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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Die Russen haben die Stellung auf dem Feld von Borodino im rechten Winkel links von der Heerstraße, das heißt also an der Stelle, wo die Schlacht dann wirklich geliefert wurde, nicht nur nicht befestigt, sondern sie haben bis zum 25. August 1812 überhaupt nie daran gedacht, daß auf diesem Gelände je eine Schlacht stattfinden könne. Als Beweis hierfür dient die Tatsache, daß am 25. August auf diesem Gelände keine Befestigungen vorhanden waren, und die, welche am 25. erst errichtet wurden, am 26. noch nicht fertiggestellt waren.

Einen zweiten Beweis liefert die Lage der Schanze bei Schewardino. Eine Verschanzung vor der Position, in der die Schlacht angenommen werden sollte, hätte keinen Sinn gehabt. Wozu hätte man diese Schanze stärker als alle anderen Punkte befestigt? Aus welchem Grund hätte man sie am 24. bis in die späte Nacht hinein verteidigt, alle seine Kräfte erschöpft und sechstausend Mann dabei verloren? Zur Beobachtung des Feindes hätte es nur einer Kosakenpatrouille bedurft.

Als dritter Beweis dafür, daß die Stellung, in der die Schlacht geschlagen wurde, nicht vorausgesehen und die Schanze bei Schewardino kein Vorpostenpunkt für sie war, dient der Umstand, daß sich Barclay de Tolly und Bagration bis zum 25. in der Überzeugung befanden, die Schanze von Schewardino sei der linke Flügel der Stellung, und daß Kutusow selber in seinem Bericht, den er in aller Hitze gleich nach der Schlacht abfaßte, eben diese Schanze als den linken Flügel der Stellung bezeichnete. Erst viel später, als die Berichte über die Schlacht bei Borodino frei zusammengestellt wurden, hat man – wahrscheinlich, um die Irrtümer des Oberkommandierenden zu rechtfertigen, der unfehlbar dastehen sollte – jene unrichtigen und sonderbaren Behauptungen aufgestellt, die Schanze von Schewardino habe als Vorpostenstellung gedient – während sie in Wirklichkeit nur ein befestigter Punkt des linken Flügels gewesen ist – , und man habe die Schlacht bei Borodino in einer befestigten, im voraus gewählten Position angenommen, während sie doch an einer völlig unerwarteten, fast unbefestigten Stelle geschlagen wurde.

Die Sache lag offenbar folgendermaßen: Man hatte eine Stellung am Kolotschafluß gewählt, der die große Heerstraße nicht im rechten, sondern im spitzen Winkel schneidet, so daß der linke Flügel bei Schewardino, der rechte bei Nowoje Sjelo und das Zentrum bei Borodino, am Zusammenfluß der Kolotscha und der Woina, stand. Eine solche durch den Kolotschafluß gedeckte Stellung für eine Armee, die das Ziel verfolgte, den auf der Heerstraße von Smolensk nach Moskau heranrückenden Feind aufzuhalten, muß jedem einleuchten, der das Gelände bei Borodino betrachtet und für einen Augenblick vergißt, wie sich die Schlacht dann wirklich abgespielt hat.

Napoleon, der am 24. nach Walujewo vorgedrungen war, erblickte nicht, wie es in den Geschichtsbüchern heißt, die Russen in einer Stellung von Utiza bis Borodino – er konnte eine solche Position nicht sehen, weil sie gar nicht vorhanden war –, sah auch nicht die Vorposten der russischen Armee, sondern stieß einfach bei der Verfolgung der russischen Nachhut auf den linken russischen Flügel, auf die Schanze von Schewardino, und ließ seine Truppen über die Kolotscha setzen, was die Russen durchaus nicht erwartet hatten. Und weil unsere Truppen somit nicht Zeit gefunden hatten, in eine Generalschlacht einzutreten, zogen sie ihren linken Flügel aus der beabsichtigten Stellung zurück und nahmen eine neue Position ein, die weder in Aussicht genommen, noch befestigt war.

Indem Napoleon links von der Heerstraße auf das linke Ufer der Kolotscha übersetzte, verschob er die ganze künftige Schlacht von rechts nach links, von russischer Seite aus gesehen, und trug sie somit in den Raum zwischen Utiza, Semjonowskoje und Borodino hinein, also in ein Gelände, das als Stellung keine anderen Vorteile in sich barg als jede andere Gegend in Rußland auch. Auf diesem Gelände wurde nun am 26. August die Schlacht geschlagen. Beifolgender Plan zeigt in groben Umrissen die Schlacht, wie sie zuerst beabsichtigt und dann geschlagen wurde:

