Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Wer. Zum. Teufel. Ist. Mary. MacNab?«, spuckte ich mit zusammengebissenen Zähnen aus. Mein Gesicht war heiß, doch der kalte Schweiß lief mir über Kinn und Rippen.
»Du kennst sie, Sassenach. Sie war mit Rab verheiratet – der umgekommen ist, als sein Haus abgebrannt ist. Sie hatten ein Kind, Rabbie; er war Stalljunge in Lallybroch, als –«
»Mary MacNab? Sie?« Ich konnte das Erstaunen in meiner eigenen Stimme hören. Ich konnte mich an Mary MacNab erinnern – mit Mühe. Nach dem Tod ihres gewalttätigen Ehemanns war sie als Magd nach Lallybroch gekommen; eine schmächtige, drahtige Frau, die mir im wilden Chaos des Lebens auf Lallybroch nie mehr als am Rande ins Auge gefallen war.
»Sie ist mir kaum aufgefallen«, sagte ich und versuchte – vergeblich –, mich zu erinnern, ob sie bei meinem letzten Besuch dort gewesen war. »Aber dir offensichtlich schon?«
»Nein«, sagte er und seufzte. »Nicht so, wie du denkst, Sassenach.«
»Nenn mich nicht so«, sagte ich, und sogar ich konnte das Gift in meiner leisen Stimme hören.
Er stieß einen schottischen Kehllaut der frustrierten Resignation aus und rieb sich das Handgelenk.
»Aye. Nun, siehst du, es war an dem Abend, bevor ich mich den Engländern gestellt habe …«
»Das hast du mir nie erzählt!«
»Was denn?« Er klang verwirrt.
»Dass du dich den Engländern gestellt hast. Wir dachten, sie hätten dich erwischt.«
»Das haben sie auch«, sagte er kurz. »Aber ich hatte es arrangiert, wegen des Kopfgeldes.« Er tat die Angelegenheit mit einer Handbewegung ab. »Es war nicht wichtig.«
»Sie hätten dich hängen können!« Und das wäre auch gut so gewesen, sagte die leise, tobende, verletzte Stimme in meinem Kopf.
»Nein, das hätten sie nicht.« Ein schwacher Hauch von Belustigung tauchte in seiner Stimme auf. »Das hattest du mir gesagt, Sass– mmpfm. Es hat mich damals aber auch nicht interessiert.«
Ich hatte keine Ahnung, was er damit meinte, ich hätte es ihm gesagt, aber es war mir im Moment herzlich egal.
»Vergessen wir das«, sagte ich gereizt. »Ich möchte wissen –«
»Was mit Mary war. Aye, ich weiß.« Er fuhr sich langsam mit der Hand durch das Haar. »Aye, nun gut. Sie ist zu mir gekommen, am Abend, bevor ich – ich gegangen bin. Ich habe ja in der Nähe von Lallybroch in einer Höhle gelebt, und sie hat mir mein Abendessen gebracht. Und dann ist sie … geblieben.«
Ich biss mir auf die Zunge, um ihn nicht zu unterbrechen. Ich konnte spüren, wie er seine Gedanken sammelte und nach Worten suchte.
»Ich habe versucht, sie fortzuschicken«, sagte er schließlich. »Sie … nun, was sie zu mir gesagt hat …« Er sah mich an, ich verfolgte seine Kopfbewegung. »Sie hat gesagt, sie hätte mich mit dir zusammen gesehen, Claire – und dass sie wahre Liebe erkennen könnte, wenn sie sie sah, auch wenn sie sie nicht selbst erlebt hatte. Und dass es ihr fernläge, mich dazu zu bringen, das zu verraten. Aber sie würde mir gern … eine Kleinigkeit mitgeben. Das ist es, was sie zu mir gesagt hat«, sagte er, und seine Stimme war heiser geworden. »Eine Kleinigkeit, die Ihr vielleicht brauchen könnt.«
»Es war – ich meine, es war nicht …« Er hielt inne und machte diese typische achselzuckende Bewegung, so als sei ihm sein Hemd an den Schultern zu eng. Er senkte den Kopf einen Moment auf die Knie, um die er die Hände geschlungen hatte.
»Sie hat mir Zärtlichkeit gegeben«, sagte er schließlich so leise, dass ich ihn kaum hörte. »Ich – ich hoffe, ich habe ihr das Gleiche gegeben.«
Meine Kehle und meine Brust waren zu eng, um etwas zu sagen, und die Tränen stiegen mir brennend in die Augen. Mir fiel ganz plötzlich wieder ein, was er an dem Abend zu mir gesagt hatte, als ich Tom Christies Hand operierte, über das Herz Jesu – »so sehnsüchtig, und es war niemand da, der ihn berühren konnte«. Und er hatte sieben Jahre allein in einer Höhle gelebt.
