Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich hoffe wirklich, dass du vorhast, etwas zu sagen«, meinte ich am Ende höflich. »Denn wenn du es nicht tust, fange ich wahrscheinlich an zu schreien, und es ist möglich, dass ich dann nicht mehr aufhören kann.«
Er stieß ein Geräusch irgendwo zwischen Belustigung und Bestürzung aus und legte das Gesicht in seine Handflächen. Er verharrte einen Moment so, dann rieb er sich fest das Gesicht und setzte sich mit einem Seufzer gerade hin.
»Die ganze Zeit, während ich nach dir gesucht habe, Sassenach, habe ich darüber nachgedacht, was in Gottes Namen ich sagen sollte, wenn ich dich finde. Ich habe mir dies und jenes überlegt – und … es schien nichts zu geben, was ich sagen könnte.« Er klang hilflos.
»Wie kann das sein?«, fragte ich mit deutlich gereiztem Unterton. »Mir fallen eine ganze Reihe von Dingen ein, die ich sagen könnte.«
Er seufzte und machte eine Geste der Frustration.
»Was denn? Zu sagen, dass es mir leidtut – das wäre falsch. Es tut mir leid, aber es zu sagen – das klingt so, als hätte ich etwas getan, das mir leidtun müsste, und das habe ich nicht. Aber ich dachte, wenn ich damit anfange, glaubst du vielleicht …« Er sah mich an. Ich hatte mein Gesicht und meine Gefühle fest im Griff, doch er kannte mich sehr gut. In dem Moment, in dem er »Es tut mir leid« gesagt hatte, war mir der Magen in die Schuhe gerutscht.
Er wandte den Blick ab.
»Es gibt nichts, was ich sagen könnte«, sagte er leise, »was nicht wie ein Versuch klingt, mich zu verteidigen oder zu entschuldigen. Und das werde ich nicht tun.«
Ich stieß ein leises Geräusch aus, als hätte mich jemand in den Magen geboxt, und er sah mich scharf an.
»Ich werde es nicht tun!«, sagte er heftig. »Man kann einen solchen Vorwurf nicht ableugnen, ohne dass es zweifelhaft riecht. Und ich kann nichts zu dir sagen, was sich nicht wie eine kleinlaute Entschuldigung anhören würde für – für – nun, ich werde mich nicht für etwas entschuldigen, das ich nicht getan habe, und wenn ich es täte, würdest du nur noch mehr an mir zweifeln.«
»Du scheinst aber kein großes Vertrauen in mein Vertrauen in dich zu haben.«
Er warf mir einen argwöhnischen Blick zu.
»Wenn ich das nicht hätte, Sassenach, wäre ich nicht hier.«
Er beobachtete mich einen Moment, dann streckte er den Arm aus und berührte meine Hand. Meine Finger drehten sich sofort um und bogen sich den seinen entgegen, und unsere Hände umschlossen sich fest. Seine Finger waren groß und kalt, und er hielt die meinen so fest, dass ich dachte, meine Knochen würden brechen.
Er holte tief und beinahe schluchzend Luft, und auf einmal entspannten sich seine Schultern, die er in seinem nassen Rock hochgezogen hatte.
»Du glaubst nicht, dass es stimmt?«, fragte er. »Du bist fortgelaufen.«
»Ich habe mich erschrocken«, sagte ich. Und ich hatte vage gedacht, dass es gut möglich war, dass ich sie umbrachte, wenn ich blieb.
»Aye, es war ein Schreck«, formulierte er äußerst trocken. »Wahrscheinlich wäre ich selbst davongelaufen – wenn ich gekonnt hätte.«
Leises Schuldgefühl gesellte sich zu meinen Amok laufenden Emotionen; mein hastiger Abgang war der Situation wahrscheinlich nicht sehr förderlich gewesen. Doch er machte mir keine Vorwürfe, sondern wiederholte nur: »Aber du hast es nicht geglaubt?«
»Nein.«
»Nein.« Er sah mir suchend in die Augen. »Nicht eine Sekunde?«
»Nein.« Ich zog den Umhang fester um mich und rückte ihn auf meinen Schultern zurecht. »Ich habe es von Anfang an nicht geglaubt. Aber ich wusste nicht, warum.«
»Und jetzt weißt du es.«
»Jamie Fraser«, sagte ich sehr langsam. »Wenn du zu so etwas fähig wärst – und ich meine nicht, mit einer Frau zu schlafen, ich meine, es zu tun und mich dann anzulügen –, dann ist alles, was ich getan habe und was ich bin – mein ganzes Leben –, eine Lüge. Und ich bin nicht bereit, mir das einzugestehen.«
Das überraschte ihn ein wenig; es war jetzt fast dunkel, doch ich sah, wie sich seine Augenbrauen hoben.
