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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Der Arzt des Militärstützpunktes meinte, es sei nur einfach Erschöpfung, und er befahl Ron, eine Woche lang keine TP-Arbeiten durchzuführen. Dann brachte er ihn zu einer mehrtägigen Tiefschlaf-Regeneration fort. Es gab zwei andere verfügbare Telepathen auf Higby V: Marge Hotchkiss, und einen schwermütigen Israeli namens Nachman Ben-Dov. Da das Kommunikationsnetz rund um die Uhr für eintreffende oder hinausgehende Nachrichten in Betrieb gehalten werden mußte, ergab sich daraus ein Problem für die Einteilung des Dienstplans. Da Ron dem Netz eine Zeitlang nicht mehr zur Verfügung stand, mußten Hotchkiss und Ben-Dov zwölf Erdnorm-Stunden am Tag arbeiten, nur um Routineaufträge anzunehmen und weiterzuleiten. Das waren täglich vier Stunden mehr als das festgelegte Maximum für TP-Arbeit, und somit konnten beide absolut keine Zeit für uns erübrigen. Da sie bereits seit jenen drei Tagen, in denen Ron die ganze Zeit über bei uns im Laboratorium Daten übertragen hat, Überstunden gemacht hatten, waren beide nicht sonderlich von einer Erweiterung ihrer Pflichten begeistert. Besonders Marge nicht.

Dr. Schein ließ einige Beziehungen spielen, und es gelang uns, zu einer Abmachung zu kommen. Zunächst einmal kam man überein, daß die TP-Gruppe auf Higby III, wo in der letzten Zeit einige verstreute Landwirtschaftssiedlungen entstanden sind, alle eintreffenden und für Higby V bestimmten Nachrichten entgegennahmen. Über eine ganz gewöhnliche Funkverbindung sollten diese Mitteilungen dann weitergeleitet werden; wir verpflichteten uns, die Extrakosten dafür zu übernehmen. Das befreite das hiesige TP-Personal von rund der Hälfte seiner Belastung. Die Militärs waren willens — widerwillig —, den größten Teil ihrer herausgehenden Nachrichten so lange zurückzuhalten, bis Ron sich erholt hatte, und das war ebenfalls sehr hilfreich. Die beiden anderen Telepathen mußten weiterhin pro Kopf vier Stunden täglich für die Erledigung von Routinearbeiten bereitstehen. Aber dadurch hatte jeder von ihnen täglich vier Stunden für uns Zeit.

Doch wir wollten natürlich nicht, daß es erneut zu Nervenzusammenbrüchen kam. Wir entschieden uns für folgende Arbeitseinteilung: Während Marge schlief, sollte Ben-Dov zum Laboratorium kommen und zwei Zwei-Stunden-Schichten für uns übermitteln. Dann sollte ihn jemand zur Stadt zurückfahren und Marge holen, die ihrerseits heraufkam und zwei Zwei-Stunden-Schichten arbeitete, während Ben-Dov im städtischen Nachrichtenbüro die üblichen Arbeiten erledigte. Dann legte sich Ben-Dov ein wenig aufs Ohr, und Marge kehrte zur Stadt zurück, um ihren vierstündigen Dienst im Büro anzutreten. Damit hatten wir die vier Tagesschichten, die auch Ron für uns tätig gewesen war, und es ließ den beiden Telepathen andererseits noch Spielraum genug, ihre eigentliche Arbeit zu verrichten, ohne sich dabei zu erschöpfen. Doch unsere Übertragungszeiten waren nun verschieden. Ron hatte es vorgezogen, seine tägliche Übertragung in einem einzigen Sechzehn-Stunden-Schub zu erledigen, zwei Stunden Arbeit, zwei Stunden Pause, über die ganzen vier Schichten hinweg, woran sich acht Stunden Erschöpfungsschlaf anschlossen. Aber Marge und Ben-Dov waren nicht auf diese Weise tätig. Ihre Schlafzeiten verschoben sich ständig: Mal waren sie am Abend weggetreten, dann mitten am Tag; mal begannen sie ihre acht Stunden TP-Übertragung (vier Stunden Arbeit, vier Stunden Pause) nach dem Frühstück und leisteten dann weitere acht Stunden (vier Stunden Arbeit, vier Stunden Pause) nach dem Abendessen, mit einem Nickerchen dazwischen. Mit Schlaftabletten ist es natürlich nicht weiter schwierig, die Schlummerzeiten den eigenen Launen entsprechend zu gestalten, und du kennst ja die eigenartigen Lebensgewohnheiten der TP-Sippschaft. Doch unser tägliches Leben im Lager gewann eine neue, sehr seltsame Qualität, da ständig jemand zugegen sein mußte, um dem TP zu Diensten zu sein: ihm einen Imbiß bringen, die Computerausdrücke aufeinander abstimmen und so weiter. Wir versuchten, an der Fundstelle einen normalen Zeitplan für die Ausgrabungsarbeiten einzuhalten — ja, wir graben noch immer, trotz dieses ganzen Wirbels — und dennoch jemanden bereitzustellen, der dem TP das Händchen hält, ganz gleich wie spät es ist.

