Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Aye, das nehme ich auch an«, sagte Ian, der extrem unsicher klang. »Es ist nur – was sie über Onkel Jamie sagen. Selbst seine eigenen Männer aus Ardsmuir, die es wirklich besser wissen sollten! Dass er anscheinend – nun, ich will es nicht wiederholen, Tante Claire – aber – ich kann es nicht ertragen, das zu hören!«
Sein langes, gutmütiges Gesicht verzog sich kummervoll, und mir kam plötzlich der Gedanke, dass er womöglich selbst Zweifel hatte.
»Ian«, sagte ich mit aller Entschlossenheit, die ich aufbringen konnte, »Malvas Kind kann nie und nimmer von Jamie sein. Das glaubst du doch, oder?«
Er nickte langsam, wich aber meinem Blick aus.
»Ja«, sagte er leise, und dann schluckte er krampfhaft. »Aber, Tante Claire … es könnte von mir sein.«
Eine Biene war auf meinem Arm gelandet. Ich starrte sie an, sah die Adern in ihren gläsernen Flügeln, den gelben Pollenstaub, der an den Härchen ihrer Beine und ihres Bauchs klebte, das sanfte Pulsieren ihres Körpers, als sie atmete.
»Oh, Ian«, sagte ich genauso leise, wie er selbst gesprochen hatte. »Oh, Ian.«
Er war zum Bersten angespannt, doch bei meinen Worten ließ die Anspannung in dem Arm unter meiner Hand ein wenig nach, und ich sah, dass er die Augen geschlossen hatte.
»Es tut mir leid, Tante Claire«, flüsterte er.
Ich tätschelte ihm wortlos den Arm. Die Biene flog davon, und ich wünschte mir leidenschaftlich, ich könnte mit ihr tauschen. Es würde so wunderbar sein, nichts als das Sammeln im Sinn zu haben und nur dieses eine Ziel unter der Sonne zu verfolgen.
Eine andere Biene landete auf Ians Kragen, und er streifte sie geistesabwesend ab.
»Nun, also«, sagte er. Er holte tief Luft und wandte mir den Kopf zu, um mich anzusehen. »Was muss ich tun, Tante Claire?«
Seine Augen waren dunkel vor Sorge und Elend – und etwas, das große Ähnlichkeit mit Angst hatte, dachte ich.
»Tun?«, sagte ich und klang so verständnislos, wie ich mich fühlte. »Jesus H. Roosevelt Christ, Ian.«
Ich hatte nicht beabsichtigt, ihn zum Lächeln zu bringen, und er lächelte auch nicht, aber er schien sich ganz schwach zu entspannen.
»Aye, ich habe es schon getan«, sagte er sehr reumütig. »Aber – es ist geschehen, Tante Claire. Wie kann ich es wieder gutmachen?«
Ich rieb mir die Stirn und versuchte nachzudenken. Rollo hatte seinen Ball zurückgebracht, doch als er sah, dass Ian nicht in der Stimmung war zu spielen, ließ er ihn zu seinen Füßen fallen und lehnte sich hechelnd an sein Bein.
»Malva«, sagte ich schließlich. »Hat sie es dir gesagt? Vorher, meine ich.«
»Du meinst, ich habe sie verschmäht, und deshalb hat sie Onkel Jamie beschuldigt?« Er warf mir einen ironischen Blick zu und kraulte Rollo geistesabwesend den Nacken. »Nun, das kann ich dir nicht verdenken, Tante Claire, aber so ist es nicht. Sie hat kein Wort zu mir darüber gesagt. Wenn sie das getan hätte, hätte ich sie auf der Stelle geheiratet.«
Nun, da er die Hürde seines Geständnisses genommen hatte, fiel ihm das Reden leichter.
»Du bist nicht auf den Gedanken gekommen, sie zuerst zu heiraten?«, sagte ich, vielleicht mit einem Hauch von Schärfe.
»Äh … nein«, sagte er sehr verlegen. »Es war nicht unbedingt eine Sache von – nun ja, eigentlich habe ich gar nicht gedacht, Tante Claire. Ich war betrunken. Zumindest beim ersten Mal«, fügte er der Vollständigkeit halber hinzu.
»Beim ersten –? Wie oft –? Nein, sag’s mir nicht. Ich möchte die schmutzigen Details gar nicht wissen.« Ich gebot ihm mit einer knappen Geste zu schweigen und setzte mich gerade hin, weil mir ein Gedanke kam. »Bobby Higgins. War das –«
Er nickte und senkte die Wimpern, so dass ich seine Augen nicht sehen konnte. Das Blut war ihm unter die Sonnenbräune gekrochen.
