Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ihr habt also nicht den Mut, es zu leugnen, wie?« Allan war wieder zu Atem gekommen; er hatte sich schwankend auf die Knie hochgerappelt, das Haar im Gesicht, und funkelte ihn an. »Nur den Mut, es zu tun!«
Er brachte Allan mit einem Blick zum Schweigen, würdigte ihn jedoch keiner Antwort. Stattdessen richtete er seine Aufmerksamkeit auf Tom Christie.
»Ist sie verrückt?«, erkundigte er sich. »Oder nur schlau?«
Christies Gesicht hätte aus Stein gemeißelt sein können, wären da nicht die bebenden Tränensäcke unter seinen Augen gewesen und die Augen selbst, blutunterlaufen und zusammengekniffen.
»Sie ist nicht verrückt«, sagte Christie.
»Dann ist sie eine schlaue Lügnerin.« Jamie sah sie seinerseits mit zusammengekniffenen Augen an. »Schlau genug, um zu wissen, dass ihr niemand glauben würde, wenn sie behaupten würde, es wäre Vergewaltigung gewesen.«
Sie öffnete entsetzt den Mund.
»O nein, Sir«, sagte sie und schüttelte so fest den Kopf, dass die dunklen Locken ihre Ohren umtanzten. »So etwas würde ich nie von Euch sagen, nie!« Sie schluckte und hob furchtsam die Augen, um seinen Blick zu erwidern – vom Weinen geschwollen, aber sanft und taubengrau, arglos und unschuldig.
»Ihr habt Trost gebraucht«, sagte sie leise, aber deutlich. »Ich habe ihn Euch geschenkt.«
Er kniff sich fest mit Daumen und Zeigefinger in die Nase, weil er hoffte, dass ihn der Schmerz aus diesem offensichtlichen Alptraum wecken würde. Da dies nicht geschah, seufzte er und sah Tom Christie an.
»Sie bekommt ein Kind von irgendjemandem, und ich bin es nicht«, sagte er unverblümt. »Wer kann es gewesen sein?«
»Ihr wart es!«, protestierte das Mädchen, das jetzt seine Schürze fallen ließ und sich kerzengerade auf ihren Hocker setzte. »Es gibt keinen anderen!«
Christies Augen glitten widerstrebend zu seiner Tochter, dann richteten sie sich wieder auf Jamie. Ihre Farbe war dasselbe Taubenblau, doch sie hatten nie auch nur die geringste Spur von Arglosigkeit oder Unschuld an den Tag gelegt.
»Ich weiß von niemandem«, sagte er. Er holte tief Luft und richtete seine kantigen Schultern auf. »Sie sagt, es war nicht nur das eine Mal. Dass Ihr sie ein Dutzend Mal oder öfter genommen habt.« Seine Stimme war beinahe tonlos, jedoch nicht, weil er nichts empfand; vielmehr, weil er seine Empfindungen so fest im Griff hatte.
»Dann hat sie ein Dutzend Mal oder öfter gelogen«, sagte Jamie, der seine Stimme genauso beherrschte, wie Christie es tat.
»Ihr wisst, dass das nicht stimmt! Eure Frau glaubt mir«, sagte sie, und ein stahlharter Unterton hatte sich in ihre Stimme geschlichen. Sie hob eine Hand an den Fleck auf ihrer Wange, dessen leuchtende Farbe nachgelassen hatte, der jedoch den Abdruck von Claires Fingern noch als deutlichen Umriss trug.
»So dumm ist meine Frau nicht«, sagte er kalt, war sich aber dennoch eines schwindeligen Gefühls bewusst, als Claires Name fiel. Es war völlig normal, dass eine Frau über einen solchen Vorwurf so schockiert war, dass sie das Weite suchte – doch er wünschte, sie wäre geblieben. Ihre Anwesenheit hätte bedeutet, dass sie standhaft jeden Fehltritt seinerseits leugnete, dass sie nichts von Malvas Lügen hören wollte, und das hätte ihm sehr geholfen.
»Ach ja?« Die kräftige Farbe war dem Mädchen jetzt ganz aus dem Gesicht gewichen, doch sie hatte aufgehört zu weinen. Sie war kreidebleich, ihre Augen riesig und leuchtend. »Nun, ich bin auch nicht dumm, Sir. Klug genug, um zu beweisen, was ich sage.«
»Oh, aye?«, sagte er argwöhnisch. »Wie denn?«
»Ich habe die Narben auf Eurem nackten Körper gesehen. Ich kann sie beschreiben.«
Diese Erklärung ließ alle verstummen. Es folgte kurzes Schweigen, das durch Allan Christies Grunzen der Genugtuung unterbrochen wurde. Er erhob sich, eine Hand fest vor den Bauch gepresst, doch mit einem unangenehmen Lächeln im Gesicht.
»Und nun?«, sagte er. »Darauf habt Ihr wohl keine Antwort, wie?«
Seine Irritation war längst einer gewaltigen Wut gewichen. Darunter jedoch lag der leiseste Hauch von etwas, das er nicht – noch nicht – Angst nennen wollte.
