Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Das Mädchen sprach zu Ende, den Blick auf ihre Großmutter gerichtet. Es stimmte offenbar; sie hörte diese Geschichte zum ersten Mal.
Ich schluckte und versuchte, ungehindert Luft zu holen. Der Rauch war während ihrer Erzählung versiegt und hatte sich in einer tiefhängenden Wolke über unseren Köpfen gesammelt, sein narkotisches Parfüm lag schwer in der Luft.
Die Heiterkeit im Kreis der Trinker hatte nachgelassen. Einer der Männer stand auf und ging stolpernd aus dem Haus. Zwei weitere lagen im Halbschlaf auf der Seite am Feuer.
»Und dies?«, sagte ich und hielt ihr den Opal hin. »Habt Ihr den Stein schon einmal gesehen? Hat er ihm gehört?«
Tewaktenyonh streckte die Hand aus, als wollte sie den Stein berühren, zog sie dann aber zurück.
»Es gibt eine Legende«, sagte das Mädchen, ohne den Blick von dem Opal abzuwenden. »Magische Schlangen tragen Steine in ihren Köpfen. Wer eine solche Schlange tötet und den Stein an sich nimmt, dem verleiht er große Kraft.« Sie rutschte beklommen hin und her, und genau wie sie konnte ich mir ohne Probleme vorstellen, wie groß eine Schlange sein musste, die einen solchen Stein in sich trug.
Die Alte sprach plötzlich und wies kopfnickend auf den Stein. Das Mädchen fuhr auf, wiederholte aber gehorsam die Worte.
»Es war seiner«, sagte sie. »Er nannte ihn seine Far-ka.«
Ich sah die Dolmetscherin an, doch sie schüttelte den Kopf. »Far-ka«, sagte sie ganz deutlich. »Ist das kein Wort aus Eurer Sprache?«
Ich schüttelte den Kopf.
Nach dem Ende ihrer Erzählung lehnte sich die alte Frau in ihre Felle zurück und beobachtete mich voller Spekulation. Ihr Blick ruhte auf dem Amulett um meinen Hals.
»Warum hat er zu Euch gesprochen? Warum hat er Euch das gegeben?« Sie wies kopfnickend auf meine Hand, und meine Finger schlossen sich instinktiv um den gerundeten Opal.
»Ich weiß es nicht«, sagte ich, aber sie hatte mich überrumpelt; ich hatte keine Zeit gehabt, mein Gesicht vorzubereiten.
Sie fixierte mich mit einem durchdringenden Blick. Sie wusste genau, dass ich log – und doch, wie hätte ich ihr die Wahrheit sagen sollen? Ihr sagen sollen, was Otterzahn – wie auch immer er wirklich hieß – gewesen war? Ganz zu schweigen davon, dass seine Prophezeiungen wahr waren?
»Ich glaube, er gehörte vielleicht zu meiner … Familie«, sagte ich schließlich und erinnerte mich daran, was mir Pollyanne über die Geister der Vorfahren erzählt hatte. Es war nicht zu sagen, woher – oder aus welcher Zeit – er gekommen war; ich nahm an, dass er ein Vorfahr oder ein Nachkomme sein musste. Wenn nicht von mir, dann von jemandem wie mir.
Bei diesen Worten setzte sich Tewaktenyonh kerzengerade auf und sah mich erstaunt an. Langsam verblasste der Ausdruck, und sie nickte.
»Er hat Euch zu mir geschickt, damit Ihr dies hört. Er hatte unrecht«, erklärte sie selbstsicher. »Mein Bruder hat gesagt, wir sollten nicht von ihm sprechen; wir sollten ihn dem Vergessen anheimfallen lassen. Aber niemand ist vergessen, solange es noch zwei Menschen unter dem Himmel gibt. Einen, um seine Geschichte zu erzählen, den anderen, um sie zu hören. Also.«
Sie streckte die Hand aus und berührte die meine, achtete aber darauf, nicht an den Stein zu kommen. Das feuchte Glitzern in ihren Augen hätte vom Tabakrauch stammen können.
»Ich bin der eine. Ihr der andere. Er ist unvergessen.«
Sie winkte dem Mädchen, das sich schweigend erhob und uns Speisen und Getränke brachte.
Als ich schließlich aufstand, warf ich einen Blick auf das Trinkgelage. Der Boden war mit schnarchenden Gestalten übersät, und das Fass lag leer auf der Seite. Zwei Speere lag friedlich auf dem Rücken, und ein seliges Lächeln vertiefte die Falten in seinem Gesicht. Das Mädchen, Ian und Jamie waren fort.
