Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
Zu diesem Zeitpunkt etwa versuchte ich, etwas Zweifelhaftes und Anrüchiges in die Wege zu leiten.
Nachdem er seine Tagesschicht beendet hatte, nahm ich Ben-Dov beiseite und sagte: „Ergab sich während der Übermittlung der Daten ein Anlaß, mit einem auf der Erde als Relaisstation arbeitenden Mädchen namens Lorie Rice Kontakt aufzunehmen?“
„Nein“, gab er zurück. „Wir haben nicht ein Bit über die Erde durchgegeben.“
„Kennen Sie sie? Es ist meine Schwester.“
Er dachte einen Augenblick nach. „Nein, ich glaube nicht. Wissen Sie, der Weltraum ist ziemlich groß, und es gibt eine ganze Menge Mitglieder des Kommunikationsnetzes…“
„Nun, Sie könnten etwas durch sie übertragen, nicht wahr? Indem Sie die anderen Relaisstationen eine Pause machen lassen. Und wenn Sie das tun, dann könnten Sie vielleicht einen oder zwei Extragedanken erübrigen, nur um ihr ein Hallo von Tom zu bestellen und ihr zu sagen, daß es ihm gutgeht und er sie ziemlich vermißt…“
So wie Nachman Ben Dov mich ansah, hätte man glauben können, ich hätte gerade vorgeschlagen, Israel solle Ägypten, Syrien und den Irak an die Araber zurückgeben.
„Völlig ausgeschlossen. Die grundlegende Regel des TP-Dienstes lautet: Keine Schwarz-Übertragungen. Ich würde dadurch meinen Eid brechen. Und ich könnte darüber hinaus in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Es gibt Mithör-Kontrolleure, wissen Sie.“
Ich vergaß den Einfall schnell wieder. Ich kann Ben-Dov für seine Ablehnung keinen Vorwurf machen: Er hatte recht und ich unrecht. Aber es wäre nett gewesen, wenn ich dir eine kurze Nachricht hätte senden können. Ich versuche mir vorzustellen, daß dich diese Hörbriefe eines Tages wirklich erreichen, aber wenn ich mir den ganzen Stapel Nachrichtenwürfel ansehe, die ich bisher für dich besprochen habe, dann kommen mir Zweifel. Seit Juni hast du nichts von mir oder über mich gehört, und ich wünschte, ich könnte es mir leisten, dich anzurufen und dir zu sagen, was ich hier mache.
Nun, wie dem auch sei: Letzten Dienstag waren unsere TPs mit der Übertragung der Daten der ersten Fotografie fertig. Unmittelbar darauf begannen sie mit der Übermittlung der stellaren Nahaufnahme. Damit sind sie noch immer beschäftigt.
In der Zwischenzeit haben wir unsere Ausgrabungen fortgesetzt, doch unsere Funde sind ganz gewöhnlich und somit langweilig. Normalerweise — wenn wir die Kugel nicht hätten — wären wir über die Fülle der Erhabenen-Artefakte entzückt gewesen, die wir bis heute aus dem Hügel herausgeholt haben. Aber jetzt sind wir alle, selbst unsere drei Chefs, wie besessen von dem bohrenden Verlangen, spektakuläre Entdeckungen sofort zu machen, anstatt die Scherben-und-Krümel-Routine der gewöhnlichen Archäologie weiterzuverfolgen. Gute Wissenschaft kennt keine Ungeduld, ich weiß, aber wir brennen darauf, uns auf die Suche nach dem Roboter in der Felsgruft zu machen und den Rest dieser einstmals vielversprechenden Fundstelle unwichtigeren Plackerern zu überlassen.
Und gestern erhielten wir die Bestätigung dafür, daß unsere Erwartung, spektakuläre Entdeckungen zu machen, nicht zu hochgegriffen waren. Gestern war nämlich der letzte Tag des Monats, und das TP-Netz legte uns seine Rechnung vor.
Niemand hatte viel über die Kosten all der harten TP-Arbeit verlauten lassen. Es war nur wichtig gewesen, die Daten zu übertragen — über so schmutzige Dinge wie Geld konnte man irgendwann später reden. Nun, dieses Später hatte uns eingeholt. Ich weiß nicht einmal, wie hoch die Rechnung wirklich war. Aber das kann man sich auch so vorstellen: Über etwa fünfzehn Tage hinweg und für acht Übertragungsstunden täglich beschäftigten wir eine ganze TP-Gruppe mit einer permanenten Kopf-zu-Kopf-Verbindung zur Erde.
Es ist schlicht und einfach so, daß wir das ganze für das zweite Jahr vorgesehene Budget für die zweiwöchige TP-Kommunikation ausgegeben haben.
