Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Hast du Hunger, S… Sassenach?« Er hatte zu sprechen begonnen, wie er es gewohnt war, unterbrach sich dann aber und blickte auf, um sich zu vergewissern, dass dieser Name wieder erlaubt war. Ich gab mir alle Mühe, ihn anzulächeln, obwohl ich spüren konnte, wie meine Mundwinkel zitterten.
»Nein. Du?«
Er schüttelte wortlos den Kopf und ließ die Hand von der Schüssel sinken. Er sah sich nach einer anderen Beschäftigung um, griff nach dem Schüreisen und stocherte in den geschwärzten Kohlen herum, so dass sie aufbrachen und einen Wirbel aus Funken in den Kamin und auf die Kaminumrandung sprühten. Damit würde er das Feuer ruinieren, das vor dem Zubettgehen neu aufgeschichtet werden musste, doch ich sagte nichts – er wusste das.
»Es fühlt sich an, als hätten wir einen Todesfall in der Familie«, sagte ich schließlich. »Als wäre etwas Schreckliches passiert, und dies ist der Punkt, an dem man noch unter Schock steht, bevor man anfängt, den Nachbarn Bescheid zu sagen.«
Er lachte reumütig auf und stellte das Schüreisen hin.
»Das brauchen wir gar nicht. Sie werden bei Tagesanbruch alle genau wissen, was passiert ist.«
Ich löste mich endlich aus meiner Reglosigkeit, schüttelte meine nassen Röcke aus und trat neben ihn ans Feuer. Die Hitze drang sofort durch den Stoff; es hätte mir guttun sollen, doch in meinem Bauch lag ein eisiges Gewicht, das einfach nicht schmelzen wollte. Ich legte meine Hand auf seinen Arm, weil ich ihn spüren musste.
»Niemand wird es glauben«, sagte ich. Er nahm meine Hand und lächelte schwach, ohne die Augen zu öffnen. Doch er schüttelte den Kopf.
»Sie werden es alle glauben, Claire«, sagte er leise. »Es tut mir leid.«
Kapitel 81
Im Zweifel für den Angeklagten
Aber es stimmt einfach nicht!«
»Nein, natürlich nicht.« Roger beobachtete seine Frau argwöhnisch; sie legte alle Kennzeichen eines großen explosiven Gegenstands mit einem instabilen Zeitzünder an den Tag, und er hatte das eindeutige Gefühl, dass es gefährlich war, sich in ihrer Nähe aufzuhalten.
»Diese kleine Schlampe! Am liebsten würde ich sie am Hals packen und die Wahrheit aus ihr herauswürgen!« Ihre Hand schloss sich krampfhaft um den Hals der Sirupflasche, und er streckte den Arm aus, um sie ihr abzunehmen, bevor sie sie zerbrach.
»Das kann ich gut verstehen«, sagte er, »aber im Großen und Ganzen … lieber nicht.«
Sie funkelte ihn an, überließ ihm aber die Flasche.
»Kannst du denn nichts tun?«, sagte sie.
Das fragte er sich auch bereits, seit er von Malvas Anschuldigung erfahren hatte.
»Ich weiß es nicht«, sagte er. »Aber ich habe mir gedacht, ich gehe wenigstens zu den Christies und rede mit ihnen. Und wenn ich Malva allein erwische, spreche ich mit ihr.« Wenn er allerdings an sein letztes Zwiegespräch mit Malva Christie dachte, hatte er das unangenehme Gefühl, dass sie nicht so leicht von ihrer Geschichte abzubringen sein würde.
Brianna setzte sich, heftete den Blick finster auf ihren Teller mit Buchweizenküchlein und begann, sie mit Butter zu bekleistern. Allmählich wich ihre Wut wieder vernünftigen Gedanken; er konnte die Ideen hinter ihren Augen hin- und herflitzen sehen.
»Wenn du sie dazu bringen kannst zuzugeben, dass es nicht wahr ist«, sagte sie langsam, »ist das gut. Aber wenn nicht – ist es das Zweitbeste herauszufinden, wer mit ihr zusammen gewesen ist. Wenn irgendein Mann öffentlich zugibt, dass er der Vater sein könnte – würde das ihre Geschichte zumindest in ein zweifelhaftes Licht rücken.«
»Stimmt.« Roger träufelte sparsam Sirup über seine Küchlein. Selbst in seiner Unsicherheit und Nervosität genoss er den kräftigen, dunklen Duft und die Vorfreude auf die rare Süße. »Obwohl es garantiert genug Leute geben würde, die überzeugt wären, dass Jamie schuldig ist. Hier.«
»Ich habe einmal gesehen, wie sie Obadiah Henderson im Wald geküsst hat«, sagte Brianna und nahm die Flasche wieder entgegen. »Letzten Spätherbst.« Sie erschauerte heftig. »Wenn er es gewesen ist, ist es kein Wunder, dass sie es nicht sagen will.«
Roger warf ihr einen neugierigen Blick zu. Er kannte Obadiah, einen kräftigen, ungehobelten Kerl, der aber gar nicht schlecht aussah und kein Dummkopf war. So manche Frau würde ihn als gute Partie betrachten; er hatte fünfzehn Acres, die er ordentlich bestellte, und war ein guter Jäger. Er hatte aber noch nie gesehen, dass Brianna auch nur ein Wort mit ihm wechselte.
