Krieg und Frieden
- Автор: Tolstoi Leo
- Год: 2002
- Язык: немецкий
- Год: Patmos Verlag
- ISBN: 3-491-96054-1
- Переводчик: Marianne Kegel
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
Über die Kolotscha, über Borodino und zu beiden Seiten des Dorfes, besonders aber links, da wo zwischen sumpfigen Ufern die Woina in die Kolotscha einmündet, lag jener Nebel, der sich beim Höhersteigen der hellen Sonne verflüchtigt, auseinanderfließt, durchsichtig wird und alles, was er zudeckt, in zauberhaften Farben und Umrissen erscheinen läßt. Zu diesem Nebel gesellte sich noch der Rauch der Schüsse, und durch beide hindurch blinkte und glitzerte es überall in den grellen Strahlen der Morgensonne: bald auf dem Wasser, bald auf dem Tau und bald auf den Bajonetten der Truppen, die an den Ufern und bei Borodino zusammenströmten. Mitten aus dem Nebel ragte eine weiße Kirche, hie und da das Dach eines Häuschens von Borodino oder eine dichte Masse von Soldaten, grüne Munitionskasten, Kanonen. Und das alles bewegte sich oder schien wenigstens in Bewegung zu sein, weil Nebel und Rauch leicht über die weite Fläche hinstrichen.
Ebenso wie in diesen vom Nebel eingehüllten Niederungen rund um Borodino, so entstanden auch anderswo, weiter oben und namentlich auf der linken Seite in Wäldern, Feldern, Bergen und Tälern auf der ganzen Linie fortwährend wie von selbst und durch nichts erzeugt Rauchwölkchen, die bald vereinzelt, bald gruppenweise, bald seltener, bald schnell hintereinander aufstiegen, größer wurden, sich ausdehnten und zusammenballten, ineinanderflossen und über die ganze weite Fläche hin sichtbar waren.
Diese Rauchwölkchen und der Schall der Schüsse machten – so sonderbar es auch klingen mag – die Hauptschönheit dieses Schauspiels aus.
Puff! Plötzlich tauchte eine runde, dichte, bald lila, bald grau, bald milchigweiß schimmernde Rauchwolke auf, und bum! erklang ein Sekunde später der zu dieser Rauchwolke gehörende Schuß.
Puff! Puff! Zwei Rauchwolken stiegen auf, stießen sich an und flossen zusammen, und bum, bum! bestätigte der Schall das, was das Auge sah.
Pierre sah sich nach der ersten Rauchwolke um, die ein rundes, volles Bällchen gewesen war, aber schon erblickte er an ihrer Stelle einen großen Rauchballen, der zur Seite zog, und puff … und nach einer Pause: puff, puff entstanden noch drei, vier andere Rauchwölkchen, und auf jedes antwortete mit den gleichen Pausen bum … bum, bum! ein schöner, voller, sicherer Schall. Bald schien es, als ob die Rauchwolken dahinglitten, bald, als ob sie still stünden und die Wälder, die Felder und die funkelnden Bajonette an ihnen vorüberzögen.
Auf der linken Seite schossen aus Feldern und Gehölzen ununterbrochen diese großen Rauchwolken auf und fanden ihren feierlichen Widerhall, während weiter vorn in den Niederungen und Wäldern die kleinen Rauchwölkchen der Flintenschüsse aufstiegen, die nicht dazu kamen, sich rund zusammenzuballen, aber ebenso ihren, wenn auch schwächeren Widerhall fanden. Trach-ta-ta-tach knatterten die Gewehre, zwar viele auf einmal, aber unregelmäßig und ärmlich im Vergleich mit dem Donner der Geschütze.
Pierre wäre am liebsten dort gewesen, zwischen den Rauchwolken, den blitzenden Bajonetten, mitten in dieser Bewegung, diesem Getöse. Er sah sich nach Kutusow und dessen Gefolge um, um den Eindruck, den er hatte, mit dem anderer zu vergleichen. Alle schauten so wie er vor sich auf das Schlachtfeld, und ihm schien, als hätten sie dabei auch dieselben Empfindungen wie er. Auf allen Gesichtern leuchtete jetzt jene »latente Wärme« der Vaterlandsliebe auf, die Pierre schon gestern bemerkt und nach seinem Gespräch mit dem Fürsten Andrej ganz und gar begriffen hatte.
»Reite hin, mein Sohn, reite hin, Christus sei mit dir!« sagte Kutusow zu einem General, der neben ihm stand, ohne die Augen vom Schlachtfeld abzuwenden.