Wie es mit den Finanzen einer Expedition in der Regel der Fall ist, so hat auch diese einen ziemlich großen Daumen. Die Einzelheiten kenne ich nicht, aber wir erhalten Zuschüsse von einem halben Dutzend Universitäten, von einigen privaten Stiftungen und den Regierungen von sechs Planeten. Das ganze Geld war dafür vorgesehen, den Flug nach Higby V und zurück möglich zu machen, (bescheidene) Gehälter an das Expeditionspersonal auszuzahlen und die Kosten der Ausgrabungsarbeiten selbst und die der Veröffentlichung unserer Resultate abzudecken. All die Gelder zusammen sollten es uns ermöglichen, die Fundstelle zwei Jahre lang zu untersuchen. Rücklagen für die Begleichung horrender TP-Rechnungen waren nicht gebildet worden.
Deshalb waren wir nun in Schwierigkeiten.
Gestern abend kam Dr. Schein spät zur mir und fragte: „Tom, sind Sie sicher, daß Sie keine latenten TP-Gaben besitzen?“
„Ganz sicher, Sir.“
„Mit einer Zwillingsschwester als Operateurin?“
„Ich bin durch und durch getestet worden“, erklärte ich. „Ich besitze nicht einmal die Spur einer TP-Veranlagung. Meine Schwester hat das Familienmonopol.“
„Sehr bedauerlich. Wenn wir einen eigenen TP hätten und nicht die offiziellen Wucherpreise zahlen müßten…“ Kopfschüttelnd ging er wieder fort. Eine halbe Stunde später trat auch Dr. Horkkk an mich heran und befragte mich über meine möglichen TP-Fähigkeiten. Versuchen Sie es, flehte er mich an. Versuchen Sie, Kontakt zu einem TP aufzunehmen. Ich war geneigt, ihm zu sagen, daß ich genausogut hätte versuchen können zu fliegen. Manchmal reicht ein Versuch allein nicht aus.
Und außerdem: Glaubten sie wirklich, ein unabhängiger Telepath könnte sich über die Gemeinnützigkeitsgesetze hinwegsetzen und das Kommunikationsnetz benutzen, ohne dafür zu bezahlen?
Heute morgen stellte sich unsere Situation wie folgt dar: Wir müssen den Asteroiden finden, denn wir haben ganz einfach nicht genug Geld, die Arbeiten hier auf Higby V über die geplanten zwei Jahre weiterzuführen. Da wir jetzt alles verpulvert haben, müssen wir innerhalb relativ kurzer Zeit mit außergewöhnlichen Resultaten aufwarten. Der erste Happen einer ermutigenden Nachricht kam gestern abend von Luna City. Sie haben die Computersimulation angefertigt und den Raumsektor tatsächlich lokalisiert, der auf unserem Foto dargestellt ist. Sie haben Rigel, Prokyon, Aldebaran, Arkturus und einige andere uns bekannte Sterne identifiziert.
Das ist nicht gerade der große Durchbruch für uns. Das Foto zeigt einen Raumkubus mit einem Volumen von einigen tausend Kubiklichtjahren, und darin einen einzelnen Weißen Zwerg (der möglicherweise ausgebrannt ist) und einen einzelnen Asteroiden zu finden, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen. Doch Luna City hat uns damit zumindest bestätigt, daß die Roboter-und-Gruft-Sequenz in unserer Galaxis aufgenommen worden ist, und das muntert uns ein bißchen auf. Wenn es ihnen mit Hilfe der Nahaufnahme tatsächlich gelingt, das betreffende Sonnensystem zu finden, dann können wir es schaffen.
Wir müssen es.
9
14. Oktober 2375
Higby V
Nächste Woche brechen wir von hier aus zu einem Stern mit der Bezeichnung GGC 1145591 auf. Dort befindet sich unser Asteroid. Und mit etwas Glück befindet sich dort auch der Roboter der Erhabenen.
GGC 1145591 hat keinen richtigen Namen, nur eine Katalognummer. Dieser Stern ist zweiundsiebzig Lichtjahre von der Erde entfernt, und die Sonne, die ihm am nächsten ist und deren Namen du vielleicht kennst, heißt Aldebaran — und ist unserem Ziel eigentlich ganz und gar nicht nahe. Vor einer Milliarde Jahren jedoch waren Aldebaran und GGC 1145591 stellare Nachbarn, und das war einer der Hinweise, die es Luna City ermöglichten, unseren Stern ausfindig zu machen. Es erstaunt mich, daß die Astronomen, die eine Milliarde Jahre alte Position einer Sonne errechnen können, obwohl sie dazu nur die Daten der während der letzten vier- oder fünfhundert Jahre aufgezeichneten Beobachtungen zur Verfügung haben. Doch sie sind sich ziemlich sicher, den richtigen Stern gefunden zu haben. Es ist so, als nähmen sie eine Filmaufnahme des heutigen Sternhimmels und ließen sie so lange zurücklaufen, bis sie mit dem eine Milliarde Jahre alten Bild übereinstimmt, das uns die Erhabenen hinterlassen haben.