Wäre Napoleon am 24. abends nicht an die Kolotscha geritten, und hätte er nicht am selben Abend sogleich noch den Befehl erteilt, die Schanze anzugreifen, sondern diesen Angriff erst am nächsten Morgen ausgeführt, so hätte niemand je bezweifelt, daß die Schanze von Schewardino der linke Flügel unserer Stellung war, und die Schlacht hätte sich so abgespielt, wie wir es erwartet hatten. In diesem Fall hätten wir wahrscheinlich die Schanze, unseren linken Flügel, noch hartnäckiger verteidigt, hätten Napoleon im Zentrum oder von rechts angegriffen, und die Generalschlacht wäre dann am 25. in jener Position geschlagen worden, die befestigt und in Aussicht genommen war. Da aber der Angriff auf unsern linken Flügel noch am Abend stattfand, gleich nach dem Rückzug unserer Nachhut, das heißt unmittelbar nach der Schlacht bei Gridnewa, und die russischen Heerführer am 24. abends eine Generalschlacht weder anfangen wollten noch konnten, so war die erste und hauptsächlichste Aktion schon am 24. abends verloren, was offenbar auch den Verlust der am 26. gelieferten Hauptschlacht herbeigeführt hat.

Nach dem Verlust der Schanze von Schewardino hatte unsere linke Flanke am 25. gegen Morgen ihre Stellung verloren, und wir sahen uns vor die Notwendigkeit gestellt, diesen linken Flügel zurückzubiegen und ihn in aller Eile dort zu befestigen, wo er zufällig zum Stehen kam.

Aber nicht genug damit, daß am 26. August die russischen Truppen nur unter dem Schutz schwacher, halbfertiger Befestigungen standen, das Unvorteilhafte ihrer Lage wurde auch noch dadurch vermehrt, daß die russischen Heerführer die vollendete Tatsache, den Verlust unserer Position am linken Flügel und die Verschiebung des ganzen künftigen Schlachtfeldes von rechts nach links, nicht anerkannten, in ihrer ausgedehnten Stellung von Nowoje Sjelo bis Utiza stehenblieben und infolgedessen während der Schlacht ihre Truppen von rechts nach links verschieben mußten. Auf diese Weise hatten die Russen während der ganzen Schlacht der gesamten französischen Armee, die auf unseren linken Flügel vorging, nur halb so starke Kräfte entgegenzusetzen. Das Vorgehen Poniatowskis gegen Utiza und der Angriff Uwarows auf den rechten Flügel der Franzosen waren Aktionen für sich, die mit dem allgemeinen Gang der Schlacht in keinem Zusammenhang standen.

So hat sich die Schlacht bei Borodino durchaus nicht so abgespielt, wie sie, in dem Bestreben, die Fehler unserer Heerführer zu vertuschen, immer beschrieben wird, was aber den Ruhm der russischen Truppen und des russischen Volkes schmälert. Die Schlacht bei Borodino ist nicht von einer selbstgewählten und befestigten Stellung mit russischerseits nur wenig schwächeren Kräften ausgefochten worden, sondern wurde infolge des Verlustes der Schanze von Schewardino von den Russen mit halb so starken Kräften, wie sie die Franzosen hatten, auf einem offenen fast unbefestigten Gelände angenommen, also unter Bedingungen, bei denen es nicht nur undenkbar scheinen mußte, sich zehn Stunden lang unentschieden zu schlagen, sondern sogar fast unmöglich, die Truppen langer als drei Stunden vor vollständiger Auflösung und Flucht zu bewahren.

20

Am 25. August in der Frühe fuhr Pierre von Moshaisk ab. Dort, wo der Weg aus der Stadt den steil abfallenden Berg hinunterführt, an der auf der rechten Seite stehenden Kirche vorbei, in der gerade Gottesdienst abgehalten und geläutet wurde, stieg Pierre aus seinem Wagen und ging zu Fuß.

Hinter ihm her ritt ein Kavallerieregiment, die Sänger voran, den Berg hinunter. Ihm entgegen bergauf bewegte sich ein Zug von Wagen mit Verwundeten aus dem gestrigen Kampf. Die Fuhrleute, meist Bauern, schlugen schreiend mit den Peitschen auf ihre Pferde ein und liefen von einer Seite auf die andere. Rasselnd schotterten die Wagen, auf denen die verwundeten Soldaten zu dritt oder viert lagen und saßen, über den frisch mit Steinen aufgeschütteten, steilen Weg dahin. Die Verwundeten, die notdürftig mit Lappen verbunden waren, wurden in den Fuhren in die Höhe geschleudert und gegeneinander geworfen und hielten sich mit bleichen Gesichtern, zusammengepreßten Lippen und finsteren Augenbrauen an den Wagenleitern fest. Fast alle betrachteten mit kindlich naiver Neugier Besuchows weißen Hut und grünen Frack.

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