Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich habe Euch etwas mitgebracht«, sagte er. »Aus Salem.« Das Lächeln lag ihm nach wie vor auf den Lippen, doch es schien vollkommen vom Ausdruck seiner Augen abgekoppelt zu sein.
»Ich möchte es nicht«, sagte sie. »Ich meine – danke. Aber nein. Es ist nicht recht – und mein Mann würde es nicht wollen.«
»Er braucht es ja nicht zu wissen.« Er trat einen Schritt auf sie zu; sie trat einen zurück, und sein Lächeln wurde breiter.
»Ich habe gehört, Euer Mann ist in diesen Tagen nicht oft zu Hause«, sagte er leise. »Das hört sich einsam an.«
Er streckte seine große Hand aus, um ihr Gesicht zu berühren. Dann erklang ein seltsames, leises Geräusch, eine Art fleischiges Tnk!, und sein Gesicht verlor jeden Ausdruck, während sich seine Augen vor Schreck weiteten.
Sie starrte ihn an, denn sie begriff ganz und gar nicht, was geschehen war. Dann richtete er seinen stieren Blick auf seine ausgestreckte Hand, und sie sah, dass ein kleines Messer in der Haut seines Unterarms steckte und sich ringsum ein roter Fleck auf seinem Hemd ausbreitete.
»Verlasst dieses Grundstück.« Jamies Stimme war leise, aber deutlich. Er trat zwischen den Bäumen hervor und hielt den Blick feindselig auf Henderson gerichtet. Er war mit drei Schritten bei ihnen, streckte die Hand aus und zog Henderson das Messer aus dem Arm. Obadiah stieß einen leisen, tiefen Kehllaut aus, wie ihn vielleicht ein verwundetes Tier gemacht hätte, verblüfft und Mitleid erregend.
»Fort«, sagte Jamie. »Und kommt nie wieder hierher.«
Das Blut lief an Obadiahs Arm hinunter und tropfte von seinen Fingern. Ein paar Tropfen fielen in die Buttermilch und schwammen hellrot auf der sattgelben Oberfläche. Benommen registrierte sie die entsetzliche Schönheit dieses Bildes – wie in Gold gefasste Rubine.
Dann setzte sich der Junge in Bewegung, er presste die freie Hand auf seinen verletzten Arm und hielt erst schlurfend, dann im Laufschritt auf den Pfad zu. Er verschwand zwischen den Bäumen, und auf dem Hof war es still.
»Musstest du das tun?«, war das Erste, was sie herausbrachte. Sie war so verdattert, als sei sie selbst von etwas getroffen worden. Die Blutstropfen verschwammen langsam; ihre Ränder lösten sich in der Buttermilch auf, und sie hatte das Gefühl, sie müsste sich übergeben.
»Hätte ich warten sollen?« Ihr Vater fasste sie am Arm und zog sie zum Sitzen auf die Veranda hinunter.
»Nein. Aber du – hättest du nicht … etwas zu ihm sagen können?« Ihre Lippen fühlten sich taub an, und am Rand ihres Blickfeldes leuchteten kleine Blitze auf. Geistesabwesend realisierte sie, dass sie im Begriff war, ohnmächtig zu werden, und beugte sich vor, den Kopf zwischen den Knien, das Gesicht in der Zuflucht ihrer Schürze vergraben.
»Das habe ich doch. Ich habe ihm gesagt, er soll gehen.« Die Veranda knarrte, als Jamie sich neben sie setzte.
»Du weißt genau, was ich meine.« Ihre durch den Stoff gedämpfte Stimme klang merkwürdig in ihren eigenen Ohren. Sie setzte sich langsam auf; die Rotfichte neben dem großen Haus schwankte leicht in ihrem Blickfeld, kam dann aber zur Ruhe. »Was hast du nur getan? Wolltest du angeben? Wie konntest du dich darauf verlassen, aus dieser Entfernung jemanden mit einem Messer zu treffen? Und was war das überhaupt – ein Taschenmesser?«
»Aye. Es war alles, was ich dabeihatte. Und eigentlich wollte ich ihn gar nicht treffen«, gab Jamie zu. »Ich wollte es in die Wand der Hütte werfen und ihm in dem Moment, in dem er sich nach dem Geräusch umsah, von hinten einen Boxhieb versetzen. Aber er hat sich bewegt.«
Sie schloss die Augen und atmete heftig durch die Nase, um ihren Magen zur Ruhe zu bringen.
»Geht es, a muirninn?«, fragte er leise. Er legte ihr sacht die Hand auf den Rücken – etwas höher als Obadiah. Sie fühlte sich gut an; groß, warm und tröstend.
