Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Vielleicht«, sagte Jamie, »ist es ja nicht nur der Donner, der den Pferden Angst macht.«
Vielleicht, aber das half uns jetzt auch nicht weiter. Ein Blitz fuhr weit unten auf dem Berghang in die Bäume, und gleichzeitig donnerte es. Noch ein Blitz – direkt gefolgt von einem Knall und noch einem, als wäre zu unseren Füßen ein Flakgeschütz zugange. Die Pferde waren außer sich vor Hysterie, und mir war sehr danach zumute, es ihnen gleichzutun.
Ich hatte beim Verlassen des Dorfes meinen Kapuzenumhang angezogen, doch die Kapuze klebte mir zusammen mit meinem Haar am Kopf, und der Regen hämmerte wie ein Schauer von Nägeln auf meinen Schädel. Auch Jamie klebte das Haar am Kopf, und durch den Regen sah ich, wie er eine Grimasse zog.
Er wies mich mit einer Geste an, zu bleiben, wo ich war. Die Pferde waren völlig von Sinnen, und ihre Mähnen hingen ihnen durchnässt in die verdrehten Augen. Judas hatte es geschafft, den schlanken Baum, an den ich ihn gebunden hatte, halb zu entwurzeln, und Gideon hatte die Ohren flach an den Kopf gelegt und fletschte ständig seine großen, gelben Zähne, während er nach jemandem oder nach etwas Ausschau hielt, den oder das er beißen konnte.
Bei diesem Anblick presste Jamie die Lippen zusammen. Er sah sich nach der Stelle um, an der wir den Kratzbaum gefunden hatten, der von unserer gegenwärtigen Position aus nicht zu sehen war. Es blitzte, der Donner erschütterte den Felsen, und beide Pferde machten schreiend einen Satz. Jamie schüttelte den Kopf, fällte seine Entscheidung und packte Judas’ Strick, um ihn festzuhalten. Offenbar würden wir den Berg verlassen, auch wenn der Pfad noch so glitschig war.
Umhüllt von meinen nassen Röcken, stieg ich in den Sattel und nahm den Strick fest in die Hand. Ich versuchte, Judas beruhigende Worte ins Ohr zu rufen, denn er tänzelte auf der Stelle und konnte es gar nicht abwarten fortzukommen. Wir waren den Koniferen am Rand des Felsvorsprungs gefährlich nahe, und ich lehnte mich mit aller Kraft nach innen, um ihn näher an die Felswand zu bewegen.
Ein außergewöhnliches Prickeln überlief meinen Körper, als würde ich von Kopf bis Fuß von Tausenden winziger Ameisen gebissen. Ich warf einen Blick auf meine Hände und sah, dass sie leuchteten, in blaues Licht getaucht. Die Haare auf meinen Unterarmen standen zu Berge, und jedes einzelne von ihnen schimmerte blau. Meine Kapuze war heruntergefallen, und ich spürte, wie sich das Haar auf meinem Kopf in einer einzigen Masse aufstellte wie von sanfter Riesenhand gehoben.
Es roch plötzlich nach Schwefel, und ich sah mich alarmiert um. Bäume, Felsen, der ganze Boden war mit blauem Licht überflutet. Ein paar Meter neben uns zischten winzige Schlangen aus weißer Elektrizität über die Felsenoberfläche.
Als ich mich umdrehte und nach Jamie rief, sah ich, wie er sich mir zuwandte und den Mund öffnete, um mir etwas zuzuschreien, doch die Worte gingen im Tosen der Luft ringsum unter.
Gideons Mähne begann, sich wie von Zauberhand zu heben. Jamies Haar schwebte von seinen Schultern in die Höhe, durchzogen von knisternd blauen Drähten. Pferd und Reiter glühten im Licht der Hölle, das jeden Muskel ihrer Gesichter und Gliedmaßen hervortreten ließ. Ich spürte, wie mich ein Luftstrom überlief, und dann stürzte sich Jamie aus dem Sattel auf mich und schleuderte uns beide in die Leere.
Der Blitz schlug ein, bevor wir den Boden erreichten.
Als ich zu mir kam, roch ich verbranntes Fleisch und beißenden Ozongestank. Ich fühlte mich, als sei mein Inneres nach außen gekehrt; all meine Organe schienen freizuliegen.
Es regnete immer noch. Ich blieb eine Zeit lang reglos liegen und ließ mir den Regen über Gesicht und Haare laufen, während die Neuronen meines Nervensystems langsam den Betrieb wieder aufnahmen. Einer meiner Finger zuckte unwillkürlich. Ich versuchte, es mit Absicht zu tun, und hatte Erfolg. Ich krümmte meine Finger – nicht so gut. Ein paar Minuten später funktionierten jedoch bereits so viele Schaltkreise, dass ich mich aufsetzen konnte.