»Ich stelle meine Narben nicht zur Schau«, sagte er geduldig, »aber es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die sie trotzdem gesehen haben. Mit ihnen habe ich auch nicht geschlafen.«
»Aye, die Leute reden manchmal über die Narben auf Eurem Rücken«, gab Malva zurück. »Und jeder kennt die große, garstige Narbe an Eurem Bein, die Ihr seit Culloden habt. Aber was ist mit dem Halbmond quer über Euren Rippen? Oder dem kleinen Fleck auf Eurer linken Pobacke?« Sie fasste sich selbst zur Demonstration an den Po.
»Nicht ganz in der Mitte – etwas weiter unten und außen. Ungefähr so groß wie ein Viertelpenny.« Sie lächelte nicht, doch in ihren Augen flammte so etwas wie Triumph auf.
»Ich habe keine –«, begann er, verstummte dann aber angewidert. Himmel, doch. Der Biss einer Spinne auf den Westindischen Inseln, der eine Woche lang stark entzündet gewesen war, dann einen Abszess gebildet hatte und zu seiner großen Erleichterung geplatzt war. Seit er verheilt war, hatte er nie wieder daran gedacht – doch er war da.
Zu spät. Sie hatten seinem Gesicht die Erkenntnis angesehen.
Tom Christie schloss die Augen, und seine Kiefer arbeiteten unter seinem Bart. Allan grunzte erneut vor Genugtuung und verschränkte die Arme.
»Möchtet Ihr uns zeigen, dass sie unrecht hat?«, erkundigte sich der junge Mann sarkastisch. »Dann zieht Eure Hose herunter und lasst uns einen Blick auf Euren Hintern werfen!«
Unter großer Mühe verkniff er es sich, Allan Christie zu sagen, was er mit seinem eigenen Hintern anstellen konnte. Er holte tief und langsam Luft und hoffte, dass ihm bis zum Ausatmen irgendein nützlicher Gedanke gekommen war.
Dies geschah nicht. Tom Christie öffnete mit einem Seufzer die Augen.
»Nun«, sagte er flach. »Ich gehe nicht davon aus, dass Ihr Eure Frau verlassen und sie heiraten wollt?«
»Das wäre das Allerletzte!« Der Vorschlag erfüllte ihn mit Wut – und etwas wie Panik bei dem bloßen Gedanken daran, ohne Claire zu sein.
»Dann werden wir einen Vertrag aufsetzen.« Christie rieb sich das Gesicht. Seine Schultern waren vor Erschöpfung und Abscheu zusammengesackt. »Unterhalt für sie und das Kind. Formelle Anerkennung des Kindes als einen Eurer Erben. Ihr könnt natürlich selbst entscheiden, ob Ihr möchtet, dass Eure Frau es aufzieht, aber das –«
»Hinaus.« Er erhob sich ganz langsam, die Hände auf dem Tisch, den Blick auf Christies Augen gerichtet. »Nehmt Eure Tochter und verlasst mein Haus.«
Christie hörte auf zu sprechen und musterte ihn finster. Das Mädchen hatte wieder angefangen zu weinen und wimmerte in ihre Schürze hinein. Er hatte das merkwürdige Gefühl, dass die Zeit irgendwie stehengeblieben war; sie würden alle für immer hier gefangen sein, er und Christie würden sich gegenseitig niederstarren wie die Hunde, unfähig, den Blick zu senken, jedoch in dem Bewusstsein, dass der Fußboden des Zimmers verschwunden war und sie über einem furchtbaren Abgrund schwebten, im endlosen Augenblick vor dem Fall.
Natürlich war es Allan Christie, der den Bann brach. Die Handbewegung, mit der der junge Mann an sein Messer fuhr, befreite Jamies Blick von Christies, und seine Finger bohrten sich noch fester in das Holz der Tischplatte. Eine Sekunde zuvor hatte er sich körperlos gefühlt; jetzt hämmerte das Blut in seinen Schläfen und durchpulste seine Gliedmaßen, und seine Muskeln zitterten, so sehr drängte es ihn, Allan Christie etwas anzutun. Und seiner Schwester den Hals umzudrehen, damit sie mit dem Lärm aufhörte.
Allan Christies Gesicht war schwarz vor Wut, doch er war so weit bei Verstand – gerade eben, dachte Jamie –, dass er das Messer nicht zog.
»Nichts, was ich lieber täte, junger Mann, als Euch den Kopf in die Hände zu geben, damit Ihr etwas zum Spielen habt«, sagte er leise. »Geht jetzt, bevor ich es tue.«
Christie junior leckte sich die Lippen und spannte sich an, bis seine Fingerknöchel auf dem Knauf weiß wurden – doch sein Blick schwankte. Er sah seinen Vater an, der mit grimmiger Miene dasaß wie ein Stein. Das Licht hatte sich verändert; es schien jetzt von der Seite durch Christies melierten Bart, so dass seine eigene Narbe zu sehen war, eine schmale, rötliche Linie, die sich wie eine Schlange über sein Kinn ringelte.