Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Christie richtete sich langsam auf, legte die Hände auf die Oberschenkel, um sich abzustoßen, dann schüttelte er unvermittelt den Kopf wie ein nasser Hund und stand auf. Er fasste Malva am Arm, zog sie von ihrem Hocker hoch und schob sie weinend und stolpernd vor sich her nach draußen.
Allan folgte ihnen und richtete es so ein, dass er im Hinausgehen so dicht an Jamie vorbeistreifte, dass dieser den Gestank des wütenden jüngeren Mannes riechen konnte. Christie junior warf einen einzigen Blick zurück, die Hand nach wie vor an seinem Messer – doch er ging. Ihre Schritte im Flur ließen die Dielen unter Jamies Füßen beben, und dann wurde die Tür fest zugeknallt.
Endlich senkte er den Blick, vage überrascht, die abgenutzte Tischplatte vor sich zu sehen und seine eigenen Hände, die sich immer noch flach daraufstützten, als seien sie daran festgewachsen. Er richtete sich auf, und seine Finger krümmten sich. Die steifen Gelenke schmerzten, als sie sich zu Fäusten ballten. Er war durchgeschwitzt.
Leichtere Schritte kamen durch den Flur, und Mrs. Bug trat mit einem Tablett ein. Sie stellte es vor ihm hin, machte einen Knicks vor ihm und ging hinaus. Darauf standen das einzige Kristallglas, das er besaß, und der Dekanter mit dem guten Whisky.
Er hatte das obskure Gefühl, lachen zu wollen, sich aber nicht mehr richtig erinnern zu können, wie es ging. Das Licht berührte den Dekanter, und der Whisky darin leuchtete wie ein Chrysoberyl. Er berührte sanft das Glas in Anerkennung von Mrs. Bugs Loyalität, doch das würde warten müssen. In der Welt war der Teufel los, und er würde mit Sicherheit teuer bezahlen müssen. Bevor er irgendetwas anderes tat, musste er Claire finden.
Nach einer Weile türmten sich die dahintreibenden Wolken zu Gewitterwolken auf, und ein kalter Wind fuhr über die Mulde und schüttelte die Lorbeersträucher, so dass sie klapperten wie trockene Knochen. Ich stand ganz langsam auf und begann zu klettern.
Ich hatte kein festes Ziel im Kopf; es interessierte mich eigentlich auch nicht, ob ich nass wurde oder nicht. Ich wusste nur, dass ich nicht zum Haus zurückgehen konnte. Irgendwann erreichte ich den Fußweg zur Weißen Quelle, gerade, als es zu regnen begann. Dicke Tropfen klatschten auf das Laub von Kermesbeeren und Klettensträuchern, und die Fichten und Kiefern atmeten mit einem duftenden Seufzer aus.
Das Prasseln der Tropfen auf Blättern und Zweigen wurde unterbrochen von dem gedämpften Klatschen, mit dem schwerere Tropfen tief in den weichen Boden fielen – der Regen brachte Hagel mit, und plötzlich spritzten winzige weiße Eispartikel wie verrückt von den festgetretenen Nadeln auf und bombardierten mein Gesicht und meinen Hals mit stechender Kälte.
Da rannte ich los und suchte Schutz unter den tiefhängenden Ästen einer Balsamfichte, die über die Quelle ragten. Der Hagel sprenkelte das Wasser und ließ es tanzen, schmolz aber beim Auftreffen und verschwand sofort im dunklen Wasser. Ich saß still, die Arme zitternd um mich selbst geschlungen, um mich zu wärmen.
Du könntest es fast verstehen, sagte der Teil meines Verstandes, der auf dem Weg bergauf irgendwann zu reden begonnen hatte. Alle haben gedacht, dass du im Sterben liegst – du selber auch. Du weißt, was das bewirkt, du hast es schon oft gesehen. Menschen unter der furchtbaren Last des Schmerzes, die mit der Realität überwältigender Todesfälle fertigwerden müssen – ich hatte es schon oft gesehen. Es war eine ganz natürliche Suche nach Trost, ein Versuch, sich zu verstecken, die Kälte des Todes zu leugnen, indem man sich in die simple Wärme körperlichen Kontaktes flüchtete.