»Aye. Das war der Grund, warum – ich meine, ich wollte sie eigentlich nie heiraten, aber ich hätte sie trotzdem gefragt, nachdem wir … Aber ich habe es ein wenig aufgeschoben, und –« Er rieb sich hilflos das Gesicht. »Nun, ich wollte sie nicht als Frau, aber ich konnte das Verlangen nach ihr trotzdem nicht abstellen. Ich weiß genau, wie schlimm dir das vorkommen muss – aber ich muss die Wahrheit sagen, Tante Claire, und das ist sie.« Er holte kräftig Luft und fuhr fort.
»Ich habe … auf sie gewartet. Im Wald, wenn sie Kräuter oder Beeren sammeln ging. Sie hat nichts gesagt, wenn sie mich gesehen hat, nur gelächelt und ihre Röcke ein wenig gehoben, dann hat sie sich schnell umgedreht und ist weggelaufen und … Himmel, ich bin ihr nach wie ein Hund hinter einer läufigen Hündin«, sagte er bitter. »Aber dann bin ich eines Tages zu spät gekommen, und sie war nicht an der Stelle, wo wir uns immer getroffen haben. Aber ich habe sie lachen gehört, ein Stück weiter, und als ich nachsehen gegangen bin …«
Er verdrehte seine Hände so, dass er sich einen Finger ausrenkte, und zog eine Grimasse. Rollo jaulte leise.
»Sagen wir einfach, das Kind könnte genauso gut von Bobby Higgins sein«, sagte er abgehackt.
Ich fühlte mich plötzlich wieder so erschöpft wie während meiner Erholung von der Krankheit, als sei selbst das Atmen eine zu große Anstrengung. Ich lehnte mich mit dem Rücken an die Palisaden und spürte das kühle, papierne Rascheln der Weinblätter an meinem Hals, ein sanftes Fächeln an meinen heißen Wangen.
Ian beugte sich vor, den Kopf in den Händen, und die grünen Schatten flackerten über ihn hinweg.
»Was soll ich tun?«, fragte er schließlich mit erstickter Stimme. Er hörte sich genauso müde an, wie ich mich fühlte. »Es macht mir nichts aus zu sagen, dass ich – dass das Kind von mir sein könnte. Aber glaubst du, dass es helfen würde?«
»Nein«, sagte ich trostlos. »Das würde es nicht.« Es würde nichts an der öffentlichen Meinung ändern; alle würden einfach davon ausgehen, dass er für seinen Onkel log. Selbst wenn er das Mädchen heiratete, würde das nichts –
Mir kam ein Gedanke, und ich richtete mich wieder auf.
»Du hast gesagt, du wolltest sie nicht heiraten, schon bevor du überhaupt von Bobby wusstest. Warum?«, fragte ich neugierig.
Er hob mit einer hilflosen Geste den Kopf.
»Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll. Sie war – nun, sie war wirklich hübsch, aye, und hatte auch diese Lebensfreude. Aber sie … Ich weiß nicht, Tante Claire. Es war nur so, dass ich immer das Gefühl hatte, wenn ich mit ihr zusammen war – dass ich auf keinen Fall einschlafen durfte.«
Ich starrte ihn an.
»Nun, ich kann mir vorstellen, dass dich das abgeschreckt hat.«
Doch er hatte diesen Gedanken schon abgetan und bohrte stirnrunzelnd die Ferse seiner Mokassins in den Boden.
»Man kann nicht sagen, welcher von zwei Männern der Vater eines Kindes ist, oder?«, fragte er abrupt. »Nur – wenn es von mir ist, will ich es haben. Ich würde sie um des Kindes willen heiraten, ganz gleich, was geschehen ist. Wenn es von mir ist.«
Brianna hatte mir die Grundzüge seiner Geschichte erzählt; ich wusste von seiner Mohawk-Frau, Emily, und dem Tod seiner ungeborenen Tochter, und ich spürte die Gegenwart meines eigenen ersten Kindes, Faith, die tot zur Welt gekommen war, aber immer bei mir war.
»O Ian«, sagte ich leise und berührte sein Haar. »Vielleicht kann man es dem Kind ansehen – wahrscheinlich aber nicht, oder zumindest nicht sofort.«
Er nickte und seufzte. Kurz darauf sagte er: »Wenn ich sage, es ist von mir, und ich sie heirate – möglich, dass die Leute immer noch reden, aber nach einer Weile …« Er verstummte. Es stimmte, möglich, dass das Gerede irgendwann abebben würde. Aber es würde ewig Leute geben, die glauben würden, dass Jamie verantwortlich war, andere, die Malva als Hure oder Lügnerin bezeichnen würden – was sie ja auch war, zum Kuckuck, rief ich mir ins Gedächtnis, aber trotzdem hörte man solche Worte nicht gern über die eigene Frau. Und wie würde Ians Leben aussehen, verheiratet unter solchen Umständen und mit einer Frau, der er nicht trauen konnte und die er – so war mein Eindruck – nicht übermäßig gernhatte?