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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Brianna räusperte sich, und es klang Jamies schottischen Geräuschen verblüffend ähnlich.

»Nein, ich meinte auch nicht, dass du sie gegessen hast«, sagte sie trocken. »Ich meine nur, dass der Bär sie ja gefunden und angenagt haben könnte, nachdem irgendjemand sie umgebracht hatte – warum auch immer.«

Peter nickte nachdenklich. Diese gesammelten Geständnisse schienen ihn zwar zu interessieren, aber nicht zu beunruhigen.

»Aye, das könnte sein«, sagte er. »Bären sind nicht wählerisch, wenn es ums Fressen geht. Sie haben nichts gegen Aas.«

Jamie nickte, doch seine Aufmerksamkeit war auf Josiah gerichtet.

»Aye, das habe ich auch schon gehört. Aber Tsatsa’wi hat gesagt, er hat gesehen, wie der Bär seinen Freund verschleppt hat – also jagt er Menschen, nicht wahr?«

»Nun, diesen einen Menschen mit Sicherheit«, pflichtete ihm Josiah bei. Doch seine Stimme hatte einen seltsamen Unterton, und Jamies Blick verschärfte sich. Er zog eine Augenbraue hoch, und Josiah presste erst die Lippen zusammen, dann entspannte er sie und fällte einen Entschluss. Er sah Kezzie an, und dieser lächelte zurück. Ich sah, dass Kezzie ein Grübchen auf der linken Wange hatte; Josiahs dagegen war auf der rechten.

Josiah seufzte und wandte sich erneut an Jamie.

»Von diesem Teil wollte ich eigentlich nichts erzählen«, sagte er unverblümt. »Doch Ihr seid immer offen zu uns, Sir, und ich sehe, dass es nicht recht ist, wenn ich Euch nach diesem Bären jagen lasse, ohne dass Ihr wisst, was Euch dort sonst noch erwarten könnte.«

Ich spürte, wie sich meine Nackenhaare sträubten, und widerstand dem plötzlichen Impuls, mich umzudrehen und hinter mir in die Dunkelheit zu blicken. Mir war jedes Bedürfnis zu lachen vergangen.

»Sonst noch?« Langsam ließ Jamie das Stück Brot sinken, in das er gerade hineinbeißen wollte. »Und … was genau soll das sein?«

»Nun, ich habe es nur einmal mit Gewissheit gesehen«, warnte ihn Josiah. »Und es war eine Neumondnacht. Aber ich war die ganze Nacht unterwegs gewesen, und meine Augen waren gut an den Sternenschein gewöhnt – Ihr wisst ja, wie das ist.«

Jamie nickte und machte ein nachdenkliches Gesicht.

»Aye, sehr gut. Und wo warst du zu der Zeit?«

In der Nähe des Dorfes, zu dem wir unterwegs waren. Josiah war schon öfter dort gewesen, und die Aufteilung des Dorfes war ihm vertraut. Sein Ziel war ein Haus am Ende des Dorfes; unter dem Dachvorsprung hingen Maiskolben zum Trocknen aufgereiht, und er glaubte, sich problemlos mit einem Bündel davonmachen zu können, vorausgesetzt, er weckte die Dorfhunde nicht.

»Man braucht nur einen zu wecken, und schon hat man die ganze, jaulende Bande am Hals«, sagte er kopfschüttelnd. »Und es waren nur noch ein paar Stunden bis zur Dämmerung. Also habe ich mich vorsichtig angeschlichen, um zu sehen, ob einer von den Strolchen vor dem Haus schlief, das ich im Visier hatte.«

Während er im Wald auf der Lauer lag, hatte er eine Gestalt aus dem Haus kommen sehen. Da sich kein Hund daran störte, lag der Schluss nahe, dass die Person zu dem Haus gehörte. Der Mann war stehen geblieben, um Wasser zu lassen, und hatte dann zu Josiahs Schrecken Pfeil und Bogen geschultert und war direkt auf die Stelle im Wald zugekommen, an der er versteckt lag.

»Ich hatte nicht das Gefühl, dass er hinter mir her war, aber ich bin so schnell wie eine Katze auf einen Baum geklettert, und genauso leise«, sagte er, ohne dass es nach Angeberei klang.

Der Mann war sehr wahrscheinlich ein Jäger gewesen, der früh aufgestanden war, um einen weiter entfernten Fluss aufzusuchen, der in der Dämmerung dem Rotwild und den Waschbären als Tränke dienen würde. Da er so dicht bei seinem eigenen Dorf keinen Grund dazu sah, hatte der Mann keinerlei Vorsicht walten lassen und war leise, aber ohne jede Verstohlenheit durch den Wald gegangen.

Josiah hatte nur knapp über dem Kopf des Mannes auf seinem Baum gehockt und den Atem angehalten. Der Mann war weitergegangen und im dichten Unterholz verschwunden. Josiah war schon fast im Begriff gewesen, von seinem Aussichtspunkt hinabzusteigen, als er auf einmal einen überraschten Ausruf hörte, dem die Geräusche eines kurzen Handgemenges folgten, das mit einem widerlich dröhnenden Hieb endete.