»Aber er hat es nicht getan«, sagte ich stur vor mich hin. »Wenn er es getan hätte und das der Grund war – könnte ich ihm verzeihen. Aber, gottverdammt, er hat es nicht getan!«
Mein Unterbewusstsein ließ sich in diese Gewissheit sinken, doch ich war mir eines unterschwelligen Rumorens bewusst; nicht Argwohn, nichts, was stark genug gewesen wäre, um es Zweifel zu nennen. Nur einzelne, kühle Beobachtungen, die ihre Köpfe an die Oberfläche meines persönlichen dunklen Brunnens steckten wie kleine Frösche; hohe, schwache Töne, die einzeln kaum hörbar waren, sich aber möglicherweise am Ende zu einem solchen Lärm summierten, dass die Nacht aus den Fugen geriet.
»Du bist eine alte Frau.«
»Sieh doch, wie sich die Adern auf deinen Händen abzeichnen.«
»Deine Haut ist schlabberig geworden; du hast Hängebrüste.«
»Wenn er verzweifelt war und Trost brauchte …«
»Möglich, dass er sie zurückweist, aber er würde nie einem Kind von seinem Blut den Rücken zukehren.«
Ich schloss die Augen und bekämpfte meine zunehmende Übelkeit. Der Hagel war vorüber, gefolgt von heftigem Regen, und kalter Nebel begann, sich vom Boden zu erheben und aufzusteigen, um gespenstisch im Wolkenbruch zu verschwinden.
»Nein«, sagte ich laut. »Nein!«
Ich fühlte mich, als hätte ich mehrere große Steine verschluckt, deren Oberfläche rauh und schmutzig war. Es war nicht nur der Gedanke, dass Jamie mich betrogen haben könnte – sondern dass mich Malva mit ziemlicher Sicherheit betrogen hatte. Mich betrogen hatte, wenn es die Wahrheit war – und noch mehr, wenn es nicht so war.
Meine Schülerin. Tochter meines Herzens.
Ich war zwar vor dem Regen sicher, doch die Luft war voller Wasser; meine Kleider wurden feucht und hingen mir schwer am Körper, klebten klamm an meiner Haut. Durch den Regen konnte ich den großen weißen Stein sehen, der am Kopfende der Quelle stand und dem Becken seinen Namen gab. An dieser Stelle hatte Jamie sein Blut zum Opfer gebracht und es auf diesen Felsen gespritzt, während er den Onkel, den er umgebracht hatte, um Beistand bat. Und hier an dieser Stelle hatte sich Fergus niedergelegt und seine Adern geöffnet aus Verzweiflung um seinen Sohn, und sein Blut war dunkel im stillen Wasser aufgeblüht.
Und ich begann zu begreifen, warum ich hierhergekommen war; warum dieser Ort mich gerufen hatte. Es war ein Ort, an dem man in sich gehen und die Wahrheit finden konnte.
Der Regen ging vorüber, und die Wolken rissen auf. Langsam begann das Licht zu schwinden.
Es war fast dunkel, als er kam. Die Bäume bewegten sich unruhig im Zwielicht und unterhielten sich murmelnd; ich hörte seine Schritte auf dem nassen Pfad nicht. Er war einfach da, plötzlich, am Rand der Lichtung.
Er stand suchend da; ich beobachtete, wie er den Kopf hob, als er mich erspähte, dann umschritt er das Wasserbecken und duckte sich unter die tiefhängenden Zweige meiner Zuflucht. Ich sah, dass er schon seit einiger Zeit im Freien war; sein Rock war nass, und Regen und Schweiß hatten ihm das Hemd an die Brust geklebt. Er hatte einen Umhang mitgebracht, den er als Bündel unter dem Arm trug. Diesen faltete er jetzt auseinander und legte ihn mir um die Schultern. Ich ließ es geschehen.
Dann setzte er sich dicht neben mich, schlang die Arme um die Knie und starrte in das dunkler werdende Quellbecken. Das Licht hatte jenen Punkt der Schönheit erreicht, kurz bevor jede Farbe verblasst, und seine Augenbrauen schwangen sich tiefbraun und perfekt über seine Stirn, jedes Haar einzeln erkennbar wie die kürzeren, dunklen Haare seines sprossenden Bartes.
Er atmete in langen, tiefen Zügen, als wären wir eine Weile gewandert, und wischte sich einen Tropfen von der Nasenspitze. Ein- oder zweimal holte er abrupt Luft, als wollte er etwas sagen, tat es aber nicht.
Die Vögel waren nach dem Regen noch einmal kurz ans Licht gekommen. Jetzt gingen sie zur Ruhe und zirpten leise in den Bäumen.