Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Schließlich wandten ihre rasenden Gedanken sich dem eigenen Schicksal zu. Sollte sie ihre Tarnung aufrechterhalten, wenn man sie gefangen nahm? Welchen Wert würden die Jokoner einer entfernten weiblichen Verwandten des wohlhabenden Herzogs von Baocia beimessen? Würde der Rang einer Sera dy Ajelo ausreichen, um nicht nur ihre Sicherheit zu erkaufen, sondern auch die ihrer Männer? Doch die Königinwitwe von Chalion, die leibliche Mutter der Königin Iselle, war ein viel zu kostbarer Preis, als dass er in die schmutzigen Hände irgendwelcher räuberischer Jokoner fallen durfte.
Sie schaute sich um und blickte in die grimmigen, angespannten Gesichter ihrer Begleiter. Ich will nicht, dass diese treuen jungen Männer für mich sterben. Ich will nicht, dass irgendjemand für mich stirbt, nie wieder.
Ferda lenkte sein Pferd an ihre Seite und wies nach hinten. »Majestät, wir müssen die Maultiere zurücklassen!«
Sie nickte und rang nach Luft. Ihre Beine schmerzten, so krampfhaft hatte sie sich an die bebenden Flanken ihres Reittiers geklammert. »Dy Cabons Satteltaschen … müssen sie loswerden … verstecken. Seine Bücher und Aufzeichnungen … würden ihn verraten. Sie könnten umkehren und nach ihm suchen! Und meine Papiere auch … Ich habe Briefe unter meinem wirklichen Namen …«
Ferdas Miene zeigte, dass er alles mitbekommen hatte. Er richtete sich in den Steigbügeln auf und ließ sich zurückfallen. Ista drehte sich halb im Sattel und nestelte an den Schnüren aus ungegerbtem Leder, mit denen die Taschen über dem Pferderücken befestigt waren. Zum Glück hatte Liss kunstvolle Knoten geknüpft: Sie hielten zwar fest, ließen sich aber leicht lösen, als Ista daran zog.
Ferda erschien wieder neben ihr. Nun lagen die beiden schweren Gepäckstücke des Geistlichen über seinem Sattelknopf. Ista blickte zurück: Die losgebundenen Packtiere und dy Cabons weißes Maultier fielen hinter ihnen zurück, kamen stolpernd zum Stehen und trotteten erleichtert von der Straße.
Sie hielten auf eine Brücke zu, die einen rasch fließenden Gebirgsbach überspannte. Ferda streckte auffordernd einen Arm aus, und Ista schwang ihre Taschen zu ihm hinüber. Auf der Brücke ließ er sein Pferd auf der Hinterhand steigen und schleuderte das Gepäck in weitem Bogen über die bröckelnde Steinbalustrade auf der flussabwärts gelegenen Seite — erst das eine Paar, dann das andere. Die Taschen trieben davon, prallten gegen Felsen und versanken. Ista dachte mit Bedauern an die Bücher des Geistlichen und an ihre Geldbörsen, aber nicht an ihre belastenden Briefe oder an weitere Belege für ihre wahre Identität.
Diese Vorsichtsmaßnahme kostete sie noch mehr vom unablässig schrumpfenden Abstand zu den vordersten Jokonern. Ista konzentrierte sich nun darauf, ihr zunehmend müdes Pferd über den nächsten Hügelkamm zu treiben. Vielleicht ließen sich ihre Verfolger ja von den Packtieren ablenken und kamen langsamer voran, wenn sie versuchten, die streunenden Tiere einzufangen. Zumindest einige der Verfolger, denn wie es aussah, hatte der Feind viele Reiter.
Was für Krieger es waren, schien allerdings deutlich. Die üblen Spielchen mit Plünderzügen und Vergeltungsschlägen spielten beide Seiten nun schon seit Generationen entlang jener Grenzen, die von den Quintariern aus Chalion nun langsam zurück nach Norden verschoben wurden. In den umkämpften Regionen war es für die Männer mittlerweile ein Beruf, ihren Lebensunterhalt mit Plünderungen zu verdienen, als wäre es ein Gewerbe wie jedes andere. Mitunter wurde das Spiel nach sorgsam ausgearbeiteten Regeln der Höflichkeit geführt, mit geschäftlichen Absprachen bezüglich der Lösegelder und bizarren Wettkämpfen um Ruhm und Ehre. Dann wieder gab es überhaupt keine Regeln, und die Ehre verlor sich in Schweiß und Schreien und blutigem Grauen.
