Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Von ihm haben sie nichts gefunden als seinen Bogen und ein paar blutige Kleiderfetzen«, sagte Peter. Ich hörte hinter mir einen leisen Plumps, als sich Mrs. Bug abrupt auf die Kaminbank setzte.
»Also haben sie ihn schon selbst gejagt?«, fragte ich. »Oder es versucht, sollte ich wohl besser sagen?«
Peter riss seinen Blick von Jamie los und sah mich ernst nickend an.
»Oh, aye, Mrs. Claire. So haben sie ja endlich herausbekommen, womit sie es zu tun haben.«
Eine kleine Gruppe von Jägern hatte sich grimmig an die Fersen des Bären geheftet, mit Bogen, Speeren und den beiden dorfeigenen Musketen bewaffnet. Sie hatten das Dorf in zunehmend größer werdenden Kreisen umrundet, weil die Tatsache, dass der Bär seine Aufmerksamkeit ganz auf das Dorf konzentrierte, sie zu der Überzeugung gebracht hatte, dass er normalerweise nicht weit fortwanderte. Ihre Suche hatte vier Tage gedauert, und dann und wann hatten sie zwar alten Bärenkot gefunden, doch von dem Bären hatten sie keine Spur zu Gesicht bekommen.
»Tsatsa’wi war mit dabei«, sagte Peter und zeigte mit dem Finger auf seinen Schwager. »Er und einer seiner Freunde haben in der Nacht Wache gehalten, während die anderen schliefen. Es war kurz nach Mondaufgang, sagt er, als er aufstand, um Wasser zu lassen. Als er sich wieder zum Feuer umdrehte, hat er gerade noch gesehen, wie sein Freund mausetot davongeschleift wurde, das Genick zwischen den Kiefern des Biestes zerquetscht!«
Tsatsa’wi hatte die Erzählung gebannt verfolgt. An dieser Stelle nickte er und machte eine Geste, die die Cherokee-Version des Kreuzzeichens zu sein schien – eine rasche, formale Geste zur Abwehr des Bösen. Dann ergriff er selbst das Wort, und seine Hände flogen, als er die folgenden Ereignisse pantomimisch wiedergab.
Er hatte natürlich geschrien, um seine verbleibenden Kameraden zu wecken, und war auf den Bären losgestürzt, in der Hoffnung, ihn so zu erschrecken, dass er seinen Freund losließ – obwohl er sehen konnte, dass der Mann schon tot war. Er ließ den Kopf scharf zur Seite fallen, um einen gebrochenen Hals darzustellen, und er ließ seine Zunge mit einer Miene heraushängen, die unter anderen Umständen urkomisch gewesen wäre.
Die Jäger hatten zwei Hunde dabei gehabt, die sich ebenfalls mit großem Gebell auf den Bären gestürzt hatten. Der Bär hatte seine Beute tatsächlich fallen gelassen, doch anstatt zu flüchten, war er auf Tsatsa’wi zugerannt. Er hatte sich zur Seite geworfen, und der Bär hatte gerade lange genug innegehalten, um sich einen der Hunde zu krallen und dann in der Dunkelheit des Waldes zu verschwinden, gefolgt von dem anderen Hund sowie einem Hagel von Pfeilen und Musketenkugeln – doch nichts davon hatte ihn berührt.
Sie hatten im Wald mit Fackeln Jagd auf den Bären gemacht, ihn jedoch nicht ausfindig machen können. Der zweite Hund war mit beschämtem Gesicht zurückgekehrt – Brianna kommentierte Tsatsa’wis pantomimische Nachahmung des Hundes mit einem kleinen Zischen –, und die durch und durch verängstigten Jäger waren zu ihrem Feuer zurückgeschlichen, wo sie den Rest der Nacht schlaflos verbrachten, bevor sie am Morgen in ihr Dorf zurückkehrten. Und von dort, so bedeutete Tsatsa’wi mit einer huldvollen Geste, sei er nun gekommen, um die Hilfe des Bärentöters zu gewinnen.
»Aber warum meinen sie denn, dass es ein Geist ist?« Brianna beugte sich vor, und ihr anfängliches Entsetzen über die Geschichte wich jetzt lebhaftem Interesse.
Peter sah sie an und zog eine Augenbraue hoch.
»Oh, aye, das hat er nicht gesagt – oder vermutlich hat er es doch, aber nicht verständlich genug. Das Tier war viel größer als normale Bären, sagt er – und schneeweiß. Er sagt, als das Tier sich umgedreht hat, um ihn anzusehen, brannten seine Augen rot wie Feuer. Sie haben sofort gewusst, dass es ein Geist sein musste, und so waren sie auch eigentlich nicht überrascht, dass ihre Pfeile ihm nichts anhaben konnten.«
Tsatsa’wi mischte sich erneut ein, indem er zuerst auf Jamie zeigte, dann auf sein Bärenkrallenhalsband tippte und dann – zu meiner Überraschung – auf mich zeigte.