»Fällt dir noch irgendjemand anders ein?«, fragte sie immer noch stirnrunzelnd.
»Tja … Bobby Higgins«, erwiderte er argwöhnisch. »Die Beardsleys haben hin und wieder ein Auge auf sie geworfen, aber natürlich …« Er hatte das ungute Gefühl, dass dieser Gesprächsfaden darauf hinauslaufen würde, dass sie ihn drängte, potenziellen Vätern peinliche Fragen zu stellen – eine Vorgehensweise, die ihm ausgesprochen zwecklos und gefährlich erschien.
»Warum?«, wollte sie wissen und schnitt aufgebracht in ihren Pfannkuchenstapel. »Warum sollte sie das tun? Mama ist immer so gut zu ihr gewesen.«
»Einer von zwei Gründen«, erwiderte er und hielt einen Moment inne, um die Augen zu schließen und die Dekadenz von geschmolzener Butter und samtweichem Ahornsirup auf frischem, heißem Buchweizen zu genießen. Er schluckte und öffnete widerstrebend die Augen.
»Entweder ist der Vater jemand, den sie nicht heiraten möchte – warum auch immer –, oder sie hat beschlossen, sich an das Geld oder den Besitz deines Vaters heranzumachen, indem sie ihn dazu bringt, für sie – oder das Kind – zu zahlen.«
»Oder beides. Ich meine, sie will den Mann nicht heiraten, und sie will Papas Geld – nicht, dass er welches hat.«
»Oder beides«, pflichtete er ihr bei.
Sie aßen ein paar Minuten lang schweigend weiter, und ihre Gabeln schabten über die Holzteller, während sie ihren Gedanken nachhingen. Jem hatte die Nacht im Haupthaus verbracht; nach Lizzies Hochzeit hatte Roger den Vorschlag gemacht, dass Amy McCallum Lizzies Aufgaben als Dienstmädchen übernahm, und seit sie und Aidan dort eingezogen waren, verbrachte Jem noch mehr Zeit dort und tröstete sich mit Aidans Gesellschaft über den Verlust Germains hinweg.
»Es ist nicht wahr«, wiederholte sie hartnäckig. »Pa würde das einfach nicht tun …« Doch er sah den schwachen Zweifel in ihrem Blick – und den leisen Schleier der Panik bei diesem Gedanken.
»Nein, das würde er nicht«, sagte er mit Nachdruck. »Brianna – du kannst doch unmöglich glauben, dass daran etwas Wahres ist?«
»Nein, natürlich nicht!« Doch sie sagte es zu laut, zu entschlossen. Er legte seine Gabel hin und sah sie gleichmütig an.
»Was ist? Weißt du irgendetwas?«
»Nichts.« Sie jagte das letzte Stück Pfannkuchen rings um ihren Teller, spießte es auf und aß es.
Er machte ein skeptisches Geräusch, und sie blickte stirnrunzelnd auf die klebrige Pfütze, die auf ihrem Teller übrig geblieben war. Sie nahm sich immer zu viel Honig oder Sirup; er war sparsamer und hatte am Ende stets einen sauberen Teller.
»Nein«, sagte sie. Doch sie biss sich auf die Unterlippe und steckte die Fingerspitze in die Siruppfütze. »Es ist nur …«
»Was?«
»Nicht Pa«, sagte sie langsam. Sie steckte den Finger in den Mund und leckte den Sirup ab. »Und selbst bei Papa bin ich mir nicht sicher. Es ist nur – wenn ich auf einige Dinge zurückblicke, die ich damals nicht verstanden habe … Jetzt begreife ich –« Sie brach abrupt ab und schloss die Augen, dann öffnete sie sie wieder und sah ihn direkt an.
»Eines Tages habe ich mir seine Brieftasche angesehen. Ich wollte nicht herumschnüffeln, es hat nur Spaß gemacht, die ganzen Karten und so herauszunehmen und sie wieder zurückzustecken. Zwischen den Dollarnoten hat eine Notiz gesteckt. Darin wollte sich jemand mit ihm zum Mittagessen verabreden –«