Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
Wir haben den Laden auf Higby V ganz planmäßig dichtgemacht und die Fundstelle verschlossen zurückgelassen, so daß die nächsten Archäologen, die sich damit befassen — hoffentlich handelt es sich bei ihnen um eine weniger launische Gruppe, als die wir uns erwiesen haben —, alles intakt vorfinden. Der Kreuzer kam am fünfundzwanzigsten an und nahm uns auf. Zentralgalaxis ist von uns nicht davon unterrichtet worden, daß wir die Kugel mitgenommen haben. Dadurch sind wir zu so etwas wie Renegaten geworden, aber es wird noch Monate dauern, bis die Bürokraten zu Hause dahinterkommen, und bis dahin können wir vielleicht mit einem neuen, prächtigen Fund aufwarten, um sie zu beruhigen. Mirrik hat es nach seinem besoffenen Tanz durch das Laboratorium am eigenen Leib erfahren: Jeder Sünder kann Erlösung finden, wenn die Rendite seiner Sünde nur spektakulär genug ist.
Bei unserem Raumschiff handelt es sich um einen gewöhnlichen Interstellar-Kreuzer, der auf einer Route durch den oberen Quadranten verkehrt, zwischen Rigel und Aldebaran. GGC 1145591 liegt ein bißchen abseits dieser Strecke, aber nicht allzu viel, und einen dortigen Zwischenstop zu arrangieren, war nicht weiter schwierig. Es kostete nur Geld. Altes irdisches Sprichwort: Geld regiert die Welt. Am Ziel wird uns eine gemietete Planetenfähre zur Verfügung stehen, so daß wir das Planetensystem von GGC 1145591 nach unserem Asteroiden durchsuchen können. Sie ist bereits von Aldebaran aus auf dem Weg, um uns dort zu erwarten. Auch das kostete Geld. Dr. Schein hat unser Daumenkonto bereits vor langer Zeit überzogen, aber er ist sehr geschickt in Verhandlungen mit Computern und hat uns einen Kredit besorgt. Diese neue finanzielle Decke wird uns so lange wärmen, bis uns Zentralgalaxis auf die Schliche kommt. Das Allmächtige Proton möge uns beschützen, wenn wir auf dieser Expedition Pech haben — wenn wir eine Niete ziehen, dann werden wir bei unserer Rückkehr, um einen alten, aber treffenden Ausdruck zu benutzen, in einen ziemlich sauren Apfel beißen müssen.
Unsere Unterkünfte hier sind so gemütlich und komfortabel wie an Bord des Schiffes, das uns nach Higby V brachte. Geräumige Kabinen, eine gut ausgestattete Bibliothek, Unterhaltungsmöglichkeiten, ordentliches Essen. Die Besatzung bleibt unter sich, wir bleiben unter uns. Während einer Reise im Ultraraum verschiebt sich das Zeitgefühl auf sonderbare Weise: Manchmal stelle ich fest, daß ich über einen Zeitraum, der etwa zwei oder drei Tage umfassen mag, ohne Schlaf ausgekommen bin, und dann wiederum schlafe ich mehrere Tage — glaube ich jedenfalls.
Alle sind ganz außer sich, besonders aber Dr. Schein und Dr. Horkkk. Sie wandern dauernd umher, davon überrascht, daß sie jemals den Mut aufgebracht haben, Higby V zu verlassen und sich auf diese Suche zu begeben. Weißt du, Dr. Horkkk ist kaum der Typ des entzückten, romantischen, schwärmerischen Abenteurers, und soweit ich seinen Gesichtsausdruck zu interpretieren vermag, scheint er zu denken: „Das kann ich doch nicht sein!“ Dr. Schein macht einen ebenso verwirrten Eindruck. Pilazinool andererseits ist vollkommen selbstsicher, schraubt nur noch selten seine Glieder ab und glaubt offenbar, wir seien vom Schicksal Auserwählte. Nun, das wird sich noch herausstellen.
Bisher bestand meine hauptsächliche soziale Leistung auf dieser Reise darin, Jan wieder zu ihrer Fixierung auf Saul zu verhelfen.
Ich weiß nicht genau, wie ich das zustande gebracht habe. Ich hatte geglaubt, Jan und ich sendeten und empfingen auf der gleichen Wellenlänge.
Ich will damit nicht sagen, daß sich irgend etwas sehr Leidenschaftliches zwischen uns abgespielt hätte oder daß wir sogar kurz davor standen, den Status einer zeitlich begrenzten Ehe zu beantragen oder etwas ähnlich Absurdes. Unsere Beziehungen sind erstaunlich keusch gewesen. Wir haben uns ein bißchen eingehender mit den Aspekten körperlicher Annäherung befaßt, ja, aber es ist nichts zwischen uns geschehen, was man uns selbst in einer völlig puritanischen Ära hätte ankreiden können. Vielleicht war es dumm und einfältig von mir, mich so zurückhaltend verhalten zu haben. Wir sind erwachsen. Gerade was diesen Punkt betrifft.