Pilazinool, der alle vierundzwanzig Stunden nur eine Stunde Schlaf braucht, erfüllte weitaus mehr als nur seinen Anteil an dieser Arbeit. Was bedauerlich war, denn seine Talente wurden woanders dringender gebraucht.

Es gelang uns, den größten Teil der Daten zu übermitteln. Es war keine reine Freude, Marge im Laboratorium zu haben, und es machte noch weitaus weniger Spaß, sie zwischen der Stadt und unserem Lager hin und her zu fahren — ich gab mir alle Mühe, solchen Aufträgen aus dem Weg zu gehen —, aber ich muß ihr auch einen Punkt zugute halten: Sie besitzt eine ausgezeichnete TP-Vitalität. Sie kam her, nahm die Datenblätter, begann mit der Übertragung und erledigte die eintönige Arbeit noch schneller als Ron in seinen besten Zeiten — und ganz offensichtlich auch müheloser. Ich vermute, sie hätte ohne weiteres Überstunden machen können, ohne sich dadurch zu erschöpfen. Aber das kam ihr natürlich nie in den Sinn.

Ben-Dov ist ein eigenartiger Mensch: etwa fünfzig Jahre alt, ergrauendes Haar, dickbäuchig, ein Gesicht, das dauernd rasiert werden müßte. Und er hat überhaupt nicht diesen Eroberer-der-Wüste-Ausdruck, den die meisten Israelis hervorzubringen versuchen. Hinter seinem schlampigen Äußeren aber ist er eisenhart. Wir unterhielten uns ein wenig. Er sagte mir, daß er bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr Israel nie verlassen habe, dafür aber weit im Landesinnern herumgekommen sei. Er ist in Kairo aufgewachsen, hat in Tel-Aviv und Damaskus studiert und auch Amman, Jerusalem, Haifa, Alexandria, Bagdad und die anderen bedeutenden israelischen Städte besucht. Dann verspürte er das Verlangen, auf Reisen zu gehen, und er verpflichtete sich zum TP-Dienst für den Ben-Gurion-Kibbutz auf dem Mars. Wie viele andere Telepathen blieb er auf der Wanderschaft, entfernte sich mit jedem Stellungswechsel immer weiter von der Erde und bevorzugte immer so öde und trostlose Planeten wie Higby V.

Mirrik, der sich sehr für Religionen interessiert — ich glaube, ich habe dir das bereits gesagt —, wurde ganz aufgeregt, als er herausfand, daß Ben-Dov Israeli ist. „Erzählen Sie mir etwas über die ethischen Werte des Judentums!“ dröhnte der gewaltige Dinamonianer ungeduldig. „Ich selbst bin Paradoxist; ich habe viele der irdischen Glaubensbekenntnisse studiert, aber einem richtigen Juden bin ich noch nie begegnet. Die Lehren von Moses über…“

„Es tut mir leid“, sagte Nachman Ben-Dov sanft. „Ich bin kein Jude.“

„Aber Israeli, nicht wahr? Ist das nicht die jüdische Nation der Erde?“

„Es gibt eine ganze Menge Juden in Israel“, sagte Ben-Dov. „Meine Religion aber ist der Authentische Buddhismus. Vielleicht haben Sie von meinem Vater gehört, dem Führer der Israelischen Buddhisten-Gemeinde: Mordecai Ben-Dov?“

Das hatte Mirrik nicht. Aber er wußte bereits einiges über den Authentischen Buddhismus, und seine Stoßzähne sanken enttäuscht herab, als seine Chance verblaßte, etwas über die ethisch-moralisch-philosophischen Strukturen der Lehren von Moses zu erfahren. Das ist das Problem mit der Ausbreitung einer globalen Kommunikation: Stammesgefüge fallen auseinander. Plötzlich hat man Authentische Buddhisten in Israel, Mormonen in Tibet, Reformierte Methodisten-Baptisten am Kongo und so weiter. Ich muß zugeben, daß mich Ben-Dovs Buddhismus dennoch stutzig machte.

Ob Jude oder nicht, er war ein ausgezeichneter TP-Operateur. Er und Marge arbeiteten sich prächtig durch den Berg aus Datenblättern. Als seine Ruhewoche vorbei war, kehrte Ron Santangelo an seine Arbeit zurück — die er sich jetzt mit den beiden anderen teilte —, und die Kopf-zu-Kopf-Übertragung unseres ersten Fotos wurde beendet. Von Luna City kam eine Bestätigung zurück: Sie hatten die Übertragung entschlüsselt und versuchten nun, den dargestellten Raumsektor zu lokalisieren.

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