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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Es wurde ein langer Abend. Ihre Mutter verbrachte die Nacht eindeutig bei Mr. MacNeill und seiner Rippenfellentzündung. Amy McCallum kam für eine Weile herunter, und sie unterhielten sich stockend beim Nähen, doch dann entfloh das Hausmädchen wieder nach oben. Aidan und Jemmy, die lange aufbleiben und spielen durften, wurden müde und schliefen auf der Kaminbank ein.

Sie rutschte auf ihrem Stuhl herum, gab das Nähen auf und wanderte auf und ab, während sie darauf wartete, dass die Loge endete. Sie sehnte sich nach ihrem eigenen Bett, ihrem eigenen Haus; die Küche ihrer Eltern, in der sie sich sonst so wohl fühlte, kam ihr fremd und ungemütlich vor, als sei sie eine Fremde darin.

Endlich, endlich hörte sie Schritte und das Knarren der Tür, und Roger trat mit besorgter Miene ein.

»Da bist du ja«, sagte sie erleichtert. »Wie war die Loge? Waren die Christies da?«

Er schüttelte den Kopf.

»Nein. Es … es ging ganz gut. Natürlich war es ein bisschen unangenehm, aber dein Vater hat Haltung bewahrt, so gut es unter den Umständen möglich war.«

Sie verzog das Gesicht, während sie sich das vorstellte.

»Wo ist er?«

»Er hat gesagt, er wollte noch einen Spaziergang machen, allein – vielleicht noch ein bisschen angeln.« Roger legte die Arme um sie und drückte sie mit einem Seufzer fest an sich. »Hast du den Lärm gehört?«

»Nein! Was ist denn passiert?«

»Nun, wir hatten gerade ein bisschen über die Allgemeingültigkeit der Bruderliebe philosophiert, als draußen bei deinem Brennofen die Hölle losgebrochen ist. Na ja, dann sind alle hinaus, um nachzusehen, was los war, und da rollten dein Vetter Ian und Bobby Higgins im Dreck herum und haben versucht, sich gegenseitig umzubringen.«

»Oje.« Sie bekam ein schlechtes Gewissen. Wahrscheinlich hatte irgendjemand Bobby alles erzählt, und er hatte sich auf die Suche nach Jamie gemacht und war stattdessen auf Ian gestoßen, dem er Malvas Anschuldigungen ins Gesicht gesagt hatte. Wenn sie es ihm selbst gesagt hätte …

»Was ist passiert?«

»Na ja, Ians verdammter Köter hat sich eingemischt. Dein Vater hat ihn in letzter Sekunde daran gehindert, Bobby die Kehle zu zerfetzen, aber damit war der Kampf immerhin zu Ende. Wir haben sie getrennt, und Ian hat sich losgerissen und ist in den Wald marschiert, den Hund an seiner Seite. Bobby ist … Nun ja, ich habe ihn wieder auf Vordermann gebracht und ihm Jemmys Bett für die Nacht gegeben«, sagte er entschuldigend. »Er hat gesagt, er könnte nicht hier oben bleiben –« Er sah sich in der dunklen Küche um; sie hatte das Feuer schon für die Nacht eingedämmt und die beiden Jungen nach oben ins Bett getragen; das Zimmer war leer, das einzige Licht die schwache Glut im Kamin.

»Tut mir leid. Möchtest du dann lieber hier schlafen?«

Sie schüttelte heftig den Kopf.

»Bobby oder nicht, ich möchte nach Hause.«

»Aye, nun gut. Dann geh; ich hole Amy, damit sie die Tür verriegelt.«

»Nein, lass nur«, sagte sie schnell. »Ich hole sie.« Und bevor er protestieren konnte, war sie schon im Flur und auf der Treppe. Das leere Haus lag fremd und schweigend unter ihr.

Kapitel 82

Nicht das Ende der Welt

Unkraut aus dem Boden zu reißen, ist eine Tätigkeit, die große Genugtuung bereitet. Es mag ja eine ermüdende, endlose Aufgabe sein, die jedoch ein leises, unerschütterliches Triumphgefühl mit sich bringt, wenn man plötzlich spürt, wie der Boden nachgibt, um die hartnäckige Wurzel preiszugeben, und man den Feind besiegt in der Hand hält.

Es hatte kürzlich geregnet, und der Boden war weich. Ich zerrte und zog mit wütender Konzentration; Löwenzahn, Weidenröschen, Rhododendrenschösslinge, verschiedene Grassorten, Knöterich und Kriechmalven. Hielt kurz inne, um einen finsteren Blick auf eine Kratzdistel zu werfen, und löste sie mit einem gezielten Stoß meines Gartenmessers aus der Erde.

