Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
1 ... 290 291 292 293 294 295 296 297 298 ... 458
Перейти на страницу:

»Ach, sprechen Sie mir nicht von meinem Regiment«, erwiderte Pierre, küßte der Dame des Hauses die Hand und setzte sich neben sie. »Ich habe wirklich genug davon.«

»Werden Sie es wohl auch selber kommandieren?« fragte Julie und warf dabei dem Landwehroffizier einen schlauen und verschmitzten Blick zu.

Doch dieser war in Gegenwart Pierres lange nicht so caustique wie vorher, und sein Gesicht drückte Erstaunen darüber aus, was Julies Lächeln zu bedeuten habe. Trotz seiner Zerstreutheit und Gutmütigkeit unterband Pierres Persönlichkeit doch augenblicklich jeden Versuch, sich in seiner Gegenwart über ihn lustig zu machen.

»Nein«, antwortete Pierre lächelnd mit einem Blick auf. seinen großen, dicken Körper. »Mich würden die Franzosen doch zu leicht treffen, und dann fürchte ich auch, daß ich gar nicht aufs Pferd hinaufkäme.«

Zu den Persönlichkeiten, die nun an die Reihe kamen, Julies Gästen als Gesprächsstoff zu dienen, gehörten auch die Rostows.

»Sie sollen jetzt, wie es heißt, in recht schlechten Verhältnissen sein«, sagte Julie. »Und dabei ist der alte Graf noch so unvernünftig. Rasumowskijs wollten ihm das Moskauer Haus und den Landsitz vor der Stadt abkaufen, aber der Handel kommt zu keinem Abschluß. Er verlangt zu viel.«

»Es scheint doch, daß der Verkauf dieser Tage zustande kommen wird«, sagte jemand. »Obgleich es jetzt unsinnig ist, in Moskau irgend etwas zu kaufen.«

»Warum?« fragte Julie. »Glauben Sie wirklich, daß für Moskau eine Gefahr besteht?«

»Weshalb reisen Sie denn sonst ab?«

»Ich? Sonderbare Frage! Ich reise deshalb … nun, weil eben alle abreisen, und weil … ich weder eine Jeanne d’Arc[164] noch eine Amazone bin.«

»Freilich, freilich. Wollen Sie mir bitte noch etwas Leinwand zum Scharpiezupfen herüberreichen?«

»Wenn er verstünde, die Sache richtig zu deichseln, so könnte er alle seine Schulden bezahlen«, fuhr der Landwehroffizier über die Rostows fort.

»Ein guter alter Herr, aber un pauvre sire. Warum bleiben sie nur so ewig in Moskau? Sie könnten schon lange wieder aufs Land gezogen sein. Natalie ist doch wohl wieder gesund?« fragte Julie Pierre mit hinterlistigem Lächeln.

»Sie warten noch auf ihren jüngsten Sohn«, erwiderte Pierre. »Er ist bei den Oblonskijkosaken eingetreten und nach Bjelaja Zerkow gefahren. Dort wird das Regiment zusammengestellt. Jetzt haben sie ihn aber in mein Regiment überschreiben lassen und erwarten ihn jeden Tag. Der Graf wollte schon lange abfahren, aber die Gräfin war um alles in der Welt nicht dazu zu bewegen, von Moskau abzureisen, ehe der Junge da ist.«

»Ich habe sie vorgestern bei den Archarows getroffen. Natalie ist wieder sehr hübsch und munter geworden. Sie sang eine Romanze. Wie leicht doch bei manchen Menschen alles vorübergeht.«

»Was geht vorüber?« fragte Pierre unwillkürlich.

Julie lächelte.

»Wissen Sie, Graf, solche Ritter, wie Sie einer sind, kommen eigentlich nur in den Romanen von Madame Souza vor.«

»Was für Ritter? Wie meinen Sie das?« fragte Pierre errötend.

»Aber gehen Sie doch, Graf, c’est la fable de tout Moscou. Je vous admire, ma parole d’honneur.«

»Strafe! Strafe!« rief der Landwehroffizier.

»Na, schön, schön. Nicht zwei Worte kann man mehr ungestört reden, wie langweilig!«

»Qu’est-ce qui est la fable de tout Moscou?« fragte Pierre ärgerlich und stand auf.

»Aber so gehen Sie doch, Graf, das wissen Sie doch.«

»Nichts weiß ich«, erwiderte Pierre.

»Ich weiß, daß Sie Natalie immer freundschaftlich gegenübergestanden haben und deshalb … Ich, für meinen Teil, war immer mehr mit Wera befreundet. Cette chère Vera …«

»Non, madame«, fuhr Pierre in unwilligem Ton fort. »Ich habe durchaus nicht die Rolle eines Ritters der Komtesse Rostowa gegenüber auf mich genommen und bin jetzt fast vier Wochen lang nicht bei ihnen gewesen. Aber ich kann die Grausamkeit nicht verstehen …«

»Qui s’excuse, s’accuse«, sagte Julie lächelnd, drohte ihm mit der Hand, in der sie die Scharpie hielt, und sprang, um das letzte Wort zu behalten, sogleich auf ein anderes Thema über. »Wissen Sie, was ich heute erfahren habe? Die arme Marja Bolkonskaja ist gestern in Moskau angekommen. Haben Sie gehört, daß sie ihren Vater verloren hat?«

»Ist’s möglich? Wo ist sie? Ich würde sie gern einmal besuchen?« erwiderte Pierre.

