Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.
- Автор: Klausner Uwe
- Серия: Tom Sydow #2
- Год: 2010
- Язык: немецкий
- Жанр: Политические детективы
Электронная книга - «Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.». Краткое содержание книги:
»Exekutiert?«
»Ganz recht. Und wissen Sie auch, mithilfe welcher Waffe?«
»Vielleicht mit einer Tokarew Modell TT-33, Genosse?«
Mit Kodaks demonstrativer Lässigkeit war es Knall auf Fall vorbei. »Woher …«, begann er, zu überrascht, um dies vor Kuragin zu verbergen.
»Nur so ein Gedanke«, erstickte der Major die Frage bereits im Keim und wandte sich dem V-Mann zu, während sich seine Lippen zu einem feinsinnigen Lächeln kräuselten. »Der MGB ist eben überall.«
»Mit einer Patrone, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus sowjetischen Beständen stammt«, fügte Kodak wie ein Schüler hinzu, der bei seinem Lehrer nachträglich lieb Kind machen will. »Können Sie sich das erklären?«
»Nein«, erwiderte Kuragin, dem die Lust am Rauchen auf einen Schlag verging. »Oder besser gesagt: noch nicht.« Dann wechselte er das Thema. »Irgendwelche Neuigkeiten von den Amerikanern?«
»Nichts Bestimmtes. Das mit der Messerstecherei an der Glienicker Brücke haben Sie ja bestimmt mitgekriegt.«
Kuragin ließ den Zigarillo fallen und drückte ihn aus. »Über RIAS, na klar«, bekräftigte er. »Sonst noch was?«
»Jede Menge Gerüchte. Beim Absturz einer Skymaster in Tempelhof soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein.«
»Sabotage?«
»Vielleicht auch nur Latrinenparolen, wer weiß. Wie im Übrigen auch das Gerücht, in der Nähe des amerikanischen Hauptquartiers sei es zu einer größeren Explosion gekommen.«
»Ach ja?« Die Intensität, mit der die Neuigkeiten über ihn hereingebrochen waren, ließ Kuragin frösteln. Die vorherbstliche Kühle, die den Tiergarten einhüllte, tat ein Übriges. »Wenn ich mir beim MGB etwas abgewöhnt habe, ist es die Unsitte, an Zufälle zu glauben.«
Kurt Bechtel, Fotograf bei der Spurensicherung der Kripo Berlin, zog fragend die Brauen hoch. »An was dann, Genosse Major?«
»Zuallererst einmal an meinen Instinkt, Kodak«, sagte Kuragin, straffte sich und knöpfte seinen Uniformkragen zu. »Und der sagt mir, dass wir kurz vor dem Dritten Weltkrieg stehen.«
»Vor dem Dritten Weltkrieg?«
»In der Tat, Genosse«, rief ihm Kuragin, der sich zum Gehen gewandt hatte, über die Schulter hinweg zu. »Und zwar mit allem Drum und Dran.«
26
Insel Schwanenwerder, amerikanischer Sektor | 17.40 h
»Wirklich gemütlich hier«, rief Sydow hohnlächelnd aus, als er das Wohnzimmer der ehemaligen Fabrikantenvilla in der Inselstraße 39 betrat. Im Gegensatz zum heruntergekommenen Nachbarhaus war die Zeit an der Villa der Familie Mertens anscheinend spurlos vorübergegangen, und man bekam den Eindruck, der Krieg habe überhaupt nicht stattgefunden.
Kronleuchter aus Bergkristall, Parkett vom Feinsten, sündhaft teurer Sekretär aus Mahagoni, Terrasse mit Blick auf die Havel. In der guten Stube von Mister Persilschein fehlte es an nichts. »Gemütlicher geht es wohl kaum«, fügte Sydow hinzu, nachdem er von der Terrassentür aus einen Blick auf das weitläufige Grundstück geworfen hatte. »Wie haben Sie das bloß hingekriegt?«
Dass in der Frage eine gehörige Portion Bosheit mitschwang, war Sydow nur allzu bewusst. Seinem 36-jährigen Gesprächspartner, dem Hausherrn, allerdings auch. »Mithilfe von Gärtnern«, kanzelte er Sydow von oben herab ab. Damit war er bei ihm allerdings an der falschen Adresse.
»Darauf wäre ich nun wirklich nicht gekommen, Herr Mertens«, konterte Sydow maliziös, nahm ohne Aufforderung Platz und ließ die Hände auf der Rückenlehne des sündhaft teuren Jugendstilsofas ruhen. Die Lichtstreifen auf dem Parkett waren verblasst, und die Gewitterfront, die sich über dem Wannsee zusammengebraut hatte, rückte näher. »Scheint so, als gingen die Geschäfte gut.«
»Sie sind doch nicht hergekommen, um mich das zu fragen, Herr Kommissar? Oder … oder sind Sie am Ende von der Steuerfahndung?«
»Ihre Scherze in Ehren, Herr Mertens«, erwiderte Sydow kühl, »aber dies ist weder die Zeit noch der Ort dafür.«
»Dürfte ich dann vielleicht erfahren, um was es geht?«, grollte der 36-jährige Hausherr mit hochrotem Kopf.
