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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Was – Ihr meint, Mrs. Alderdyce glaubt, dass ich – ich meine, weil ich bewiesen habe, dass ich – dass ich Kinder bekommen kann, dass sie sicher sein kann, später Enkelkinder von mir zu bekommen? Das ist doch lächerlich! Der Richter könnte sich doch jedes beliebige gesunde Mädchen aussuchen – von gutem Charakter«, fügte sie bitter hinzu, »und sich einigermaßen sicher sein, dass er von ihr Kinder bekommt.«

Er nahm einen Schluck, ließ ihn über seine Zunge gleiten, schluckte und genoss den letzten Hauch des Geschmackes, bevor er antwortete. »Tja. Nein. Ich glaube vielmehr, dass ihr klar ist, dass er das nicht könnte. Oder nicht möchte; es läuft auf dasselbe hinaus.« Er sah sie unbeweglich an.

»Ihr habt es selbst gesagt – er ist vierzig und unverheiratet.«

»Ihr meint, er – aber er ist doch Richter!« Noch im selben Moment, als sie ihren entsetzten Ausruf tat, begriff sie dessen Idiotie und schlug sich eine Hand vor den Mund, während sie heftig errötete. Lord John lachte, wenn auch nicht ohne ironischen Unterton.

»Umso eindeutiger«, sagte er. »Ihr habt völlig recht; er könnte sich jedes Mädchen im Distrikt aussuchen. Wenn er sich dagegen entschieden hat …« Er hielt bedächtig inne und hob dann das Glas zu einem ironischen Toast in ihre Richtung. »Ich glaube, dass Mrs. Alderdyce völlig klar ist, dass eine Ehe ihres Sohnes mit Euch der beste – vielleicht sogar der einzige – Weg ist, auf dem sie mit dem Enkelkind rechnen kann, das sie so heftig begehrt.«

»Verdammt!« Sie konnte nicht einen richtigen Schachzug machen, dachte sie verzweifelt. »Es spielt keine Rolle, was ich tue. Ich bin verdammt. Sie werden mich mit irgendjemandem verheiraten, egal, was ich tue!«

»Ihr müsst mir gestatten, das zu bezweifeln«, sagte er. Sein Lächeln zog sich ein wenig verlegen zur Seite. »Nach dem, was ich von Euch gesehen habe, habt Ihr die Offenheit Eurer Mutter und das Ehrgefühl Eures Vaters. Jede einzelne dieser Eigenschaften würde schon ausreichen, um Euch davor zu bewahren, in eine solche Falle zu gehen.«

»Redet bloß nicht von der Ehre meines Vaters«, sagte sie scharf. »Er hat mich in diesen Schlamassel hineingebracht!«

Sein Blick senkte sich mit unverhüllter Ironie auf ihre Taille.

»Ihr schockiert mich«, sagte er höflich, ohne auch nur im Geringsten einen schockierten Eindruck zu machen.

Sie spürte, wie ihr erneut das Blut ins Gesicht schoss, heißer als zuvor.

»Ihr wisst ganz genau, dass es nicht das ist, was ich meine!«

Er verbarg sein Lächeln in seinem Sherryglas und sah sie mit gekräuselten Augenwinkeln an.

»Ich bitte um Verzeihung, Miss Fraser. Was habt Ihr dann gemeint?«

Sie trank einen großen Schluck Tee, um ihre Verwirrung zu überspielen, und spürte, wie ihr die beruhigende Wärme durch den Hals in die Brust rann.

»Ich meine«, sagte sie mit zusammengebissenen Zähnen, »diesen Schlamassel hier; dass ich wie ein Stück Zuchtvieh mit einem fragwürdigen Stammbaum aufs Podest gestellt werde. Dass man mich im Genick packt und hochhält wie ein verwaistes Kätzchen in der Hoffnung, dass mich jemand aufnimmt. Dass ich – dass ich überhaupt hier allein bin«, schloss sie, und ihre Stimme zitterte unerwartet.

»Warum seid Ihr hier allein?«, fragte Lord John ganz sanft. »Ich hätte gedacht, Eure Mutter wäre –«

»Das wollte sie auch. Ich habe sie nicht gelassen. Weil sie – also er – oh, es ist alles so ein verfluchter Schlamassel!« Sie ließ den Kopf in ihre Hände sinken und starrte am Boden zerstört auf die Tischplatte. Sie weinte nicht, war aber auch nicht weit davon entfernt.

»Das sehe ich wohl.« Lord John beugte sich vor und stellte sein leeres Glas auf das Tablett zurück. »Es ist sehr spät, meine Liebe, und wenn Ihr mir die Beobachtung verzeiht, Ihr braucht dringend Ruhe.« Er stand auf und legte ihr sacht die Hand auf die Schulter; seltsamerweise kam sie ihr einfach nur freundlich vor, nicht herablassend, wie es vielleicht die Hand eines anderen Mannes gewesen wäre.