»Was meinst du damit, Sassenach?«
Ich wies mit einer Handbewegung in die Richtung, die der Fußweg nahm, auf das Haus zu, das unsichtbar über uns stand, dann auf die Quelle, wo der weiße Stein als verschwommener Fleck in der Dunkelheit ruhte.
»Ich gehöre nicht hierher«, sagte ich leise. »Brianna, Roger … sie gehören nicht hierher. Jemmy sollte nicht hier sein; er sollte sich Zeichentrickfilme im Fernsehen anschauen und mit Filzstiften Autos und Flugzeuge malen – statt zu lernen, wie man mit einer Waffe schießt, die so groß ist wie er selbst, und wie man einen Hirsch auswaidet.«
Ich hob den Kopf und schloss die Augen. Ich spürte, wie sich die Feuchtigkeit auf meiner Haut niederließ und sich schwer auf meine Wimpern legte.
»Aber wir sind hier, wir alle. Und wir sind hier, weil ich dich geliebt habe, mehr als das Leben, das ich geführt habe. Weil ich geglaubt habe, dass du mich genauso liebst.«
Ich holte tief Luft, damit meine Stimme nicht zitterte, öffnete die Augen und wandte mich ihm zu.
»Willst du mir jetzt sagen, dass das nicht stimmt?«
»Nein«, sagte er ein paar Sekunden später, so leise, dass ich ihn kaum hören konnte. »Nein, das will ich dir nicht sagen. Niemals, Claire.«
»Nun denn«, sagte ich und spürte, wie die Aufregung, die Wut und die Angst des vergangenen Nachmittags wie Wasser aus mir hinausströmten. Ich legte ihm die Hand auf die Schulter und schnupperte Regen und Schweiß auf seiner Haut. Er roch scharf nach dem Moschus der Angst und der geballten Wut.
Inzwischen war es völlig dunkel. In der Entfernung konnte ich Geräusche hören, Mrs. Bug, die im Stall, wo sie die Ziegen gemolken hatte, nach Arch rief, und seine brüchige alte Stimme, die den Ruf erwiderte. Eine Fledermaus huschte lautlos auf der Jagd an uns vorbei.
»Claire?«, sagte Jamie leise.
»Hm?«
»Ich muss dir etwas sagen.«
Ich erstarrte. Einen Moment später löste ich mich vorsichtig von ihm und setzte mich kerzengerade hin.
»Bitte lass das«, sagte ich. »Ich fühle mich dann, als hätte mich jemand in den Magen geboxt.«
»Tut mir leid.«
Ich schlang die Arme um mich selbst und versuchte, das plötzliche Gefühl der Übelkeit herunterzuschlucken.
»Du hast gesagt, das wolltest du nicht sagen, weil es sich so anfühlt, als gäbe es etwas, was dir leidtun muss.«
»Das stimmt«, sagte er und seufzte.
Ich spürte die Bewegung zwischen uns, als die beiden steifen Finger seiner rechten Hand gegen sein Bein trommelten.
»Es ist unmöglich«, sagte er schließlich, »der eigenen Frau mit schonenden Worten zu sagen, dass man mit einer anderen geschlafen hat. Ganz gleich, unter welchen Umständen. Es geht einfach nicht.«
Mir war plötzlich schwindelig, und ich bekam kaum Luft. Ich schloss einen Moment die Augen. Er meinte nicht Malva; das hatte er deutlich gesagt.
»Wer?«, sagte ich so gleichmütig wie möglich. »Und wann?«
Er bewegte sich beklommen.
»Oh. Nun … als du … jedenfalls, als du fort warst.«
Es gelang mir, kurz Luft zu holen.
»Wer?«, sagte ich.
»Nur einmal«, sagte er. »Ich meine, ich hatte nicht die geringste Absicht –«
»Wer?«
Er seufzte und rieb sich fest den Nacken.
»Himmel. Das Letzte, was ich möchte, ist, dich in Aufregung zu versetzen, Sassenach, indem ich es so klingen lasse, als ob – aber ich wollte die arme Frau auch nicht in Misskredit bringen, indem ich es so aussehen ließ, als ob …«
»WER?«, dröhnte ich und packte ihn am Arm.
»Himmel!«, sagte er gründlich erschrocken. »Mary MacNab.«
»Wer?«, sagte ich noch einmal, diesmal verständnislos.
»Mary MacNab«, wiederholte er und seufzte. »Kannst du mich loslassen? Ich glaube, ich blute.«
Das stimmte, ich hatte meine Fingernägel so fest in sein Handgelenk gebohrt, dass sie durch die Haut gingen. Ich schleuderte seinen Arm von mir und ballte meine Hände zu Fäusten. Dann schlang ich die Arme wieder um mich selbst, um ihn nicht zu erwürgen.