Jamie lag wie eine Stoffpuppe neben mir im Sumach. Ich kroch zu ihm hinüber und sah, dass er die Augen geöffnet hatte. Er blinzelte mir zu, und sein Mundwinkel zuckte im Versuch eines Lächelns.
Ich konnte kein Blut sehen, und seine Arme und Beine waren zwar abgewinkelt, aber nicht verknickt. Der Regen sammelte sich in seinen Augenhöhlen und lief ihm in die Augen. Er kniff die Augen fest zu, dann drehte er den Kopf, um das Wasser ablaufen zu lassen. Ich legte ihm eine Hand auf den Bauch und spürte seine große Bauchschlagader unter meinen Fingern ganz langsam, aber gleichmäßig schlagen.
Ich hatte keine Ahnung, wie lange wir bewusstlos gewesen waren, doch auch dieses Gewitter war jetzt weitergezogen. Hinter den Bergen leuchteten Blitze auf und ließen die scharfen Umrisse der Gipfel erkennen.
»Nichts gegen Donner«, sagte ich und sah ihn verträumt und betäubt an. »Donner ist etwas Beeindruckendes, aber es ist der Blitz, der die Arbeit macht.«
»Bei mir hat er ganze Arbeit gemacht. Geht es dir gut, Sassenach?«
»Bestens«, sagte ich und fühlte mich nach wie vor angenehm abwesend. »Und dir?«
Er sah mich merkwürdig an, schien aber zu dem Schluss zu kommen, dass alles in Ordnung war. Er griff nach einem Sumachbusch und zog sich mühsam hoch.
»Im Augenblick kann ich meine Zehen nicht spüren«, sagte er, »aber der Rest ist unversehrt. Aber die Pferde –« Er blickte auf, und ich sah, wie sich sein Kehlkopf bewegte, als er schluckte.
Die Pferde waren verstummt.
Wir befanden uns etwa sechs Meter unterhalb des Felsvorsprungs zwischen den Fichten. Ich konnte mich zwar bewegen, doch es schien mir nicht gelingen zu wollen, den nötigen Antrieb dazu aufzubringen. Ich blieb sitzen und führte meine Bestandsaufnahme durch, während Jamie sich schüttelte und sich dann auf den Rückweg zum Aussichtspunkt des Menschenjägers machte.
Alles kam mir sehr still vor; ich fragte mich, ob ich durch den Blitzschlag taub geworden war. Mein Fuß war kalt. Ich blickte zu Boden und sah, dass mein linker Schuh verschwunden war – ich hatte zwar keine Ahnung, ob der Blitz ihn weggefegt hatte oder ob ich ihn bei dem Sturz verloren hatte, doch ich konnte ihn nirgendwo sehen. Auch der Strumpf war fort; ich hatte eine kleine Krampfader direkt unter dem Knöchel – eine Hinterlassenschaft meiner zweiten Schwangerschaft. Ich saß da und starrte sie an, als sei sie der Schlüssel zu den Geheimnissen des Universums.
Die Pferde mussten tot sein; das wusste ich. Warum waren wir es nicht? Ich atmete den Gestank verbrannten Fleisches ein, und ein kleiner Schauer stieg tief in meinem Inneren auf. Waren wir nur deshalb noch am Leben, weil wir dazu verurteilt waren, in vier Jahren zu sterben? Würden auch wir in den verbrannten Ruinen unseres Hauses liegen, wenn unsere Stunde kam, Hüllen aus verkohltem, stinkendem Fleisch?
Bis auf die Knochen verbrannt, flüsterte die Stimme meiner Erinnerung. Mit dem Regen liefen mir die Tränen über das Gesicht – um die Pferde, um meine Mutter – nicht um mich selbst. Noch nicht.
Die blauen Venen unter der Oberfläche meiner Haut standen stärker hervor als früher. Sie zeichneten eine Straßenkarte auf meine Handrücken … bildeten Netze und Webmuster in der empfindlichen Haut meiner Kniekehlen; an meinem Schienbein war eine erweiterte Vene zu einer Schlange angeschwollen. Ich presste meinen Finger darauf; sie war weich und verschwand, tauchte jedoch sofort wieder auf, als ich den Finger wegnahm.
Die inneren Mechanismen meines Körpers kamen allmählich ans Tageslicht; meine straffe Haut wurde dünner und machte mich verletzlich, jetzt, wo alles auf der Außenseite war, den Elementen preisgegeben war, was einmal geschützt in der maßgeschneiderten Hülle meines Körpers gelegen hatte. Knochen und Blut drängten an die Oberfläche … ich hatte einen nässenden Kratzer auf der Oberseite meines Fußes.
Jamie war wieder da, bis auf die Haut durchnässt und atemlos vom Klettern. Ich sah, dass er beide Schuhe verloren hatte.