»Da es so aussieht, als sei meine Reise nach Wilmington überflüssig, werde ich wohl die freundliche Einladung Eurer Tante annehmen und ein Weilchen hierbleiben. Wir werden uns noch öfter unterhalten und dann sehen, ob sich Eure Situation nicht zumindest lindern lässt.«

Kapitel 59

Erpressung

Der Nachtstuhl war großartig, ein wunderbares, aus glattem Walnussholz geschnitztes Stück, das das Schöne mit dem Praktischen verband. Besonders praktisch in einer regnerischen, kalten Nacht wie dieser hier. Schläfrig fingerte sie im Dunkeln an seinem Deckel herum, von den Blitzen beleuchtet, deren Licht durchs Fenster fiel, dann setzte sie sich hin und seufzte vor Erleichterung, als der Druck in ihrer Blase nachließ.

Offenbar erfreut über den zusätzlichen Platz, der dadurch entstand, vollführte Osbert eine Reihe von trägen Purzelbäumen und ließ ihren Bauch unter dem weißen Flanellnachthemd geisterhafte Wellen schlagen. Sie stand langsam auf – sie tat jetzt fast alles langsam – und fühlte sich angenehm vom Schlaf betäubt.

Sie blieb neben ihrem zerwühlten Bett stehen und blickte hinaus auf die kahle Schönheit der Hügel und der regengepeitschten Bäume. Das Fensterglas fühlte sich eisig an, und die Wolken wälzten sich schwarzbäuchig und donnergrollend von den Bergen herab. Es schneite nicht, doch die Nacht war auch so scheußlich genug.

Und wie war es jetzt im Hochgebirge? Hatten sie ein Dorf erreicht, das ihnen Schutz bot? Hatten sie Roger gefunden? Sie erschauerte unwillkürlich, obwohl die Glut immer noch rot im Kamin glühte und es warm im Zimmer war. Sie spürte die unwiderstehliche Anziehungskraft ihres Bettes, das ihr Wärme versprach, und stärker noch den Lockruf der Träume, in denen sie vielleicht dem chronischen Nagen von Furcht und Schuld entkommen konnte.

Doch sie wandte sich zur Tür und zog ihren Umhang vom Haken an ihrer Rückseite. Der Drang der Schwangerschaft mochte es ja nötig machen, dass sie den Nachtstuhl in ihrem Zimmer benutzte, doch sie war fest entschlossen, dass kein Sklave jemals einen Nachttopf für sie tragen würde – nicht, solange sie noch laufen konnte. Sie hüllte sich fest in den Umhang, nahm die zugedeckte Zinnschale aus ihrem Fach und schritt leise durch den Korridor.

Es war sehr spät; alle Kerzen waren gelöscht, und der abgestandene Geruch heruntergebrannter Feuer hing im Treppenhaus, doch im Geflacker der Blitze konnte sie deutlich genug sehen, als sie die Treppe hinunterging. Die Küchentür war entriegelt, eine Unvorsichtigkeit, für die sie dem Koch inständig dankte; so brauchte sie keinen Lärm zu machen, indem sie einhändig mit dem schweren Riegel kämpfte.

Eiskalter Regen schlug ihr ins Gesicht und spritzte unter dem Saum ihres Nachthemdes hoch, so dass sie nach Luft schnappte. Doch als sie den ersten Kälteschock überwunden hatte, genoss sie es; die Gewalt des Wetters war aufregend, der Wind so stark, dass er ihren Umhang in Wogen aufblähte und sie sich zum ersten Mal seit Monaten leichtfüßig fühlte.

Sie wirbelte in einem Schwung bis zum Abort, spülte den Topf in dem Regenguss aus, der von dessen Traufen herabströmte, und blieb dann auf dem gepflasterten Hof stehen und ließ sich den frischen Wind in ihr Gesicht wehen, ließ ihre Wangen vom Regen peitschen. Sie war sich nicht sicher, ob es Buße oder Lobpreis war – ein Bedürfnis, die Unannehmlichkeiten zu teilen, mit denen es ihre Eltern wahrscheinlich zu tun hatten, oder mehr ein heidnischer Ritus –, das Bedürfnis, sich selbst zu verlieren, indem sie mit der wilden Macht der Elemente verschmolz. So oder so, es spielte keine Rolle; sie stellte sich mit Absicht unter den Wasserstrahl der Dachrinne und ließ das Wasser gegen ihre Kopfhaut hämmern, ihr Haar und ihre Schultern durchnässen.

Sie schnappte nach Luft, schüttelte sich das Wasser aus dem Haar wie ein Hund und trat zurück – und hielt inne, weil ein plötzlich aufblitzendes Licht ihre Aufmerksamkeit erregte. Kein Blitz; ein beständiger Strahl, der einen Moment lang leuchtete und dann verschwand.

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