Trotz aller Keuschheit schienen Jan und ich eine Art Team gebildet zu haben, und ich glaube kaum, daß irgend jemand etwas dagegen einzuwenden hatte — Leroy Chang ausgenommen. Als jüngsten und attraktivsten Vertreter der Erde in dieser Expedition wurde Jan und mir von den anderen eine Art von väterlicher Billigung zuteil. Sie strahlten uns reichlich an, jedoch komme mir dabei immer herabgesetzt vor.
In der letzten Zeit strahlen sie uns nicht mehr an, denn Jan verbringt ihre Zeit wieder mit Saul. Wenn ich sie sehe, gefriert mein Innerstes, direkt bis zum absoluten Nullpunkt herunter.
Ich weiß nicht, was ich gemacht oder gesagt oder nicht gemacht und nicht gesagt habe, auf daß sie mir gegenüber so abgekühlt ist. Vielleicht fing ich an, sie zu langweilen. Manchmal kann ich schrecklich unschuldig und blauäugig sein — mein schlimmster Fehler, da stimmst du mir sicher zu.
Vielleicht hat sie plötzlich ein gewaltiges Interesse an der Philatelie entwickelt.
Vielleicht hat sie überhaupt nie ein Auge auf mich gehabt, sondern mich nur benutzt, um Saul ein bißchen eifersüchtig zu machen.
Wer weiß das schon? Ich nicht. Ich habe keine blasse Ahnung.
Das geht nun schon zehn oder zwölf Tage so. Ich will nicht um den heißen Brei herumreden: Ich bin wie vor den Kopf geschlagen. Ich habe absolut kein Recht dazu, Jan gegenüber irgendwelche Besitzansprüche zu stellen — wenn man bedenkt, daß alles, was sich zwischen uns abgespielt hat, nur eine Art romantisiertes Händchenhalten war. Mehr oder weniger jedenfalls. Aber es gefällt mir ganz und gar nicht, wenn ich sie für zwei oder drei Stunden in Sauls Kabine verschwinden sehe. Und daß die Tür auch noch verriegelt ist.
Eine Vorstellung allein kann manchmal eine schreckliche Belastung sein.
Ein angenehmer Nebeneffekt dieses Aspekts der bisherigen Reise besteht darin, daß ich eine Chance erhielt, Kelly Wachmann besser kennenzulernen. Wie du weißt, machen mich Androiden nicht sonderlich an, und bis vor ein paar Wochen habe ich kaum mit ihr gesprochen. Abgesehen von Fachsimpeleien während der Ausgrabung und Dingen wie „Scheußliches Wetter heute, nicht wahr?“ und „Reich mir doch bitte mal das Salz“ und „Kannst du mir sagen, wie spät es ist?“.
Ich glaube sogar, ich habe niemals zuvor mit einem Androiden wirklich gesprochen. Ich kannte einige, die mit mir zusammen das College besuchten, aber sie hingen dauernd zusammen und machten sich nicht die Mühe, sich um die Gesellschaft von richtigen Menschen aus Fleisch und Blut zu bewerben. Und ich meinerseits habe nie versucht, mich ihnen aufzudrängen. Vater hat natürlich einige Androiden, die für ihn in ziemlich hochrangigen Stellungen arbeiten, aber auch in diesem Fall ist es mir nie in den Sinn gekommen, Freundschaft mit ihnen zu schließen. Ich bin den Angehörigen von Minderheiten immer ausgewichen oder habe mich ihnen gegenüber sehr zurückhaltend verhalten; es ist das allgemein verbreitete Schuldbewußtsein der hochprivilegierten Klassen, das mich immer zögern ließ.
Ich sprach mit Kelly zum erstenmal an jenem Abend, bevor Jan und ich uns auseinanderzuleben begannen. Ich war an diesem Abend deshalb nicht mit Jan zusammen, weil sie über Kopfschmerzen und Unwohlsein geklagt hatte und fortgegangen war, um die Nichtskammer des Schiffes aufzusuchen — in der Hoffnung, daß ihr einige Stunden Ausschaltung aller sensorischen Reize helfen würden, sich zu entspannen. Die anderen gingen ebenfalls ihren eigenen Beschäftigungen nach: Dr. Schein und Dr. Horkkk schrieben Berichte, Pilazinool und Mirrik fochten eine erbitterte Schlacht auf dem Schachbrett, 408b hatte sich mittels Meditation in höhere Sphären begeben und so weiter. Ich wanderte im Schiff umher und fühlte mich allein gelassen und einsam, und als ich in der Bibliothekskabine war, kam Kelly zu mir herein und fragte: „Kann ich mich eine Weile zu dir setzen, Tom?“