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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Es dauerte gut eine Woche, all diese Arbeiten auszuführen, bei denen uns Dr. Horkkks kleiner Computer unterstützte. Wir mußten ihn dazu völlig neu programmieren. (Dr. Horkkk ist jetzt damit beschäftigt, das ursprüngliche Programm für linguistische Analyse neu zu entwickeln, und er flucht dabei hingebungsvoll in Thhhianisch und vielen anderen Sprachen.) Jetzt verfügten wir über die erste astronomische Aufnahme, die in eine zur TP-Übertragung geeignete Form gebracht worden war.

Armer Ron.

Für die Übermittlung verkroch er sich in einer stillen Ecke des Laboratoriums. Er kennzeichnete jedes Foto und ordnete ihm so seinen Platz im umfassenden Bild zu, so daß die Montage am anderen Ende wieder zusammengesetzt werden konnte. Dann teilte er jedes einzelne Bild in eine Reihe von zehn Quadratzentimeter große Gitter auf. Und dann begann er damit, den Informationsgehalt jedes Gitters an die anderen Mitglieder des TP-Verbindungsnetzes zu übertragen.

Ich habe mir nie viel Gedanken darüber gemacht, wie man Bilder mittels Telepathie überträgt. In meiner naiven und einfältigen Art nahm ich an, daß Ron irgendwie Beschreibungen jedes einzelnen Abschnitts eines Fotos weitergab (weißt du, so etwa: „Hier oben, zwei Komma acht fünf Zentimeter von der oberen linken Ecke entfernt, haben wir einen null Komma neun Millimeter großen Stern, der auf der rechten Seite ein wenig verschwommen ist…“). Aber das hätte natürlich nie funktioniert. Bestenfalls hätte das eine vage Annäherung an die ursprünglichen Fotos ergeben. Und auf vagen Annäherungen basierende Computerberechnungen tendieren dazu, noch weitaus vagere Annäherungen zu ergeben. Wie man in der Datenverarbeitungs-Branche sagt: Kommt Mist rein, kommt Mist raus.

Jan hatte eine weitaus phantasievollere Idee, wie Ron das bewerkstelligte. „Ich glaube“, sagte sie, „er blickt jeden kleinen Abschnitt des Gitters genau an, bis er sich ihn fest eingeprägt hat. Dann überträgt er das vollständige Bild an den nächsten TP in der Verbindungskette. Und so geht es weiter und immer weiter, bis das Bild schließlich Luna City erreicht, in allen ursprünglichen Details.“

Das war natürlich weitaus besser, als zu versuchen, das Bild in Worte und Maße zu formen und diese Dinge zu diktieren. Aber Jans Vorstellung haftete ein kleiner Makel an, und Steen Steen entdeckte ihn.

„Wie“, fragte er/sie gemein, „verwandelt der letzte TP in der Kette das übertragene gedankliche Bild in eine Fotografie zurück?“

Jan dachte, es gäbe vielleicht eine Art Gerät, in die der TP das Bild hätte hineindenken können und das es auf maschinelle Weise in ein Foto umformte. Saul Shahmoon hörte das zufällig und klatschte in die Hände. „Eine von Gedanken in Tätigkeit gesetzte Kamera! Herrlich! Einfach herrlich! Wann wird sie erfunden?“

„Dann gibt es so ein Ding also nicht?“ fragte Jan.

„Leider nein“, entgegnete Saul.

Es stellte sich heraus, daß Ron Santangelo die Details dieser Bilder auf die einfachste Art und Weise übermittelte. Er benutzte dazu eine Methode, die vor mehr als dreihundert Jahren erfunden worden war, damit die primitiven Weltraumsatelliten und Sonden Fotografien vom Mond und den anderen Planeten zur Erde übertragen konnten. Wir waren ganz verlegen über unsere Unwissenheit, als wir das herausfanden. Wie du wahrscheinlich weißt, war nur folgendes dazu notwendig: Jedes kleine Foto wurde vor einem optischen Abtaster angebracht, der die entsprechende Verteilung von Schwarz und Weiß in Datenbits verwandelte. Ron nahm dann die Ausdrucke zur Hand und gab sie ins TP-Netz ein. Er übermittelte keine Bilder und auch keine verbalen Beschreibungen. Er übertrug solche Dinge wie:

0000000000000010000000000000 0000000000000110000000000000 0000000000000111000000000000 0000000000000111000000000000 0000000000001111000000000000 0000000000001111000000000000

Und so weiter und so weiter und so weiter, Tausende von Bits für jedes Foto.

