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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Die Tür des kleinen Salons öffnete sich, und Jocastas hochgewachsene, schlanke Gestalt erschien als Silhouette vor dem beleuchteten Flur.

»Brianna?« Das blasse ovale Gesicht wandte sich zielsicher dem Sofa zu; erriet sie nur, wo sie sie hingelegt hatten, oder konnte sie Brianna atmen hören?

»Ich bin hier, Tante Jocasta.«

Jocasta kam ins Zimmer, gefolgt von Lord John, und Ulysses bildete mit einem Teetablett die Nachhut.

»Wie geht es dir, Kind? Sollte ich besser Dr. Fentiman rufen lassen?« Sie runzelte die Stirn und legte Brianna ihre feingliedrige Hand auf die Stirn.

»Nein!« Brianna hatte Dr. Fentiman bereits kennengelernt, eine kleine, feuchtfingrige, groteske Gestalt von einem Mann, der ein starkes Vertrauen in Laugenkuren und Blutegel hegte; sein Anblick ließ sie erschauern. »Äh … nein. Danke, aber mir geht es wirklich wieder gut; mir ist nur einen Moment lang übel geworden.«

»Ah, gut.« Jocasta richtete ihre blinden Augen auf Lord John. »Seine Lordschaft reist morgen früh nach Wilmington; er würde dich gern sehen, wenn du dich wohl genug fühlst.«

»Ja, natürlich.« Sie setzte sich auf und ließ ihre Füße zu Boden schwingen. Also würde der Lord nicht bleiben; das würde Jocasta enttäuschen, sie selbst aber nicht. Dennoch, sie konnte noch ein Weilchen höflich sein.

Ulysses stellte das Tablett ab, schlich auf leisen Sohlen hinter ihrer Tante zur Tür hinaus und ließ sie allein.

Er zog einen bestickten Hocker herbei und setzte sich darauf, ohne auf eine Einladung zu warten.

»Geht es Euch wirklich gut, Miss Fraser? Ich hege nicht den Wunsch, Euch zwischen die Teetassen hingestreckt zu sehen.« Ein Lächeln zog an seinem Mundwinkel, und sie errötete.

»Wunderbar«, sagte sie kurz. »Wollt Ihr mir etwas mitteilen?«

Ihre Abruptheit störte ihn nicht.

»Ja, aber ich dachte, Ihr würdet es vielleicht vorziehen, wenn ich es nicht vor den Leuten erwähne. Ich habe gehört, Ihr interessiert Euch für den Aufenthaltsort eines Mannes namens Roger Wakefield?«

Sie hatte sich stark gefühlt; bei diesen Worten drohte der Anflug von Schwäche zurückzukehren.

»Ja. Woher wisst Ihr – wisst Ihr, wo er ist?«

»Nein.« Er sah die Veränderung in ihrem Gesicht und nahm ihre Hand zwischen die seinen. »Nein, es tut mir leid. Euer Vater hat mir geschrieben, vor etwa drei Monaten, und mich gebeten, ihm bei der Suche nach diesem Mann behilflich zu sein. Ihm war der Gedanke gekommen, dass Mr. Wakefield vielleicht zwangsrekrutiert worden war, als er sich in irgendeinem Hafen aufhielt, und dass er jetzt vielleicht auf einem der Schiffe Seiner Majestät auf See sein könnte. Er fragte, ob ich vielleicht meine Kontakte in Marinekreisen nutzen könnte, um herauszufinden, ob Mr. Wakefield in der Tat ein solches Schicksal zugestoßen ist.«

Eine erneute Welle der Schwäche durchlief sie, diesmal mit Bedauern versetzt, als sie begriff, welche Mühe sich ihr Vater gegeben hatte, um Roger für sie zu finden.

»Er ist auf keinem Schiff.«

Er sah überrascht aus, als er die Sicherheit in ihrem Tonfall hörte.

»Ich habe keinerlei Hinweise dafür gefunden, dass er irgendwo zwischen Jamestown und Charleston zwangsweise rekrutiert worden wäre. Doch es besteht die Möglichkeit, dass man ihn am Vorabend der Abreise ergriffen hat, in welchem Fall seine Anwesenheit in der Mannschaft erst registriert würde, wenn das Schiff einen Hafen anläuft. Das ist der Grund, weshalb ich morgen nach Wilmington reise, um Nachforschungen anzustellen –«

»Das braucht Ihr nicht. Ich weiß, wo er ist.« Mit so wenigen Worten wie möglich machte sie ihn mit den grundsätzlichen Fakten vertraut.

»Jamie – Euer Vater – das heißt, Eure Eltern – sind fortgegangen, um diesen Mann aus den Händen der Irokesen zu retten?« Mit erschüttertem Gesichtsausdruck drehte er sich um, goss zwei Tassen Tee ein und reichte ihr eine davon, ohne sie zu fragen, ob sie sie haben wollte.

