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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Das ist doch nichts Schlimmes.«

»Der Zettel fing mit ›Liebling‹ an – und es war nicht die Handschrift meiner Mutter«, sagte sie knapp.

»Ah«, sagte er und kurz darauf: »Wie alt warst du da?«

»Elf.« Sie malte mit der Fingerspitze kleine Muster auf den Teller. »Ich habe den Zettel einfach wieder zurückgesteckt und das Ganze quasi verdrängt. Ich wollte nicht darüber nachdenken – und ich glaube, das habe ich bis heute auch nicht getan. Es gab noch ein paar andere Dinge, Dinge, die ich gesehen und nicht verstanden habe – vor allem die Art, wie meine Eltern miteinander umgegangen sind … Dann und wann ist irgendetwas passiert, und ich habe nie gewusst, was es war, aber ich wusste, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmte.«

Sie verstummte, seufzte tief und wischte sich den Finger an ihrer Serviette ab.

»Brianna«, sagte er sanft. »Jamie ist ein Ehrenmann, und er liebt deine Mutter zutiefst.«

»Tja, siehst du, das ist genau der Punkt«, sagte sie leise. »Ich hätte geschworen, dass Papa auch einer war und sie genauso geliebt hat.«

Es war nicht unmöglich. Der Gedanke ließ ihn nicht los und nagte unangenehm an Roger wie ein Kiesel im Schuh. Jamie war ein Ehrenmann, er hing mit Leib und Seele an seiner Frau – und er hatte sich während Claires Krankheit in einem Abgrund der Verzweiflung und Erschöpfung befunden. Roger hatte fast genauso viel Angst um ihn gehabt wie um Claire; er war mit hohlem Blick und grimmiger Miene durch die heißen, endlosen Tage voll Gestank und Tod gewandelt, ohne zu essen, ohne zu schlafen, und nur seine Willenskraft hatte ihn vor dem Zusammenbruch bewahrt.

Roger hatte damals versucht, ihn anzusprechen, auf Gott, auf die Ewigkeit, hatte versucht, ihn mit dem zu versöhnen, was unausweichlich schien, war aber mit wild blickender Wut über den bloßen Gedanken, dass Gott vorhaben könnte, ihm seine Frau zu nehmen, zurückgewiesen worden – gefolgt von völliger Verzweiflung, als Claire dem Tode nah ins Koma gefallen war. Es war nicht unmöglich, dass das Angebot eines Moments der körperlichen Linderung in dieser trostlosen Leere weiter gegangen war, als die Beteiligten es beabsichtigt hatten.

Doch es war jetzt Anfang Mai, und Malva Christie war im sechsten Monat schwanger. Was bedeutete, dass es im November dazu gekommen sein musste. Die Krise von Claires Krankheit war Ende September gewesen; er erinnerte sich lebhaft an den Geruch der Äpfel im Zimmer, als sie vom scheinbar sicheren Tod erwachte. Ihre Augen waren weit aufgerissen und glühend gewesen, verblüffend schön in einem Gesicht, das an einen androgynen Engel erinnerte.

Nun gut, zum Kuckuck, es war unmöglich. Niemand war vollkommen, und jeder Mann konnte unter extremen Bedingungen weichwerden – einmal. Aber nicht wiederholt. Und nicht Jamie Fraser. Malva Christie war eine Lügnerin.

Roger, der am Bachufer entlang auf die Hütte der Christies zuhielt, war sich seiner Sache jetzt schon sicherer.

Kannst du denn nichts tun?, hatte Brianna ihn gequält gefragt. Verdammt wenig, dachte er, aber er musste es versuchen. Es war Freitag; er konnte – und würde – am Sonntag eine Predigt über das Übel des Tratschens halten, die den Leuten die Ohren verbrannte. Angesichts dessen, was er über die menschliche Natur wusste, würde jeder Nutzen, den er damit erzielte, wahrscheinlich von kurzer Dauer sein.

Darüber hinaus – nun, Mittwochabend war eine Zusammenkunft der Loge. Diese entwickelte sich wirklich gut, und er gefährdete die zerbrechliche Freundschaftlichkeit der jungen Loge nur ungern, indem er bei einer Zusammenkunft eine unangenehme Situation riskierte … Doch wenn die Chance bestand, dass es half … wäre es dann sinnvoll, Jamie und die beiden Christies zur Teilnahme zu ermutigen? Es würde die Angelegenheit ans Tageslicht befördern, und ganz gleich, wie schlimm, es war weitaus besser, wenn alle Welt es offen erfuhr, als wenn ein geflüsterter Skandal vor sich hinschwärte. Er ging davon aus, dass Tom Christie die Regeln des Anstands befolgen und sich zivilisiert verhalten würde – doch bei Allan war er sich nicht so sicher. Der Sohn hatte zwar die Gesichtszüge und die selbstgerechte Haltung seines Vaters geerbt, doch Toms eisernen Willen und seine Selbstbeherrschung besaß er nicht.