Der Computer am anderen Ende der Übertragungskette konnte diese Kombinationen aus Einsen und Nullen ohne die geringste Schwierigkeit in ein nach Hell und Dunkel abgestimmtes Bild verwandeln. Dann erst wurde eine Methode benutzt, die Jans Vermutung nahekam. Dann würde unser TP tatsächlich das ganze mentale Abbild der Fotografie auf einmal an einen speziell geschulten TP im Luna City Observatorium senden, der dieses Bild daraufhin mit der Computerkopie verglich und sorgfältig alle notwendigen Korrekturen ausführte. Schließlich mußte das ganze Durcheinander dann zu einem Duplikat des ursprünglichen dreidimensionalen Fotos zusammengesetzt und an die Astronomen weitergegeben werden, die daraufhin endlich mit der Arbeit beginnen konnten.

Was für ein Riesenumstand!

Noch treffender: Was für ein Riesenaufwand!

Ron sah ein wenig verdrießlich aus, als er seine Aufgabe in Angriff nahm, aber wir anderen, die wir keine Ahnung vom gewaltigen Umfang der Arbeit hatten, waren in bester Stimmung. Wir schlenderten zwischen dem Abtaster und Ron hin und her, reichten ihm die graufarbenen Ausdruckseiten mit ihren endlosen Reihen von Einsen und Nullen, und er saß nur da, speiste die Daten ins TP-Netz ein und sah immer blasser und bleicher und melancholischer aus. Jan und Saul waren inzwischen bereits damit beschäftigt, einen zweidimensionalen Abzug des zweiten Fotos herzustellen, das wir übertragen wollten, der Nahaufnahme des Weißen Zwergs und seiner stellaren Nachbarn.

Bis zum dritten Tag hielt Ron der Belastung stand.

Wir Nicht-Telepathen reden viel über die wunderbare Herrlichkeit, mit dem Verstand die ganze Galaxis durchstreifen zu können. Dabei übersehen wir vermutlich den unermeßlichen Streß dabei. Und die Tatsache, daß Plackerei Plackerei bleibt, mit oder ohne TP.

Ron übermittelte. Er arbeitete wie besessen, zwei Stunden Dienst, zwei Stunden Pause, vier Schichten am Tag; und während der restlichen Zeit wartete er ganz ungeduldig darauf, weitermachen zu können. Gott allein weiß, warum. Er identifizierte sich nun genauso mit dem Projekt wie wir, obwohl es für ihn nicht sehr aufregend gewesen sein kann, still in einer Ecke zu sitzen und acht Stunden am Tag Dinge wie 0000011100000 zu übertragen.

Der Streß begann sich auf ihn auszuwirken. Er schwitzte stark, und seine Tätowierungsnarben traten auf seltsame Weise noch deutlicher hervor und glühten auf seinen eingefallenen Wangen. Warum sich ein so ruhiger und zurückhaltender Bursche wie. er unter die Nadeln eines virangonianischen Tätowierers begeben hat, ist mir ein Rätsel. Darüber hinaus waren die Tätowierungen ziemlich obszön — der virangonianischen Vorstellung von Obszönität entsprechend. Das hat Mirrik jedenfalls gesagt. Irgendwann würde ich gern einmal herausfinden, warum Virangonianer Münder für so obszön halten, denn das ist es, was Ron auf seinen Wangen hat: zwei große, die Zähne zeigende Münder.

Wir konnten zusehen, wie seine Erschöpfung Stunde um Stunde zunahm, und wir versuchten, nett zu ihm zu sein und ihm dabei zu helfen, sich zu entspannen. Mirrik erzählte Geschichten; Steen Steen führte ein ziemlich schwieriges Kunststück vor; Jan ging mit ihm spazieren und kam ein wenig erhitzt und zerknittert wieder zurück. Ich war nicht sehr glücklich darüber, aber ich sagte mir, es sei nichts weiter als ein Opfer-für-die-große-Sache. Am zweiten Tag übertrug Ron die Daten mit nur noch zwei Drittel der Geschwindigkeit, mit der er begonnen hatte, und am nächsten Tag war er noch langsamer. Und er hatte noch nicht einmal die Hälfte der Arbeit geschafft. Während der vierten Schicht am dritten Tag hielt er plötzlich inne, sah sich im Laboratorium um, zwinkerte und fragte: „Wie spät ist es? Weiß irgend jemand, wie spät es ist? Meine Uhr will es mir nicht sagen. Ich habe sie gefragt, aber sie will es mir einfach nicht sagen.“

Dann erhob er sich. Und als hätten sich alle Knochen seines Körpers von einem Augenblick zum anderen aufgelöst, sackte er in sich zusammen und stürzte zu Boden.

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