihren Körpern gerissen wurden! Sie durfte jetzt nicht das Bewusstsein verlieren und vom Pferd fallen — bei dieser Geschwindigkeit konnten ihr leicht die Hände abgerissen werden. Wie ungerecht es gewesen war, den bedauernswerten Mann in der letzten Nacht auszupeitschen, wo doch seine eigenen Befehlshaber nicht zögerten, seinerseits ihn im Stich zu lassen …
Dann sah sie nur noch den Hals ihres Pferdes, seine zurückgelegten Ohren und den harten Boden, der unter ihr vorbeiflog. Ihr verängstigtes Reittier musste nicht einmal mehr gezogen werden, sondern rannte mit dem Pferd des Offiziers um die Wette, bis es fast die Spitze einnahm. In weitem Bogen wandten sie sich nach rechts. Schließlich wurden sie langsamer, als sie in eine unwegsamere Gegend gelangten, wo kleine Hügel, mit vereinzelten Wäldchen bestanden, sie zumindest vor den Blicken möglicher Verfolger schützten.
Schließlich nahm der Anführer sich die Zeit, sein Schwert wieder einzustecken. Es war unbefleckt, stellte Ista fest. Er führte sie durch die Wildnis, stets in der Deckung der Felsen und Bäume. Ista hatte den Verdacht, dass der Mann sich keine großen Gedanken darüber machte, wohin es ging, solange er nur mögliche Verfolger verwirren konnte. Die Wälder wurden dichter. Ista schätzte, dass sie sich mindestens fünf, sechs Meilen vom Ort des Hinterhalts entfernt hatten.
Schließlich suchten die Pferde sich vorsichtig ihren Weg durch das steinige Bett eines kleinen Baches in einer tiefen Klamm, und Ista kam allmählich wieder zu Atem. Sie fragte sich, in welcher Gefahr sie jetzt schwebte. Diese Offiziere hatten alles verloren — ihre Männer, ihre Ausrüstung, ihre Beute und selbst den richtigen Weg. Doch solange sie Ista vorweisen konnten, würde der Fürst von Jokona ihnen jede Katastrophe verzeihen. Ista verkörperte die Hoffnung dieser Männer auf Wiedergutmachung. Sie würden sie nicht gehen lassen, nicht gegen Geld und nicht unter Drohungen; sie würden sie nicht einmal gegen das eigene Leben eintauschen. Deshalb stand nicht zu befürchten, dass sie ermordet wurden; doch der Tod durch irgendein Missgeschick oder eine Fehleinschätzung ihrer überreizten Entführer war leicht möglich. Also war ihre Lage nicht viel besser geworden.