Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»In dem Ausschnitt stand ›keine lebenden Kinder‹«, sagte ich, fest entschlossen, meine Angst in die Knie zu zwingen. »Meinst du, das bedeutet, dass Brianna und Roger vorher … irgendwo hingegangen sind?« Vielleicht zu den Cherokee. Oder zu den Steinen.
»Vielleicht.« Seine Miene war nüchtern, seine Augen auf seine Arbeit gerichtet. Keiner von uns war bereit, die andere Möglichkeit einzuräumen – das war auch nicht nötig.
Obwohl sie nur widerstrebend mitgekommen war, schien auch Brianna die Reise zu genießen. Ohne Roger, und von der Hausarbeit in der Hütte befreit, machte sie einen viel entspannteren Eindruck. Sie lachte und scherzte abends am Feuer mit den Beardsleyzwillingen, zog Jamie auf und stillte Jemmy, bevor sie sich um ihn rollte und friedlich einschlief.
Die Beardsleys hatten ebenfalls ihren Spaß. Die Entfernung seiner entzündeten Mandeln und Polypen hatte Keziah zwar nicht von seiner Taubheit geheilt, doch sein Zustand hatte sich deutlich verbessert. Einigermaßen laute Worte konnte er jetzt verstehen, vor allem, wenn man ihn ansah und sehr deutlich sprach – obwohl er die Worte seines Zwillingsbruders ausnahmslos zu hören schien, ganz gleich, wie leise sie gesprochen wurden. Als ich sah, wie er sich mit großen Augen umsah, während wir durch den dichten, vor Insekten summenden Wald ritten, Bäche überquerten und uns auf schwach sichtbaren Wildpfaden durch das Dickicht bewegten, begriff ich, dass er in seinem ganzen Leben noch nie irgendwo anders gewesen war als in der Umgebung der Farm der Beardsleys und danach in Fraser’s Ridge.
Ich fragte mich, was er wohl von den Cherokee halten würde – und sie von ihm und seinem Bruder. Peter hatte Jamie erzählt, dass Zwillinge bei den Cherokee als besonders segensreich und Glück bringend galten; Tsatsa’wi war begeistert gewesen, als er hörte, dass sich die Beardsleys der Jagd anschließen würden.
Auch Josiah schien sich zu amüsieren – soweit ich das angesichts der Tatsache, dass er ein sehr selbstgenügsamer Mensch war, sagen konnte. Als wir uns jedoch dem Dorf näherten, bekam ich das Gefühl, dass er nervös wurde.
Ich konnte sehen, dass sich auch Jamie ein wenig unwohl fühlte, obwohl ich in seinem Fall den Grund vermuten konnte. Es machte ihm überhaupt nichts aus, bei einer Jagd zu helfen, und er freute sich über die Gelegenheit zu einem Besuch bei den Cherokee. Doch ich hatte das Gefühl, dass ihm die Tatsache unangenehm war, dass sein Ruf als Bärentöter sozusagen vor ihm herposaunt wurde.
Dieser Verdacht bestätigte sich, als wir am dritten Abend unserer Reise das Lager aufschlugen. Wir waren nicht mehr als zehn Meilen von dem Dorf entfernt und würden es bis zum Mittag des folgenden Tages mühelos erreicht haben.
Ich konnte sehen, wie er sich unterwegs zu einem Entschluss durchrang, und als wir uns alle zum Abendessen um ein loderndes Feuer setzten, stand er plötzlich auf. Er ging zu Peter Bewlie hinüber, der am Feuer saß und verträumt in die Flammen starrte, und trat ihm entschlossen gegenüber.
»Ich muss dir etwas sagen, Peter. Was diesen Geisterbären angeht, den wir suchen wollen.«
Peter fuhr erschrocken aus seiner Trance auf und sah ihn an. Doch er lächelte und rückte zur Seite, um Platz zu machen, damit Jamie sich hinsetzen konnte.
»Oh, aye, Mac Dubh?«
Jamie nahm Platz und räusperte sich.
»Nun, siehst du – es ist so, dass ich nicht besonders viel über Bären weiß, weil es in Schottland schon seit Jahren keine mehr gibt.«
Peter zog die Augenbrauen hoch.
»Aber man erzählt sich doch, dass du einen großen Bären nur mit einem Dolch erlegt hast!«
Jamie rieb sich die Nase und machte einen beinahe verärgerten Eindruck.
