Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
Jan zum Beispiel…
Ich schwankte zur anderen Aufblashütte hinüber und trat zu ihr. „Hast du die Notiz gesehen?“ fragte ich, aber ich brauchte sie nur anzusehen, um mir die Frage selbst beantworten zu können.
Sie nickte. „Ist das nicht furchtbar?“
„Jan, wie konnte das passieren?“
„Es ist eine Gemeinheit, ja, das ist es wirklich!“
„Was ist mit dieser Sache, die Kugel nach Zentralgalaxis zu schicken? Ich dachte, wir hätten uns dagegen entschieden. Und daß ich sie begleiten muß, anstatt… anstatt…“
„Ich habe mit Pilazinool darüber gesprochen“, sagte Jan. „Er meinte, das sei ein Köder für Zentralgalaxis.“
„Da komme ich nicht ganz mit.“
„Zentralgalaxis ist wütend auf uns, weil wir Higby V verlassen, nachdem für die Planung dieser Expedition so viel Mühe aufgewandt wurde.“
„Ich weiß, aber…“
„Die Chefs mußten sie irgendwie beruhigen. Pilazinool sagte, sie hätten alle Verhandlungsmethoden ausprobiert und dann schließlich die Kugel erwähnt. Zentralgalaxis will die Kugel haben. Unsere Unterhändler willigten ein, die Kugel an sie abzuschicken, unter der Bedingung, daß sie uns den Asteroiden suchen lassen.“
„Ach so“, sagte ich. „Politik also. Daran habe ich nicht gedacht. Aber warum ich? Ich habe die Kugel gefunden, oder etwa nicht? Ich habe ein Recht darauf, diese Gruft zu sehen. Ich… ich…“
„Beruhige dich“, murmelte Jan. „Mich brauchst du nicht anzuschreien, verrückter Kerl! Ich bin bereits auf deiner Seite. Du mußt mit Dr. Schein sprechen und ihm deutlich machen, wie unfair dies ist. Vielleicht hat er sich nicht die Mühe gemacht, darüber nachzudenken — vielleicht ist er nur einfach so auf dich gekommen. Geh jetzt zu ihm. Wir werden dir alle den Rücken stärken, Tom. Wir setzen eine Bittschrift auf oder so.“ Sie gab mir einen kleinen Kuß auf die Wange, nichts Leidenschaftliches, eine Art Wir-sind-auf-deiner-Seite-Kuß. Dann drehte sie mich um und schob mich in Richtung Laboratorium.
Steif schritt ich hinüber und spähte hinein. Dr. Horkkk und 408b diskutierten miteinander. Aus irgendeinem Grund wollte ich keine Aliens um Gnade bitten, deshalb fragte ich: „Ist Dr. Schein da?“
„Zur Stadt zurückgefahren“, antwortete Dr. Horkkk scharf. „Worum geht’s?“
„Pilazinool vielleicht…?“
„Begleitet Dr. Schein.“ Noch schärfer diesmal.
„Nun“, sagte ich schwach, „ich wollte nur eine Frage stellen. In Hinsicht auf die drei Personen, die die Kugel nach Zentralgalaxis bringen sollen. Falls es möglich ist, Dr. Horkkk, dann wäre ich gern von diesem Auftrag entbunden. Ich meine, wenn ich nach Zentralgalaxis fliegen muß, dann bedeutet das doch, daß ich fast ein Jahr lang nicht an der Expedition teilnehmen kann, und…“
Dr. Horkkk winkte mit seinen Armen barsch ab. „Besprechen Sie das mit jemand anders!“ schnappte er. „Diese Einteilungsfragen fallen nicht in mein Ressort.“
Abgeblitzt. Verschwinden Sie, Rice, ich habe keine Zeit für Sie.
Dr. Schein und Pilazinool kehrten erst am späten Abend ins Lager zurück, rund eine Stunde vor diesem Diktat. Sie gingen geradewegs ins Laboratorium, und dort halten sie sich immer noch auf. Ich weiß nicht, was dies alles zu bedeuten hat, Lorie. Aber ich lasse mich nicht einfach so abschieben, ohne mich dagegen zu wehren. Ich habe mir einen Platz in dieser Expedition verdient!