Die Weinranken, die an den Palisaden wuchsen, waren gerade in ihrem Frühjahrsschub, und zartes, rostrot gerändertes Grün ergoss sich von den verholzten Stauden und ringelte sich genauso eifrig wie mein nachwachsendes Haar – sollte sie der Teufel holen, sie hatte mir absichtlich die Haare abgeschnitten, um mich zu entstellen! Der Schatten, den die Stauden warfen, bot Zuflucht für immense Büsche eines schädlichen Gewächses, das ich »Juwelkraut« nannte, da ich seinen richtigen Namen nicht kannte, wegen seiner kleinen weißen Blüten, die wie Diamantenhäufchen zwischen den gefiederten Blätterwedeln glitzerten. Wahrscheinlich war es eine Fenchelart, die aber weder eine brauchbare Knolle noch essbare Samen entwickelte; hübsch, aber nutzlos – und daher die Sorte Gewächs, die sich wie ein Buschfeuer ausbreitet.

Ein leises Geräusch huschte an mir vorbei, und ein Stoffball landete vor meinem Fuß. Diesem folgte blitzartig ein sehr viel größerer Körper, und Rollo hechtete an mir vorbei, schnappte sich zielsicher den Ball und galoppierte so schnell davon, dass der Luftzug meine Röcke bewegte. Als ich erschrocken den Kopf hob, sah ich ihn auf Ian zuspringen, der auf leisen Sohlen in den Garten gekommen war.

Er machte eine kleine, entschuldigende Geste, doch ich hockte mich auf die Fersen und lächelte ihm zu, während ich versuchte, die bösen Worte zu unterdrücken, die in mir rumorten.

Offenbar hatte ich damit keinen großen Erfolg, denn ich sah, wie er die Stirn runzelte und mir zögernd ins Gesicht sah.

»Wolltest du etwas, Ian?«, sagte ich knapp und gab die freundliche Fassade auf. »Wenn dein Hund einen meiner Bienenstöcke umstößt, mache ich einen Teppich aus ihm.«

»Rollo!« Ian schnippte mit den Fingern in Rollos Richtung, und dieser machte einen eleganten Satz über die Reihe der Bienenstöcke am anderen Ende des Gartens, trabte zu seinem Herrn, ließ ihm den Ball vor die Füße fallen und blieb fröhlich hechelnd stehen, die gelben Wolfsaugen scheinbar interessiert auf mich geheftet.

Ian hob den Ball auf, wandte sich um und schleuderte ihn zur offenen Gartentür hinaus. Rollo schoss hinterher wie der Schweif eines Kometen.

»Ich wollte dich etwas fragen, Tante Claire«, sagte er und wandte sich wieder zu mir um. »Aber es kann warten.«

»Nein, es ist schon gut.« Ich erhob mich umständlich und wies auf die kleine Bank, die Jamie in einer schattigen Ecke für mich gebaut hatte.

»Also?« Ich setzte mich neben ihn und strich mir die Erdkrumen vom Rocksaum.

»Mmpfm. Nun ja …« Er starrte auf seine knochigen Hände, die er über dem Knie verschränkt hatte. »Ich … äh …«

»Du bist doch nicht wieder mit der Syphilis in Kontakt gekommen, oder?«, fragte ich, denn ich erinnerte mich noch lebhaft an meine letzte Unterredung mit einem peinlich berührten jungen Mann in diesem Garten. »Wenn es nämlich so ist, schwöre ich, dass ich Dr. Fentimans Spritze benutzen werde, und ich werde es nicht sanft tun. Du –«

»Nein, nein!«, sagte er hastig. »Nein, natürlich nicht, Tante Claire. Es geht um – um Malva Christie.« Bei diesen Worten spannte er sich an, für den Fall, dass ich nach meinem Gartenmesser griff, aber ich holte nur tief Luft und atmete langsam wieder aus.

»Was ist mit ihr?«, sagte ich um einen gleichmütigen Tonfall bemüht.

»Nun ja … eigentlich nicht direkt um Malva, sondern eher um das, was sie gesagt hat – über Onkel Jamie.« Er brach ab und schluckte, und ich holte erneut Luft. Weil mich die ganze Situation selbst so aus der Fassung brachte, hatte ich kaum einen Gedanken daran verschwendet, welche Folgen sie für andere hatte. Doch Ian vergötterte Jamie, seit er ein kleiner Junge war; ich konnte mir gut vorstellen, dass die überall verbreiteten Andeutungen, dass Jamie seine Schwächen haben könnte, ihn zutiefst bestürzten.

»Ian, du darfst dir keine Sorgen machen.« Ich legte ihm tröstend die Hand auf den Arm, auch wenn sie voller Erde war. »Es wird sich alles klären … irgendwie. So ist das immer.« Das stimmte – im Normalfall mit dem Maximum an Aufruhr und Katastrophen. Und falls Malvas Kind durch einen grausamen kosmischen Scherz mit rotem Haar zur Welt kam … Ich schloss einen Moment die Augen, weil mir mulmig wurde.

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