Wie entschlossen waren ihre Verfolger? Sie waren scheinbar vom Himmel gefallen. Nun, da die Gefährten sich über diese entlegene Gebirgsstraße plagten, lagen anderthalb Provinzen zwischen ihnen und den Grenzen Jokonas. Waren es frische Truppen, die versuchten, sich in eine günstige Angriffsposition zu bringen — mit welchem Ziel auch immer? Oder waren es erschöpfte Krieger auf hastigem Rückzug? Wenn sie die Farben des Fürsten trugen, war es zumindest kein bunt zusammengewürfelter Haufe aus jüngeren Söhnen und Halunken, die mitgehen ließen, was ihnen in die Hände fiel, und die kaum besser waren als eine Räuberbande. Dies hier aber, so schien es, waren Männer, die mehr Disziplin besaßen und ein bestimmtes Ziel verfolgten.
Als Ista auf ihrem taumelnden Pferd die nächste Anhöhe erreichte, hatte sie wieder einen guten Ausblick auf die Straße vor sich. Liss’ hoch gewachsener Fuchs war ihnen schon weit voraus und galoppierte immer noch unermüdlich.
Plötzlich stockte Ista das Herz. Ein weiteres Dutzend jokonischer Reiter stürmte den strauchbewachsenen Abhang hinunter auf Liss zu — offensichtlich ein Trupp Kundschafter, der dem Hauptheer vorausritt. Ista versuchte, Winkel, Entfernungen und Geschwindigkeiten abzuschätzen. Die Jokoner preschten heran, als wollten sie Liss gleichsam von der Straße fegen, so wie ein Falke ein Eichhörnchen aus dem Geäst fischt. Liss hatte die Reiter noch nicht gesehen, und für einen Warnruf war sie schon zu weit weg. Ferda richtete sich in den Steigbügeln auf. Hilfloses Entsetzen spiegelte sich auf seiner Miene. Er trieb sein Pferd mit der Gerte an, doch das erschöpfte Tier konnte nicht schneller.
Näher und näher kamen die Reiter — und endlich schaute Liss zur Seite und bemerkte sie. Selbst ihre ausdauernde Stute musste an den Grenzen ihrer Belastbarkeit gelangt sein. Liss preschte an den vorderen Reitern vorüber. Eine Armbrust schimmerte, ein Bolzen sirrte durch die Luft. Ferda schrie gequält auf, doch die Entfernung war zu groß gewesen, und der Schütze saß auf einem unruhig schwankenden Pferderücken, sodass der Schuss sein Ziel weit verfehlte.
Die Patrouille erreichte die Straße. Ihre Anführer gestikulierten heftig. Zwei Reiter trennten sich vom Trupp und folgten Liss; der Rest machte kehrt, formierte sich auf der Straße und wartete ab.
Ferda fluchte, blickte zurück, dann wieder nach vorn, und biss die Zähne zusammen. Er schlug den Mantel zurück und berührte den Schwertgriff, wobei er Ista mit einem besorgten Blick musterte und offenbar darüber nachdachte, wie er sie beschützen konnte, falls seine schwindende Schar durch dieses neue Hindernis brach. Immer mehr Reiter strömten über die letzte Anhöhe; die Reihe nahm scheinbar kein Ende.
War erst Blut vergossen, würden die Ereignisse rasch außer Kontrolle geraten. Tote würden nach Vergeltung schreien.
»Ferda!«, stieß Ista hervor. Es war kaum mehr als ein Krächzen. »Es gibt kein Entkommen. Wir müssen Halt machen und die Bedingungen unserer Kapitulation aushandeln.«
»Auf keinen Fall, Majestät!« Gequält verzog er das Gesicht. »Bei meinem Eid und meiner Ehre, nein! Wir werden sterben, um Euch zu beschützen!«
»Ihr könntet mich besser beschützen, wenn Ihr am Leben bleibt und mir mit Verstand und Selbstbeherrschung zur Seite steht, Ferda!« Zumal der bessere Teil des Verstandes und der Selbstbeherrschung ihrer Schar am Durchflussrohr zurückgeblieben war. Ista atmete tief durch, kämpfte moralische Bedenken nieder, die größer waren als die körperliche Angst, und sagte schließlich: »Wir halten an. Das ist ein Befehl!«
Ferda biss die Zähne zusammen, doch ihm blieb keine Wahl. Die Masse der Jokoner war an sie herangekommen und trieb sie in die Reihe der Feinde, die auf der Straße Aufstellung genommen hatte. Ista konnte bei den wartenden Reitern ein halbes Dutzend schussbereiter Armbrüste erkennen, die diesmal gezielter schießen würden.
Ferda hob die Hand. »Anhalten!« Die erschöpften Pferde seiner Schar kamen ungeordnet zum Stehen. Die Männer schlugen ihre Mäntel zurück und griffen nach den Waffen. »Stecken lassen!«, kommandierte Ferda.