16. Oktober
Ich wartete die halbe Nacht darauf, daß Dr. Schein zu unserer Unterkunft kam, aber er zeigte sich nicht, und schließlich schlief ich ein. Während des Frühstücks am nächsten Morgen ging ich zu ihm hinüber und sagte versuchsweise: „Dr. Schein, wenn ich Sie in Hinsicht auf einen bestimmten Aspekt der gestern ausgehängten Notiz stören dürfte…“
„Später, Tom, später. Im Augenblick habe ich nicht die Zeit, Nebensächlichkeiten zu diskutieren.“
Wieder eine Abfuhr. Alle zu beschäftigt für den kleinen, armen Tom. Ich ging zur Fundstelle und trat zu den anderen, die dabei waren, die Grube wieder zuzuschütten. Mirrik versuchte, mich mit paradoxistischen Sprichwörtern zu trösten. „Wer Schmähung und Zurückweisung erleidet“, sagte Mirrik, „lernt die Wurzeln des Meeres zu erfassen.“ Und weiter: „Die Hohen Mächte belohnen uns äußerst liebevoll, indem sie sich nicht um uns kümmern.“ Und außerdem: „Er allein übt Gnade dem gegenüber, dem niemand gnädig ist.“
„Sehr tröstlich, Mirrik.“
„Meditation und Konzentration führen zu Verständnis, mein Freund. Vielleicht erweist sich dieser Kummer als hilfreich für dich.“
„Davon bin ich überzeugt“, gab ich zurück.
Dann kam Jan zu mir: ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch, eine überkritische Masse unmittelbar vor der Explosion. „Weißt du, was ich gerade herausgefunden habe?“ fragte sie mich herausfordernd.
„Natürlich“, sagte ich bitter. „Da ich ein TP bin, macht es mir überhaupt keine Schwierigkeiten, deine Gedanken zu lesen und…“
„Sei still, Tom. Ich habe gerade erfahren, wer die Liste aufgestellt und festgelegt hat, wer nach 1145591 und wer nach Zentralgalaxis fliegt. Es war Leroy Chang.“
„Leroy Chang“, sagte ich. „Das ist eigenartig. Warum hat er sie angefertigt?“
„Dr. Schein hat ihn darum gebeten“, antwortete Jan. „Unsere drei Chefs waren zu beschäftigt. Er hat die Notiz runtergetippt und dann vervielfältigt. Aber begreifst du denn nicht, Tom? Leroy Chang! Leroy Chang!“
„Leroy Chang“, sagte ich noch einmal. „Ja, ich habe dich verstanden.“
„Aber du denkst nicht nach! Die Liste legt fest, daß du nach Zentralgalaxis fliegst und ich nach 1145591… und daß Professor Chang ebenfalls nach 1145591 fliegt! Leroy hat das mit Absicht so arrangiert…“
„Jetzt funktioniert die Übertragung, Jan. Ich habe alles empfangen!“
„Ist das nicht wirklich alles?“
„Wo hält sich Leroy jetzt auf?“
„Im Laboratorium; er packt Inschriftsknoten zusammen.“
Ich sprintete zum Laboratorium. „Das Universum ist ein umkehrbares Wunder, Tom!“ rief Mirrik mir nach. „Paradoxistisches Sprichwort!“
„Danke!“ rief ich zurück.
Seit einigen Wochen nun schon — seit Leroy Jan nachgestellt hatte — gebe ich mir alle Mühe, die Gegenwart Professor Changs zu meiden. Und Leroy hat mich seinerseits ebenfalls nicht angesprochen, aus gutem Grund. In der letzten Zeit ist er eine Art zwielichtige, umherschleichende Gestalt gewesen, hat irgendwo am Rande meines Blickfeldes herumgeschnüffelt und gelegentlich einen verlangenden Blick auf Jan oder Kelly geworfen. Ich hatte eher Mitleid mit ihm, als daß ich ihn haßte: nur ein finsterer Typ von jener Art, der man in heruntergekommenen Sensikinos großer Städte begegnet. Jetzt aber war ich drauf und dran, ihn auseinanderzunehmen.
Ich sah ins Laboratorium hinein und entdeckte ihn im Hintergrund; er war tatsächlich damit beschäftigt, Inschriftsknoten zusammenzupacken. Dr. Schein und Pilazinool waren ebenfalls anwesend, und in ihrer Gegenwart wollte ich keine Szene machen. „Professor Chang“, sagte ich deshalb ganz ruhig. „Könnte ich Sie kurz sprechen?“
„Hat es noch etwas Zeit?“
„Ich fürchte, nein.“
„In Ordnung. Um was geht’s?“
„Wir haben drüben bei der Fundstelle etwas entdeckt, das Sie vielleicht untersuchen sollten. Wir wissen nicht so recht, was wir damit anfangen sollen, und bevor wir alles wieder zuschütten, hielten wir es für besser, wenn Sie es sich einmal ansähen.“
Er fiel darauf herein.
Schweigend gingen wir zur Fundstelle. Aber wir betraten die Grube nicht. Vor einem Hügel aus Ausgrabungsschutt, den wir bisher noch nicht wieder abgetragen hatten, hielt ich an. Es begann zu nieseln. „Bleiben wir hier stehen, Leroy“, sagte ich. „Laß uns ein bißchen plaudern.“