Sie hielt die Tasse zwischen ihren Händen und fand schwachen Trost in der Wärme; doch noch mehr tröstete es sie, dass sie offen mit Lord John sprechen konnte.

»Ja. Ich wollte mit ihnen gehen, aber –«

»Ja, ich verstehe.« Er blickte auf ihren Bauch und hustete. »Ich nehme an, es besteht eine gewisse Dringlichkeit, Mr. Wakefield zu finden?«

Sie lachte unglücklich.

»Ich kann warten. Könnt Ihr mir etwas sagen, Lord John? Habt Ihr schon einmal von Handfasting gehört?«

Seine hellen Augenbrauen zogen sich kurz zusammen.

»Ja«, sagte er langsam. »Eine schottische Sitte der vorläufigen Eheschließung, nicht wahr?«

»Ja. Was ich wissen will, ist, hat es hier gesetzliche Gültigkeit?«

Er rieb sich das Kinn und dachte nach. Entweder hatte er sich noch vor kurzem rasiert oder einen spärlichen Bartwuchs; obwohl es schon spät war, sah man keine Spur von Bartstoppeln.

»Ich weiß es nicht«, sagte er schließlich. »Ich habe noch nie erlebt, dass diese Frage vom Gesetz aufgegriffen wurde. Allerdings sieht man einen Mann und eine Frau, die zusammen wohnen, im Allgemeinen sowieso als verheiratet an. Ich möchte meinen, dass Handfasting in diese Kategorie fällt, oder?«

»Könnte sein, abgesehen davon, dass wir ganz offensichtlich nicht zusammen wohnen«, sagte Brianna. Sie seufzte. »Ich betrachte mich als verheiratet – aber meine Tante nicht. Sie beharrt weiter darauf, dass Roger nicht zurückkehrt, oder falls doch, dass ich dann trotzdem nicht gesetzmäßig an ihn gebunden bin. Selbst nach der schottischen Sitte bin ich nicht länger als ein Jahr und einen Tag an ihn gebunden. Sie will einen Ehemann für mich aussuchen – und bei Gott, sie gibt sich alle Mühe! Ich dachte bei Eurem Auftauchen, Ihr wärt der neueste Kandidat.«

Lord John sah aus, als amüsierte ihn diese Idee.

»Oh. Das würde natürlich die merkwürdige Versammlung beim Abendessen erklären. Mir ist aufgefallen, dass dieser ausgesprochen rüstige Herr Alderdyce – ein Richter? – Euch seine Aufmerksamkeit weit über die normalen Grenzen der Höflichkeit hinweg zu widmen schien.«

»Das wird ihm auch viel nützen.« Brianna schnaubte kurz. »Ihr hättet die Blicke sehen sollen, die Mrs. Alderdyce mir während des ganzen Abendessens zugeworfen hat. Sie wird nicht zulassen, dass ihr erstgeborenes Lamm – Gott, er muss vierzig sein, wenn nicht älter – die örtliche Hure von Babylon heiratet. Ich wäre überrascht, wenn sie ihn jemals wieder über diese Schwelle treten lässt.« Sie klopfte auf ihren leicht gewölbten Bauch. »Ich glaube, dafür habe ich gesorgt.«

Eine Augenbraue hob sich, und Grey lächelte sie ironisch an. Er stellte seine Teetasse hin und griff nach der Sherrykaraffe und einem Glas.

»Ach ja? Nun, ich bewundere zwar die Kühnheit Eurer Strategie, Miss Fraser – darf ich Euch ›meine Liebe‹ nennen? –, aber ich bedauere, Euch davon in Kenntnis setzen zu müssen, dass Eure Taktik für das Terrain, auf dem Ihr sie einzusetzen versucht, nicht geeignet ist.«

»Was meint Ihr damit?«

Er lehnte sich auf seinem Sitz zurück, das Glas in der Hand, und betrachtete sie mitfühlend.

»Mrs. Alderdyce. Da ich nicht blind bin – wenn auch nicht annähernd so scharfsinnig wie Eure Tante –, ist mir in der Tat aufgefallen, wie sie Euch beobachtete. Doch ich fürchte, Ihr verkennt die Natur ihrer Beobachtungen.« Er schüttelte den Kopf und sah sie über den Rand seines Glases hinweg an, während er daran nippte.

»Auf keinen Fall der Blick empörter Respektabilität. Es ist Omilust.«

»Es ist was?«

»Omilust«, wiederholte er. Er setzte sich ebenfalls gerade hin und goss sein Glas vorsichtig mit der goldenen Flüssigkeit voll. »Ihr wisst schon; das dringende Bedürfnis einer älteren Frau, Enkelkinder auf ihrem Knie zu schaukeln, sie mit Süßigkeiten zu verwöhnen und sie ganz allgemein zu verderben.« Er hob das Glas an seine Nase und atmete ehrfurchtsvoll die Dämpfe ein. »Oh, Ambrosia. Ich habe schon mindestens zwei Jahre keinen anständigen Sherry mehr getrunken.«

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