»Ich war gestern abend bei ihr. Sie will heute oder morgen früh mit dem kleinen Neffen auf ihr Gut bei Moskau weiterfahren.«

»Nun, was macht sie? Wie geht es ihr?« fragte Pierre.

»Leidlich, sie ist sehr traurig. Aber wissen Sie, wer sie gerettet hat? Das ist ein ganzer Roman. Nicolas Rostow! Sie war von Feinden umzingelt, man wollte sie erschlagen, alle ihre Leute waren verwundet: da stürzt er vor und rettet sie …«

»Schon wieder ein Roman«, sagte der Landwehroffizier. »Entschieden hat man diesen ganzen Rückzug nur zu dem Zweck veranstaltet, damit alle alten Mädchen noch unter die Haube kommen. Die erste war Catiche, und nun die Prinzessin Bolkonskaja.«

»Wissen Sie, ich glaube tatsächlich, sie ist un tout petit amoureuse du jeune homme.«

»Strafe! Strafe! Strafe!«

»Ja, kann man denn so etwas auf russisch sagen?«

18

Als Pierre nach Hause zurückkehrte, überreichte man ihm zwei Flugblätter Rastoptschins, die an diesem Tag herausgekommen waren.

Im ersten hieß es, das Gerücht, Graf Rastoptschin habe die Ausreise aus Moskau verboten, sei nicht wahr; im Gegenteil, er sei froh, wenn die adligen Damen und die Kaufmannsfrauen Moskau verließen. »Um so weniger ängstliche Gesichter und um so weniger neueste Neuigkeiten wird es dann in der Stadt geben«, hieß es in dem Flugblatt, »aber ich stehe mit meinem Leben dafür ein, daß der Bösewicht nicht in Moskau einfallen wird.« Aus diesen Worten wurde Pierre zum erstenmal klar, daß die Franzosen in Moskau eindringen würden.

Im zweiten Flugblatte war die Rede davon, daß sich unser Hauptquartier jetzt in Wjasma befinde, daß Graf Wittgenstein die Franzosen besiegt habe, und daß, da viele Einwohner den Wunsch hätten, sich zu bewaffnen, im Arsenal Waffen für sie bereit gehalten würden, Säbel, Pistolen, Flinten, die sie zu niedrigem Preis erwerben könnten. Der Ton dieser Flugblätter war nicht mehr so scherzhaft wie die früheren Ansprachen Tschigirins.

Pierre versank über diese Flugblätter in Nachdenken. Die furchtbare Gewitterwolke, die er mit allen Kräften seiner Seele herbeigesehnt hatte, und die doch gleichzeitig in ihm ein unwillkürliches Entsetzen wachrief, schien jetzt offenbar heranzurücken.

Soll ich in den Militärdienst treten? Mich zur Armee begeben? Hier warten? Diese Fragen legte sich Pierre wohl zum hundertstenmal vor. Er griff nach einem Spiel Karten, das neben ihm auf dem Tisch lag, und fing an, eine Patience zu legen.

Wenn diese Patience aufgeht, sagte er zu sich, nachdem er die Karten gemischt hatte, sie nun in der Hand hielt und nach oben sah, wenn diese Patience aufgeht, so bedeutet das … ja, was bedeutet es denn?

Er hatte noch nicht Zeit gehabt zu bestimmen, was es bedeuten solle, als er vor der Tür seines Zimmers die Stimme der ältesten Prinzessin hörte, die anfragte, ob sie hereinkommen dürfe.

Dann bedeutet das, daß ich in die Armee eintreten soll, beschloß Pierre. »Treten Sie ein, treten Sie ein!« fügte er zur Prinzessin gewandt hinzu.

Die älteste der Prinzessinnen, die mit der langen Taille und dem steinernen Gesicht, war bei Pierre im Haus wohnen geblieben; die beiden jüngeren hatten sich verheiratet.

»Verzeihen Sie, mon cousin, daß ich zu Ihnen komme«, fing sie mit vorwurfsvoll erregter Stimme an. »Aber es muß doch nun endlich ein Entschluß gefaßt werden. Was soll denn aus uns werden? Alle reisen von Moskau ab, das Volk ist in Aufruhr. Und wir bleiben hier?«

вернуться

164

Jeanne d’Arc: (1412-1431), französische Nationalheldin im Hundertjährigen Krieg. Geriet in englische Gefangenschaft und wurde in Rouen von einem französischen Kirchengericht als Ketzerin verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

1 ... 290 291 292 293 294 295 296 297 298 ... 458
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)