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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Luna City hat uns mitgeteilt, daß unsere Kugelsequenz vor genau 941285008 Jahren aufgenommen worden ist. Meiner Meinung nach gehört eine gehörige Portion Großspurigkeit dazu, eine solch dogmatische Feststellung zu treffen. Aber das hat ihr Computer nun einmal errechnet, und ich vermute, es stimmt. Das bestätigt einmal mehr unsere eigene Datierung der Erhabenen-Kultur.

GGC 1145591 ist von der Erde aus nicht sichtbar. Auch nicht von irgendwo anders. Vor 941285 008 Jahren war dieser Stern ein Weißer Zwerg, doch in der Zwischenzeit ist er fast ganz ausgebrannt und somit zu einem Schwarzen Zwerg geworden. Keine Wärmeausstrahlung, die der Rede wert wäre, und deshalb auch keine Leuchtkraft; eine sterbende Sonne, unsichtbar. Sie wurde vor rund vierzig Jahren von einem Scoutschiff des Dunkelstern-Forschungsprojekts entdeckt. Wenn es nicht zu diesem Glücksfall gekommen wäre, hätte sie niemand für uns ausfindig machen können, denn sie kann weder mit optischen Teleskopen noch mit Radio- oder Röntgenastronomie ausfindig gemacht werden.

Wir erhöhten unsere TP-Rechnung noch ein wenig, indem wir Zentralgalaxis von unserem Vorhaben informierten. Dr. Schein fühlte sich moralisch dazu verpflichtet, sie davon in Kenntnis zu setzen, daß wir die Arbeiten auf Higby V abbrachen. O Mann! Was für ein Aufruhr! Ich habe Dr. Schein zur Stadt gefahren, damit er die Nachricht dort weitergeben konnte. Ich war nicht bei ihm, als er die Mitteilung Nachman Ben-Dov gab, der sie an Zentralgalaxis übertragen sollte, aber als er aus dem TP- Büro zurückkam, war sein Gesicht finster und angespannt.

„Sie sind fast geplatzt vor Wut“, erzählte er mir. „Der TP meint, sie hätten praktisch Gammastrahlen verspritzt. Wie wir uns erdreisten könnten, einfach von Higby V abzuhauen! Was für Archäologen wir eigentlich wären! Ob wir verrückt geworden seien, auf Asteroidenjagd zu gehen!“ Ich hatte Dr. Schein noch nie so aufgebracht gesehen. „Zentralgalaxis verwendete den Ausdruck Pflichtvergessenheit. Ich glaube, sie nannten uns auch laienhaft. Sie können nicht begreifen, warum wir nicht die vollen zwei Jahre lang hier weitergraben wollen.“

„Haben Sie ihnen von den TP-Kosten berichtet?“ fragte ich.

„So weit bin ich gar nicht gekommen“, seufzte Dr. Schein.

Er fiel in ein düsteres Schweigen, als wir zum Lager zurückfuhren. Auf halbem Wege fragte ich: „Was sollen wir jetzt machen?“

„Wir fliegen nach GGC 1145591 und suchen die Asteroidengruft.“

„Trotz Zentralgalaxis?“

„Trotz Zentralgalaxis“, antwortete Dr. Schein. „Es gibt jetzt kein Zurück mehr für uns.“

Seine Stimme klang entschlossen.

Während der nächsten paar Tage waren Dr. Schein, Dr. Horkkk und Pilazinool mit fast permanent tagenden Konferenzen ausgelastet, und Dr. Schein unternahm einige weitere Ausflüge zur Stadt, um via TP mit Zentralgalaxis zu diskutieren. Zu uns Handlangern sickerten praktisch keine Informationen über diese Vorgänge durch. Manchmal ließ Dr. Schein seinem Chauffeur gegenüber ein paar Worte fallen, manchmal nicht. In der Zwischenzeit gruben wir tiefer, datierten, sahen uns die Kugelprojektionen an und führten auch all die anderen Arbeiten wie gewöhnlich weiter. Dies war die Mischung aus Tatsachen und Gerüchten, die wir zusammensetzten:

— Pilazinool ist ganz entschieden dafür, nach 1145591 zu fliegen, ungeachtet aller möglichen Konsequenzen.

— Dr. Horkkk furchtet nach reiflicher Überlegung um seine berufliche Reputation und würde es nun vorziehen, so lange auf Higby V zu bleiben, wie es unsere Finanzen zulassen.