»Ja«, sagte sie und öffnete die Augen. Er machte ein besorgtes Gesicht, und sie riss sich zusammen und lächelte ihn an. »Gut.«
Jetzt entspannte er sich ein wenig, und sein Blick verlor etwas von seinem beunruhigten Ausdruck, wenn er auch weiter gebannt an ihr hing.
»Nun denn«, sagte er. »Es war doch nicht das erste Mal, aye? Wie lange hat der kleine Schuft sein Spielchen schon mit dir getrieben?«
Sie holte erneut Luft und zwang ihre Fäuste, sich zu lösen. Sie hätte die Situation gern verharmlost, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte – denn sie hätte Obadiah doch sicher irgendwie Einhalt gebieten können? Doch angesichts von Jamies unverwandtem, blauen Blick konnte sie nicht lügen.
»Seit der ersten Woche«, sagte sie.
Er riss die Augen auf.
»Schon so lange? Und warum hast du deinem Mann nichts davon gesagt?«, fragte er ungläubig.
Sie erschrak und kramte nach einer Antwort.
»Ich – nun ja – ich habe nicht gedacht … ich meine, es war doch nicht sein Problem.« Sie hörte, wie er plötzlich Atem holte, zweifellos die Einleitung zu einer beißenden Bemerkung über Roger, und beeilte sich, ihn zu verteidigen.
»Es – er – er hat doch eigentlich nichts getan. Es waren nur Blicke. Und er hat … mich angelächelt. Wie sollte ich Roger denn sagen, dass er mich angesehen hat? Ich wollte doch nicht schwach oder hilflos aussehen.« Doch sie war beides gewesen, und das wusste sie auch. Dieses Wissen brannte wie Ameisenbisse unter ihrer Haut.
»Ich wollte … ihn nicht bitten müssen, mich zu verteidigen.«
Er starrte sie an, und seine Miene spiegelte absolutes Unverständnis. Er schüttelte langsam den Kopf, ohne den Blick von ihr abzuwenden.
»Was in Gottes Namen glaubst du denn, wozu ein Mann da ist?«, fragte er schließlich. Er sprach leise, doch aus seinem Tonfall klang völlige Verwirrung. »Willst du ihn denn wie ein Haustier halten? Einen Schoßhund? Oder einen Vogel im Käfig?«
»Du verstehst mich nicht.«
»Oh. Ach nein?« Er atmete so kurz aus, dass es wie ein sardonisches Lachen klang. »Ich bin seit fast dreißig Jahren verheiratet, du weniger als zwei. Was verstehe ich denn deiner Meinung nach nicht, mein Schatz?«
»Es ist – bei Mama und dir ist es nicht das Gleiche wie bei Roger und mir!«, platzte sie heraus.
»Nein, das ist es nicht«, pflichtete er ihr mit neutraler Stimme bei. »Deine Mutter achtet meinen Stolz, und ich den ihren. Oder hältst du sie vielleicht für einen Feigling, der seine eigenen Schlachten nicht ausfechten kann?«
»Ich … nein.« Sie schluckte, weil sie das Gefühl hatte, den Tränen gefährlich nahe zu sein, aber entschlossen war, sie nicht entwischen zu lassen. »Aber Pa – es ist anders. Wir stammen von einem anderen Ort, aus einer anderen Zeit.«
»Das weiß ich wohl«, sagte er, und sie sah, wie sich sein Mundwinkel zu einem ironischen Lächeln verzog. Seine Stimme wurde sanfter. »Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Männer und Frauen dort so anders sind.«
»Nicht unbedingt.« Sie schluckte und zwang ihre Stimme zur Ruhe. »Aber vielleicht ist Roger ja anders. Seit Alamance.«
Er holte Luft, als wollte er etwas sagen, atmete dann aber wieder aus und schwieg. Er hatte seine Hand fortgezogen; sie fehlte ihr. Er lehnte sich ein wenig zurück und sah sich auf dem Hof um. Seine Finger pochten leise zwischen ihnen auf die Verandadielen.
»Aye«, sagte er schließlich leise. »Vielleicht.«
Sie hörte ein gedämpftes Rumpeln hinter ihnen in der Hütte, dann noch einmal. Jemmy war aufgewacht und warf seine Spielsachen aus der Wiege. Gleich würde er anfangen, nach ihr zu rufen, damit sie sie aufhob. Sie stand auf und strich sich ihr Kleid gerade.
»Jemmy ist wach; ich muss zu ihm.«
Jamie erhob sich ebenfalls, hob den Eimer auf und schüttete die Buttermilch in einer dickflüssigen, gelben Pfütze ins Gras.
»Ich hole dir neue«, sagte er und war fort, bevor sie ihm sagen konnte, er solle sich keine Mühe machen.