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Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.

Электронная книга - «Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.». Краткое содержание книги:

Berlin, 31. August 1948. Die verstümmelte Leiche einer Stadtstreicherin wird in der Nähe des Lehrter Bahnhofs gefunden. Nichts Besonderes im Berlin der Nachkriegszeit und so glaubt Hauptkommissar Tom Sydow zunächst an einen Routinefall. Doch warum sammelte das Mordopfer Zeitungsausschnitte über den stadtbekannten Kriegsgewinnler, Schieber und Spekulanten Paul Mertens? Bei seinen Ermittlungen kommt Sydow einer Organisation auf die Spur, deren Verbindungen in höchste Kreise von Justiz und Politik zu reichen scheinen ...
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»Bei allem schuldigen Respekt, Sir: Hätten Sie vielleicht die Güte, mir mitzuteilen, worin meine Rolle bei der ›Operation Armageddon‹ besteht?«

Ein Stirnrunzeln von Sarstedt, und mit der Großspurigkeit seines Vorgesetzten war es vorbei. »Eine Atombombe auf Moskau abzuwerfen, Nick«, flüsterte ihm Perkins ins Ohr, klemmte sein Clipboard unter den Arm und fuhr mit dem Handrücken über sein Doppelkinn. »Wenn’s geht, direkt auf den Kreml.«

Die Uniformmütze unter die linke Achsel geklemmt, wurde Sarstedt leichenblass. »Auf den Kreml?«, wiederholte er, bemüht, seine Bestürzung vor Perkins zu verbergen. »Wir?«

»Ganz recht. Wie die Dinge liegen, haben die Jungs im Pentagon Sie dazu auserkoren, Moskau dem Erdboden gleichzumachen.« Durch den aufgeschwemmten Rumpf von Perkins ging ein Ruck. »Anders ausgedrückt: Noch ein krummes Ding, ein Schuss oder ein falsches Wort, und Stalin wird das Lachen endgültig vergehen.«

29

Insel Schwanenwerder, amerikanischer Sektor | 19.05 h

»So, dann woll’n wir mal«, murmelte Sydow und zog dem Leichnam, neben dem er kniete, die Maske vom Gesicht. Das Unwetter hatte an Stärke zugenommen, und die Böen, die gegen das Bootshaus brandeten, muteten wie die Vorboten des Weltuntergangs an. »Kann mir schon denken, wer du bist.«

An die zwei Meter, Bürstenschnitt, Schmiss und durchtrainiert. Wolfsangel an der Schulter. Markantes Kinn, blond, blaue Augen.

Ein SS-Recke wie aus dem Völkischen Beobachter.

Ein Blick, und Sydows Vermutung, bei dem mutmaßlichen Mann fürs Grobe handele sich um einen SS-Angehörigen, sollte zur Gewissheit werden. Die Wolfsangel lieferte ein erstes Indiz, und die Blutgruppentätowierung oberhalb des Ellbogens ließ jegliche Zweifel verstummen. Keine Frage, der Tote war Angehöriger eines SS-Totenkopfverbandes gewesen. Das A auf dem Oberarm, das seine Blutgruppe angab, schloss jegliche Ungewissheit von vornherein aus. Ein Grund mehr, mit sich und der Welt zufrieden zu sein.

Dass er es nicht sein konnte, lag auf der Hand. Nachdem die Dame des Hauses in die Obhut zweier Beamtinnen gegeben worden war, hatten Krokowski und die Kollegen von der Spurensicherung damit begonnen, die Bude auf den Kopf zu stellen. Herausgekommen war bis jetzt allerdings noch nichts. Die Liste, mit der Paul Mertens erpresst, derentwegen der Zweimetermann mit der Ermordung von Lilian Matuschek beauftragt worden war, hatte sich anscheinend in Luft aufgelöst. Nirgendwo, nicht einmal im Safe, hatte es den geringsten Hinweis darauf gegeben.

Sydow schüttelte nachdenklich den Kopf. Die Frage war, ob sie überhaupt versteckt und am Ende nicht vielleicht vernichtet worden war. So etwas musste man natürlich in Betracht ziehen, wenngleich er das Gefühl hatte, diesbezüglich sei noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Mit einer Miene, die sowohl Ratlosigkeit als auch unterdrückte Wut verriet, ließ Sydow den Oberarm des ehemaligen SS-Schergen wieder zurück auf den Boden gleiten, deckte ihn zu und rappelte sich auf. In eine Sackgasse war er im Zuge seiner Ermittlungen schon des Öfteren geraten, jedoch nicht annähernd wie jetzt. All das hier ergab keinen Sinn, von der Frage, was Mertens und Co. im Schilde geführt hatten oder noch führten, gar nicht zu reden. Dass hier etwas im Gange war, merkte jedes Kind, und die Frage, weshalb der Tote im Grunewald exekutiert worden war, beschäftigte Sydow unentwegt. Die Vergangenheit von Mister Persilschein war eine Sache, was er im Schilde gehabt hatte, eine andere.

»Na, schon irgendeine Spur?«, hörte Sydow plötzlich eine weibliche Stimme sagen, und da er wusste, zu wem sie gehörte, rührte er sich nicht vom Fleck.