»Wie ein reifer Kürbis, wenn man mit einem Stein darauf schlägt, um ihn aufzubrechen«, versicherte er Jamie. »Ist mir durch Mark und Bein gegangen, das Geräusch dort im Dunklen.«

Doch sein Erschrecken konnte seine Neugier nicht dämpfen, und er war in Richtung des Geräusches durch den Wald geglitten. Er hörte etwas rascheln, und als er vorsichtig durch einen Vorhang aus Zedernzweigen lugte, konnte er eine menschliche Gestalt ausmachen, die am Boden lag, und eine andere, die sich darüberbeugte und offenbar versuchte, dem Liegenden ein Kleidungsstück über den Kopf zu ziehen.

»Er war tot«, erklärte Josiah nüchtern. »Ich konnte das Blut riechen, und die Scheiße auch. Der kleine Kerl hat ihm wohl mit einem Stein oder einem Knüppel den Schädel eingeschlagen.«

»Der kleine Kerl?« Peter hatte die Geschichte aufmerksam verfolgt. »Wie klein meinst du denn? Hast du sein Gesicht gesehen?«

Josiah schüttelte den Kopf.

»Nein, ich habe nur seinen Schatten gesehen, der sich hin und her bewegt hat. Es war ja stockfinster; der Himmel hatte noch nicht angefangen, sich zu erhellen.« Er blinzelte und nahm im Kopf eine Schätzung vor. »Ich glaube, er war kleiner als ich; vielleicht so groß.« Er streckte zur Verdeutlichung seine Hand aus und maß vom Boden aus etwa einen Meter vierzig ab.

Doch der Mörder war bei seiner Leichenfledderei unterbrochen worden. Josiah, der ihm gebannt zugesehen hatte, hatte nichts gemerkt, bis unvermittelt erst das Knacken eines zerbrechenden Stöckchens, dann das fragende Wuff eines stöbernden Bären erklang.

»Ihr könnt mir glauben, dass der kleine Kerl die Beine in die Hand genommen hat, als er das gehört hat«, versicherte er Jamie. »Er ist direkt an mir vorbeigeschossen, nicht weiter weg, als Ihr es jetzt seid. In diesem Moment konnte ich ihn das einzige Mal genau sehen.«

»Nun spann uns nicht so auf die Folter«, sagte ich, als er innehielt, um einen Schluck von seinem Bier zu trinken. »Wie hat er denn ausgesehen?«

Er wischte sich einen Schaumstreifen von seinem spärlichen Oberlippenbart und machte ein nachdenkliches Gesicht.

»Nun, Ma’am, ich war mir ziemlich sicher, dass er der Teufel war. Nur, dass ich mir den Teufel größer vorgestellt hatte«, fügte er hinzu und trank noch einen Schluck.

Diese Aussage sorgte natürlich für einige Verwirrung. Weitere Nachfragen brachten zu Tage, dass Josiah einfach nur glaubte, dass der rätselhafte »kleine Kerl« ein Schwarzer gewesen war.

»Bis ich zu Eurem gathering gekommen bin, war mir gar nicht klar, dass manche Leute einfach schwarz sind«, erklärte er. »Bis dahin hatte ich so jemanden weder gesehen noch davon gehört.«

Bei diesen Worten nickte Kezzie nüchtern.

»Teufel im Buch«, sagte er mit seiner seltsamen, schroffen Stimme.

»Das Buch«, so hatte es den Anschein, war eine alte Bibel, die Aaron Beardsley irgendwo eingetauscht und für die er nie einen Käufer gefunden hatte. Keiner der Jungen hatte jemals lesen gelernt, doch sie erfreuten sich an den Bildern in dem Buch, unter denen sich auch mehrere Zeichnungen des Teufels befanden, der als gebückte, schwarze Kreatur dargestellt wurde, die gerissen ihrem Geschäft der Versuchung und Verführung nachging.

»Ich habe zwar keinen gegabelten Schwanz gesehen«, sagte Josiah kopfschüttelnd, »aber er war so schnell vorbei, dass ich ihn ja möglicherweise im Dunklen übersehen hatte.«

Da er die Aufmerksamkeit einer solchen Person nicht auf sich lenken wollte, hatte Josiah stillgehalten und daher hören können, wie der Bär sich dem unglücklichen Dorfbewohner zuwandte.

»Es ist so, wie Mr. Peter sagt«, sagte er und nickte Peter Bewlie bestätigend zu. »Bären sind nicht wählerisch. Diesen Bären habe ich zwar nicht gesehen, so dass ich nicht sagen kann, ob er weiß war oder nicht – aber er hat wirklich an diesem Indianer herumgefressen. Ich habe ihn kauen und sabbern gehört.« Ihm schien diese Erinnerung nichts auszumachen, doch ich sah, wie Brianna bei diesem Gedanken die Nase rümpfte.

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