»Ich?«, sagte ich. »Was habe ich denn damit zu tun?«
Der Cherokee hörte wohl meinen überraschten Tonfall, denn er beugte sich über den Tisch und strich mir über den Arm – nicht zärtlich, sondern einfach nur, um auf meine Haut zu deuten. Jamie machte ein leises, belustigtes Geräusch.
»Du bist sehr weiß, Sassenach. Vielleicht wird der Bär glauben, dass du seine Seelenverwandte bist.« Er grinste mich an, doch Tsatsa’wi verstand offensichtlich die Bedeutung seiner Worte, denn er nickte ernst. Er ließ meine Hand los und machte ein leises Krächzgeräusch – den Ruf eines Raben.
»Oh«, sagte ich, und mir wurde ausgesprochen beklommen zumute. Ich kannte die Cherokeeworte nicht, aber die Leute in Tsatsa’wis Dorf hatten ganz offensichtlich nicht nur von Bärentöter gehört, sondern auch von Weißer Rabe. Weiße Tiere galten als bedeutsam – und oftmals unheimlich. Ich wusste nicht, ob man davon ausging, dass ich Macht über den Bären ausüben konnte – oder einfach nur einen guten Köder abgeben würde –, doch die Einladung galt offensichtlich auch für mich.
Und so kam es, dass wir uns eine Woche später, als das Heu unter Dach und Fach war und vier Rotwildhälften friedlich im Räucherhaus baumelten, zur Vertragsgrenze aufmachten, um einen Exorzismus durchzuführen.
Neben Jamie und mir umfasste unsere Gruppe Brianna und Jemmy, die Beardsleyzwillinge und Peter Bewlie, der uns zu dem Dorf führen sollte, da seine Frau mit Tsatsa’wi vorgeritten war. Brianna hatte nicht mitkommen wollen, allerdings hatte ich das Gefühl, dass sie eher Angst davor hatte, Jemmy in die Wildnis mitzunehmen, als dass es ihr widerstrebte, sich der Jagd anzuschließen. Doch Jamie hatte darauf bestanden, dass sie mitkam, weil, wie er sagte, ihre Zielsicherheit unverzichtbar war. Da sie Jemmy noch nicht abstillen wollte, war sie gezwungen gewesen, ihn mitzunehmen – doch er schien den Ausflug durch und durch zu genießen und hockte mit leuchtenden Augen vor seiner Mutter im Sattel, während er entweder alles, was er sah, mit fröhlich dahingebrabbelten Kommentaren bedachte oder verträumt und zufrieden am Daumen nuckelte.
Was die Beardsleys betraf, so kam es Jamie auf Josiah an.
»Der Junge hat schon mindestens zwei Bären erlegt«, sagte er zu mir. »Ich habe beim gathering die Felle gesehen. Und ich wüsste nicht, was es schaden sollte, wenn sein Bruder mitkommen möchte.«
»Ich auch nicht«, pflichtete ich ihm bei. »Aber warum bestehst du so darauf, dass Brianna uns begleitet? Wirst du nicht auch gemeinsam mit Josiah mit dem Bären fertig?«
»Möglich«, sagte er und wischte mit einem öligen Tuch über den Lauf seiner Muskete. »Aber wenn vier Augen besser sind als zwei, ist ein drittes Paar doch noch besser, oder? Vor allem, wenn es so zielen kann wie deine Tochter.«
»Ja?«, sagte ich skeptisch. »Und was noch?«
Er grinste mich an.
»Du glaubst doch nicht etwa, dass ich irgendwelche Hintergedanken habe, oder, Sassenach?«
»Nein, ich glaube es nicht – ich weiß es.«
Er lachte und beugte den Kopf über seine Büchse. Doch nachdem er noch ein paar Sekunden weiter gewischt hatte, sagte er, ohne aufzublicken: »Aye, nun ja. Ich dachte, es ist keine schlechte Idee, wenn Brianna Freunde bei den Cherokee hat. Falls sie einmal einen Ort braucht, wo sie hingehen kann.«
Sein beiläufiger Tonfall täuschte mich nicht.
»Einmal. Du meinst, wenn die Revolution kommt?«
»Aye. Oder … wenn wir sterben. Wann auch immer das sein mag«, fügte er unbarmherzig hinzu, hob die Büchse hoch und linste mit zusammengekniffenem Auge an ihrem Lauf entlang, um die Zielvorrichtung zu kontrollieren.
Es war ein leuchtender Frühherbsttag, doch ich spürte, wie mir die Eissplitter knisternd über den Rücken fuhren. Meistens gelang es mir ganz gut, diesen Zeitungsausschnitt zu vergessen – der vom Feuertod eines gewissen James Fraser und seiner Frau in Fraser’s Ridge berichtete. An anderen Tagen dachte ich zwar daran, verdrängte die Möglichkeit jedoch aus meinem Kopf, weil ich mich weigerte, darüber nachzusinnen. Aber dann und wann wachte ich des Nachts zitternd und entsetzt auf, weil helle Flammen durch meine Gedanken schossen.