»Irre ich mich, oder wollten Sie reinen Tisch machen, Miss?«, murrte er, die Hände in den Hosentaschen vergraben. »Damit wir beide nicht weiter im Dunkeln tappen.«

»Zigarette?«

Trotz des Grolls, den Sydow immer noch hegte, konnte er dem Angebot nicht widerstehen. »Meinetwegen«, entgegnete er, drehte sich um und sah Gladys McCoy prüfend an. »Machen Sie das eigentlich öfter so?«

»Was denn?«

»Andere Leute an der Nase herumführen.«

»Wie gut, dass Sie so direkt sind«, erwiderte die

MI6-Agentin, schüttelte sich den Regen aus dem Haar und schloss die Tür. »Ich denke, das wird uns der Lösung des Falles um einiges näherbringen.«

»Wäre es dann nicht an der Zeit, sämtliche Karten auf den Tisch zu legen?«

Die Antwort auf Sydows Frage, die Gladys McCoy offenbar nicht leichtfiel, ließ geraume Zeit auf sich warten. »Ist das nicht ein bisschen viel verlangt?«

»Kommt drauf an, was Sie alles zu bieten haben.«

»Genug, um etliche Ihrer Fragen zu beantworten«, tat Gladys McCoy, in deren Mundwinkel sich winzige Grübchen bildeten, eher zögerlich kund und hielt Sydow die Zigarettenschachtel hin. »Darauf können Sie sich verlassen.«

»Wenn dem so ist«, bohrte Sydow weiter, nachdem er der Verlockung erlegen war und sich eine John Player geangelt hatte, »werden Sie gegen ein paar Fragen sicherlich nichts einzuwenden haben.«

Die MI6-Agentin tat es Sydow gleich, zündete sich eine Zigarette an und drückte ihm das Feuerzeug in die Hand. »Hartnäckig sind Sie ja, das muss man Ihnen lassen.«

»Danke für die Blumen«, antwortete Sydow, nachdem er sich eine angesteckt und mehrere Sekunden hatte verstreichen lassen. »Dafür mache ich es auch kurz.«

»Wie rücksichtsvoll von Ihnen.«

Sydow tat, als habe er den Seitenhieb überhört. »Wie ist es Ihnen eigentlich gelungen, Mertens auf die Spur zu kommen?«

»Purer Zufall«, erwiderte Gladys McCoy. »Hätte der Tote im Grunewald nicht einen Lohnstreifen der Mertens AG bei sich gehabt, würden wir vermutlich ganz schön alt …«

»Moment maclass="underline" Soll das etwas heißen, dass …«

»… aussehen. Das soll heißen, dass die Leiche bekleidet war – genau«, gestand die MI6-Agentin ein. »Eine kleine Vorsichtsmaßnahme von uns.«

»Von uns?«, stieß Sydow ärgerlich hervor. »Darf man fragen, mit wem ich hier die Ehre habe?«

»Gladys McCoy – Secret Service Seiner Majestät«, antwortete die Agentin ungerührt. »Ich hoffe, das bleibt unter uns.«

»Mal sehen, was sich machen lässt«, flüchtete sich Sydow in Ironie. »Hört sich ja nach einem verdammt heißen Eisen an.«

»Vorsichtig ausgedrückt, Herr Kommissar. So heiß, dass man sich glatt daran verbrennen kann«, ergänzte die Secret-Service-Agentin in ernstem Ton. »Worauf ich hinauswill, wollen Sie wissen? Ganz einfach: Vor drei Tagen, also am Samstag, meldet sich bei Generalmajor Herbert ein anonymer Anrufer. Zunächst rückt er nicht richtig mit der Sprache heraus, behauptet dann aber, der sogenannten ›Gruppe W 45‹ anzugehören.«

»W für Werwolf?«

»Richtig. Seinen Worten nach zu schließen, handelt es sich um eine Gruppe ehemaliger SS-Angehöriger, von denen der Anrufer behauptet, sie schreckten vor nichts zurück.«

»Originalton?«

Gladys McCoy nickte. »Wir haben das Gespräch auf Band. Das heißt, zumindest einen Großteil davon. Was wir allerdings nicht haben, ist sein Name.« Die Agentin zog hastig an ihrer Zigarette. »Dessen ungeachtet kann oder will Mister Unbekannt nicht preisgeben, was eigentlich genau am Laufen ist. Nur so viel, dass die ›Gruppe W 45‹ zu allem entschlossen sei. Und dass er Angst habe, in etwas hineingezogen zu werden, das unabsehbare Konsequenzen haben könne.«

Sydow pfiff leise durch die Zähne. »Jetzt wird mir einiges klar«, murmelte er und strich mit Daumen und Zeigefinger über das Kinn. »Passt doch alles prima zusammen.«

»Was denn?«

»Unter anderem der Befund aus der Pathologie. Laut einem gewissen Dr. Peters, bei dem ich auf dem Herweg vorbeigeschaut habe, ist der Tote aus dem Grunewald per Genickschuss ins Jenseits befördert worden. Mithilfe einer Tokarew TT-33, wie ich der Vollständigkeit halber hinzufügen muss. Sie verstehen, worauf ich hinauswill, Miss?«

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