Er hatte die Hütte erreicht, die verlassen zu sein schien. Allerdings hörte er das Geräusch einer Axt, das langsame Klop!, mit dem Feuerholz gespalten wurde, und er machte sich auf den Weg zur Rückseite.

Es war Malva, die sich auf seinen Gruß hin mit argwöhnischer Miene umdrehte. Er sah, dass sie bläuliche Ränder unter den Augen hatte, und ihr sonst so hübsches Gesicht war finster. Ein schlechtes Gewissen, so hoffte er, als er sie freundlich begrüßte.

»Wenn Ihr hier seid, um mich dazu zu bringen, dass ich es zurücknehme, das tue ich nicht«, sagte sie geradeheraus, ohne seinen Gruß zu beachten.

»Ich bin hier, um Euch zu fragen, ob Ihr mit jemandem reden möchtet«, sagte er. Das überraschte sie; sie stellte die Axt hin und wischte sich mit der Schürze über das Gesicht.

»Reden?«, sagte sie langsam und betrachtete ihn. »Worüber denn?«

Er zuckte mit den Achseln und lächelte sie kaum merklich an.

»Worüber Ihr wollt.« Er gestattete es sich, entspannt mit Akzent zu sprechen, der jetzt breiter wurde und so ähnlich klang wie ihre Edinburgher Aussprache. »Ich bezweifle, dass Ihr in letzter Zeit Gelegenheit hattet, mit irgendjemandem zu reden, außer mit Eurem Vater und Eurem Bruder – und die können Euch eventuell jetzt nicht zuhören.«

Ein ähnliches, schwaches Lächeln huschte über ihre Gesichtszüge und verschwand.

»Nein, sie hören mir nicht zu«, sagte sie. »Aber das macht nichts, ich habe sowieso nichts zu erzählen. Ich bin eine Hure, was gibt es da noch zu sagen?«

»Ich glaube nicht, dass Ihr eine Hure seid«, sagte Roger leise.

»Ach, nein?« Sie lehnte sich ein wenig zurück und betrachtete ihn spöttisch. »Wie würdet Ihr denn sonst eine Frau nennen, die die Beine für einen verheirateten Mann breitmacht? Ehebrecherin natürlich – aber auch Hure, habe ich mir sagen lassen.«

Er glaubte, dass sie ihn mit ihrer absichtlich groben Ausdrucksweise schockieren wollte. Das tat sie auch, doch das behielt er für sich.

»Fehlgeleitet vielleicht. Jesus hat die Frau nicht getadelt, die eine Hure war, also ist es nicht meine Sache, jemanden zu tadeln, der keine Hure ist.«

»Und wenn Ihr hier seid, um mir Bibelzitate vorzutragen, so spart Euch den Atem, um Euren Porridge damit zu kühlen«, sagte sie und verzog angewidert ihre zierlichen Mundwinkel nach unten. »Davon habe ich schon mehr gehört, als mir lieb ist.«

Das, so dachte er, stimmte wahrscheinlich. Tom Christie war ein Mann, der für jede Gelegenheit einen Vers parat hatte – oder zehn –, und wenn er seine Tochter nicht körperlich züchtigte, so hatte er es mit großer Wahrscheinlichkeit mit Worten getan.

Weil er nicht wusste, was er als Nächstes sagen sollte, hielt er ihr die Hand entgegen.

»Wenn Ihr mir die Axt gebt, erledige ich den Rest.«

Sie zog eine Augenbraue hoch, gab ihm die Axt in die Hand und trat einen Schritt zurück. Er stellte ein Stück Holz auf den Block, spaltete es sauber entzwei und bückte sich, um das nächste Scheit aufzuheben. Sie sah ihm einen Moment zu, dann setzte sie sich langsam auf einen kleineren Baumstumpf.

Der Gebirgsfrühling war immer noch kühl; der letzte Winterhauch des hochgelegenen Schnees noch nicht verzogen, doch die Arbeit wärmte ihn. Er vergaß zwar absolut nicht, dass sie da war, doch er hielt den Blick auf das Holz gerichtet, auf die helle Körnung der frisch gespaltenen Scheite, spürte den Widerstand, wenn er die Axtklinge herauszog, und ertappte sich dabei, dass seine Gedanken zu seiner Unterhaltung mit Brianna zurückwanderten.

Frank Randall war seiner Frau also – vielleicht – gelegentlich untreu gewesen. Wenn er wirklich fair sein wollte, war sich Roger, der die Umstände dieses Falls kannte, nicht sicher, dass man ihm Vorwürfe machen konnte. Claire war spurlos verschwunden, und Frank war nichts anderes übriggeblieben, als sie verzweifelt zu suchen, um sie zu trauern und dann schließlich sein Leben Stück für Stück wieder zusammenzusetzen und einen neuen Anfang zu machen. Woraufhin seine vermisste Frau wieder auftaucht, erschüttert, misshandelt – und schwanger von einem anderen.

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