»Aye, nun ja … das habe ich. Aber ich war nicht auf der Jagd nach dem Tier. Es war hinter mir her, also ist mir schließlich nicht viel anderes übrig geblieben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine große Hilfe beim Aufspüren dieses Geisterbären sein werde. Es muss doch ein besonders kluger Bär sein, nicht wahr? Ich meine, wenn er monatelang in dem Dorf ein und aus gehen konnte, ohne dass ihn irgendjemand richtig zu Gesicht bekommen hätte?«
»Ein echter Schlaubär«, fiel Brianna scherzhaft ein. Jamie sah sie so finster an, dass ich mich an meinem Bier verschluckte, worauf er seinen Blick auf mich heftete.
»Was?«, fragte er gereizt.
»Nichts«, keuchte ich. »Gar nichts.«
Als sich Jamie angewidert von uns abwandte, fiel sein Blick auf Josiah Beardsley, der zwar nicht laut lachte, dessen Mund jedoch eindeutig zuckte.
»Was?«, bellte Jamie ihn an. »Die Frauen haben den Verstand verloren –« Er wies mit einem Ruck seines Fingers auf Brianna und mich. »Aber was geht dich das an, häh?«
Josiah verkniff sich abrupt das Grinsen und versuchte, ein ernstes Gesicht zu machen, doch sein Mundwinkel zuckte weiter, und die Hitze schoss ihm so heftig in die schmalen Wangen, dass es selbst im Schein des Feuers zu sehen war. Jamie kniff die Augen zusammen, und Josiah entfuhr ein unterdrückter Laut, der ein Kichern hätte sein können. Er schlug sich die Hand vor den Mund und blinzelte zu Jamie hinauf.
»Was ist denn?«, erkundigte sich Jamie höflich.
Keziah, der offensichtlich merkte, dass irgendetwas im Gange war, rückte dichter an seinen Zwillingsbruder heran und richtete sich neben ihm auf, um ihn zu unterstützen. Josiah bewegte sich unbewusst auf Kezzie zu, ohne jedoch den Blick von Jamie abzuwenden. Sein Gesicht war immer noch rot, doch er schien sich jetzt unter Kontrolle zu haben.
»Nun, ich sage es wohl besser, Sir.«
»So ist es wohl.« Jamie sah ihn fragend an.
Josiah holte tief Luft und ergab sich in sein Schicksal.
»Es ist nicht immer ein Bär gewesen. Manchmal war ich es.«
Jamie starrte ihn sprachlos an. Dann begannen seine Mundwinkel zu zucken.
»Oh, aye?«
Nicht immer, erklärte Josiah. Doch wenn ihn seine Wanderungen durch die Wildnis in die Nähe eines Indianerdorfes führten – »Aber nur, wenn ich Hunger hatte, Sir«, fügte er hastig hinzu –, legte er sich vorsichtig im Wald auf die Lauer, stahl sich nach Anbruch der Dunkelheit ins Dorf und machte sich mit allen essbaren Dingen davon, die er leicht erreichen konnte. Er hielt sich ein paar Tage in der Nähe auf und ernährte sich von den Vorräten des Dorfes, bis er wieder bei Kräften und sein Rucksack wieder gefüllt war. Dann begab er sich erneut auf die Jagd, bis er schließlich mit seinen Fellen zu der Höhle zurückkehrte, in der er sein Lager hatte.
Kezzie hatte während dieses Vortrags keine Miene verzogen; ich war mir nicht sicher, wie viel er davon gehört hatte, doch er machte keinen überraschten Eindruck. Er legte seinem Zwillingsbruder kurz die Hand auf den Arm, dann glitt sie fort und griff nach einem Fleischspieß.
Briannas Gelächter war verstummt, und sie hatte Josiahs Geständnis stirnrunzelnd gelauscht.
»Aber du hast doch nicht – ich meine, du hast doch bestimmt nicht das Baby in der Trage geraubt. Und die Frau, die teilweise verspeist worden ist, hast du doch nicht umgebracht – oder?«
Josiah kniff die Augen zu, obwohl ihn diese Frage eher zu verblüffen als zu schockieren schien.
»Oh, nein. Warum sollte ich das tun? Ihr glaubt doch nicht, dass ich sie gegessen habe, oder?« Er lächelte bei diesen Worten, und auf seiner Wange erschien unvermittelt ein Grübchen. »Nicht, dass ich nicht dann und wann schon so hungrig gewesen wäre, dass ich es in Betracht gezogen hätte, wenn ich einen Toten gefunden hätte – und er noch nicht allzu alt gewesen wäre«, fügte er wohl überlegt hinzu. »Aber nicht so hungrig, dass ich jemanden mit Absicht umbringen würde.«