Nachdem der General den Befehl vernommen hatte, ging er an Pierre vorüber dem Abhang des Hügels zu.
»Zur Übergangsstelle!« erwiderte der General kalt und streng auf die Frage einer der Herren vom Stab, wohin er reiten wolle.
Da muß ich auch hin, dachte Pierre und ging dem General nach.
Der General bestieg sein Pferd, das ein Kosak ihm vorführte. Pierre trat auf seinen Reitknecht zu, der die Pferde hielt. Nachdem er sich bei ihm erkundigt hatte, welches von beiden das frömmste sei, stieg er auf, hielt sich an der Mähne fest, stemmte die Hacken der auswärts gedrehten Füße gegen den Leib des Tieres und sprengte so, obgleich er fühlte, daß ihm die Brille von der Nase rutschte und er nicht imstande war, eine Hand von den Zügeln freizumachen, hinter dem General her, was bei den Herren vom Stabe, die ihm vom Hügel aus nachschauten, ein Lächeln hervorrief.
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Der General, dem Pierre nachsetzte, ritt den Berg hinunter und wandte sich dann scharf nach links. Pierre aber, der ihn aus den Augen verloren hatte, geriet in eine Infanteriekolonne hinein, die vor ihm her marschierte. Er versuchte bald vorn, bald links, bald rechts herauszukommen, aber überall waren Soldaten, die alle die gleichen ernsten Gesichter hatten und denen man es ansah, daß sie alle mit einer unsichtbaren, aber ernsten Sache beschäftigt waren. Sie alle schauten mit demselben mißbilligend fragenden Blick den dicken Herrn mit dem weißen Hut an, der sie aus unbekannten Gründen mit seinem Pferd beiseitedrängte.
»Was reiten Sie da quer durch unser Bataillon!« schrie ihn einer an.
Ein anderer versetzte dem Pferd mit seinem Kolben einen Schlag, und Pierre, der sich an den Sattelbogen drückte und das sich bäumende Tier kaum bändigen konnte, sprengte vor, aus den Reihen heraus, wo ein freier Raum war.
Vor ihm lag eine Brücke; an dieser Brücke aber standen andere Soldaten und schossen. Pierre ritt auf sie zu. Ohne es zu wissen, gelangte Pierre so zu der Brücke, die zwischen Gorki und Borodino über die Kolotscha führte und im ersten Teil der Schlacht, nachdem die Franzosen Borodino eingenommen hatten, von diesen angegriffen wurde. Pierre sah zwar, daß vor ihm eine Brücke lag und zu beiden Seiten der Brücke auf jener Wiese, wo das Heu in Reihen lag, das er gestern vor lauter Dunst nicht gesehen hatte, Soldaten mit irgend etwas beschäftigt waren, aber er kam trotz des ununterbrochenen Schießens, das von dorther zu ihm drang, gar nicht auf den Gedanken, daß hier das eigentliche Schlachtfeld sei. Er hörte nicht das Sausen der Flintenkugeln, die von allen Seiten vorüberpfiffen, und der Geschosse, die über ihn hinwegflogen, erblickte nicht den Feind, der auf der anderen Seite des Flusses stand, und sah auch lange die Toten und Verwundeten nicht, obgleich manch einer ganz in seiner Nähe fiel. Mit einem Lächeln, das nicht von seinem Gesicht wich, blickte er um sich.
»Was hat denn der da vor der Front herumzureiten?« schrie ihm wieder einer zu.
»Nach links … rechts halten!« rief man ihm nach.
Pierre wandte sich nach rechts und stieß unvermutet mit einem Adjutanten des Generals Rajewskij zusammen, den er kannte. Dieser Adjutant schleuderte Pierre einen wütenden Blick zu und schickte sich offenbar an, ihm ebenfalls etwas zuzuschreien, erkannte ihn aber im letzten Augenblick und nickte ihm zu.
»Wie kommen Sie denn hierher?« fragte er und ritt weiter.
Pierre, der sich nicht recht an seinem Platz und etwas unnütz vorkam, hatte Angst, wieder jemandem im Weg zu sein, und sprengte dem Adjutanten nach.
»Was geht hier vor? Darf ich mit Ihnen reiten?« fragte er.
»Einen Augenblick«, erwiderte der Adjutant, sprengte auf einen dicken Oberst zu, der auf der Wiese stand, meldete ihm irgend etwas und kehrte dann erst zu Pierre zurück.
»Warum haben sie sich denn hierher gewagt, Graf?« fragte er ihn lächelnd. »Aus lauter Neugierde?«
»Ja, ja«, sagte Pierre.