— Dr. Schein schwankt zwischen diesen beiden Positionen, ist im allgemeinen aber der Auffassung, wir hätten unserem Ruf bereits irreparablen Schaden zugefügt und könnten die Reise deshalb ebensogut unternehmen.

Und weiter:

— Alle unsere Zuschüsse sind gestrichen, und wir werden zu einer ordentlichen Abreibung nach Zentralgalaxis zurückbeordert. (Dies ist von Dr. Schein dementiert worden.)

Zentralgalaxis besteht darauf, daß wir unsere Ausgrabungen hier fortsetzen, schickt aber eine separate Expedition nach 1145591. (Das macht noch immer die Runde, unbestätigt.)

— Wir sind von unserer finanziellen Unterstützung abgeschnitten, aber Dr. Schein versucht, private Gelder für eine sofortige Expedition nach 1145591 aufzutreiben. (Am gleichen Tag von Dr. Horkkk bestätigt und von Dr. Schein dementiert. Wer von beiden lügt?)

Das einzige, was wir sicher wissen — und dessen wir uns dennoch nicht sicher sind —, ist das, was ich zu Beginn dieses Hörbriefes gesagt habe: Nächste Woche brechen wir von hier aus nach 1145591 auf. Im Laboratorium ist eine offizielle Anordnung mit diesem Inhalt ausgehängt worden. Wir sollen die Ausgrabungsarbeiten morgen beenden, die Fundstelle wieder zuschütten und unsere Sachen packen.

Es ist alles ein einziges Durcheinander.

Einen Tag später: Das Durcheinander hat sich zu einer Katastrophe ausgewachsen. Zumindest für dein liebes Brüderchen.

Nach dem Frühstück sind alle drei Chefs zur Stadt gefahren und haben den ganzen Morgen damit verbracht, via TP mit Zentralgalaxis zu sprechen. Wir anderen begannen in halbherziger und ungewisser Art und Weise damit, die Einstellung aller Arbeiten vorzubereiten. Die meisten von uns rechneten damit, daß man uns einige Stunden später sagte, wir flögen nirgendwohin und sollten die Fundstelle besser wieder ausheben, und aus diesem Grund verwendeten wir nicht viel Mühe auf die Stillegung.

Kurz nach Mittag kehrten unsere Chefs zurück. Zum erstenmal seit Beginn der Krise machten sie einen einigermaßen ruhigen und zufriedenen Eindruck. Dr. Schein lächelte sogar. Als sie aus dem Renner stiegen, sagte Dr. Horkkk: „Es ist alles klar. Wir haben die Genehmigung von Zentralgalaxis, und wir werden planmäßig nach GGC 1145591 abreisen.“

Sie verschwanden im Laboratorium. Und kurz darauf ließen sie Saul Shahmoon und Leroy Chang zu einer Besprechung zu sich kommen. Es herrschte Verschwiegenheit.

Als es Zeit zum Abendessen war, wurde folgende Mitteilung in unseren Unterkünften ausgehängt:

AN DIE MITGLIEDER DER EXPEDITION!

Wir haben mit Zentralgalaxis die Übereinkunft getroffen, die Arbeiten auf Higby V einzustellen und unsere Aufmerksamkeit unmittelbar darauf dem Sonnensystem des Schwarzen Zwergs GGC1145591 zuzuwenden. Ein Ultraraumkreuzer im Linienverkehr wird uns hier am 21. Oktober aufnehmen. Folgende Mitglieder der Expedition werden dann nach GGC 1145591 abfliegen:

Dr. Schein

Pilazinool

408b

Professor Chang

Kelly Wachmann

Mirrik

Jan Mortenson

Steen Steen

Folgende Mitglieder der Expedition werden auf Higby V bleiben, gehen am 27. Oktober an Bord eines zweiten Ultraraumkreuzers und fliegen nach Zentralgalaxis, wo sie die Kugel und andere Artefakte übergeben und über unsere bisherigen Funde berichten sollen:

Dr. Horkkk

Professor Shahmoon

Tom Rice

Wir geben unserer Hoffnung Ausdruck, daß diese Personen zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit der Expedition zusammentreffen.

Ich las die Notiz sechsmal, und ich konnte es immer noch nicht fassen. Wie konnten sie mir das antun? Mich nach Zentralgalaxis zurückschicken? Mich von der Expedition trennen, wenn es am aufregendsten war? Ist das fair? Ich bin derjenige, der die Kugel fand. Ich bin derjenige, der den Weg aufzeigte, wie man den gesuchten Asterioden finden kann. Und jetzt… nach Zentralgalaxis davongejagt, während die anderen dem Unbekannten entgegentreten…

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