Wir saßen keine dreißig Zentimeter auseinander, doch es schien eine unüberbrückbare Kluft zu sein.
Ich streckte den Arm darüber hinweg und legte meine Hand auf die seine, so dass meine Fingerspitzen seine kräftigen, wettergegerbten Knöchel berührten. Ich holte Luft, dann noch einmal, und versuchte, meine Stimme unter Kontrolle zu bekommen, doch sie brach und überschlug sich trotzdem.
»Du hast ihr … Zärtlichkeit gegeben. Das weiß ich genau.«
Er wandte sich jäh zu mir hin, und mein Gesicht war in seinen Rock gepresst, dessen Stoff feucht und rauh an meiner Haut lag. Meine Tränen breiteten sich zu kleinen warmen Flecken aus, die sofort in der Kühle des Stoffs untergingen.
»Oh, Claire«, flüsterte er mir ins Haar. Ich tastete nach ihm und konnte Feuchtigkeit auf seinen Wangen spüren. »Sie hat gesagt – sie wollte dich für mich lebendig halten. Und sie hat es auch so gemeint, sie wollte nichts für sich selbst.«
Da begann ich, hemmungslos zu weinen. Um die leeren Jahre, in denen ich mich nach der Berührung einer Hand gesehnt hatte. Hohle Jahre, in denen ich neben einem Mann lag, den ich betrogen hatte, für den ich keine Zärtlichkeit empfand. Um die Schrecken und Zweifel und Schmerzen des heutigen Tages. Ich weinte um ihn und um mich und um Mary MacNab, die wusste, was Einsamkeit war – und auch, was Liebe war.
»Ich hätte es dir schon früher erzählt«, flüsterte er und tätschelte meinen Rücken, als sei ich ein kleines Kind. »Aber es war … es war nur das eine Mal.« Er zuckte hilflos mit den Achseln. »Und ich wusste nicht, wie. Wie ich es so sagen sollte, dass du es verstehst.«
Ich schluchzte, schluckte Luft und setzte mich schließlich auf, um mir das Gesicht achtlos an einer Rockfalte abzuwischen.
»Ich verstehe«, sagte ich. Meine Stimme war belegt, aber sie zitterte nicht mehr. »Wirklich.«
Und so war es auch. Ich verstand nicht nur die Sache mit Mary MacNab und was sie getan hatte – sondern auch, warum er mir das jetzt erzählt hatte. Es war nicht nötig; ich hätte es nie erfahren. Es gab keinen Grund außer der Unabdingbarkeit absoluter Aufrichtigkeit zwischen uns – und der Tatsache, dass ich mich darauf verlassen konnte.
Ich hatte ihm geglaubt, was Malva anging. Doch jetzt war ich mir nicht nur rational sicher – ich hatte zudem meinen Seelenfrieden.
Wir saßen dicht beieinander, die Falten meines Umhangs und meines Rockes lagen auf seinem Bein, seine bloße Anwesenheit war ein Trost. Irgendwo ganz in der Nähe begann eine verfrühte Grille zu zirpen.
»Dann ist der Regen vorbei«, sagte ich, als ich sie hörte. Er nickte mit einem leisen Geräusch der Zustimmung.
»Was sollen wir tun?«, sagte ich schließlich. Meine Stimme klang ruhig.
»Die Wahrheit herausfinden – wenn ich kann.«
Keiner von uns erwähnte die Möglichkeit, dass ihm das womöglich nicht gelingen würde. Ich verlagerte mein Gewicht und raffte meinen Rock.
»Sollen wir heimgehen?«
Es war jetzt zu dunkel, um noch etwas zu sehen, doch ich spürte sein Nicken, als er aufstand und mir die Hand entgegenhielt, um mir zu helfen.
»Aye, das tun wir.«
Bei unserer Rückkehr war das Haus leer, obwohl Mrs. Bug uns eine zugedeckte Pastete auf dem Tisch stehengelassen hatte, den Boden gefegt und das Feuer ordentlich eingedämmt hatte. Ich legte meinen nassen Umhang ab und hängte ihn an seinen Haken, doch dann stand ich da, unsicher, was ich als Nächstes tun sollte, als stünde ich im Haus eines Fremden, in einem Land, dessen Sitten ich nicht kannte.
Jamie schien es genauso zu gehen – obwohl er sich nach einem Moment in Bewegung setzte, den Kerzenhalter vom Wandbord über dem Herd nahm und ihn am Feuer entzündete. Das flackernde Leuchten schien die merkwürdige, hohle Atmosphäre des Zimmers noch zu verstärken, und eine Minute lang stand er planlos da und hielt den Kerzenständer fest, bevor er ihn schließlich mit einem Pochen mitten auf den Tisch stellte.