Jamie stand vor dem Haus und wartete auf mich. Sein Atem stieg weiß in der Nachtluft auf, und aus seinem Plaid wehten mir Tabak- und Whiskygerüche entgegen.
»Ihr scheint euch amüsiert zu haben«, sagte ich und ergriff seinen Arm. »Irgendwelche Fortschritte, was meinst du?«
»Ich glaube schon.« Wir gingen Seite an Seite an der großen zentralen Lichtung entlang zu dem Langhaus, in dem unser Quartier war. »Es hat gut funktioniert. Ian hatte recht, Gott sei Dank; jetzt, wo sie gesehen haben, dass dieses kleine Ceilidh keinen Schaden angerichtet hat, werden sie, glaube ich, geneigt sein, sich auf den Handel einzulassen.«
Ich blickte auf die Reihe der Langhäuser, die dahintreibenden Rauchwolken und den Feuerschein, der aus Rauchabzügen und Türeingängen drang. War Roger jetzt in einem davon? Ich zählte mechanisch, wie ich es jeden Tag tat – sieben Monate. Der Boden taute jetzt; wenn wir einen Teil des Weges auf dem Fluss zurücklegten, konnten wir es vielleicht in einem Monat schaffen – höchstens sechs Wochen. Ja, wenn wir bald aufbrachen, würden wir rechtzeitig kommen.
»Und du, Sassenach? Du scheinst eine sehr ernste Unterhaltung mit der alten Dame gehabt zu haben. Hat sie etwas von dem Stein gewusst?«
»Ja. Komm herein, und ich erzähl’s dir.«
Er hob das Fell an, das vor der Tür hing, und ich trat ein. Der Opal lag als solides Gewicht in meiner Hand. Sie hatten nicht verstanden, wie er ihn genannt hatte, aber ich wusste es. Der Mann namens Otterzahn, der gekommen war, um einen Krieg zu beginnen, eine Nation zu retten – mit Silberfüllungen in seinen Zähnen. Ja, ich wusste, was sie war, die Far-ka.
Seine unbenutzte Rückfahrkarte. Mein Erbe.
Kapitel 58
Lord John kehrt zurück
River Run
März 1770
Phaedre hatte ihr ein Kleid gebracht, eins von Jocastas Gewändern, gelbe Seide, sehr weiter Rock.
»Heute Abend haben wir bessere Gesellschaft als nur den alten Mr. Cooper oder den Anwalt Forbes«, sagte Phaedre voller Genugtuung. »Wir kriegen ’nen echten, lebendigen Lord, was sagt Ihr dazu?«
Sie ließ eine gigantische Stoffladung auf das Bett sinken und begann, an den rauschenden Wogen herumzuzupfen, wobei sie Anweisungen erteilte wie ein Ausbildungsoffizier.
»Also, ausziehen und das Korsett hier anziehen. Ihr braucht was Kräftigeres, um den Bauch flach zu drücken. Nur ’ne Hinterwäldlerin lässt sich ohne Korsett sehen. Wär Eure Tante nicht blind wie ’n Maulwurf, sie hätt Euch schon lange anständig ausstaffiert – schon lange. Dann die Strümpfe und Strumpfbänder anziehen – sind die nicht hübsch? Das Paar mit den kleinen Blättchen drauf hat mir schon immer gefallen – dann binden wir die Unterröcke um, und dann …«
»Was für ein Lord?« Brianna ergriff das Korsett, das ihr entgegengehalten wurde, und sah es stirnrunzelnd an. »Mein Gott, was ist das, Walfischbein?«
»Hm-mm. Bei Miss Jo gibt’s kein billiges Blech oder Eisen, ganz bestimmt nicht.« Phaedre wühlte wie ein Terrier in den Kleidungsstücken herum und brummte stirnrunzelnd vor sich hin. »Wo ist denn das Strumpfband hin?«
»Ich brauche das nicht. Und was ist das für ein Lord, der da kommt?«
Phaedre richtete sich auf und starrte Brianna über die Falten aus gelber Seide hinweg an.
»Braucht das nicht?«, sagte sie missbilligend. »Mit einem Sechsmonatsbauch? Wie stellt Ihr Euch das vor, Mädchen, ganz aufgequollen zum Abendessen gehen, und ein Lord sitzt bei der Suppe und glotzt Euch durch sein Monokel an?«
Bei dieser Beschreibung musste Brianna einfach lächeln, doch sie antwortete trotzdem mit beträchtlicher Trockenheit.
»Was macht das schon für einen Unterschied? Der ganze Distrikt weiß doch inzwischen, dass ich ein Baby bekomme. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Wanderprediger – Mr. Urmstone, nicht wahr? – schon eine Predigt im Hinterland über mich gehalten hätte.«