»Immer mit der Ruhe, der Herr«, warf Sydow beschwichtigend ein, während er den stiernackigen Zweizentnermann näher unter die Lupe nahm. »Wer wird denn gleich in die Luft gehen.«
»Sagen Sie, was los ist, meine Frau und ich erwarten heute Abend noch Gäste.«
»Daraus wird nichts, Herr Mertens«, verkündete Sydow mit Blick auf den Teetisch und die Tassen aus Meißener Porzellan, für die er mehrere Monatsgehälter hätte hinblättern müssen. »Damit Ihrer Frau nicht langweilig wird, können Sie die Dame des Hauses ja mit dem Hund Gassi schicken.«
Wenn Blicke töten könnten, wäre Sydow jetzt leblos umgefallen. »Ein Wort von mir, und Sie können Ihren Hut nehmen«, knirschte Ewald, der einen perfekten Rausschmeißer abgegeben hätte, mit wutverzerrtem Gesicht. »Darauf können Sie Gift nehmen.«
Schütteres Haar, Boxernase und Doppelkinn, dachte Sydow bei sich. Ein Mann, mit dem nicht zu spaßen war. »An Ihrer Stelle, Herr Mertens«, änderte Sydow abrupt seinen Ton, legte den Kopf auf die Seite und sah den Mann, um dessen Gunst halb Berlin buhlte, mit geringschätziger Miene an, »würde ich mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen – und schon gar nicht, wenn ich im Verdacht stünde, das Leben eines Menschen auf dem Gewissen zu haben.«
Kurz davor, auf Sydow loszugehen, überlegte es sich Ewald dann doch anders. Stattdessen bleckte er die Zähne und ließ sich in einen Korbsessel sinken. »Aber, aber, Herr Kommissar«, tat er gönnerhaft kund, nachdem er sich wieder einigermaßen im Griff hatte. »Das meinen Sie doch wohl hoffentlich nicht ernst.«
»Oh doch.«
»Darf man fragen, ob Sie sich das auch gut überlegt haben?«
»Was denn?«
»Mich einer Tat zu bezichtigen, die ich nicht begangen habe.«
»Natürlich haben Sie das Verbrechen nicht begangen, Herr Mertens. Denn wer macht sich schon gerne die Finger an einer Straßennutte schmutzig?«
Durch die nahezu geschlossenen Augenlider des Hausherrn schoss ein Blick, der jeden weiteren Kommentar überflüssig machte. »Halten Sie es nicht für angebracht, mir zu sagen, worum es geht?«
»Ihre schauspielerischen Fähigkeiten in allen Ehren, Herr Mertens, aber die Unschuldsnummer können Sie sich sparen.«
Die Hände im Nacken, lehnte sich Ewald zurück. »Darf man fragen, ob Sie für das, was Sie mir vorwerfen, auch Beweise haben?«
Mit einem Satz, der die Pose von Ewald jäh zunichtemachte, war Sydow auf den Beinen und baute sich drohend vor ihm auf. »Ich stelle hier die Fragen, ist das klar?«, fuhr er den Zweizentnermann an. »Erstens: Wo sind Sie heute Morgen gewesen?«
»Zu Hause.«
»Zeugen?«
»Meine Frau.«
Über Sydows Gesicht huschte ein angewidertes Lächeln. »Was dagegen, wenn ich das nachher überprüfe?«
»Tun Sie, was Sie nicht lassen können, Herr Kommissar. Um mich einzuschüchtern, müssen Sie schon schwerere Geschütze auffahren.«
»Zweitens: Womit verdienen Sie eigentlich Ihr Geld, Mertens?«
»Import und Export. Darf man fragen, was Sie das angeht?«
»Mit was, habe ich gefragt.« Sydow war seinem Widersacher so nahe, dass er seinen Schweiß riechen konnte. Und erfahren genug, um zu merken, dass Mister Persilschein die Hosen gestrichen voll hatte. »In Zeiten wie diesen, wo ganz Berlin am Tropf hängt, kann man doch wohl nicht reich werden, oder?«
»Haben Sie eine Ahnung!«
Sydow stieß ein verächtliches Lachen aus. »Gut möglich, dass ich die nicht hatte. Jedenfalls nicht bis vor Kurzem. Deswegen habe ich nämlich Erkundigungen eingezogen. Und die sind nicht unbedingt günstig für Sie ausgefallen.«